#11  
Alt 11.06.2018, 07:57
Gerrit Gerrit ist gerade online männlich
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Hallo Bernd,

ja, ich denke auch, dass man im Falle meiner Uroma dennoch von Glück reden muss - auch wenn sie und mein Opa das sicherlich anders sahen. Der Lokalpatriotismus meines Opas war legendär; zwischen Glasbildern von schlesischen Wappen, hingen katholische Heiligenbilder und auf der Fensterbank stand seine Sammlung von Panzern, die er mal gefahren war (Pz. Reg. 15 in Sagan).

Ich habe mich inzwischen - auch dank der o.a. Links - etwas in die Thematik eingelesen. Man muss von Glück sagen, wenn man mit dem Leben und ein bisschen Hab und Gut davonkam. Bei den Aussiedlungen in den 1950er und 1960 Jahren war in der Tat die Frist zwischen "Antrag bewilligt" und "jetzt aber raus" sehr kurz.

In meinem konreten Familienfall war der Vorlauf wohl etwas länger - aber vermutlich zu kurz, um noch in lange Kaufpreisverhandlungen einzutreten. Zudem war Uroma zu diesem Zeitpunkt auch schon rd. 70 Jahre alt und recht krank.

Wie furchtbar für den Kollegen - gerade wenn man bedenkt, dass dann schon wieder 30 Jahre vergangen waren und die Menschheit nicht dazugelernt hat. Ich hatte schon davon gelesen, dass ethnisch Deutsche (und natürlich auch viele andere) in der Sowjetunion im Alltag und gegenüber Behörden oft nicht gleichgestellt waren. Dabei waren es ja genau diese Nachfahren von Einwanderern, die unter den Zaren auch ihren Anteil am Aufbau des Landes geleistet hatten (Wolhyniendeutsche, Wolgadeutsche etc.)

VG

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  #12  
Alt 11.06.2018, 22:20
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Leider lernt die Menschheit nichts aus den Kriegen der Vergangenheit, den Flucht und Vertreibung sind heute mehr denn je an der Tagesordnung geprägt von einem Nationalismus, der bedenklich ist.....

Ich bin auch ein Nachkommen einer aus Schlesien vertriebenen Familie und tief drinnen habe ich so ein Gen in mir....

Gruß
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  #13  
Alt 13.06.2018, 08:01
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Zitat:
Zitat von Matthias Möser Beitrag anzeigen
Leider lernt die Menschheit nichts aus den Kriegen der Vergangenheit, den Flucht und Vertreibung sind heute mehr denn je an der Tagesordnung geprägt von einem Nationalismus, der bedenklich ist.....
Das kann man nur unterschreiben!

Für die Interessierten; gestern erhielt ich weitere Unterlagen von meiner Tante zum o.g. Thema; darunter eine eidesstattliche Erklärung meiner Uroma:
Uroma hielt 1952 nach Halle (Saale), ihr Neffe Franz forderte während ihrer Abwesenheit vom polnischen Staat die Überlassung des Hofes (1), erhielt diesen auch und zog dort ein.
Sie kehrte zurück und klagte gegen die Enteignung. Sie erhielt nach 2 Jahren recht, aber der Neffe erhielt einen Anspruch auf Entschädigung in Höhe von PLN 40.000 (2). Diese konnte sie aber nicht bezahlen. So wurde ein "Schenkungsvertrag" z.G. eines anderen Neffen (Max) oder Großneffen aufgesetzt, der die Übernahme der Verbindlichkeit, Wohnrecht und Fürsorge beinhaltete. Max bezahlte zwar einen Teil der Schuld, kam aber den sonstigen Verpflichtungen nicht nach. Meine streitlustige Uroma verklagte auch erfolgreich Max. Dummerweise waren damit die Restforderung an Franz und auch die Rückabwicklung des Schenkungsvertrages und die Vorleistung von Max verbunden... Ergebnis PLN 69.000 Schulden und nur eine kleine Witwenrente. Sie stellte den Ausreiseantrag, der aber nur unter der Maßgabe bewilligt wurde, dass sie keine Schulden hinterlässt. Der Rest ist bekannt.

(1) Auf welcher Grundlage dieses geschah, entzieht sich meiner Kenntniss des polnischen Rechtssystems im Umgang mit ehtnischen Deutschen
(2) Wie viel das in damaliger DM bzw. Kaufkraft war, konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden


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