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  #21  
Alt 10.07.2020, 11:55
Benutzerbild von Xtine
Xtine Xtine ist offline weiblich
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Hallo consanguineus,


Zitat:
Zitat von consanguineus Beitrag anzeigen
Was würde man bei denen eintragen?
also bei AGES! kann man ein Datum dazu eingeben.
Im Lebenslauf wird es dann so angezeigt:

1900 Religion katholisch,
1925 Religion evangelisch-lutherisch


Auch bei Ahnenblatt (V 3.x) geht das, zusätzlich kann man hier sogar bei den entsprechenden Ereignissen direkt die Religion eingeben.
Im Familienblatt wird es dann wie folgt aufgeführt:
Name: XY
Konfession: katholisch 1900, evangelisch-lutherisch, 1925 (die allgemein bei Konfession eingegebenen Daten)
Taufe: 1.1.1900 Ort, katholisch (beim Ereignis direkt eingegeben)
Heirat: 2.2.1925 Ort, evangelisch-lutherisch (wobei hier ja nur die Hochzeit ev. gewesen sein kann, wenn der Partner ev. war)


Nur bei der Bestattung habe ich keine Eingabemöglichkeit gefunden.



Aber zur Not kann man es ja auch in den Notizen vermerken, daß derjenige mal so mal so verzeichnet ist.
__________________
Viele Grüße .................................. .
Christine
.. .............
Wer sich das Alte noch einmal vor Augen führt, um das Neue zu erkennen, der kann anderen ein Lehrer sein.
(Konfuzius)

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  #22  
Alt 11.07.2020, 09:32
Schischka Schischka ist offline
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Oliver (#10), zugegeben: ich weiß es nicht. Alles nur mal hier und da zufällig gelesen und ein bißchen nachgegoogelt. Mit Kompromißformel meinte ich, daß die preußische Regierung nach einiger Zeit von den radikalen Vereinigungsbestrebungen abgelassen hat und den Landeskirchen (in den Provinzen) mehr Selbstdefinition erlaubt hat.
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  #23  
Alt 11.07.2020, 12:35
OliverS OliverS ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Schischka Beitrag anzeigen
Oliver (#10), zugegeben: ich weiß es nicht. Alles nur mal hier und da zufällig gelesen und ein bißchen nachgegoogelt. Mit Kompromißformel meinte ich, daß die preußische Regierung nach einiger Zeit von den radikalen Vereinigungsbestrebungen abgelassen hat und den Landeskirchen (in den Provinzen) mehr Selbstdefinition erlaubt hat.

Ok, weil ist ja heute noch so getrennt.
Ich wohne jetzt in Ba-Wü da heißt es Evangelische Kirche und im Text der Kirche steht "lutherisch geprägte Landeskirche".
Zudem gibt es im Badener Teil noch die "Evangelisch-Lutherische Kirche".
Ich find das äußerst komisch, da blickt doch keiner durch.
Ich als Nordlicht, bin kein Kirchgänger, aber bin evgl.-luth. getauft und frage mich gerade, bin ich in der "richtigen" Kirche hier gelandet?
__________________
Dauersuchen:

1) Frau ?? verwitwerte WIECHERT, zwischen 1845 und 1852 neu verheiratete SPRINGER, wohnhaft 1852 in Leysuhnen/Leisuhn
2) GESELLE, geboren ca 1802, Schäfer in/aus Kiewitz bei Schwerin a.d. Warthe und seine Frau Henkel
3) WIECHERT, geboren in Alikendorf (Großalsleben) später in Schönebeck
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  #24  
Alt 11.07.2020, 16:31
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hmw hmw ist offline
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Hallo allerseits,

da Katholiken in meinem Stammbaum eine Ausnahmeerscheinung sind, gebe ich gerne mein gefährliches Halbwissen preis. Ich verstehe es bisher so:

Aufbau

Evangelisch ist der Oberbegriff, wie katholisch oder orthodox. Die evangelische Kirche hat dann laut Wiki verschiedene Ausrichtungen:
- lutherisch
- reformiert
- vorreformiert
- methodistisch
- uvm.

Bei meiner Forschung bin ich aber immer nur auf lutherische und reformierte Gemeinden gestoßen, diese sind am verbreitetsten. Innerhalb der reformierten Kirche gibt es noch mal verschiedene Strömungen.
Inwiefern Amische, Calvinisten, Hutterer, Mennoniten usw., von denen die meisten als "täuferische" Gemeinden bezeichnet werden, zur ref. Kirche gehören oder daneben existieren ist mir noch nicht ganz klar. Zumindest bei meiner Recherche bezeichneten sich die reformierten Gemeinden in ihren eigenen KB immer als "reformiert", ohne genauere Definition.

Unierte Gemeinden findet man dort, wo sich die lutherische, die reformierte und ggf. andere evangelische Gemeinden zusammengeschlossen haben (https://de.wikipedia.org/wiki/Uniert...n_(evangelisch) Ist aber eher ein seltenes und neueres Phänomen. Den Begriff protestantisch habe ich noch in keinem Dokument gelesen, würde ihn aber als Synonym zu evangelisch deuten. Ein Begriff der hier noch nicht fiel, ist gottgläubig: Diese Bezeichnung wurde gewählt, wenn jemand getauft war, später aber aus der Kirche ausgetreten ist oder ausgeschlossen wurde.

Ausrichtung

Ich bin zwar kein Theologe, traue mich aber, der Darstellung von Jule leicht zu widersprechen. Ich glaube nicht, dass die lutherische Kirche grundsätzlich der traditionellere und strengere Ableger war/ist. Beide Strömungen gehen auf die 1520er-Jahre zurück, die lutherische um Martin Luther aus Mitteldeutschland und die reformierte um Ulrich Zwingli und Johannes Calvin aus der Schweiz. Wie ganz richtig gesagt wurde, war die Zugehörigkeit meist keine persönliche Entscheidung, sondern eher eine Konsequenz der politischen Umstände vor Ort. Zunächst einmal haben die lutherische und die reformierte Kirche viel gemein:

- evangelische Grundsätze (allein die Schrift, allein Christus, allein durch Gnade, allein durch Glauben)
- Priestertum aller Gläubigen
- zwei Sakramente (Taufe & Abendmahl)

Bei Wiki werden zur reformierten Kirche aber auch Aspekte genannt, die sie von der lutherischen Unterscheiden:

- Ablehnung der Realpräsenz des Leib Christi, etwa beim Abendmahl
- Abendmahltisch statt Altar
- Ablehnung der Zwei-Reiche-Lehre
- Verbot bildlicher Darstellungen
- keine Wechselgesänge
- bei Mennoniten: Ablehnung der Kleinkindtaufe

Dann gibt es wohl noch eine grundlegenden Unterschied hinsichtlich der Prädestination, also der Frage danach, inwiefern göttliche Vorbestimmung und/oder unser eigenes Handeln unser Leben bestimmt. Da blicke ich aber nicht ganz durch - vielleicht haben wir ja einen fachkundigen Theologen im Forum?

Ob die religiöse Erziehung und der Alltag in der lutherischen oder der reformierten Kirche strikter waren, vermag ich nicht zu beurteilen - das hängt sicher auch stark von der jeweiligen Zeit, Gemeinde und Familie ab. Richtig ist, dass die lutherische Kirche bzgl. ihrer Glaubensausrichtung und der Rituale näher an der katholischen Kirche ist. Andererseits sind die Lutheraner in Deutschland in der klaren Überzahl, sodass ich mir vorstellen könnte, dass die Reformierten eher eine "verschworene Gemeinschaft" waren, bei welcher die Religion vielleicht eine zentralere Rolle im Leben der Menschen gespielt hat, da man sich darüber von der Mehrheit abgegrenzte.

Ahnenforschung

Einerseits erkenne ich in meinem Stammbaum, dass es um 1800 einige Eheschließungen gab, bei denen die reformierten Eheleute aus weiter entfernten Orten kamen - die Gemeinsamkeit war allein die Religion, sodass davon auszugehen ist, dass die Gemeinden auch überregional vernetzt waren und in erster Linie untereinander geheiratet wurde. Andererseits finden sich wenige Jahrzehnte später auch Heiraten mit Lutheranern und Katholiken, sodass auch die Reformierten später nicht nur unter sich blieben. Was wo eingetragen wird, kommt immer stark auf die Umstände an: Jahr, Region, Dokument (STA vs. KB) und Schreiber (Standesbeamter vs. Pastor).

Die Bezeichnung evangelisch habe ich vor allem dann gelesen, wenn es im Gebiet nur eine Ausrichtung (luth. oder ref.) gibt und vielleicht noch eine katholische Kirche. Dann braucht man nicht zu erwähnen ob die Person lutherisch oder reformiert ist - da es eh nur eine der beiden Kirchen im Ort gibt. Anders ist es dort, wo mehrere Gemeinden vertreten sind - dort wird zumeist die genaue Zugehörigkeit angegeben. Und im Norden gibt es viele KB, in denen immer lutherisch angegeben wird - obwohl dies ohnehin die einzige Kirchengemeinde darstellt.

Ich habe mich wegen meiner Großmutter väterlicherseits damit auseinandergesetzt, unter ihren Vorfahren finden sich lutherische und reformierte Protestanten ebenso wie Katholiken. Der Schmelztiegel fand sich dann rund um die heutige Stadt Wuppertal, wo laut Sprichwort (irgendwo mal hier im Forum gelesen) "jeder seine eigene Kirche" hatte. Ganz anders sieht es im Stammbaum meiner Mutter aus: Ihre Vorfahren aus Niedersachsen, Hamburg, Holstein, Mecklenburg und Ostpreußen sind ausnahmslos lutherischer Religion.

Fazit

@scheuck: Es wäre interessant zu wissen, in welcher Gegend du auf diese Frage gestoßen bist.

Spannendes Thema, über das ich auch gerne mehr wissen würde. Hoffe etwas geholfen zu haben.

Gruß
Martin
__________________
RP Blatt & Kuhn in Thalfang, Heib in Leisel, Sanner & Schäfer in Hachenburg HE Clees & Nickel in Haiger, Golde,Ruckert,Schäfer & Vaupel in Rosenthal
NW Dörr,Hagemann,Hollmann & Müller in Barmen, Koch in Wevelinghoven, Rath in Schwelm
NS Wörmer in Buxtehude, Behr & Fehling in Winsen/L, Brauel & Putensen in Salzhausen, Niehus in Hanstedt/Heide, Heger in Rittmarshausen
SH Frick in Breitenberg HH Clasen & Ohlmeyer in Wilhelmsburg, Böttcher & Buhr in Harburg MV Dechow in Uelitz, Dankert in Boldela
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  #25  
Alt 11.07.2020, 18:28
pascho pascho ist offline
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In meiner Familie sind von den Vorfahren 13/16 katholisch und 3/16 evangelisch. 1/16 davon stammt dem südhessischen Wächtersbach und Umgebung und wurde in den Büchern soweit es überhaupt erwähnt wurde (im KB einer evangelischen Kirchengemeinde erwartet man eigentlich ja auch keine anderen) als ev. bezeichnet.
Etwas anders sieht es bei der Westerwälder Verwandtschaft meiner Frau aus (Hamm/Sieg und Altenkirchen). Hier gab es sowohl lutherische als auch reformierte Gemeinden,die soweit ich weiß auch getrennte KB führten.


Ich habe nur eine einzige Ehe bei der der Bräutigam evangelisch und die Braut katholisch war (Offenbach/Main, ca.1894). Die evangelisch getaufte Tochter diesers Paares konvertierte um 1919 anlässlich ihrer Hochzeit mit einem Katholiken zur katholischen Kirche. Im dritten Fall traten der evangelisch getaufte Bräutigam und die katholisch getaufte Braut ganz im Sinne der politischen Großwetterlage vor ihrer Trauung um 1940 aus ihren Kirchen aus und wurden danach als "gottgläubig" (ich kenne den Begriff nur aus dem 3. Reich) bezeichnet.
__________________
Viele Grüße Pascal

Geändert von pascho (11.07.2020 um 19:00 Uhr)
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  #26  
Alt 13.07.2020, 19:33
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Bergkellner Bergkellner ist offline
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Zitat:
Zitat von hmw Beitrag anzeigen
Hallo allerseits,

da Katholiken in meinem Stammbaum eine Ausnahmeerscheinung sind, gebe ich gerne mein gefährliches Halbwissen preis. Ich verstehe es bisher so:

Inwiefern Amische, Calvinisten, Hutterer, Mennoniten usw., von denen die meisten als "täuferische" Gemeinden bezeichnet werden, zur ref. Kirche gehören oder daneben existieren ist mir noch nicht ganz klar. Zumindest bei meiner Recherche bezeichneten sich die reformierten Gemeinden in ihren eigenen KB immer als "reformiert", ohne genauere Definition.

Gruß
Martin
Hallo Martin,

die Amischen(nach ihrem Begründer Jacob Ammann(1644-1730)) sind eine täuferisch-evangelische(resp. protestantische) Glaubensgemeinschaft.

Die Mennoniten sind ebenfalls eine täuferisch-evangelische Glaubensgemeinschaft, ihr Gründer war Menno Simmons(1496-1561) aus Friesland.

Die Hutterer sind eine täuferische Glaubensgemeinschaft, die von Jacob Hutter(um 1500-1536) um 1520 gegründet wurde und damals hauptsächlich in den österreichischen und schweizer Landen verbreitet war.

Also haben die Hutterer, Mennoniten und Amischen gemeinsame Wurzeln, sie gehören entweder zur Täuferbewegung oder fußen darauf.

Die Calvinisten bezeichnen sich selbst als "evangelisch-reformierte" Kirche, um sich von der evangelisch-lutherischen(Luther) abzugrenzen. Sie geht auf den Reformator Johannes Calvin(1509-1564) zurück. Seine Theologie war zwar von Luther, Melanchthon und Zwingli beieinflusst, er entwickelte aber schnell eigene Akzente, die oft auch im Gegensatz zu den lutherischen Theorien standen. Etliche in den USA entstandene reformierte(evangelische) Kirche, wie z.B. die Presbyterianer fussen darauf.

Das in aller Kürze dazu.

Lg, Claudia
__________________
Wer lesen kann, ist besser dran!(Andreas' Opa Fred)
Nierngstwuh giehts so zu wie uff dare Walt!(Claudias Uroma Anna)

Suchen immer:
Loewe - Steinau an der Oder/Schlesien(vor 1850)
Heine - Glogau/Schlesien(vor 1850)
Hollenstein - Bleiwäsche/Westfalen(vor 1710)
Ulich - Neukirchen b. Stollberg(um 1710)
Rothbart - Kröslin/Pommern(um 1740)
Mädtke - Grambin und Umgebung/Vorpommern(vor 1840)
Buden/Budin - Wriezen u.U./Brandenburg(um 1700)
Kellner/Gevers - Hannover Stadt u.U.(um 1700)



Geändert von Bergkellner (13.07.2020 um 19:35 Uhr)
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