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  #1  
Alt 08.05.2019, 16:36
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Standard Kaufmannszeichen werden zu Siegeln und Wappenbildern

Hallo zusammen!

Ich habe gelegentlich mal verschiedene "Zeichen" gesammelt, die in meiner Familie im 15. Jahrhundert vorkommen und diese Zeichen zum Vergleich in "Reinschrift" dargestellt.

Zunächst einmal zwei nahezu identische Kaufmannszeichen, welche in einer hansischen Urkunde vorkommen und die (verlorengegangenen) Waren der Brüder Tilman und Hermen Questenberg kennzeichnen. Tilman war zu der Zeit in Köln tätig, während Hermen in Danzig lebte. Beide Brüder kommen, gemeinsam mit vier weiteren Brüdern, bereits in einem Lehnsbrief aus dem Jahre 1426 vor. Hier heißen sie Tile Botel, genannt Questenberg und Hermen Botel. Leider ist dieser Lehnsbrief nur in zwei Abschriften erhalten, die mehr als 200 Jahre später angefertigt wurden, so daß keine Siegel erhalten sind (falls es denn welche gab).

Eine Urkunde aus dem Jahre 1453 wird unter anderem von demselben Hermen Questenberg, "anders geheten Botel" und "borger tho Dantzke", besiegelt. Sein Siegel ähnelt seinem Kaufmannszeichen von 1432. Es gibt einige kleine Unterschiede, aber die Grundstruktur ist dieselbe.

Im Rahmen desselben Rechtsgeschäfts, jedoch in einer anderen Urkunde, siegeln die Brüder Hinrik und Tile Botel, Neffen des Hermen, also die Söhne eines der Brüder aus dem Lehnsbrief von 1426, jeder für sich, aber mit identischem Siegel. Auch dieses Siegel ähnelt sehr den Kaufmannszeichen von 1432.

Zuletzt haben wir das Siegel Conrat Questenborchs, Bürger und Schöffen zu Deventer, welches wieder anders aussieht, aber auch dieselbe Basis zu haben scheint. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist Conrat der Sohn eines weiteren Bruders aus dem Lehnsbrief, möglicherweise sogar der Bruder Hinriks und Tiles.

Ich finde es sehr spannend, daß ein Kaufmannszeichen zum Siegel geworden ist. Während die Siegel von 1453 jeweils nicht mehr als das Zeichen mit entsprechender Umschrift zeigen, haben wir das Zeichen Conrats sogar schon in einem Wappenschild.

Was mögen die kleinen Unterschiede zu bedeuten haben? Dienen sie der Unterscheidung der einzelnen Personen? Warum führen dann die Brüder Tile und Hinrik dasselbe Zeichen?

Viele Grüße
consanguineus
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Geändert von consanguineus (08.05.2019 um 16:46 Uhr)
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  #2  
Alt 08.05.2019, 21:22
Pauli s ucht Pauli s ucht ist offline männlich
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Hallo consanguineus,
da ich seit längerem auf der Suche nach der Hausmarke meiner Ahnen (Hauswirt) bin, so es sie denn gibt, habe ich in Erinnerung folgendes gelesen zu haben.
Die Söhne desselben Hofes übernahmen das Hauszeichen, manchmal fügten sie kleine Veränderungen in Form eines zusätzlichen Striches ein um sich vom Vorfahren/Bruder zu unterscheiden.

So meine Erinnerung.
Ich schaue am Wochenende mal wo ich den Artikel abgelegt hat.

Hausmarke und wie von Dir betitelt Kaufmannszeichen sehe ich als gleichrangig bzw. identisch an.

Grüße
Pauli
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  #3  
Alt 09.05.2019, 00:09
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo Pauli,

vielen Dank für Deine Antwort! Ich verwende den Begriff Kaufmannszeichen deshalb, weil es in diesen Fällen tatsächlich eines war. Die aufgeführten Personen betätigten sich als (Fern-)Kaufleute und mußten ihre Waren kennzeichnen damit sie zweifelsfrei zugeordnet werden konnetn. Einen Bauernhof, zu dem ein Hauszeichen hätte gehört haben können, hatten Brüder bzw. deren Erben nicht. Sie hatten zwar zur gesamten Hand Lehnsbesitz und eine dazugehörige "Burg", lebten dort jedoch nicht. Auch kann ich mir nicht vorstellen, daß diese Burg ein Hauszeichen gehabt hat. Zu welchem Zweck? Es war halt "die Borg" und jeder wußte, was gemeint war.

Die Sache mit dem Hinzufügen und Weglassen von Details zur Unterscheidung einzelner Personen finde ich sehr interessant. Aber warum hat dann Hermen Questenberg zwei verschiedene Zeichen, andererseits Hinrik und Tile dasselbe Zeichen?

Ich stecke in der Materie nicht wirklich drin. Vielleicht weiß ein anderer User mehr...

Viele Grüße
consanguineus
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  #4  
Alt 09.05.2019, 18:21
Pauli s ucht Pauli s ucht ist offline männlich
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Hallo consanguineus,

wie Du schon erwähntest waren die Zeichen dafür gedacht um Dinge Jemanden zuordnen zu können da ja die Schriftkunst noch nicht so verbreitet war. Sie waren ohne Schriftkenntnis von Jedermann einfach produzierbar (zB einritzen) So wurden die Zeichen dazu genutzt, ich beziehe mich wieder auf die Landwirte, um z.B. Kornsäcke, die abgeliefert wurden, einwandfrei zuordnen zu können. Später wurden die Zeichen auch auf Gerät etc. verwendet.
Ich vermute hier die Parallele zu Deinen Kaufmannszeichen.

Warum 2 Brüder dasselbe Zeichen hatten kann ich nicht sagen.
Vermutung, wenn sie räumlich getrennt waren, war es ja problemlos sie zu unterscheiden, ggf. hat einer das Zeichen mitgenommen. Die anderen vor Ort mussten sich was einfallen lassen und haben das Zeichen verändert.

Bei der Burg wäre es denkbar das sie belehnt war und Güter abgeben musste.

Wie gesagt viel Spekulation aber vielleicht findet sich ja noch ein richtiger Fachmann.

Viele Grüße
Pauli
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  #5  
Alt 09.05.2019, 18:48
Pauli s ucht Pauli s ucht ist offline männlich
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http://www.lexikus.de/bibliothek/Ueb...in-Mecklenburg

Sehr interessant:
http://www.emslaendischer-heimatbund...Hausmarken.pdf
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  #6  
Alt 09.05.2019, 22:33
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Hallo Pauli,

das sind super interessante Links! Hab vielen Dank dafür!

Viele Grüße
consanguineus
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