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  #1  
Alt 23.02.2010, 14:17
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Alrunia Alrunia ist offline weiblich
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Standard Zweifel bei der Deutung mancher Vornamen

Hallo liebe Freunde der Namensforschung!

Aufgrund eines anderen threads wollte ich mich mal wieder ein bisschen schlauer machen und bin dann hierauf gestoßen:
http://www.spatha.de/namen.htm

Erst einmal fiel mir auf, dass viele der germanischen Namen in sehr unterschiedlichen Schreibweisen existieren (Ottokar, Oskar, Ansgar), was wohl in den verschiedenen Dialekten begründet liegt.

Was mir aber noch viel mehr auffiel, ist die überwiegend sehr kriegerische Deutung von Namen. Kann das sein, dass sehr kritiklos die Deutungen aus dem 19. und frühen 20.Jahrhundert übernommen werden, die unter einem starken nationalistischem Einfluss entstanden? Mein persönlicher Eindruck ist, dass manche Namen übertrieben kriegerisch gedeutet werden.

Das Bild von unseren Vorfahren hat sich ja in den letzten Jahren als weitaus friedfertiger entpuppt als die leider noch immer weit verbreiteten Klischees vermuten ließen.

LG
Laura
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  #2  
Alt 23.02.2010, 16:22
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Hallo Laura,
das mag durchaus sein, dass der eine oder andere Name auch eine Fehldeutung ist. Aber letztendlich ist das ja nicht ganz an den Haaren herbeigezogen, sondern sie gehen auf die Etymologie der einzelnen Wortbestandteile (meist sind es ja zwei) der Namen zurück und die zeigten sehr oft eine gewisse "Stärke", allerdings bei sehr vielen Namen auch den "Schutz". Das alles hatte zu der Zeit eine weit höhere Bedeutung, als in späteren Zeiten. Als die Menschen Christen wurden, wurde es auch üblich, dass die Namen mehrheitlich christlich wurde. Namen folgten schon immer der Tradition.
Viele Grüße
Hina
__________________
"Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann
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  #3  
Alt 23.02.2010, 17:27
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Hallo Hina.

ich meinte auch nicht, dass das alles an den Haaren herbei gezogen wäre.

Zum Beispiel die Silbe -borg/-burg/-burga wird mit Schutz übersetzt.
Denke aber mal an das Wort "geborgen" ! Da assoziierst du sicher keine Burg, sondern eine liebe Person, die dich im Arm hält. Aus der stahlgerüsteten Walküre wird auf einmal eine liebende Mutter.
Was ich meine ist, dass man die Silben nicht eins zu eins übersetzen kann und dass da sehr viel weniger martialische Bilder ursprünglich hinter stecken, als so eine Übersetzung erkennen lässt.
LG
Laura
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  #4  
Alt 23.02.2010, 18:07
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Zitat:
Zitat von alura Beitrag anzeigen
Aufgrund eines anderen threads wollte ich mich mal wieder ein bisschen schlauer machen und bin dann hierauf gestoßen:
http://www.spatha.de/namen.htm
Hallo Laura,

leider nennt der Verfasser der genannten Website keine Quellen.
Ohne weitere Recherchen würde ich mit der Übernahme der Namensdeutungen etwas vorsichtig sein.

Lieber noch einmal im Fachbuch nachsehen, z.B. im DUDEN Lexikon der Familiennamen oder auch im "alten" Heintze von 1882.
Wenn's übereinstimmt - umso besser!
__________________
Freundliche Grüße
Laurin
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  #5  
Alt 23.02.2010, 19:15
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"Zum Beispiel die Silbe -borg/-burg/-burga wird mit Schutz übersetzt."

Du mußt immer auch beachten VON WOHER der Name stammt, wo er seinen Ursprung hat. Aus welchem Land, aus welcher Gegend und aus welcher Sprache, die ja oft sehr alt sein kann. Zum Beispiel Ingeborg, Ingeburg kommt aus dem altisländischen und lautete "Ingibjorg" und hat mit borgen rein gar nichts am Hut. In althochdeutsch steht Ingi, Ingwio für den "germanischen Stammesgott der Ingwäonen" + burg für "Schutz, Hilfe". Oder Ingegund, Ingehild kommt ebenso vom althochdeutschen (ahd.) Ingi, Ingwio wie gehabt + gund, hiltja = Kampf

"Was mir aber noch viel mehr auffiel, ist die überwiegend sehr kriegerische Deutung von Namen. Kann das sein, dass sehr kritiklos die Deutungen aus dem 19. und frühen 20.Jahrhundert übernommen werden, die unter einem starken nationalistischem Einfluss entstanden? Mein persönlicher Eindruck ist, dass manche Namen übertrieben kriegerisch gedeutet werden."

Du darfst nicht vergessen, daß viele Namen uralt sind und gerade in Deutschland oft aus der Zeit der alten Germanen stammen. Und die waren halt mal kämpferisch und das mußten sie zu der Zeit wohl auch sein um zu überleben. Das hat rein gar nichts mit nationalistischer Bewegung sagen wir mal jüngerer Zeit zu tun. Ich kann gar nicht verstehen wie du auf sowas kommst. Die meisten Namen sind doch nicht gerade erst gestern entstanden.

Geändert von carinthiangirl (23.02.2010 um 19:24 Uhr)
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  #6  
Alt 23.02.2010, 20:07
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Zitat:
Zitat von carinthiangirl Beitrag anzeigen
Die meisten Namen sind doch nicht gerade erst gestern entstanden.
Die Namen nicht, sondern die Deutungen stammen, so wie auch Grimms Wörterbuch und der Heintze, aus dem 19. Jahrhundert.

Vorher hat sie ja lange Zeit keiner gedeutet, weshalb im Normalfall die meisten Leute nicht wissen, was ihr Vorname bedeutet. Erst im Zuge der Wissenschaft des 19.Jahrhunderts hat man versucht die Bedeutungen wieder ans Tageslicht zu bringen. Diese Zeit war aber geprägt vom Streben nach einem Nationalstaat, den die Deutschen damals nicht hatten. So kam es zu einem verstärkten Interesse an gemeinsamen Wurzeln, was aber auch das (nachgewiesen falsche) Bild von unseren Urvorfahren hervorbrachte. So kämpferisch waren die wahrscheinlich nicht, wie man sich das lange Zeit vorstellte und propagierte. Das Einzige was mit dem Mittelalter besser wurde, war die Ertragssteigerung durch die Dreifelderwirtschaft und den Einsatz von Pferden (dank des Kummet). Ansonsten wurde das Leben nicht wirklich leichter (vor allem auf dem Land) und trotzdem überlebten die Menschen, ohne sich kämpferisch klingende Namen anhängen zu müssen. Da einen Zusammenhang her zu stellen halte ich für genau so plausibel wie meinen bonaventura-Fehltritt ;-)

Gruß
Laura

PS: Du würdest die Burg (den Ort wo man Schutz sucht und sich verbirgt) nicht mit bergen in Zusammenhang bringen?

Geändert von Alrunia (23.02.2010 um 20:48 Uhr)
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  #7  
Alt 23.02.2010, 20:56
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Zitat:
Zitat von alura Beitrag anzeigen
Die Namen nicht, sondern die Deutungen stammen, so wie auch Grimms Wörterbuch und der Heintze, aus dem 19. Jahrhundert.

Vorher hat sie ja lange Zeit keiner gedeutet ...
Hallo Laura,

dieser Auffassung muß ich doch vehement widersprechen.

Mit der "Deutung" befaßt man sich doch wohl schon solange, wie es den (heutigen) Menschen gibt,
nur daß vor der Entwicklung der Schrift (vor ca. 6000 Jahren) einzig das gesprochene Wort überliefert werden konnte.
Da kamen im Laufe der Zeit schon mal heftige Fehlinterpretationen vor.

Daß in Mitteleuropa relativ spät wissenschaftliche Untersuchungen - und Deutungen - zu Papier gebracht wurden,
lag wohl eher an der dominierenden Stellung der Kirche, denn außer den Mönchen beherrschte wohl fast niemand die Schriftsprache.
Und - die Kirche hatte bekanntlich sehr lange kein Interesse an Aufklärung von Dingen, die nicht in ihr Schema paßten.
__________________
Freundliche Grüße
Laurin
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  #8  
Alt 23.02.2010, 21:01
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Zitat:
Zitat von alura Beitrag anzeigen
Denke aber mal an das Wort "geborgen" ! Da assoziierst du sicher keine Burg, sondern eine liebe Person, die dich im Arm hält.
Hallo Laura,

natürlich würde ich da auch nicht eine Burg assoziieren, weil das das Partizip Perfekt von bergen ist, also ein konjugiertes Verb. Man muss schon auf das Grundwort zurück gehen, sonst führt das in die Irre. Die meisten Namen wurden in der Regel aus einem Substantiv und einem Adjektiv zusammengesetzt.

Viele Grüße
Hina
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  #9  
Alt 23.02.2010, 23:52
roi roi ist offline
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Wenn man die alten Formen der Namen kennt, ist das keine Frage von deuten - man kann die Namen, wenn sie z.B. alt dem Althochdeutschen stammen, praktisch übertragen oder übersetzen, das hört sich in der modernen Fassung dann eher komisch an, aber die Leute haben ihren Kindern tatsächlich Namen mit Bedeutung gegeben. Von den Indianern her ist uns das vertraut und wir finden es normal, wenn die Übersetzung ihres Namens dann "Schneller Pfeil" oder "schwarzer Wolf" oder sowas heißt Wenn jemand heutzutage sein Kind Dschihad nennt, geht uns das natürlich quer, aber unsere Vorfahren im fühen und Hochmittelalter machten es genau wie die Indianer. Namen sind seit jeher auch mit einer Art Zauber besetzt (Bibel oder Märchen liefern viele Beispiele) und es verwundert deshalb nicht, wenn ein Kind dann einen besonder "starken" Namen erhielt.
Ich heiße z.B. Rotraud. Die ursprüngliche Form heißt eigentlich Hrotrud und ist belegt über eine Tochter Karls des Großen. Wie viele der damaligen Namen ist auch dieser zusammen gesetzt. "Hro" bedeutet soviel wie "Ruhm" oder auch berühmt - im Moment fällt mir kein anderer Name ein, wo das vorkommt. Der zweite Teil "trud" ist häufig, etwa in Gertrud, Waltraud usw. und kommt wohl aus dem gleichen Stamm wie Druide, in diesen Namen kann man es mit "Zauberin", eventuell auch "Hexe" übersetzen - darin kann dann tatsächlich auch eine Wertung stecken.
Die Leute, die ihre Kinder so nannten, waren vermutlich größtenteils Bauern. Aber mit dem Namen war dann sicher die Hoffnung verbunden, das Kind möge stark sein und am Leben bleiben und sich auch in Zukunft in einer nicht immer friedlichen Zukunft behaupten.
Ich denke, dass solche Gedanken selbst heute noch bei der Namensgebung mitwirken können, zumindest vermute ich, dass z.B. jemand, der sein Kind Felix nennt, insgeheim hofft, das Kind möge wirklich glücklich werden.
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  #10  
Alt 24.02.2010, 00:45
carinthiangirl carinthiangirl ist offline
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"PS: Du würdest die Burg (den Ort wo man Schutz sucht und sich verbirgt) nicht mit bergen in Zusammenhang bringen?"
Ich sprach von der altisländischen Herkunft Ingibjorg - was später im Althochdeutschen daraus wurde ist wieder was anderes und paßt ja zu deiner "Geborgenheit".
Das man dann aber wie schon von Hina angeschnitten auch zum Thema Fehlinterpretationen zählen könnte.
http://de.wiktionary.org/wiki/Burg

Interessant wäre jedenfalls für mich die echte Übersetzung zum alten Ingibjorg.
Kann vielleicht hier wer Altisländisch?

Ansonsten komme ich bei Inge tadelos ohne "Anhang" aus - ich finde den nämlich ziemlich doof.
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