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  #1  
Alt 22.06.2015, 14:53
DaveMaestro DaveMaestro ist offline männlich
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Registriert seit: 11.03.2012
Beiträge: 1.452
Standard Mischehen der Religionen Katholisch und Evangelisch

Hallo Liebes Forum,

in der Forensuche hatte ich nur einen Beitrag gefunden, wo die Söhne nach der Konfession des Vaters (Katholisch) und die Töchter nach der Konfession der Mutter (evangelisch) getauft worden sind.

Wie verhält es sich aber bei der Eheschließung? Wo sollte man diese eher suchen?

Ich habe einmal den Fall in Magdeburg: Ehemann *1804 Evangelisch und Ehefrau *1802 katholisch. Die mir bekannten Kinder fand ich in den evangelischen Taufbüchern. In welchem Heiratsbuch(evangelisch oder katholisch)könnte die Ehe stattgefunden haben?

Dann habe ich einen umgekehrten Fall. Der Ehemann (Katholisch, *1847 aus Bernsdorf) und die Ehefrau (evangelisch, *1848 aus Salzwedel). Kinder in der Katholischen Kirche Postdam geboren und getauft. Die Ehe wurde nicht in Potsdam geschlossen, soviel weiß ich schon.

Ist die Konfession des Vaters hier auch ausschlaggebend für den Ort der Ehe? Mussten die Bräute dann zwingend die Kirche wechseln?

Wie gesagt, dass hier sind meine beiden Ausnahmefälle, sonst waren die Brautleute nur Katholisch oder nur Evangelisch. Da war die Suche auch einfacher.
Heute ist es laut hier ja so:
http://www.katholisch.de/glaube/unse...htig-zu-wissen

Zitat:
Mein Verlobter ist evangelisch, ich bin katholisch. Wie können wir heiraten?
Sie können katholisch heiraten, müssen dann aber versprechen, dass Sie Ihre Kinder katholisch taufen lassen und in Ihrem Glauben erziehen werden. Eine andere Möglichkeit ist die gemeinsame kirchliche Trauung (ökumenisch) – entweder in der katholischen Kirche mit Beteiligung des evangelischen Pfarrers oder in der evangelischen Kirche mit Beteiligung des katholischen Geistlichen.
Vielen Dank für Eure Antworten und Erfahrungswerte

Gruß Dave
__________________


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  #2  
Alt 22.06.2015, 16:41
Artsch Artsch ist offline
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Hallo Dave,

-war einer von beiden geschieden, wurde meistens evangelisch geheiratet.
-Nicht jeder katholische Pfarrer traute ein Paar mit unterschiedlichen Konfessionen.
-Beim Wechsel zur katholischen Kirche mußte man sich erst qualifizieren und dies beanspruchte Zeit. Also wie eilig war der Heiratswunsch?
-Wer war seinem Glauben mehr verbunden und setzte sich durch?
-Was war für die Verwandten tragbar?
-Welche Kirche war besser zu erreichen?

Ich tippe auf die evangelische Trauung.
Oder war Magdeburg damals etwa mehr katholisch?

Beste Grüße
Artsch
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  #3  
Alt 22.06.2015, 17:30
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Registriert seit: 23.10.2012
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Beiträge: 7.555
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Hallo,

Zitat:
Zitat von DaveMaestro Beitrag anzeigen
....Ich habe einmal den Fall in Magdeburg: Ehemann *1804 Evangelisch und Ehefrau *1802 katholisch. Die mir bekannten Kinder fand ich in den evangelischen Taufbüchern...
Eheschließung vermutlich im evangelischen Kirchenbuch zu finden

Zitat:
Zitat von DaveMaestro Beitrag anzeigen
....Dann habe ich einen umgekehrten Fall. Der Ehemann (Katholisch, *1847 aus Bernsdorf) und die Ehefrau (evangelisch, *1848 aus Salzwedel). Kinder in der Katholischen Kirche Postdam geboren und getauft. Die Ehe wurde nicht in Potsdam geschlossen, soviel weiß ich schon....
Eheschließung vermutlich in der Heimatgemeinde der Braut zu finden; also vermutlich in Salzwedel


allgemein kann man sagen, dass die evangelische Kirche toleranter war als die katholische.

Gruss

Geändert von Anna Sara Weingart (22.06.2015 um 17:35 Uhr)
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  #4  
Alt 22.06.2015, 18:31
mumof2 mumof2 ist offline weiblich
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Hallo Dave,

ich weiß nicht, ob man da "Wenn-dann" Regeln aufstellen kann. Wie Artsch bereits aufzeigte, gab es verschiedene Gründe, die die Entscheidung beeinflußten.

Ich fand letztens einen interessanten Fall in Berlin: Der Bräutigam war reformierten Glaubens, seine Braut katholisch. Geheiratet wurde 1788 in der katholischen Kirche, das Aufgebot fand sich (zum Glück) in der reformierten Kirche Friedrichswerder. Die Kinder wurden übrigens in der reformierten Kirche getauft.
__________________
Viele Grüße
mum of 2
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  #5  
Alt 22.06.2015, 20:31
DaveMaestro DaveMaestro ist offline männlich
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Registriert seit: 11.03.2012
Beiträge: 1.452
Standard Danke

Hallo Artsch, Anna Sara Weingart und Mumof2,

vielen Dank für Eure Antworten. Meine Tendenz ging auch eher zur evangelischen Kirche.

Allerdings hatte ich so bei der Variante Ehemann (Katholisch), Ehefrau (Evangelisch) noch so meine Gedenken.

Zitat:
Sie können katholisch heiraten, müssen dann aber versprechen, dass Sie Ihre Kinder katholisch taufen lassen und in Ihrem Glauben erziehen werden.
Bei diesem Satz hört es sich so an, als ob man ohne Probleme Katholisch heiraten könnte, aber war das damals auch schon der Fall?

Lieben Gruß der Dave
__________________


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  #6  
Alt 22.06.2015, 21:46
Benutzerbild von Garfield
Garfield Garfield ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von DaveMaestro Beitrag anzeigen
Zitat:
Sie können katholisch heiraten, müssen dann aber versprechen, dass Sie Ihre Kinder katholisch taufen lassen und in Ihrem Glauben erziehen werden.
Bei diesem Satz hört es sich so an, als ob man ohne Probleme Katholisch heiraten könnte, aber war das damals auch schon der Fall?
Zumindest 1982 in Süditalien war das überhaupt nicht so problemlos, wie man meinen würde. Pfarrer können sich offenbar einfach weigern, eine solche Heirat durchzuführen. Aber prinzipiell stimmt diese Aussage.

Ich kann mich an frühere Diskussionen in diesem Forum erinnern und ich schlussfolgere daraus, dass die Mischehen in Deutschland früher weniger streng gehandhabt wurden.
Durch die Regelung "wessen Land, dessen Religion", wechselte die Religion in manchen Orten im deutschen Gebiet relativ häufig. So konnte es zB geschehen, dass einige Kinder evangelisch getauft wurden, dann wurde jemand anderes Territorialherr, womit die Religion wechselte, und die nächsten Kinder wurden katholisch getauft. Dadurch dürfte es in Grenzgebieten auch öfters Mischehen gegeben haben.
Wie streng die Religionssache und Mischehen gesehen wurden, wird aber sicher sehr stark von der Gegend und Zeit anhängig gewesen sein.
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Viele Grüsse von Garfield

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  #7  
Alt 22.06.2015, 22:42
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Silke Schieske Silke Schieske ist offline
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Hallo Dave,

Bei mir haben kath. Ehemänner auch oft evangelisch geheiratet. Ansonsten schaue, ob es ggf. Kirchen gab, in denen bevorzugt bei unterschiedlichen Religionen geheiratet wurde.

LG Silke
__________________
Wir haben alle was gemeinsam.
Wir sind hier alle auf der Suche, können nicht hellsehen und müssen zwischendurch auch mal Essen und Schlafen.
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  #8  
Alt 23.06.2015, 00:32
Benutzerbild von Ralf-I-vonderMark
Ralf-I-vonderMark Ralf-I-vonderMark ist offline männlich
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Hallo Dave und den helfenden „Rategeistern“,

nachdem bereits einige gute Vorschläge und Hinweise erteilt wurden zu der Frage, in welchem Traubuch der Traueintrag einer Mischehe eingetragen wurde bzw. zu finden ist, möchte ich auch eine hoffentlich werthaltige Anmerkung machen.

Die Zulässigkeit einer Mischehe war von Region zu Region sehr unterschiedlich. Diese waren im 19. Jahrhundert z.B. in den ev. dominierten Städten Kamen und Hamm relativ häufig und wurden stets von den kath. Pfarrern unter der Voraussetzung erlaubt, dass alle Kinder trotz ev. Trauung kath. getauft wurden. Konfessionell getrennte Taufen für Jungen und Mädchen waren nicht vorgesehen.
Dahingegen waren in den Gemeinden nördlich der Lippe; z.B. im kath. Waltrop Mischehen unzulässig. Es gab also keine feststehende Regelung.

Denkbar ist allerdings der Fall, dass ein Kind auswärtig geboren wurde und in dem Geburtsort nur eine Kirche der anderen Konfession war, so dass das Kind mittels Nottaufe z.B. ev. getauft wurde, obwohl die Eltern kath. waren. Auch uneheliche Kinder wurden manchmal von dem Pfarrer einer anderen Konfession in einem Nachbarort getauft. Derartig atypische Abläufe können sich für die Suche als sehr hinderlich erweisen.

Aber vorliegend geht ja vorrangig um das Auffinden der Eheschließung bei bekanntermaßen ev. getauften Kindern (Fall 1) bzw. kath. getauften Kindern in Potsdam, wobei die Taufen älterer Kinder an einem anderen Ort nicht ausgeschlossen werden können (Fall 2).

Sofern die Brautleute nicht den für die Forschung ungünstigsten Fall gewählt haben sollten, eine Trauung bei einem auswärtigen Pfarrer „Irgendwo im Nirgendwo“ gegen ein entsprechend hohes (inoffizielles) Entgelt vollziehen zu lassen, um eine die „Mischehe“ legitimierende Urkunde zu erhalten, setzt eine „überkonfessionelle“ Trauung grundlegend voraus, dass z.B. bei späterer ev. Trauung der zuständige kath. Pfarrer des Bräutigams/der Braut seine Erlaubnis erteilt hat, also einen Dimissionsschein ausgestellt hat, wonach XY dimitiert ist. Dies gilt auch für den umgekehrten Fall. Dazu hat er dann zumeist in das Traubuch einen Vermerk eingetragen, dass XY dimitiert ist, z.B. zur ev. Trauung nach A.

Da die Brautleute eine Legitimation, teilweise auch eine Abschrift bzw. Bestätigung aus dem Taufbauch, vorlegen mussten, gab es im 19. Jahrhundert sogar Vordrucke.

Zuständig waren zumeist die Pfarrer der Heimatpfarrgemeinde bzw. des Kirchspiels des letzten Wohnortes.

Dies bedeutet, dass sich normalerweise in zwei Kirchenbüchern Einträge finden lassen, nämlich zum einen der Traueintrag im KB des Pfarrers, welcher die Trauung vorgenommen hat und zum anderen in dem KB der anderen Konfession der Dimissionseintrag.

Auf die konkreten Beispiele bezogen bedeutet dies für den zweiten Fall, dass es sich lohnen könnte, sowohl im kath. Traubuch von Bernsdorf als auch im ev. Traubuch von Salzwedel nach einem Trau- bzw. Dimissionseintrag zu suchen.

Der erste Fall dürfte schwieriger sein, da für Magdeburg doch wohl die meisten Kirchenbücher vernichtet wurden. Aber möglicherweise kann die AG Genealogie Magdeburg weiterhelfen. http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&...96339352,d.bGg

Vielleicht führen meine Anmerkungen zum gewünschten Sucherfolg.

Viele Grüße
Ralf
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  #9  
Alt 23.06.2015, 11:01
uwe-tbb uwe-tbb ist offline männlich
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Hallo Dave,

meine Urgroßeltern haben 1924 in Würzburg im Käppele katholisch geheiratet - beide stammen hier aus Baden. Mein Urgroßvater war katholisch - meine Urgroßmutter evangelisch. Die beiden Töchter wurden evangelisch getauft. Später hat sich mein Urgroßvater evangelisch taufen lassen.

Mein Onkel ist evangelisch - seine Frau katholisch - beide haben ökomenisch geheiratet - mein Cousin und meine Kusine sind evangelisch.

Einträge sind auf jeden Fall in beiden Kirchenbüchern möglich. In meiner Heimatstadt Tauberbischofsheim gab es erst ab 1890 eine evangelische Kirche. Bis in 1870er Jahre durften evangekische Tauberbischofsheim nur in der katholischen Kirche heiraten. Der evangelische Pfarrer durfte bis Mitte des 19.Jahrhunderts nur Beerdigungen machen - selbst die Taufen befinden sich ausschlie4ßlich in den katholischen Kirchenbüchern.

Viele Grüße

Uwe

Geändert von uwe-tbb (23.06.2015 um 11:05 Uhr)
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  #10  
Alt 23.06.2015, 13:52
DaveMaestro DaveMaestro ist offline männlich
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Registriert seit: 11.03.2012
Beiträge: 1.452
Standard Danke

Hi,

vielen Dank auch an die anderen Forscherinnen und Forscher für die Antworten.

@ Ralf ab 1808 ist eigentlich ziemlich viel ev. Kirchbuch von Magdeburg erhalten geblieben:
https://familysearch.org/search/cata...Open=443959-50

Nur liegen diese im Landeshauptarchiv Sachsen Anhalt unter der Signatur C131 oder bei den Mormonen zum Bestellen vor :-).

Gruß und Dank für die vielen Beiträge.

Dave
__________________



Geändert von DaveMaestro (23.06.2015 um 18:08 Uhr)
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Stichworte
evangelisch , katholisch , mischehe

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