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  #1  
Alt 28.10.2020, 07:16
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hmw hmw ist offline
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Standard Altpreußisches Infanterieregiment No. 9 - Sentinel Johann Dietrich Sengersmann - 1732

Guten Morgen,

bei meiner Forschung im Kirchspiel Schwelm bin ich auf folgenden Eintrag gestoßen, dessen Deutung hier https://forum.ahnenforschung.net/sho...d.php?t=195292 schon eifrig diskutiert wurde:

Der Ehrsame Junggesell Johann Dietrick Sengersmann, Engelbert Sengersmann auf'm Sengersmann, Ksp. Volmarstein ehelicher Sohn mit Jungfer Elisabeth Voss seel. Ebbert Voss im Hermanssiepen aufm Wege hinterlassener ehelicher Tochter. Dazu der Randvermerk, dass der Bräutigam letztens (= zuletzt) sentinel (= Wachsoldat) beim (= bei seinem) Abschied vom Obrist v. Waldau(schen Regiment) war, der in Hamm am 18. Juli 1732 erfolgte. Dimissi den 29. Juni 1733.

Leider kann ich weder die Taufe noch die eigentliche Eheschließung des J.D. Sengersmann (oder auch Sengs(t)mann) finden, sodass ich an dieser Stelle nicht weiterkomme. Daher nun meine Frage: Gibt es für das genannte Regiment noch irgendwelche Dokumente, die mehr über die gesuchte Person preisgeben würden? Freue mich über jeden Tipp!

Gruß
Martin
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  #2  
Alt 29.10.2020, 10:55
Manni1970 Manni1970 ist offline
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Hallo Martin,

zunächst ziehe ich meinen Hut vor den Leseexperten hier im Forum, besonders was Christian und Xylander da geleistet haben, ist schon sehr rekordverdächtig.

Dass man dir unter "Militärexperten" aber viel weiterhelfen wird, möchte ich bezweifeln, weil:
- 1730er Jahre ist natürlich schon ziemlich weit zurück, da wird es schon für Offiziersdaten nicht so einfach, aber für einen Gemeinen kaum machbar (höchstens vielleicht für sächsische Soldaten?);
- hier dreht es sich aber um die preußische Armee, bekanntlich wurde das Potsdamer Heeresarchiv im Frühjahr 1945 durch die Royal Air Force praktisch vollständig zerstört, damit u.a. auch die Mannschaftsstammrollen;
- es handelt sich um das IR 9 ap, von diesem Regiment waren jedoch bereits vor dem Luftangriff die Stammrollen nur noch seit 1789 erhalten;
- obwohl die Gründung des Regiments noch im 17. Jhd. stattfand, blieben die MKB nur seit 1759 erhalten, das war also im 7jährigen Krieg und deutet draufhin, dass frühere Jgg. eben in diesem Krieg verlorengingen.

Es gab und gibt also keine Stammrollen und auch keine MKB für die 1730er Jahre von diesem Regiment. Damit geht der Ball vom Leser-, über das Militär-Forum an das Regional-Forum, also hier NRW. Denn möglicherweise blieben in Stadt- o. Landesarchiven die Kantonrollen erhalten. Ich kenne mich in NRW nicht aus, bezweifele aber ein bisschen, dass es so frühe Rollen dort heute noch gibt. Eingehend mit der altpreußischen Armee in Westfalen hat sich der frühere Direktor des GStA Berlin, Prof.Dr. Kloosterhuis, beschäftigt. Das zweibändige Werk "Bauern, Bürger und Soldaten. Quellen zur Sozialisation des Militärsystems im preußischen Westfalen, 1713 - 1803. Müster 1992" hatte ich mal ausgeliehen. Das war aufgrund der vielen Quellenhinweise auch für Familienforscher interessant, ich weiß aber nicht mehr, ob darin auch das IR 9 ap behandelt wurde.

Noch zur Heirat. Erst 1750 wurde in der pr. Armee die Trauung eindeutig dem jeweiligen Regimentsprediger zugestanden, ob die Brautleute nun ev.-luth., ev.-ref. oder kath. waren. Davor konnte der Kantonist, der also nicht ständig vor Ort in der Garnison mit einem anwesenden Feldprediger seinen Dienst versah, auch vom örtlichen Pfarrer - wohl dem am Heimatort der Braut - getraut werden. Was aber in jedem Fall auch in den 1730er Jahren notwendig war, war die Erlaubnis seines Hauptmann/Kapitäns (also Kompaniechef). Eine Trauung ohne Erlaubnis wurde nachträglich aufgehoben, der Soldat bekam 1 Jahr Festungshaft und das "Weibsstück" kam 1 Jahr ins "Spinnhaus". Demnach wurde die Tr wohl vom Feldprediger am Garnisonstandort aufgeboten, der Hauptmann musste zustimmen und dann erfolgte noch das zivile Aufgebot bei den Heimatpfarrern der beiden Brautleute. Die Zustimmung des Feldpredigers nach dem erfolgten Aufgebot könnte dann als Dimissoriale ins MKB aufgenommen worden sein.

MfG
Manni

Geändert von Manni1970 (29.10.2020 um 10:57 Uhr)
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  #3  
Alt 29.10.2020, 20:15
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Schlumpf Schlumpf ist offline
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Hallo

nun, die alte Knüppelgarde. Bei der Ziehung von Rekruten dieses Regimentes kam es schon-
mal zu gewaltsamen Todesfällen. Der Kanton dieses Regimentes war die Grafschaft Mark.
Wegen der Gewaltexzesse wurde 1735 ein wenig sich besonnen und sowas untersagt, doch
wohl nicht mit durchschlagendem Erfolg. Das Regiment stand vor 1763 in Soest, Unna und
Hamm. Nach Archion gibt es Militärkirchenbücher von Lippstadt erst ab 1775, von Unna und
Soest wohl eher nicht, oder sie befinden sich im Zentralarchiv in Spandau.
Verheiratete Soldaten gab es auch in anderen Armeen. 1756 wurde deren Zahl in hiesiger
Armee auf 6 pro Kompanie begrenzt. "Per Matrimonium subsequenz legimatus (a) est"
steht dann immer neben dem Taufeintrag eines Soldatenkindes. Aber das nur am Rande,
da der Mann offensichtlich entlassen war.

Aber: Da steht klar: Dimittiert! also wurde das Ehepaar in Schwelm verkündigt und hat in
einer anderen Pfarrgemeinde geheiratet. Aus dem Originalen Eintrag (eine subopti-
male Kopie) geht der Ort der Trauung nicht hervor. Möglich, dass der Pastor von Volmar-
stein die Trauung vollzog. Wie das so ist, kann die Trauung auch in einem ordentlichen
Wirtshaus vollzogen worden sein. Ab 1691 erlaubte die märkische Synode die Trauung
außerhalb der Kirche. Das kostete aber 5 Rthlr. Ab 1677 wurde vorgeschrieben: Die
Proclamation soll ord. geschehen und soll 6 Wochen, vom Tage der Sponsalien, die
priesterl. Einsegnung folgen. Offensichtlich waren beide Ehepartner lutherisch.
Nach der Auflistung bei Archion existiert für Volmarstein im Kirchenkreis Hagen kein
Proclamationsbuch (oder Heiratsbuch) vor 1748, also kann man das getrost vergessen.
Es gibt aber sehr wohl ein Taufbuch, was 1672 beginnt.

Viel Spaß damit
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Uns ist in alten mæren wunders vil geseit. von helden lobebæren, von grôzer arebeit,. von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,.
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  #4  
Alt 29.10.2020, 20:57
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hmw hmw ist offline
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Hallo zusammen,

ganz herzlichen Dank für die fachkundigen Auskünfte! Sehr spannend, auch wenn es nichts Neues über die gesuchte Person hervorbringt und die Hoffnung schmälert. Ich werde mich aber noch mal mit den Taufen von Volmarstein beschäftigen, vielleicht finde ich ihn doch noch.

Gruß
Martin
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Geändert von hmw (29.10.2020 um 21:04 Uhr)
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  #5  
Alt 30.10.2020, 20:59
Xylander Xylander ist gerade online männlich
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Zitat:
Zitat von Schlumpf Beitrag anzeigen
Hallo Aber das nur am Rande,
da der Mann offensichtlich entlassen war.

Aber: Da steht klar: Dimittiert! also wurde das Ehepaar in Schwelm verkündigt und hat in
einer anderen Pfarrgemeinde geheiratet. Aus dem Originalen Eintrag (eine subopti-
male Kopie) geht der Ort der Trauung nicht hervor. Möglich, dass der Pastor von Volmar-
stein die Trauung vollzog. Wie das so ist, kann die Trauung auch in einem ordentlichen
Wirtshaus vollzogen worden sein. Ab 1691 erlaubte die märkische Synode die Trauung
außerhalb der Kirche. Das kostete aber 5 Rthlr. Ab 1677 wurde vorgeschrieben: Die
Proclamation soll ord. geschehen und soll 6 Wochen, vom Tage der Sponsalien, die
priesterl. Einsegnung folgen. Offensichtlich waren beide Ehepartner lutherisch.
Nach der Auflistung bei Archion existiert für Volmarstein im Kirchenkreis Hagen kein
Proclamationsbuch (oder Heiratsbuch) vor 1748, also kann man das getrost vergessen.
Es gibt aber sehr wohl ein Taufbuch, was 1672 beginnt.
Viel Spaß damit
In welchem Alter wurden die Rekruten gezogen und wann wieder entlassen? Ließe sich ein Zeitraum für die Suche im Taufbuch angeben?
Vile Grüße
Xylander
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  #6  
Alt 31.10.2020, 14:26
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Schlumpf Schlumpf ist offline
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Hallo

Leider kann ich dazu keine Angaben machen. Die hiesige Gegend gehörte nich zu Preußen.
Wie erwähnt, dienten die Soldaten hier meist 6 Jahre. Ich habe einen Soldaten, der 1744
geboren wurde und 1766 zur Armee nach Jülich ging. 1768 erhielt er eine Heiratserlaubnis
vom Chef und 1772 seinen Abschied.
Ein anderer Fall ist der eines Bauern, der sich für Geld für einen anderen ziehen ließ: Er war
1699 geboren, zog zur Riesengarde nach Potsdam und heiratete 1732, nachdem er seinen
Militärdienst hinter sich hatte. Gestorben ist er 1775. Die Nachricht über sein Potsdamer
Abenteuer hat der Pastor beim Tode seiner Tochter 1818 überliefert.
1799 kam es bei der Ziehung von Rekruten des Rgt. Nr. 9 zu einem Zwischenfall, als ein
dummer Soldat einen Rekruten erschoss. Der Rekrut war 1773 geboren, starb 1799.

Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Viel Spaß damit
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  #7  
Alt 08.11.2020, 11:33
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Vielen Dank für den Einblick. Wenn ich es richtig sehe, gehörte Volmarstein zur Grafschaft Mark, die seit 1609 zu Brandenburg bzw. Brandenburg-Preußen gehörte. Was ließe sich denn daraus ableiten? Gab es für (Brandenburg-)Preußen ein festes Alter für die Wehrpflicht?

Gruß
Martin
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Geändert von hmw (08.11.2020 um 11:36 Uhr)
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