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  #1  
Alt 26.02.2018, 15:14
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Bergkellner Bergkellner ist offline
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Standard FN Porgeß

Familienname: Porgeß
Zeit/Jahr der Nennung: von 1638 - heute
Ort/Region der Nennung: Geyer, Erzgebirge


Hallo,

unter meinen Geyerischen Vorfahren gibt es einige mit diesem Namen, der sich vor Ort auch bis heute gehalten hat.

Woher kommt der wohl?

Lg, Claudia von den bergkellners
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  #2  
Alt 26.02.2018, 15:28
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Huber Benedikt Huber Benedikt ist offline
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Interessanter Name.
Laurin wird sicher noch Näheres beitragen.

Die Erklärung, der Name stamme von Flüchtlingen der spanischen Inquisition und gehe auf Portuges bzw. das spanische Burgos zurück ist sicherlich eine Mär.
Naheliegend ist die Abstammung von einem jüdischen NN mit Verbreitung in Tschechien/ Prag und zwar von Zipporah (Porjes / Porges)
vgl.
http://www.porges.net/NameOrigin.html

Für jüdische Abstammung spricht weiters, dass die höchste Dichte des Namens Porges in Israel ist.
http://forebears.io/de/surnames/porges
Dass lt. dieser Quelle heute nur noch 6 Porges in CR existieren ist sicher der Tatsache geschuldet, dass alleine 227 Porges in das KZ Theresienstadt deportiert wurden. Die meisten davon kamen zu Tode (s. letzte Spalte)
http://www.porges.net/Terezin/227TeresinListByName.html
__________________
"Back to the roots" heisst nicht daß man mit zunehmendem Alter immer kindischer werden muss !

Geändert von Huber Benedikt (26.02.2018 um 17:24 Uhr) Grund: Israel + Terezin
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  #3  
Alt 26.02.2018, 18:10
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Laurin Laurin ist offline männlich
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Hallo,

die Ausführungen von Huber Benedikt umfassen m.E. nach weitgehend die Kenntnisse zum FN Porges(s).

In meiner onomast. Bibliothek konnte ich lediglich bei Gottschald den FN Porges finden. Hier wird er als "jüdische metronyme Form eines (weibl.) Vornamens Porgia" erklärt; Hinweise auf andere Herkunft finden sich nicht.

Meine weitere Vermutung war eine regionale mundartl. Verschleifung eines ähnl. FN, z.B. Borgis (Kurzform des Heiligen-Namens Liborius). Dies wäre aber für das Sächs. Erzgebirge weniger möglich - hier wird eher aus einem "harten" Konsonanten (p, t) ein "weicher" (b, d) und nicht umgekehrt.

Das Vorkommen des FN Porges / Porgesová in CZ ist seit dem Jahre 2010 weiter geschrumpft, heute (2016) gab es nur noch 3 bzw. 5 Personen.

Daß die höchste Verbreitung des FN Porges heute in Israel ist, wird der Auswanderung aus Mitteleuropa infolge des Holocaust geschuldet sein und könnte somit die jüdische Herkunft dieses Familiennamens bekräftigen.
__________________
Freundliche Grüße
Laurin
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  #4  
Alt 26.02.2018, 18:43
rigrü rigrü ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Laurin Beitrag anzeigen
Meine weitere Vermutung war eine regionale mundartl. Verschleifung eines ähnl. FN, z.B. Borgis (Kurzform des Heiligen-Namens Liborius). Dies wäre aber für das Sächs. Erzgebirge weniger möglich - hier wird eher aus einem "harten" Konsonanten (p, t) ein "weicher" (b, d) und nicht umgekehrt.
Interessanterweise heiratet 1666 in Geyer ein "Johanniß Borgiß". Sein Vater stammt aus Oberwiesenthal. Von diesem wird wohl der Name Porges in Geyer später abgeleitet sein. Da müsste man mal sehen, wie er in Oberwiesenthal geschrieben wurde ...
__________________
rigrü
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  #5  
Alt 26.02.2018, 18:46
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Bergkellner Bergkellner ist offline
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Vom Gebiet her spricht einiges dafür, Böhmen ist nicht weit entfernt.

Wenn der Name wirklich jüdischen Ursprungs ist, müssen "meine Porgeß" früh konvertiert sein, die erste Erwähnung findet sich vor 1650 und sie waren alle durch die Bank evangelisch.

Ich kenne mich nicht so gut in der Geschichte der Juden in Deutschland aus, aber ich glaube mich zu erinnern, dass sie erst relativ spät Familiennamen annehmen mussten.

Es gibt in Frankreich eine Stadt, die Le Porge heißt, ihre Einwohner werden Porgeais genannt ... wiki

Könnte ebensogut sein, denn in den erzgebirgischen Städten kamen während des Silber-und Zinnbergbaus viele "Fremde" aus ganz Europa.
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  #6  
Alt 26.02.2018, 18:50
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Zitat:
Zitat von rigrü Beitrag anzeigen
Interessanterweise heiratet 1666 in Geyer ein "Johanniß Borgiß". Sein Vater stammt aus Oberwiesenthal. Von diesem wird wohl der Name Porges in Geyer später abgeleitet sein. Da müsste man mal sehen, wie er in Oberwiesenthal geschrieben wurde ...
Hallo rigrü,

ich bin mir bei dem Eintrag von 1666 nicht sicher, ob es B oder P ist...

Ich will mich sowieso an die Oberwiesenthaler wenden, habe die wegen eines anderen noch auf dem Tableau.

@laurin,

Borgis könnte doch sein, denn jenseits der Grenze bei Oberwiesenthal, in Bozi Dar zu deutsch Gottesgab, war man katholisch.
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Geändert von Bergkellner (26.02.2018 um 18:56 Uhr)
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  #7  
Alt 26.02.2018, 18:59
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Im Jahre 2010 gab es in Böhmen (nur noch) 1 x den FN Borgis !
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Freundliche Grüße
Laurin
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  #8  
Alt 26.02.2018, 19:24
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Auch in Böhmen war man sich nicht so recht klar über die Schreibweise.

Bei der Hochzeit 1556 heißt der Bräutigam "Hanß Borgeß" (6. Eintrag rechts: http://www.portafontium.eu/iipimage/...32&w=492&h=186).

Sechs Jahre später bei der Taufe seines Sohnes Christoph wird ein "Hans Porgis" aus ihm (linke Seite Mitte: http://www.portafontium.eu/iipimage/...4&w=2066&h=781).

Bei der Namensforschung muss man wohl beide Varianten berücksichtigen. Die Form "Borges" setzt sich in Oberwiesenthal übrigens durch (meint google books).
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rigrü
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  #9  
Alt 26.02.2018, 19:34
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Abseits sämtlicher Namensbücher lässt sich - bei allem Respekt vor dem Wissen professioneller Namensforscher - sicher auch darüber nachdenken, ob sich von Porges oder Porgis nicht auch ein Bezug zu Walpurgis herleiten lässt. Walporgis als Variante zu Walpurgis findet man bei google books zuhauf. Und eine Silbe zu entfernen liegt sicher auch im Bereich des Möglichen. Leider viel Spekulation und keine Belege aber jüdische Einflüsse scheinen mir wenig wahrscheinlich.
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rigrü

Geändert von rigrü (26.02.2018 um 19:36 Uhr)
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  #10  
Alt 27.02.2018, 11:18
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@rigrü:
Eine Ableitung von Walpurgis sehe ich als weniger möglich, ist doch der Ausgangsname dazu Walburga.
Soviel Verschleifung / Lautverschiebung wäre wohl eher unwahrscheinlich.
Ein anderer Gedanke zur Etymologie - entstanden aus mhd. bürge, borge "Bürge, Geisel; Bürgschaft"

Praktisch wäre auch, wenn uns Claudia noch einen Scan aus der originalen Urkunde / Eintragung zur Ansicht posten würde.
Vielleicht hat sie dann auch wieder eine "Sauklaue" eines Pfarrers parat?
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Freundliche Grüße
Laurin
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