#1  
Alt 21.07.2020, 14:59
Julchen53 Julchen53 ist offline weiblich
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Hallo zusammen,

wann hat man eigentlich begonnen, den Monatsnamen auch als Zahl zu schreiben?.
Ich kam darauf, weil ich einige Hochzeiten am 11 Nov 1911 (11.11.11.) eingetragen hatte. So ein Datum würden sich heutzutage viele Brautpaare wünschen, aber mit ausgeschriebenem Monat ist der Effekt ja weg.


Und wann begann man bzw. wurde es möglich, sich ein Wunschdatum auszusuchen?
Klar, früher hatten die Leute andere Sorgen, und ich behaupte ja immer, das hätten die Männer erfunden, weil sie sich dann den Hochzeitstag besser merken können .

Viele Grüße
Jutta
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  #2  
Alt 21.07.2020, 15:37
pascho pascho ist offline
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Also zumindest für Katholische Gegenden war das mit dem Wunschdatum so eine Sache. Z.B. in den 40 Tagen vor Ostern und im Advent durfte eigentlich gar nicht geheiratet werden (obwohl ich eine Trauung im Gelderland habe die explizit auf "Advent 1755" datiert ist, aber da weiß ich nicht ob drängende Umstände vorlagen). Diese Regel ist allerdings schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr aktuell.


Daneben wird es äußere Zwänge (Heumahd, Getreideernte, Viehtrieb, Fischereischiffahrt, Wanderarbeit) gegeben haben, die die Terminwahl einschränkten.
__________________
Viele Grüße Pascal
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  #3  
Alt 21.07.2020, 16:16
Benutzerbild von Garfield
Garfield Garfield ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von Julchen53 Beitrag anzeigen
Und wann begann man bzw. wurde es möglich, sich ein Wunschdatum auszusuchen?
Klar, früher hatten die Leute andere Sorgen, und ich behaupte ja immer, das hätten die Männer erfunden, weil sie sich dann den Hochzeitstag besser merken können .

Viele Grüße
Jutta
Hallo

Meine Eltern haben 1982 in Italien katholisch geheiratet. Laut Erzählungen von meiner Mutter muss die Suche nach einem passenden Datum ein kleineres Drama gewesen sein. Denn einerseits gibt / gab die katholische Kirche vor, dass in der Fastenzeit und an hohen Feiertagen nicht geheiratet werden darf, bei uns natürlich auch nicht am Heiligenfest (jährlich 25.-27. Mai). Ich vermute, es gibt da noch ein paar weitere Tage zu Ehren von Heiligen, an denen lokal auch nicht geheiratet werden sollte, aber das ist nur eine Vermutung von mir.
Dann weiter wollte die ältere Generation natürlich nicht, dass an einem Datum geheiratet wird, bei dem die Zahl Pech bringt und dann war natürlich noch "Sommer" und "Wochenende" gewünscht.
Die Wahl fiel dann offenbar auf einen Samstag im Juni, so dass alle zufrieden waren.
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  #4  
Alt 21.07.2020, 17:40
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hallo
es wurde früher gerne am Geburtstag geheiratet, oder am gleichen Tag eines anderen Monats.

Wunschdatum gab es also schon in der frühen Neuzeit.
__________________
Viele Grüße
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  #5  
Alt 22.07.2020, 07:32
Julchen53 Julchen53 ist offline weiblich
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Ich übertrage viele Daten aus evangelischen Kirchenbüchern, und war etwas verwundert, dass etwa ab 1900 nicht mehr am 24.12. oder 31.12. geheiratet wurde. Das war in der Zeit davor ein beliebtes Datum.
Man merkte auch, das viele Trauungen Sonntags stattfanden (7er Schritte beim Datum) , sicherlich war da der Gottesdienst feierlicher als an den Werktagen. Auch das änderte sich plötzlich.
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  #6  
Alt 22.07.2020, 10:30
Malte55 Malte55 ist offline
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bist du dir mit deinen Beobachtungen sicher? Also hast du die Daten im Kalender überprüft?
Früher dachte ich auch 7er-Schritte wären ein Zeichen für Sonntags-Heiraten, aber denkste es war meistens der Dienstag.
Selbst um 1856 finde ich die regulären Heiraten(Okt, Nov) noch an einem Dienstag vor. Das gleiche gilt für weitere Stichproben 1889. Um 1900 finde ich dann viele an einem Freitag, nur Sonntags bleibt bei mir eher immer die Ausnahme.
Und Ausnahmen sind auch die Heiraten in den Fasten- und Adventswochen, die nur mit Erlaubnis des Konsistoriums gestattet wurden. Bei mir bekamen diese vorwiegend Witwer/n, was nicht heißt das es auch davon Ausnahmen oder Rechtsverstöße gab.
LG Malte
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  #7  
Alt 22.07.2020, 10:42
pascho pascho ist offline
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Zitat:
Zitat von Malte55 Beitrag anzeigen
bist du dir mit deinen Beobachtungen sicher? Also hast du die Daten im Kalender überprüft?
Früher dachte ich auch 7er-Schritte wären ein Zeichen für Sonntags-Heiraten, aber denkste es war meistens der Dienstag.
Selbst um 1856 finde ich die regulären Heiraten(Okt, Nov) noch an einem Dienstag vor. Das gleiche gilt für weitere Stichproben 1889. Um 1900 finde ich dann viele an einem Freitag, nur Sonntags bleibt bei mir eher immer die Ausnahme.
Und Ausnahmen sind auch die Heiraten in den Fasten- und Adventswochen, die nur mit Erlaubnis des Konsistoriums gestattet wurden. Bei mir bekamen diese vorwiegend Witwer/n, was nicht heißt das es auch davon Ausnahmen oder Rechtsverstöße gab.
LG Malte
Hallo Malte,

der Dienstag ist der 3. Tag der Woche. Im Schöpfungsbericht heißt es zu diesem Tag:

"Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, daß man das Trockene sehe. Und es geschah also. (Hiob 38.8-11) (2. Petrus 3.5) 10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, daß es gut war. 11 Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es geschah also. 12 Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das sich besamte, ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war. 13 Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag."

https://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/1_mose/1/

Das ist der einzige Tag an dem die Phrase "Und Gott sah, daß es gut war." 2x vorkommt. Aus jüdischem Brauchtum kenne ich den Dienstag als bevorzugten Hochzeitstag weil ein "Ki tov" ("und es war gut") als Segenswunsch auf die Braut und eins auf den Bräutigam bezogen wird. Ich könnte mir vorstellen, daß diese Lesart von schriftorientierten evangelischen Kreisen übernommen wurde.
__________________
Viele Grüße Pascal

Geändert von pascho (22.07.2020 um 10:44 Uhr)
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  #8  
Alt 22.07.2020, 12:48
assi.d assi.d ist offline weiblich
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Hallo,

in Böhmen wurde Jahrhunderte lang fast ausschliesslich im November geheiratet. Es gibt Jahrgänge, da besteht das Traujahr eigentlich nur aus dem Monat November.

Waren es doch andere Monate, lag meist ein tritftiger Grund vor: Kind im Anmarsch oder Ehefrau verstorben, oder Vater gestorben und die Töchter mußten versorgt sein....

Gruß
Astrid
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  #9  
Alt 22.07.2020, 13:13
Benutzerbild von Hracholusky
Hracholusky Hracholusky ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von assi.d Beitrag anzeigen
Hallo,

in Böhmen wurde Jahrhunderte lang fast ausschliesslich im November geheiratet.....



Hallo,


das würde ich nicht generell so sehen und trifft vieleicht auch nur begrenzt regional zu. Meine Vorfahren stammen überwiegend aus Südböhmen und da wurde auch in allen anderen Monaten geheiratet. Etwas speziell ist ein Hochzeitstermin am 29.2.1848.


Beste Grüsse
Gerd
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  #10  
Alt 22.07.2020, 14:54
Melanie_Berlin Melanie_Berlin ist offline
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Zitat:
Zitat von Julchen53 Beitrag anzeigen
Ich übertrage viele Daten aus evangelischen Kirchenbüchern, und war etwas verwundert, dass etwa ab 1900 nicht mehr am 24.12. oder 31.12. geheiratet wurde. Das war in der Zeit davor ein beliebtes Datum.
Hallo Julchen,

meine Urgroßeltern heirateten am 24.12.1919 in Schlesien. Also ganz ausschließen würde ich den Tag als Möglichkeit nicht.
__________________
Viele Grüße,
Melanie
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