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  #1  
Alt 16.10.2018, 17:09
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
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Standard Einwohnerverzeichnis für Breslau nach den Klassensteuerrollen 1881 bis 1906

Nachfolgende Beiträge beschäftigen sich mit der Klassen- bzw. Einkommensteuer-Rolle der Stadt Breslau, die seit Anfang Oktober 2018 vom Staatsarchiv Breslau im Internet veröffentlicht wurde – siehe auch diesen ersten Beitrag aus dem Forum dazu.

Die schlesische Hauptstadt Breslau hat eine enorme Menge von Archivalien gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, aber auch in der direkten Nachkriegszeit verloren. Dazu gehören vor allem evangelische Kirchenbücher und Standesamtsregister. Einem Verzeichnis, das einen großen Teil der Breslauer Einwohnerschaft namentlich sowie zum Teil mit Geburtsdatum und Geburtsort des Steuerzahlers sowie Namen und Alter der Ehefrau und Kinder erfaßt, kommt daher eine größere Bedeutung zu wie etwa für München oder Erfurt.

Die sogenannte Klassensteuer gab es in Preußen seit den 1850er Jahren; etwas Vergleichbares war sicher auch in Bayern, Hessen, Sachsen usw. vorhanden und wurde dann eben vereinheitlicht seit den 1870er Jahren im gesamten Deutschen Reich eingezogen. Die dt. Steuergesetzgebung war schon früher recht schwer zu durchschauen. Folgende Angaben mögen daher nur für einen bestimmten Zeitraum (1880er Jahre) Gültigkeit gehabt haben:
Befreit von der Klassensteuer waren nur: Die über 60jährigen, die unter 16jährigen, die Soldaten bis zum Unteroffizier, die ständig von der Armenfürsorge lebten sowie Gefängnisinsassen. Dazu kommen die über 1000 Taler pro Jahr verdienten. Sie entrichteten die qualifizierte Einkommensteuer, waren jedoch vorsorglich ebenfalls in der Klassensteuerrolle verzeichnet.

Für den Familienforscher ist hier natürlich die Personenstandserhebung von Interesse. Man unterschied die Erfassung auf dem Land und der Stadt. Auf dem Land traute man den Einwohnern das Selbstausfüllen der Formulare nicht zu, so daß dort der Dorfvorsteher mit dem Gemeindediener alle bewohnten Häuser aufsuchten. Dies sollte um den 12. November geschehen, nicht vor dem 4. und nicht nach dem 25. November. Die so ermittelten Daten kamen zum zuständigen Landrat, wo sie dann erst in die hier vorliegenden Bände eingetragen wurden. Anschließend wurde jeder Steuerfall von der Steuerschätzungskommission taxiert. Die Bände wurden an die Bezirksregierungen geschickt, geprüft und wieder zurück zum Landrat gegeben, von wo sie dann nach dem 1. April zum monatlichen Eintreiben der Steuer verwendet wurden. In der Stadt verschickte die Verwaltung frühzeitig die Formulare an die Hauseigentümer, die sie an die Mieter verteilten. Die Haushaltsvorstände waren für das Ausfüllen verantwortlich. Um den 12. November erschienen die Mitarbeiter der Stadt und sammelten die Papiere ein, die anschließend analog zu den Dörfern weiter vom Magistrat der Stadt, der Steuerkommission und der Bezirksregierung bearbeitet wurden. Das System der Steuereintreibung mittels Steuerbezirke, wo also Steuereinnehmer monatlich die Haushalte aufsuchen mußten, wurde in Breslau zum 31. März 1907 eingestellt. Fortan war der Steuerzahler verpflichtet, seine vierteljährliche Steuerschuld selbst in sogenannten Steuerzahlstellen einzuzahlen. Zunächst gab es in Breslau zehn solcher Steuerzahlstellenbezirke.

Die Klassensteuerrolle mußte alljährlich neu erstellt werden. Es ist daher leicht verständlich, daß unmöglich alle Bände aufbewahrt werden konnten. Vermutlich gab es eine Frist von vielleicht zehn Jahren, danach kamen sie in den Reißwolf. Einige Bände wurden aber anscheinend dauerhaft - womöglich für eine statistische Auswertung - aufgehoben. Davon wurden von der Stadt Breslau bisher die Jahrgänge veröffentlicht:

1881/82 (nur 3 Bände bisher), 1886/87, 1891/92,1896/97, 1901/02, 1906/07 Teil1, 1906/07 Teil 2.

Geändert von Kleinschmid (18.10.2018 um 16:11 Uhr)
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  #2  
Alt 16.10.2018, 17:10
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
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Die veröffentlichten Bände selbst sind weder alphabetisch nach den Familien- noch nach den Straßennamen sortiert. Vielmehr wurden sie nach den sogenannten Steuerbezirken unterteilt und dann erst nach den Straßen sowie den Hausnummern und hier ggf. noch nach geraden oder ungeraden unterschieden. Diese Steuerbezirke mußten fast jährlich an die stark wachsende Breslauer Einwohnerschaft angepaßt werden. Man kann seinen Vorfahren also praktisch nur ermitteln, wenn dessen Adresse in Breslau für das Vorjahr des entsprechenden Steuerjahres bekannt ist. Mit der Adresse läßt sich mit Hilfe der Breslauer Adreßbücher der Steuerbezirk feststellen. Dieser umfaßt 1, 2 oder 3 Bände.

Beispielsweise wurden für das Steuerjahr 1886/87 (genau vom 1. April 1886 bis 31. März 1887) die Personenstandsangaben um den 12. November 1885 erhoben. Ebenso wurden die Daten für die Breslauer Adreßbücher im letzten Quartal des Vorjahres erhoben – also für den Jg. 1886 etwa im Oktober 1885.

Das Verzeichnis der Steuerbezirke für die jeweiligen Hausnummern findet sich im hinteren Teil der Adreßbücher – nachfolgend ein Ausschnitt. Die Adalbertststraße mit den Hausnummern 1-15, 2-20 gehörte in diesem Jahr zum Steuerbezirk 19. Die Bischofstraße gehörte in voller Länge zum Steuerbezirk 9.

Bedauerlicherweise liegen nicht für jeden der veröffentlichten Steuerjahrgänge auch die entsprechenden Adreßbuchjahrgänge vor. Ggf. muß daher der Jg. davor oder dahinter benutzt werden. Die hier aufgeführten Bücher sind von der Firma Ancestry mit kostenpflichtigem Zugang veröffentlicht worden.

Abschließend der wichtige Hinweis: Es sind bereits Fälle bekannt geworden, bei denen die Adresse des Vorfahren anhand der Adreßbücher sowie zum Teil auch durch Personenstandsregister eindeutig nachgewiesen werden konnte, es aber trotzdem in der Steuerrolle unter der Adresse (Straße und Hausnummer) keinen Eintrag gab. Siehe dazu bspw. der Fall Paul Langner.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Steuerbezirke.jpg (254,5 KB, 47x aufgerufen)

Geändert von Kleinschmid (16.10.2018 um 17:38 Uhr)
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  #3  
Alt 16.10.2018, 17:10
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
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Standard 1881/82

Hier wäre der Adreßbuchjahrgang 1881 zu benutzen, doch befindet sich darin noch kein Verzeichnis der Steuerbezirke. Der nächste verfügbare Jahrgang ist 1883 von Ancestry.
Die bisher veröffentlichten drei Steuerbezirke:

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  #4  
Alt 16.10.2018, 17:11
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
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Standard 1886/87

Der Adreßbuchjahrgang 1886 fehlt bei Ancestry und in dem von der Digitalen Bibliothek in Kattowitz veröffentlichte Jg. 1886 wurde das Steuerbezirksverzeichnis entnommen. Hier daher als Ersatz der
Adreßbuchjahrgang 1885 von Ancestry sowie der Jg. 1887 von Ancestry

Alle Steuerbezirke 1 bis 41 wurden veröffentlicht.


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  #5  
Alt 16.10.2018, 17:11
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
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Standard 1891/92

Adreßbuchjahrgang 1891 von Ancestry.
Alle Steuerbezirke 1 bis 43 wurden veröffentlicht.


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  #6  
Alt 16.10.2018, 17:12
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
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Standard 1896/97

In dem von Ancestry veröffentlichte Adreßbuchjahrgang 1896 wurde das Steuerbezirksverzeichnis entnommen. Hier daher als Ersatz der
Adreßbuchjahrgang 1895 von Ancestry. Der Adreßbuchjahrgang 1897 fehlt bei Ancestry überhaupt.
Alle Steuerbezirke 1 bis 45 wurden veröffentlicht.


1--1a
2--2a
3--3a
4--4a
5--5a
6--6a
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8--8a
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16--16a
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18--18a
19--19a
20--20a
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22--22a
23--23a
24--24a
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26--26a
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32--32a
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  #7  
Alt 06.01.2019, 10:59
Benutzerbild von Weltenwanderer
Weltenwanderer Weltenwanderer ist offline männlich
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Das Problem ist, dass der Mod hier inaktiv ist. Bisher wurde meiner Bitte stets entsprochen, wenn ich die Meldefunktion benutzt habe. Ich werde in den nächsten Wochen mal versuchen, bei den angepinnten Threads mal aufzuräumen (wenn die Administration es zulässt).
__________________
Kreis Militsch: Latzel, Gaertner, Meißner, Drupke, Mager, Stiller
Kreis Tarnowitz / Beuthen: Gebauer, Parusel, Michalski, Wilk, Olesch, Blondzik, Kretschmer, Wistal, Skrzypczyk, von Ziemietzky, von Manowsky
Brieg: Parusel, Latzel, Wuttke, Königer, Franke
Trebnitz: Stahr, Willenberg, Oelberg, Meißner, Latzel
Kreis Grünberg / Freystadt: Meißner, Hummel

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  #8  
Alt 07.01.2019, 11:55
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
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Ich bitte die Umstände zu entschuldigen und wünsche abschließend allen schlesischen Familienforscher weiterhin viel Erfolg!
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