#31  
Alt 26.04.2010, 14:41
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Johannes v.W. Johannes v.W. ist offline männlich
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Lacplesis, noch einmal Kompliment für die interessanten Briefe. Ich sah, du bist Briefmarkensammler- ein Hobby, das mit dem unseren ja immer wieder verglichen wird. Nun gibt es auch einmal effektive Überschneidungspunkte.
Andere Briefe hast du bereits in eurem Forum präsentiert, das ich einmal interessehalber verlinke. Das kannst du gerne auch mit unseren Faden dort tun.


Zur Genealogie der Chreptowicz:

Joachim Littawor Chreptowicz herbu Odrowąż, 1729-1812
aus altem, polnisch-litauischen Adel, Kanzler von Litauen und Mitglied des berühmten polnischen "Großen Sejm" von 1791, bei dem eine der frühesten modernen Verfassungen verabschiedet wurde. Erbauer von Szczorse, wo er einen Musenhof unterhielt, der auch von König Stanislaus August bewundert wurde.

Sein Urenkel:
Michal Hrabia/Graf Littawor-Chreptowicz 1860-1891, russischer Grafenstand 1843, Herr auf Szczorse, letzter seiner Linie (wie bereits oben einmal erwähnt). Verheiratet mit Helena Gräfin von Nesselrode, Tochter des russischen Staatskanzlers Karl Graf von Nesselrode und der Marya Gräfin Gwoniew.
(Quelle: Dunin-Borkowski, Rocznik Szlachty Polskiej, Lwow 1881, T.1, S.184f.)
Dessen Schwester Maria Chreptowicz, verheiratet mit Apolinary Buteniew: deren Sohn Konstanty (1848-1932), bzw. dann die Enkel vereinigten die Familien als Hrabie/Grafen Buteniew-Chreptowicz. Konstanty ist wohl der Vater der Briefempfängerin, Katharina (genannt Katja) Gräfin Buteniew-Chreptowicz.

Man kann in der Genealogie der Familie auch bei M. Minakowski surfen: Konstanty Hrabia Buteniew.
Leider sind weder seine Frau, noch die Tochter Katja (Briefempfängerin) hier erwähnt. Man findet aber den Bruder Apolinary und dessen Frau Maria (wohl die "Mascha" der Briefe), geb. Fürstin Trubetzkoy. Sowie eine Tante, verheiratete Fürstin Bariatynska (von einer Cousine "Prinzess Bariatynska" war auch die Rede in den Briefen). Interessant ist weiter, daß Neffen und Nichte (der Briefempfängerin), die dann nach der Revolution in Warschau und Paris waren, noch weiter in den ehemals russischen Magnatenadel einheirateten. Dieser Zusammenhalt unter den russischen Exilanten war schon beinahe sprichwörtlich. Nach dem 2. WK emigrierte die Familie in die USA, wo heute noch Nachkommen leben.
(Quelle: M. Minakowski, Wielka Genealogia Minakowskiega und Potomkow Sejmu Wielkiego)

Viele Grüße
Johannes

PS. "Boutenev" ist wohl die französische Schreibweise, "Buteniew"- polnisch und bei uns.
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Geändert von Johannes v.W. (26.04.2010 um 15:30 Uhr)
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  #32  
Alt 26.04.2010, 15:17
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Ein wirklich tolles Thema .
Danke Johannes für die weiterführenden Infos.

Dann werde ich mal den nächsten Puzzlestein werfen.

Nachdem wir nun wissen, dass Ferdinand Fischer aus Sachsen stammt, bin ich ihm auf die Schliche gekommen.

Hier auf S. 19. wird nämlich verraten, dass er aus Deutschbora (OT von Nossen) stammt. Da so ein kluger Kopf in aller Regel auch eine höhere Ausbildung hatte, habe ich mich mal über die Matrikeln der Uni Chemnitz (früher Gewerbeschule) hergemacht und bin fündig geworden.

Friedrich Ferdinand Fischer, geb. 2.8.1829 in Deutschbora war dort von 1844-1847 immatrikuliert. Das passt perfekt zu den weiteren Daten. Er wird um 1850/55 nach Szczorse gekommen sein und hat dort 40 Jahre gewirkt. Das wäre dann 1890/95.

Viele Grüße
Hina

PS: Ich habe die "Falschmeldungen" aus meinem alten Beitrag entfernt.
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  #33  
Alt 26.04.2010, 20:29
Lacplesis Lacplesis ist offline männlich
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Tja, ich stehe wohl zwischen den Welten... Genealogie und Philatelie sind bei uns Familientradition.

Ich werde das Thema auf jeden Fall jetzt in beiden Foren führen!

Drüben haben wir hervorragende "Schriftkundige" und halt auch Leute für jede Sprache.
Und so schnell, so viel historische Zusatzinformationen wie ich hier bis jetzt bekommen habe, das ist wirklich Spitze.

Hier jetzt noch ein wenig zu Katias Verwandschaftsverhältnissen:

Katias Geschwister:

1. Chreptowitch-Boutnev, Apollinari Konstantinovich
Verheiratet mit Trubetskaya, Maria Sergeyeva
Der in den Briefen erwähnte Bruder, der endlich mal heiraten soll...
Diplomatischer Dienst in Tokio, Mitbegründer der russisch orthodoxen Kirche in Clamart bei Paris, kehrte später nach Szczorse zurück, als dieses in Polen lag, viel 1939 den Soviets in die Hände, hat ein Buch über seine Rückkehr geschrieben (leider nur kleine Auflage in Russland). Mehere Söhne von ihm haben Gagarin Prinzessinen geheiratet.

2. Chreptowitch-Boutenev, Maria Konstantinovna (Mascha)
Verheiratet mit Prinz Trubetskoy, Grigorii Nikolaevich (Diplomatischer Dienst Konstantinopel, Belgrad)

Katias Eheman:
Onu, Konstantin Michaelovich
Diplomatischer Dienst Konstantinopel, Den Haag, Washington D.C.

Seine Geschwister:
1. Onu, Andrey Michaelovich (Diplomatischer Dienst London)
2. Onu, Alexander Michaelovich (Diplomatischer Dienst Bern)
3. Onu, Alexandra Michaelovna
(Verh. mit Prinz Shakhovskoi, Vsevolod N., Letzter Imperialer Minister für Handel
und Industrie)
4. Onu, Elena Mikhailovna
(Verh. mit Prinz Trubetskoy, Vladimir Vladimirovich)
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  #34  
Alt 26.04.2010, 21:04
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Hallo Lacplesis

Also alles sehr interessant. Nach der Genealogie von Minakowski, hier nochmal der Link: http://www.sejm-wielki.pl/b/sw.69892 heirateten 2 Söhne des Bruders ebenfalls Trubetzkoy (d.h. Trubetzkaya), vielleicht gab es noch weitere, die Gagarins heirateten? (Oder irrte hier Minakowski?)

Es wäre auch interessant zu wissen, was die Onu für eine Familie waren, sie müssen wohl dem russischen Adel zuzurechnen sein- allein den Heiraten nach zu urteilen. Hatte die Briefempfängerin wohl selber Kinder?

Kleine Anmerkung noch: Für die russischen Namen kann man die deutsche oder englische Umschreibung wählen, das ist dann Geschmackssache. Die Kniasen-Titel werden auf jeden Fall bei uns als "Fürst, bzw. Fürstin" (auch für die Töchter) übersetzt. Im englischen gibt es dafür keine Entsprechung, deshalb wählen die hier "Prince". Das ist bei uns aber nicht stimmig.

Beste Grüße
Johannes
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  #35  
Alt 26.04.2010, 21:34
Lacplesis Lacplesis ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Johannes v.W. Beitrag anzeigen
Also alles sehr interessant. Nach der Genealogie von Minakowski, hier nochmal der Link: http://www.sejm-wielki.pl/b/sw.69892 heirateten 2 Söhne des Bruders ebenfalls Trubetzkoy (d.h. Trubetzkaya), vielleicht gab es noch weitere, die Gagarins heirateten? (Oder irrte hier Minakowski?)
Der Stammbaum der Gagarins ist online verfügbar, siehe Line 1 Branch 1. Apollinari Konstantinovich hatte eine ganze Menge Kinder wenn ich das richtig sehe. Anbei das Titelbild seines Buches, das ihn mit Familie in Szczorse in den 30er Jahren zeigt.

Zitat:
Zitat von Johannes v.W. Beitrag anzeigen
Es wäre auch interessant zu wissen, was die Onu für eine Familie waren, sie müssen wohl dem russischen Adel zuzurechnen sein- allein den Heiraten nach zu urteilen. Hatte die Briefempfängerin wohl selber Kinder?
Das würde mich auch sehr interessieren. Laut der aktuellen Fürstin Gagarin hatte Katia keine Kinder und leider hatte sie auch kein Foto von ihr im Familienarchiv.

Zitat:
Zitat von Johannes v.W. Beitrag anzeigen
Kleine Anmerkung noch: Für die russischen Namen kann man die deutsche oder englische Umschreibung wählen, das ist dann Geschmackssache. Die Kniasen-Titel werden auf jeden Fall bei uns als "Fürst, bzw. Fürstin" (auch für die Töchter) übersetzt. Im englischen gibt es dafür keine Entsprechung, deshalb wählen die hier "Prince". Das ist bei uns aber nicht stimmig.
Ja, ich weiß das eigentlich sogar. Aber die vielen verschiedenen Schreibweisen geraten mir immer wieder durcheinander.
Bitte verzeih mir die Schlampigkeit, ich versuche mich zu bessern.
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  #36  
Alt 27.04.2010, 00:20
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Zitat:
Zitat von Lacplesis Beitrag anzeigen
Der Stammbaum der Gagarins ist online verfügbar
Wow, beim Urgroßvater 23. Generation habe ich sogar Ahnengleichheit Großfürst. Wsewolod III. von Wladimir .
Das Titelbild des Buches gefällt mir. Ist ja wirklich eine riesige Familie.

Onu sagt mir auch noch nichts aber ich werde mich mal auf die Suche machen.

Viele Grüße
Hina
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  #37  
Alt 27.04.2010, 08:56
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Ich habe noch eine Liste mit russischen und baltischen Adelsnamen, da fand ich den Namen "Onou", das könnten sie sein. Danach sollen sie hier drin stehen:
P. de Gmeline, Dictionnaire de la noblesse russe, Paris 1978. Das Buch habe ich aber auch nicht.

Grüße von Johannes
(Und: das ist ja ein Kindersegen... alle Achtung )
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Alt 27.04.2010, 13:24
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Onou ist die französische Variante, kommt also hin. Im russichen ist es einfach ону = Onu.
Ich vermute der Name ist moldavisch.
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