#1  
Alt 09.04.2019, 09:52
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Standard Der Werdegang des David Schwarz

Hallo zusammen!

Es geht um meinen 3xUrgroßvater David Schwarz aus Rackitt in Hinterpommern. Anläßlich seiner Trauung mit Dorothea Marie Suckow, ebenfalls aus Rackitt, im Jahre 1833 wird David als "Dienstknecht" bezeichnet. Bereits sein Vater Martin war "Arbeitsmann", worunter ich mir auf dem Lande ebenfalls einen Knecht vorstelle. Aus der Sterbeurkunde von Davids Sohn geht jedoch hervor, daß David "Eigentümer" in Rackitt war. Unter einem Eigentümer stelle ich mir einen Bauern vor.

Wie könnte es David Schwarz nun vom Knecht zum Bauern geschafft haben? Ein solcher "sozialer Aufstieg" ist mir andernorts noch nie begegnet. Ich habe etliche Bauern unter meinen Vorfahren und konnte feststellen, daß man, zumindest in meiner Heimatregion, gerne und ausschließlich "unter sich" blieb.

Davids Schwiegervater Gottfried Suckow war Bauer in Rackitt und starb 1818 bereits mit 34 Jahren, also lange vor der Hochzeit seiner Tochter, die bereits als kleines Kind ihren Vater verlor. Könnte es sich so zugetragen haben, daß Dorothea Marie Suckow als Hoferbin, gleich nachdem sie volljährig geworden war, den Knecht David Schwarz heiratete, der damit zum Bauern wurde? Vielleicht den Mann, der den Hof nach dem Tode ihres Vaters führte?

Spekulation, ich weiß. Hat jemand schon einmal Kenntnis davon erlangt, daß ein Knecht in einen Bauernhof eingeheiratet hat?

Viele Grüße
consanguineus
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Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben

Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770

Geändert von consanguineus (09.04.2019 um 10:15 Uhr)
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  #2  
Alt 09.04.2019, 11:01
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AKocur AKocur ist offline weiblich
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Hallo,

Eigentümer muss ja nicht heißen, dass da genug Land bei ist, dass man damit die Familie ausreichend versorgen kann. Ich kenn mich in Hinterpommern zwar nicht aus, aber auch da wird es doch sicherlich unterschiedliche Hofgrößen bis runter zu "es reicht so gerade, dass die Familie nicht verhungert" gegeben haben. Und dann musste halt dazu verdient werden.

LG,
Antje
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  #3  
Alt 09.04.2019, 11:31
Manfred77 Manfred77 ist offline
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Früher gab es so genannte Häusler. Die hatten ein kleines Haus mit ein wenig Land. Vielleicht noch ein Schwein und einige Hühner dabei. Alles zur Eigenversorgung.
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  #4  
Alt 09.04.2019, 17:50
Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
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Hallo consanguineus,

es könnte sein, dass Du hinter dem Begriff "Eigentümer" mehr vermutest als wirklich dahinter steckt. Ich habe selbst "Eigentümer" in der Prov. Posen als Vorfahren und nicht den Eindruck, dass diese vermögenden Schichten angehörten. -- Wurde über den Begriff "Eigentümer" hier nicht erst unlängst diskutiert?! Leider finde ich den Thread dazu nicht.

Unabhängig davon kann es auch innerhalb einer "Schicht" durchaus erhebliche soziale Unterschiede oder besondere Umstände gegeben haben. Das ist ja gerade das Spannende, dass es neben den auf dem Papier stehenden Ständen eine (um mal Eduard Rübel zu zitieren) bewegliche Ordnung gegeben hat, und in der spielten eben Wissen, Können, Ansehen, Bildung, Persönlichkeit, Glück usw. eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Es grüßt der Alte Mansfelder
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- Albrecht, Gottfried, Ziegeldecker aus Aschersleben, oo wo? v. 1791
- Beilcke, Joh. Caspar, Schafmeister Südharz, oo wo? um/v. 1767
- Blendor, Blandor(t), Joh. Christian, zul. Unteroffizier, *?/oo v. 1762/+ v. 1793 wo?
- Daume, Daniel *wo? (1716), zul. Erbmüller in Stangerode
- Kaur, Johann, 1815 Soldat Magdeburger Garnison, Schneider, */oo/+ wo?
- Knispel, Michael, oo wo? um/v. 1812 (Prov. Posen) Anna Rosina Linke
- Stahmer, Jacob *wo? (1767), Soldat, zul. in Aschersleben
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  #5  
Alt 10.04.2019, 14:21
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo, Ihr Lieben!

Zunächst einmal vielen Dank für die Antworten. Ich glaube, meine Anfrage kam nicht richtig rüber. Nirgendwo habe ich die Vermutung geäußert, daß David Schwarz durch seine Heirat ein "großer" oder "wohlhabender" Bauer geworden sein könnte. Mir ist die ganze Bandbreite bei den Hofgrößen der Bauern bekannt. Lange nicht jeder Bauer konnte durch seinen Beruf reich werden. Aber noch der Ärmste unter ihnen hätte Wert darauf gelegt, kein Knecht zu sein oder als solcher bezeichnet zu werden.

Warum ich angenommen habe, daß David Schwarz durch die Heirat mit der Tochter eines Bauern zu einem "Eigentümer" wurde? Weil ich keine Idee habe, wie es sich sonst hätte zugetragen haben können. Ich bin nun ein wenig tiefer in die Rackitter Kirchenbücher eingestiegen. Da ich momentan leider wenig Zeit habe, noch nicht ausreichend tief. In Rackitt lebten zeitgleich mehrere Gottfried Suckow. Den Vater der Dorothea Marie, der Frau des David Schwarz, habe ich jedoch nur anläßlich seines Todes gefunden. Er scheint wenig Spuren hinterlassen zu haben. Vermutlich muß ich mehr Zeit in die Suche investieren. Bis auf seine Tochter Dorothea Marie sind mir keine weiteren Kinder untergekommen, was auch nicht ganz unwahrscheinlich ist, da Gottfried ja bereits mit 34 Jahren starb. Wäre Dorothea Marie die einzige oder älteste Tochter, so wäre sie bei Fehlen von Brüdern wohl die Hoferbin geworden, was den "Aufstieg" ihres Mannes erklärt hätte.

Nun wird David Schwarz aber noch bei der Geburt der ersten beiden Söhne in den Jahren 1836 und 1838 als Knecht bezeichnet. Somit fällt meine oben genannte Vermutung wohl flach. Hätte seine Frau den väterlichen Hof geerbt, würde man ihren Mann nach der Hochzeit kaum als Knecht bezeichnen. Offenbar hat sie den Hof also nicht geerbt. Im Jahre 1854 aber, anläßlich der Geburt meines Ururgroßvaters, taucht David Schwarz als "Freimann" auf. Was auch immer sich hinter der Bezeichnung "Freimann" verbirgt: zumindest scheint David zu diesem Zeitpunkt kein Knecht mehr zu sein. Hat jemand eine Idee, was genau ein Freimann war?

Viele Grüße
consanguineus
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  #6  
Alt 10.04.2019, 14:41
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Hallo,

da kann ich ja vollkommen falsch liegen, aber hier

https://books.google.de/books?id=16k...1mCjIQ6AEILjAB

https://books.google.de/books?id=jwN...1mCjIQ6AEIOjAD

zu gucken, kann wahrscheinlich nicht schaden.
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Herzliche Grüße,
Scheuck

Geändert von scheuck (10.04.2019 um 14:43 Uhr)
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  #7  
Alt 10.04.2019, 15:27
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AKocur AKocur ist offline weiblich
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Hallo,

als was wird der David denn bei den Taufen der restlichen (zwischen 1838 und 1854 werden ja sicherlich weitere Kinder getauft worden sein) bezeichnet?

Von wann ist denn die Sterbeurkunde des Sohnes, wo David als "Eigentümer" bezeichnet wurde? Lebte er da noch? Das "Eigentümer" könnte ja auch einfach eine "nachträgliche Standeserhöhung" gewesen sein; das hat man ja auch des öfteren bei Sterbeurkunden, wo dann z.B. aus einem Gesell plötzlich mit dem Tod ein Meister wird Oder er hat sich im Alter noch ein Häuschen gekauft, wäre ungewöhnlich, aber ja nicht völlig unmöglich.


LG,
Antje

Geändert von AKocur (10.04.2019 um 15:28 Uhr)
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  #8  
Alt 11.04.2019, 12:54
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Hallo Scheuck und Antje!

Vielen Dank für Eure Antworten. Die Definitionen des Freimannes sind sehr interessant. Die zweite wird der Wahrheit wohl am nächsten kommen.

Ja, der David hatte zwischen 1838 und 1854 noch reichlich Kinder. Zuletzt wird er 1841 als "Knecht" bezeichnet. Ab 1844 schreibt der Pfarrer dann "Freimann". Die Sterbeurkunde seines jüngsten Sohnes, meines Ururgroßvaters, wurde 1905 ausgestellt. Da mag es tatsächlich sein, daß man sich und seinen Ahn wohl in ein etwas besseres Licht setzen wollte. Nachprüfen konnte man es ohnehin kaum, da mein Ururgroßvater Lehrer und Küster fernab der Heimat geworden war.

Dann habe ich herausgefunden, daß der Bauer Gottfried Suckow, den ich zunächst als den Vater der Dorothea Marie angesehen habe, nicht der Vater ist, sondern ein anderer Bauer Gottfried Suckow, welcher ungefähr zeitgleich in Rackitt lebte und wirkte. Rackitt, das Dorf, in dem 80% der Männer Gottfried, Christian Friedrich oder Michael Friedrich hießen. Und 80% der Frauen Anna Regine oder Dorothea Marie. Und ein Drittel aller Rackitter schien der Familie Suckow zu entstammen. Ich hatte eine lange und schweißtreibende Nacht mit dem Rackitter Kirchenbuch. Diesen Gottfried Suckow und seine Frau Anna Maria Diekow (Dikow, Dickow, Tieck, Tiken) konnte ich anhand des Konfirmationseintrages der Tochter, meiner 3xUrgroßmutter, festnageln. Zum Glück, denn just der Kirchenbuchjahrgang 1812, in dem die Taufe der Dorothea Marie verzeichnet sein muß, wie sich zweifelsfrei aus dem Eintrag ihrer Trauung mit David Schwarz im Jahre 1833 errechnen ließ, fehlt komplett. Ich hatte also keine Taufe, (zunächst) keine Eltern, kein gar nichts. Dummerweise geht aus den Rackitter Kirchenbüchern der betreffenden Zeit nicht hervor, woher die (zugeheirateten) Eheleute kamen und generell nicht, wer ihre Eltern waren. Glücklicherweise gibt es sehr akkurate Angaben zu den Taufpaten, von denen man pro Taufereignis nicht selten mehr als 20 hatte (kein Witz!). Auf diese Weise habe ich wenigstens ermitteln können, aus welchen Orten die Anna Maria Diekow kommen könnte. Leider gehen beispielsweise das Rackitter KB, zumindest die Digitalisate, nur bis 1796 zurück. In Altengrape, dem Geburtsort des David Schwarz sieht es nicht besser aus (1795). So habe ich gestern wohl einige tote Punkte einkassiert.

Viele Grüße erstmal
consanguineus
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  #9  
Alt 11.04.2019, 13:37
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Hallo,

dann schaut es also aus, als ob er bis mind. 1841 als Knecht fest angestellt war und sich anschließend als Freimann verdingt hat. Hast du eigentlich seinen Sterbeeintrag schon?
Lehrer und Küster weit weg vom Ursprung, da ist die nachträgliche Erhöhung wirklich gut denkbar. In meiner Familie hat z.B. mein Urgroßvater im Sippenfragebogen (NS Zeit) seinen Opa zum Gutsbesitzer gemacht. Der Gute war nur Arbeiter und Halbhüfner


20 Taufpaten, irre

LG,
Antje
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  #10  
Alt 11.04.2019, 16:39
assi.d assi.d ist offline weiblich
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Hallo,

ich habe in meiner Familie mehrfach den gleichen Fall.

1. der zweit-, dritt- oder viertgeborene Sohn war so lange Knecht, bis er in einen entsprechenden Hof einheiraten konnte.

2. oder der älteste Bruder starb und der nächste Bruder rückte in der Erbfolge nach. Bei mir starb der ältere Bruder in WK1. Der jüngere Sohn wurde noch bei seiner Hochzeit als "Helfer" bezeichnet.

3. oder es war lange nicht absehbar, wer den Hof erben sollte.

4. Allerdings habe ich auch eine Schuhmacherdynastie über fast 200 Jahre, die um 1850 mir-nichts-dir-nichts einen echt großen Hof kauft... sicher erspart.


Gruss
Astrid
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