#1  
Alt 29.10.2017, 11:50
Scherfer Scherfer ist offline
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Standard Unsere Ahnen und die Reformation

Liebe Genealogamin-Abhängigen,

übermorgen ist ja bekanntermaßen das festgesetzte Datum für das große Reformationsjubiläum. Das nehme ich mal zum Anlass, um die Frage in die Runde zu werfen, welche eurer direkten Vorfahren und deren Geschwistern in einem besonderen Bezug zur Reformation standen. Persönlich finde ich es immer spannend, die eigenen Vorfahren in der Geschichte ihrer Zeit zu sehen und wie sie auch ihren Anteil an der Weiterentwicklung unserer Welt hatten. Gerade die Reformation ist einer jener revolutionären Prozesse, bei denen ich das besonders interessant finde. Ich mache mal den Anfang mit vier meiner Vorfahren:

1) Friedrich III. von Thüna (ca. 1464-1535; meine 13. Vorfahrengeneration)
Er war geheimer kursächsischer Rat Friedrichs des Weisen von Sachsen und ging in dieser Funktion alleine oder mit seinem Fürsten auf mehrere Reichstage. So begleitete er 1518 seinen Fürsten auf den Reichstag nach Augsburg (wohin Luther zum Verhör geladen worden war) und 1521 auf den berühmten Reichstag nach Worms (auf den wiederum Luther geladen worden war) und hielt noch 1530 hochbetagt vor Kaiser Karl V. eine mehrstündige Oratio für die lutherische Lehre. Er war Luthers heimlicher Beschützer und vermutlich auch in dessen "Entführung" auf die Wartburg involviert.

2) Hans von Waldenfels (1488-1569; meine 14. Vorfahrengeneration)
Als Untergebener des Markgrafen Albrecht von Brandenburg führte Ritter Hans von Waldenfels zu Lichtenberg 1528 die Reformation in seiner Herrschaft Lichtenberg und im gesamten übrigen Herrschaftsgebiet ein. Er nahm auch als markgräflicher Rat und Mitabgeordneter des Markgrafen an der Zusammenkunft deutscher Fürsten und einiger Städte in Schmalkalden in Thüringen teil, wo diese sich am 27. Februar 1531 zur Verteidigung des evangelischen Glaubens und gegen die Politik Kaiser Karl V. (römisch-deutscher Kaiser von 1519 bis 1556) zu einem Bündnis, dem "Schmalkaldischen Bund" zusammenschlossen.
[Eine Urenkelin des Hans von Waldenfels und ein Enkel des oben genannten Friedrich von Thüna heirateten und sind meine Vorfahren.]

3) Caspar von Watzdorf (1482-1535; meine 15. Vorfahrengeneration)
Er war Mansfelder Baurat und setzte sich für den Freispruch seiner Kusine Florentina von Oberweimar (deren Mutter eine von Watzdorf) wegen Klosteraustritts ein. Mit sechs Jahren von ihrer Familie ins Kloster abgegeben, kam diese Florentine von Oberweimar als junge Frau mit den neuen Lehren Martin Luthers in Kontakt, versuchte mehrfach zu fliehen und wurde hart bestraft. „Wenn man eine Wahrheit erkannt hat und nichts ändert, ist das der direkte Weg zur Hölle“, sollen ihre Worte gewesen sein. Luther kommentierte und veröffentlichte ihre Rechtfertigungsschrift als Flugblatt.
Caspar von Watzdorf besuchte mehrere Universitäten und erwarb sich eine große Gelehrsamkeit,die für die Politik Graf Albrechts IV. , besonders in der Reformationszeit von ausschlaggebender Bedeutung war. Luther hatte ihm viel zu verdanken und hat ihn hoch verehrt, er widmete ihm auch 1520 seine Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation".

4) Hermann (Hieronymus) Mühlpfordt (ca. 1486-20.8.1534; meine 16. Vorfahrengeneration)
Er war Tuchhändler, 1510 Ratsheer in Zwickau und 1521 Bürgermeister zu Zwickau. Martin Luther widmete ihm 1520 seine Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Vom 28.04.-03.05.1522 lebte Martin Luther im Haus seines Freundes Hermann Mühlpfordt. Auf Bitten des Zwickauer Rates predigte Luther am 1. Mai 1522 aus dem Zwickauer Rathausfenster (ca. 14000 Zuhörer).


Nun bin ich gespannt, welche eurer Vorfahren ebenfalls auf die eine oder andere Weise im Zusammenhang mit der Reformation standen!

Geändert von Scherfer (29.10.2017 um 12:54 Uhr)
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  #2  
Alt 29.10.2017, 16:10
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Moin Scherfer,

als ersten kann ich Deinen Mühlpfordt nehmen (wobei meine Kenntnis bisher nur auf Sekundärquellen beruht).

Der zweite ist (den hast Du auch) Bischof Franz von Waldeck. Der ist vor allem dadurch bekannt geworden, daß er, obwohl der Reformation zugetan, als katholischer Bischof gegen die Wiedertäufer kämpfen mußte.

Friedrich
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  #3  
Alt 29.10.2017, 16:17
Scherfer Scherfer ist offline
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Zitat:
Zitat von Friedrich Beitrag anzeigen
als ersten kann ich Deinen Mühlpfordt nehmen (wobei meine Kenntnis bisher nur auf Sekundärquellen beruht).
...über den übrigens im Dezember 2017 ein neues Buch erscheinen wird:

http://www.mitteldeutscherverlag.de/...86-1534-detail

Geändert von Scherfer (29.10.2017 um 16:18 Uhr)
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  #4  
Alt 29.10.2017, 19:49
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Hallo zusammen, hallo Scherfer,

anlässlich des nahenden 500. Jahrestages der Reformation handelt es sich um eine interessante und dem Jubiläum angemessene Frage, ob direkte Vorfahren oder deren Geschwister in einem besonderen Zusammenhang mit der Reformation standen.

Bei mir ist es mein Ahnenurgroßvater (13-fach Ur; 16. Generation), der Leibarzt und Stadtphysicus von Nürnberg Dr. med. Johann Heinrich Magenbuch (*Blaubeuren um 1487, +Eichstätt 14.10.1546). Denn er hat an der Universität in Wittenberg studiert und kannte Martin Luther persönlich, welchen er später auch ärztlich beraten hatte.
vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Magenbuch

Allerdings ist die Fragestellung insoweit begrifflich unkonkret, als dass nach „einem besonderen Bezug zur Reformation“ gefragt wird. Fraglich ist also, wann die Voraussetzung eines besonderen Bezuges erfüllt ist. Muss ein persönlicher Bezug zu Martin Luther bestehen oder reicht ein Bezug zu Personen aus seinem Umfeld aus oder – was m.E. sinnvoll ist und meinem Verständnis entspricht – zählt jeder örtliche Pfarrer mit, welcher die Reformation in seinem Kirchspiel eingeführt hat?

Viele Grüße
Ralf
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  #5  
Alt 29.10.2017, 19:56
Scherfer Scherfer ist offline
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Hallo Ralf,

danke für Deine Antwort! Wenn meine Fragestellung unkonret erscheint, so ist das auch so beabsichtigt. Ich lasse jedem die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob und wie der Bezug zur Reformation gegeben ist, auf eine weitere Beschränkung habe ich keine Lust. Ich hoffe hier schlicht auf interessante Geschichten und die haben sicher viele zu erzählen.
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  #6  
Alt 31.10.2017, 07:29
Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
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Guten Morgen zusammen,

zur Feier des Tages: Das Stichwort Luther kommt über 200 Mal in meiner Ahnenliste vor. Einige Eindrücke alphabetisch:

- Paulus von Berge schickt Luther 1538 einen Lachs
- Margaretha Blankenfelde, Luther schreibt 1525 für sie und ihre Schwestern einen Bittbrief
- Christian Döring, ihr Schwager, leiht Luther 1521 den Wagen für die Fahrt nach Worms
- Christoph von Broke 1592 mit Luthers Großnichte verheiratet
- Barbara Buchner, Tante, und ihr Mann 1546 Luthers letzte Wirtsleute in Eisleben
- Wolf Buchner, Onkel, u. a. seinetwegen reiste Luther 1546 nach Eisleben
- Dr. Philipp Drachstedt, in seinem ehemaligen Haus starb Luther
- Dr. Chilian Goldstein der Jüngere 1527 von Luther getauft
- Leonhard Koppe befreit 1523 Luthers spätere Ehefrau und weitere Nonnen aus dem Kloster und wird 1525 von diesem persönlich zur seiner Hochzeit eingeladen
- Ambrosius Laub, für ihn schreibt Luther 1537 einen Bittbrief
- Caspar Löner begleitet Luther 1518 auf dem Weg nach Augsburg bis Nürnberg
- N.N. Meme, Tante, ist mit Luthers Bruder Jacob verheiratet
- Johann Wilhelm Reifenstein, Onkel, Luthers Tischgenosse in Wittenberg

Es grüßt der Alte Mansfelder
__________________
Gesucht:
- Albrecht, Gottfried, Ziegeldecker aus Aschersleben, oo wo? v. 1791
- Beilcke, Joh. Caspar, Schafmeister Südharz, oo wo? um/v. 1767
- Blendor, Blandor(t), Joh. Christian, zul. Unteroffizier, *?/oo v. 1762/+ v. 1793 wo?
- Daume, Daniel *wo? (1716), zul. Erbmüller in Stangerode
- Kaur, Johann, 1815 Soldat Magdeburger Garnison, Schneider, */oo/+ wo?
- Knispel, Michael, oo wo? um/v. 1812 (Prov. Posen) Anna Rosina Linke
- Stahmer, Jacob *wo? (1767), Soldat, zul. in Aschersleben
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  #7  
Alt 31.10.2017, 09:41
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Friedrich Friedrich ist offline männlich
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Moin Alter Manfelder,

da könntest Du aber wenigstens einen ausgeben! Deine Ahnen sind Luther ja permanent über den Weg gelaufen.

Was den Bruder Jakob Luther angeht: Geht man nicht mittlerweile davon aus, daß er ein direkter Vorfahr von Hans Luther ist, einem der vielen Reichskanzler aus der Weimarer Republik?

Friedrich
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  #8  
Alt 31.10.2017, 12:12
Basil Basil ist offline männlich
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Moin zusammen,

da es dir, Scherfer, um Geschichten rund um Martin Luther und die Reformation geht, erzähle ich mal meine Geschichte. Vielleicht ergibt sich daraus die eine oder andere Idee oder ein Kontakt.

Laut der Forschung meines Urgroßvaters ist ein Onkel von Martin Luther, Hans Luther (der Kleine), ein Vorfahr in der 16. Vorfahrengeneration. Mein Urgroßvater griff damals (1931) bei diesem Teil der Familie auf Forschungen des Ingenieurs Werner Feder aus Neu-Rössen (Leuna) zurück, dessen Ehefrau (FN Partheil u. Ritter) von diesem Zweig der Luther-Verwandtschaft abstammte.

Vor einigen Jahren wollte ich das Ganze mit Hilfe der Luther Nachkommenbücher überprüfen. Leider endet in dem Buch Luthers Seitenverwandte von 1984 die Linie zwischen Hans Luther und meiner Familie in der 10. Vorfahrengeneration mit dem thüringer Theologen Johann Andreas Schrön, der ab 1699 Superintendent zu Heldrungen und ab 1706 desgl. zu Freyburg/Unstrut war. Sein Sohn Gustav August Schrön, der 1730-1780 Pfarrer in Leißling war, fehlt in dem Buch und damit auch die weiteren Nachkommen. Eine Nachfrage bei der Lutheriden-Vereinigung bzgl. neuer Erkenntnisse, auch wegen einer angeblichen neuen Ausgabe Die Seitenverwandten von D. Martin Luther, F. Damm von 2005, war langwierig und leider ohne neue Informationen.

Gruß Basil
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  #9  
Alt 31.10.2017, 19:24
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Zitat:
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Moin Alter Manfelder,

da könntest Du aber wenigstens einen ausgeben! Deine Ahnen sind Luther ja permanent über den Weg gelaufen.

Was den Bruder Jakob Luther angeht: Geht man nicht mittlerweile davon aus, daß er ein direkter Vorfahr von Hans Luther ist, einem der vielen Reichskanzler aus der Weimarer Republik?

FDriedrich
Da muß ich Friedrich schon Recht geben, das ist ja Luther pur!!! Aber immerhin war ich schon mal auf der Wartburg in seiner Kammer

Gruß
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Alt 31.10.2017, 20:13
Scherfer Scherfer ist offline
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Danke für eure Antworten! In der Tat, Alter Mansfelder, diese Liste ist beeindruckend! Aber bei dem Avatar-Namen vielleicht auch nicht weiter verwunderlich...

Mir ist gerade aufgefallen, dass ich einen nicht unbedeutenden meiner Vorfahren nicht aufgelistet habe:

5) Georg Schwartzerdt (1501-1564; 15. Vorfahrengeneration)
Er war der Bruder des Philipp Schwartzerdt, besser bekannt als Melanchthon. Zu seinem Bruder ist bezüglich der Verbindung zur Reformation wohl nicht viel zu sagen, da man es überall nachlesen kann. Georg besuchte zusammen mit seinem Bruder Philipp die Lateinschule in Pforzheim und stand mit ihm zeitlebens in engem Kontakt. Georg wurde Schultheiß und später Bürgermeister seiner Heimatstadt Bretten. Georg war Anhänger der Reformation, interessant ist aber, dass er - anders als man beim Verhältnis seines Bruders Melanchthon zu Luther erwarten könnte, wenn man die gleichzeitig enge Verbindung der Brüder Schwartzerdt bedenkt - Luther sehr als Reformator verehrte, seinen Bruder Philipp aber nur zweimal in diesem Zusammenhang nennt.

Geändert von Scherfer (31.10.2017 um 20:14 Uhr)
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