#1  
Alt 13.09.2019, 17:39
Geesthopper Geesthopper ist offline
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Standard Gaards und Wortsitzer

Jahr, aus dem der Begriff stammt: um 1770
Region, aus der der Begriff stammt: Gelting Ostsee


Liebe Mitforscher,
ich benötige mal wieder Hilfe.

Was ist ein Wortsitzer und was ein Gaards (Berufs- / Standesbezeichnung)? Die Begriffe tauchen im KB Gelting/Ostsee auf, in meinem Fall zwischen 1762 und 84. Ersteres ist mir völlig fremd, bei Gaards evtl nach dem dänischen gaard - Garten - Gärtner ?

Vielen Dank vorab, Gruß,

Julia
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  #2  
Alt 13.09.2019, 18:34
Malte55 Malte55 ist offline
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Moin,
Wortsitzer kann ich mir in etwa als Grundsitzer vorstellen, von Wurthe/Wörde hergeleitet. Bei Gaards keine Ahnung.
LG Malte
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  #3  
Alt 13.09.2019, 19:06
fajo fajo ist gerade online weiblich
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Nur mal eine Idee:

Gaards könnte in dem Fall Gelting/Ostsee, evtl. aus dem dänischen kommen? Würde übersetzt Langgaards heißen, vielleicht etwas wie Langhof? "gaard ist übersetzt Hof.
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  #4  
Alt 13.09.2019, 19:40
Kasstor Kasstor ist offline männlich
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Hallo,

Gaards ? https://books.google.de/books?id=3v4...dskarl&f=false Gaardskarl wäre Hofknecht.

Gruß


Thomas
__________________
FN Pein (Quickborn vor 1830), FN Hinsch (Poppenbüttel, Schenefeld), FN Holle (Hamburg, Lüchow?), FN Ludwig/Niesel (Frankenstein/Habelschwerdt) FN Tönnies (Meelva bei Karuse-Estland, später Hamburg), FN Lindloff (Altona, Lüneburg, Uelzen)
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  #5  
Alt 14.09.2019, 11:55
Verano Verano ist offline
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Moin,

Gaard:
http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bi...&lemid=IG00007
__________________
Viele Grüße August

Die Vergangenheit ist ein fremdes Land, dort gelten andere Regeln.
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  #6  
Alt 14.09.2019, 12:04
Verano Verano ist offline
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Zitat:
Zitat von Malte55 Beitrag anzeigen
Moin,
Wortsitzer kann ich mir in etwa als Grundsitzer vorstellen, von Wurthe/Wörde hergeleitet.

Aus der Namenkunde für Wördemann, Wöhren:

... ndd. word, wurt, = erhöhter Wohnplatz, Gehöftsiedlung in nassem Gelände, oft in den Marschen.
__________________
Viele Grüße August

Die Vergangenheit ist ein fremdes Land, dort gelten andere Regeln.
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  #7  
Alt 14.09.2019, 13:55
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Standard Wurtsitzer

Hallo,
der Wurtsitzer ist erwähnt in Fußnote auf Seite 60 im Lehrbuch des Privat-Rechts der Herzogthümer Schleswig und Holstein, 1842
https://books.google.de/books?id=BoZ...sitzer&f=false


Sowie Zitate:
"Wurtsitzer sind „Inhaber einer Landstelle, die kleiner als eine halbe Hufe ist", aus: Stapelholmer Volkskultur: Aufschlüsse aus historischen Quellen, 1981

" ... die Viertelhufen (Wurtsitze) mit einer Betriebsfläche von immerhin etwa 7 ha ...", aus: Schriften des Geographischen Instituts der Universitat Kiel, 1966
"Wurtsitzer sind Viertelhufner", aus: ebd.


Zitat:
Zitat von Verano Beitrag anzeigen
... ndd. word, wurt, = erhöhter Wohnplatz, Gehöftsiedlung in nassem Gelände, oft in den Marschen.
Da es in Gelting weit und breit keine Marschen gibt kann man Bedeutungszusammenhang ausschließen.
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (14.09.2019 um 14:05 Uhr)
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  #8  
Alt 14.09.2019, 14:12
Xylander Xylander ist offline männlich
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Hallo ASW,
ich würde es nicht ausschließen, August schreibt Gehöftsiedlung in nassem Gelände, oft in den Marschen. Also nicht ausschließlich. Ich vermute sehr stark eine etymologische Verwandtschaft und ähnliche Bedeutung.
Viele Grüße
Xylander
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  #9  
Alt 14.09.2019, 14:43
Malte55 Malte55 ist offline
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Moin,
siehe Wikipedia Landbuch Karls IV.
>Bei der Wörde (mittelniederdeutsch worde) handelte es sich um eine umzäunte, gut bestellbare und nicht dem Flurzwang unterworfene landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Wahl des Standorts richtete sich stark nach der Bodenqualität. Daher schlossen sie nicht immer direkt an die Hofstellen an. Eine nahe Lage erleichterte aber das Ausbringen von Dünger. Durch die intensive Stalldüngung über einen längeren Zeitraum bildete sich eine starke Mutterbodenschicht. Daher und weil das Hufenland hauptsächlich dem Getreidebau diente, wurden die Wörden stärker für Garten- und Sonderkulturen genutzt. Das galt auch beim Einbeziehen der Flächen benachbarter Dorfwüstungen.<
und weiter zu Wördenzins
>Der Wördenzins (census, census areæ,[Anm. 5] wörtlich ‚Kossätenhofzins‘, peticio casarum, peticio casat[orum], laut Johannes Schultze ‚Kossätenzins‘, mittelniederdeutsch wor[t]tyns) war das Gegenstück des Wördenlands zum Hufenzins des Hufenlands. Ihn entrichteten ausschließlich Kossäten. Die Abgabenhöhen fielen sehr unterschiedlich aus, wobei 1 Schilling häufiger vorkam. Der Wördenzins floss an den Grundherrn oder den Hof, zu dessen Pertinenz die Kossätenstelle gehörte (siehe im Kapitel Rauchhuhn).<
LG Malte
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  #10  
Alt 14.09.2019, 14:43
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Zitat:
"Für Warft sind auch andere Begriffe geläufig, wie Warf, Wurt, Werft, Wierde. Bei Warft liegt eine sekundäre t-Erweiterung vor. Ursprünglich und noch heute in Ostfriesland hieß der Begriff Warf, der von ‚werben‘ abgeleitet ist und nicht wie oft volkstümlich angenommen von ‚werfen‘. Die gleichbedeutende Bezeichnung Wurt dagegen stammt aus dem Niederdeutschen (altsächsisch wurð ‚Hofstätte, Boden‘ (> niederdt. Wörde, Word, Wurt))". Quelle: wikipedia


Demnach bedeutet die "Wurt", der Hügel in der Marsch, auch nichts anderes wie "Hofstätte".
Wurtsitzer ist also jemand, der auf einer Hofstätte sitzt, aber nicht automatisch jemand, der auf einem Hügel in der Marsch sitzt.
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (14.09.2019 um 14:49 Uhr)
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