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  #11  
Alt 04.12.2018, 19:16
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fps fps ist offline männlich
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Tja, "Knicks" und "Diener" - noch gar nicht so lange her und anscheinend schon so weit weg.

Den "Diener" bekamen mein Bruder und ich auch noch beigebracht, und aus alter Gewohnheit mache ich auch heute noch eine kleine Verbeugung bei einer Begrüßung (wie so viele andere meiner Alterskategorie auch).

"Handkuss" empfand ich immer als affektiert - und unhygienisch. So etwas war in unserer Region (Rheinland) auch absolut nicht typisch, ebenso wenig Wangenküsse zur Begrüßung.

Was ich allerdings feststelle ist, dass man sich heute häufiger zur Begrüßung oder auch zur Verabschiedung umarmt. Das war früher nicht einmal zwischen Geschwistern üblich.

Man sieht wieder einmal: Umgangsformen ändern sich erstaunlich rasch. Das eine geht, das andere kommt.
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Gruß, fps
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  #12  
Alt 04.12.2018, 19:26
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Standard Handkuss

Zitat:
Zitat von fps Beitrag anzeigen
... "Handkuss" empfand ich immer als affektiert - und unhygienisch.
Hm , da gibt's keine "küssende" Berührung

Die Ausführung will gelernt sein, geht es dabei doch um die hohe Kunst der Andeutung: Die Verbeugung wird ebenso nur angedeutet wie der eigentliche „Kuss“. Reicht die Dame ihre Hand zum Gruß, kann der Herr statt dem gewöhnlichen Händedruck die gereichte Hand auf Brusthöhe führen und mit einer leichten Verbeugung den Handkuss andeuten. Dabei sollten seine Lippen den Handrücken der Dame niemals berühren.
(Wikipedia)
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Herzliche Grüße,
Scheuck
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  #13  
Alt 04.12.2018, 19:29
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Als Kind habe ich das nicht so recht unterschieden. Und ob immer alle ihren "Knigge" so genau gekannt haben?
Jedenfalls ist das Unbehagen geblieben.
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Gruß, fps
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  #14  
Alt 04.12.2018, 20:31
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AKocur AKocur ist offline weiblich
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Ich musste etwas überlegen, bis mir wieder eingefallen ist, dass ich den Knicks im Kindergarten Mitte der 80er gelernt habe. Allerdings nicht für den täglichen Gebrauch, sondern für ein Theaterstück, dass wir für den Kindergartenabschluss aufgeführt haben.
Ein paar Jahre später hat meine Mutter dann auf dem Flohmarkt ein Anstandsbuch für junge Damen aus den 50ern gekauft und mir geschenkt mit den Worten "Ich habe in deinem Alter genau dieses Buch gehabt. Schau dir mal an, was für ein Schwachsinn damals von Frauen verlangt wurde." Die Anleitungen zum Knicksen (wie, vor wem, in welcher Reihenfolge wenn mehr als eine Person begrüßt wird) waren noch okay, nur halt nicht mehr zeitgemäß. Furchtbar war aber der ganze Rest dieses Buches.

Den Händedruck mag ich persönlich nicht so gerne, vor allem wenn er schwitzig oder zu schlaff ist. Aber in meinem persönlichen Umfeld ist der auch schon so gut wie abgelöst von der kurzen Umarmung (meist zum Abschied). Als das aufgekommen ist, fand ich es anfangs zwar als etwas aufdringlich (vor allem bei Personen, die ich kaum kannte), aber mittlerweile mag ich es lieber als das Händeschütteln.

Eine Geschichte habe ich noch. Vor etwa 20 Jahren im Familienurlaub auf Kreta erkundeten wir auch das Hinterland. Bei einer Rast konnten wir dann beobachten, wie ein junger, orthodoxer Pfarrer die Hauptstraße entlang ging. In einem Kafenio saß eine Gruppe sehr alter Männer beim Backgammonspiel. Als der Pfarrer kam, quälten sich alle mühsam von ihren Stühlen um sich vor ihm zu verbeugen und ihm die Hand zu küssen. Das wirkte auf uns echt befremdlich, vor allem wegen dem Altersunterschied (der Pfarrer hätte locker der Enkelsohn eines der Männer seien können) und der Selbstverständlichkeit, mit der das ganze passierte.
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  #15  
Alt 04.12.2018, 21:53
Basil Basil ist offline männlich
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Hallo,

bitte nicht krumm nehmen, aber wenn ich hier all die Beiträge zum Thema Knicks und Diener lese, dann denke ich nur: "Ein Glück, ich bin doch noch nicht so alt wie ich dachte".

Zum Händeschütteln fällt mir noch Folgendes aus meinem Berufsleben ein. Ein einem Betrieb war es üblich, wenn man ins Großraumbüro kam, zu jedem Tisch zu gehen und dort die Hand zu reichen. Echt nervig, ein kurzes Moin muss mMn reichen. In einem anderen Betrieb trafen sich morgens alle Arbeiter in der Werkstatt. Alle standen in der Runde und jeder Hinzukommende musste reihum die Hände schütteln. Bei 20-30 Händen war dann auch alles dabei. Kalt, schlaff, schwitzig, knochig und die Knocherbrechervariante. Echt überflüssig!

Gruß
Basil
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  #16  
Alt 05.12.2018, 22:34
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Araminta Araminta ist offline
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Darf ich fragen, bis wann der Knicks ungefähr sittsam war?
Bis auf die Sisi Filme oder bei einem Königshaus habe ich das nie gesehen.
Im TV sieht man oft eine kleine Verbeugung.

Allerdings musste meine älteste Tante ihre Schwiegermutter mit "Sie" ansprechen und auch ihr Mann, also der Sohn hat seine Mutter gesiezt.

Ich fand das Händeschütteln früher sehr ärgerlich, heute mag ich es. Eine Umarmung ist für mich immer noch herzlich und das muss ich nicht mit jedem Menschen haben.
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  #17  
Alt 05.12.2018, 23:02
Andrea1984 Andrea1984 ist offline weiblich
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Hallo allerseits.

Meine Mutter hat das in den 1950er Jahren noch selbst erlebt, meine Tante - einige Jahre jünger - hingegen nicht mehr.

Allerdings ist das nur meine persönliche Recherche und keine allgemeingültige Formel.

Mein ältester Onkel hat noch einen Diener machen müssen, meine jüngeren Onkel nicht mehr.

Herzliche Grüße.

Andrea
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Mühsam nährt sich das Eichhörnchen. Aufgeben tut man einen Brief.
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  #18  
Alt 05.12.2018, 23:09
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scheuck scheuck ist offline weiblich
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Hallo, Araminta!

Mal abgesehen von höfischen Sitten bzw. dem jeweiligen Hof-Zeremoniell fällt mir als Film bislang nur die "Trapp-Familie" ein, in der die gut erzogenen Kinder einen Knicks/einen Diener machen. Dieser Film wurde 1956 gedreht, sagt Tante Google. - Das passt zeitlich auch zu meinen eigenen Erfahrungen, wobei ich, soweit ich mich erinnern kann, niemals einen Knicks gemacht habe, machen musste oder dazu angehalten wurde. Andere Eltern haben das offenbar anders gesehen, denn ich kann mich erinnern, dass meine Klassenkameradinnen so ca. bis Klasse 7 einen Knicks gemacht haben (z.B. Lehrerinnen/Lehrern gegenüber und auch meiner Mutter gegenüber).

Ja, ältere Familienmitglieder (Eltern, Schwiegereltern) zu siezen, war durchaus üblich; ich weiß aber nicht, ob das innerhalb Deutschlands regional unterschiedlich war, und ich weiß auch nicht, bis wann das so gewesen ist.
__________________
Herzliche Grüße,
Scheuck
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  #19  
Alt 05.12.2018, 23:16
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Araminta Araminta ist offline
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Demnach mussten gut erzogene Kinder in den 1950ger noch einen Knicks machen?
Darauf muss ich meine Oma unbedingt ansprechen, sie wird das dann auch noch kennen.
Vielen Dank!
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  #20  
Alt 05.12.2018, 23:27
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scheuck scheuck ist offline weiblich
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Standard Knicks/Diener

Zitat:
Zitat von Araminta Beitrag anzeigen
Demnach mussten gut erzogene Kinder in den 1950ger noch einen Knicks machen?
Ja, Araminta, muss wohl so gewesen sein - Was meine Klassenkameradinnen angeht, da waren es dann schon die 60-er Jahre bzw. Mitte der 60-er.

Mir ist gerade eben noch dazu eingefallen, dass mein Vetter (*1955 in München) immer einen Diener gemacht hat, daran erinnere ich mich.
Das tat er auch meinen Eltern gegenüber, wohingegen ich meiner Tante und meinem Onkel gegenüber nie einen Knicks gemacht habe. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich das überhaupt nie getan .

Bei meinem Vetter mag das aber auch daran gelegen haben, dass sein Vater aus einem kleinen Dorf im heutigen Tschechien stammte und seine eigene Mutter bis zu deren Tod grundsätzlich gesiezt hat. Vielleicht hatte man dort eine andere Kultur bzw. ein anderes Verständnis von Respekt?
__________________
Herzliche Grüße,
Scheuck

Geändert von scheuck (05.12.2018 um 23:32 Uhr)
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