#1  
Alt 11.12.2020, 21:15
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Araminta Araminta ist offline
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Standard Weihnachtsgeschichten

Hallo ihr Lieben,

man liest hin und wieder von schönen, dramatischen oder nur einfachen Weihnachtsgeschichten. Ob an der Front von Soldaten oder auch von einfachen Familien.

Ich würde gerne wissen ob ihr auch eine davon erzählen möchtet?
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  #2  
Alt 12.12.2020, 07:37
RAUCH RAUCH ist gerade online männlich
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Ich habe seit einigen Jahre ein Buch vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
ein Buch " Weihnachtsgeschichten aus schwerer Zeit".
Es sind traurige Geschichten. In der Weihnachtszeit schaue ich immer in das Buch.
Mein Großvater ist 1943 als vermisst gemeldet.
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  #3  
Alt 12.12.2020, 08:17
DoroJapan DoroJapan ist offline weiblich
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Hallo,

Weihnachten 1946/1947

Sicht eines Kindes (*1941)
Weihnachtsfeier (1946)
"Ein paar Tage vor Weihnachten wurden wir Kinder zu einer Weihnachtsfeier versammelt. Wir füllten die Stuhlreihen in einem großen Saal, in dem vorn ein langer Tisch die ganze Raumbreite einnahm und auf dem viele schöne bunte Dinge gestapelt lagen. Daneben in einer Ecke leuchteten Kerzen an einem Weihnachtsbaum. Bisher war mir das Christkind, das den Kindern die Bescherung brachte, noch nie unter die Augen gekommen. Gerade immer in dem Augenblick verschwand es durchs Fenster, durch das es auch eingetreten sein soll, wenn man in das weihnachtlich geschmückte Zimmer eingelassen wurde. Und hier stand nun der erste leibhaftige Weihnachtsmann vor uns, hielt eine Rede, von der ich nichts verstand, stimmte ein Weihnachtslied mit uns an und kam dann endlich zum Zweck seines Hierseins. Er kündigte an, daß er für alle artigen Kinder etwas mitgebracht habe. Jedes Kind, dessen Name er nannte, durfte nach vorn gehen und erhielt ein Geschenk überreicht, das er von dem überfüllten Tisch herunternahm. Als sich der Geschenkevorrat verbraucht hatte, fand die Weihnachtsfeier mit einem Lied ein Ende und wir durften zu unseren Angehörigen zurückkehren. Ich muß nicht gefolgt haben, denn mich hatte der Weihnachtsmann nicht mit aufgerufen."

Sicht der Mutter: (*1914)
„4 Wochen waren wir schon im Lager (Treuenbrietzen). [...]“
„Nun kam Weihnachten, wir fanden uns damit ab, Weihnachten im Lager zu verbringen“

"Wir bereiteten die Mohnklöße für den Heiligen Abend 1946 vor. Das ist jenes Gericht aus unserer Heimat, das es nur zu Weihnachten gibt.[...]"

„Doch an diesem Weihnachtsabend kam es anders. Es war Nachmittag 16 Uhr, draußen begann es schon zu dunkeln, als der Befehl von der Lagerleitung kam, dass das Lager sofort geräumt werden muß. […] Zu Weihnachten, dem Fest der Liebe und des Friedens, haben uns unsere eigenen Landsleute mit unseren Kindern in die Nacht hinausgeschickt. Es war ähnlich wie in der Weihnachtsgeschichte: Maria und Joseph waren mit ihrem Jesuskind unterwegs auf der Flucht.
„[...] wir stapften (hinter den LKWs mit Gepäck beladen) […] durch den Schnee nicht nur zur nächste, sondern zur übernächsten Bahnstation. Nach dem langen Marsch erwartete uns dort wieder ein langer Güterzug, wieder waren es Viehwagen. Der Zug war dank der niedrigen Temperaturen wenigstens weihnachtlich geschmückt: Mit dickem Rauhreif an den Wänden.“
„Nach Stunden war es so weit, Gepäck und Menschen waren verstaut, und die nächste große Fahrt begann, [...]“


Aus: Der Geruch der Erde - Eine Familie erinnert sich von Eckhart Bürkner (und seiner Familie)

liebe Grüße
Doro
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Geändert von DoroJapan (12.12.2020 um 08:19 Uhr)
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  #4  
Alt 12.12.2020, 10:56
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Bienenkönigin Bienenkönigin ist offline weiblich
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Hallo zusammen,

Weihnachten 1941 wurde meine Mutter als "Christkind" geboren. Ihr Vater sah sie nur ein- oder zweimal, bevor er nach Jahren als Kriegsversehrter aus russischer Gefangenschaft heimkehrte.
Ich habe meinen Eltern dieses Jahr zu Weihnachten einen Fotokalender geschenkt, in dem für Dezember auch ein Bild von meiner Mutter als Baby mit ihrem Vater ist. Das Gefühl, von den Eltern geliebt zu werden, sollte einen durchs ganze Leben bis zum Schluss tragen.

Weihnachten 2007 habe ich selbst ein wunderschönes Geschenk bekommen, mein Sohn wurde geboren. Seitdem haben manche Weihnachtslieder einen besonderen Sinn für mich und machen mich sehr emotional.

Eine Weihnachtsimpression aus den 1880er Jahren gebe ich in einem separaten Post, es ist aus den Memoiren meiner Urgroßtante.

Viele Grüße
Bienenkönigin
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  #5  
Alt 12.12.2020, 10:58
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Weihnachten einer evangelischen Familie im katholischen Freising (bei München) in den 1880er Jahren:

In unserem Jahresablauf gab es verschiedene Höhepunkte.
Da war zuerst der Nikolaustag, der 6. Dezember, glaube ich. Frau Koch, die Frau, die unsere Wäsche besorgte, eine sehr große, stämmige Frau, verkleidete sich als Nikolaus und kam mit einem großen Sack Nüsse, Datteln, Feigen, Plätzchen und Äpfel zu unserem Haus. Außen hatte sie immer eine Rute aus Birkenzweigen, die für die bösen Kinder gedacht war. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass jemals einer von uns die Rute zu spüren bekam, zumindest nicht an diesem Tag. Wir mussten Gedichte aufsagen oder singen, und dann wurde der Inhalt des Sacks auf dem Boden ausgeleert, so dass wir auf dem Boden herumkrabbelten. Ich erinnere mich an einen Nikolaustag, als ich mich gebrüstet hatte zu wissen, dass es keinen Nikolaus gab und nur Frau Koch verkleidet dahinter steckte und ich keine Angst hatte, kein bisschen. Aber komischerweise, als sich die Tür öffnete und Frau Koch hereinkam, überkam mich die alte Furcht und würgte mich, so dass mir kein einziges Gedicht einfiel, bis ich schließlich, mit Unterstützung meines Vaters, eines unserer Abendgebete aufsagte.
Aber das Lustigste war Else, die nach dem Aufsagen des Gebets des Herrn auf katholische Weise schloss mit „und erlöse uns von dem Bösen“. Als sie dann begann, das Ave Maria aufzusagen, lächelte mein Vater und sagte: das genügt, Else. Danach entschuldigte sie sich und sagte: Ich dachte, der Nikolaus ist katholisch. Sie hatte immer eine Ausrede parat und war schon als Kind sehr schlagfertig.

Nach dem Nikolaustag warteten wir sehnsüchtig auf das Christkind an Heiligabend. Meine Mutter verschwand oft in der Küche, und wir durften nicht hinein. Von Zeit zu Zeit wurde die Tür einen Spalt geöffnet und die Hand meiner Mutter erschien mit einem Plätzchen für uns. Abends, wenn der Sonnenuntergang den Himmel rot färbte, sagte sie uns immer, dass das Christkind die Weihnachtsplätzchen oder eher Lebkuchen backte.
Meine Mutter war überhaupt eine wundervolle Erzählerin.
Ich kann mich erinnern, wie wir an vielen Winterabenden in der Dämmerung um den Kachelofen saßen, und die geöffnete Ofentür mit dem Glühen von Holz oder Torf der einzige Lichtschein im Raum war, und sie uns alte Märchen und neu erfundene erzählte. Kein Wunder, dass wir alle mit lebhafter Vorstellungskraft gesegnet sind. An solchen Abenden vor Weihnachten geschah es manchmal, dass es am Fenster klopfte, und es plötzlich schien, als würden einige Plätzchen ins Zimmer geworfen. Meine Mutter sagte dann immer, dass das das Christkind war, weil wir brave Kinder gewesen waren. Das half uns natürlich sehr, auch wirklich brav zu sein. Ich habe nun aber die Vermutung, dass eines der älteren Kinder meiner Mutter bei diesem kleinen Vorgang half.

Wenn es endlich Weihnachten war, durften wir Kinder nicht mehr in den Salon. Vater und Mutter waren drinnen sehr geschäftig. Das bringt mir ein Weihnachten in Erinnerung, an dem ich erst vier Jahre alt war. Die älteren Kinder hatten mir erzählt, dass drinnen das Christkind bei meinen Eltern sei. Ich war so versessen darauf, das Christkind zu sehen, dass ich mein Auge ans Schlüsselloch presste und meinen Geschwistern dann eine großartige Geschichte erzählte, dass ich das Christkind gesehen hätte. Es war ganz in weiß gekleidet und hatte goldene Flügel, es sprach zu meinen Eltern und hängte etwas an den Baum. Ich war zu der Zeit wirklich davon überzeugt, die Wahrheit zu erzählen.

Nachmittags gingen wir immer in die Kirche, und danach warteten wir ungeduldig. Wenn dann aber das Glöckchen erklang, zögerten wir beinahe einzutreten. Es war jedes Mal dasselbe, zumindest für mich: Geblendet vom Christbaum wendete ich meine Augen nur langsam zu den Geschenken. Aber bevor wir diese untersuchen konnten, sangen wir erst mehrere Weihnachtslieder, und mein Vater las die Weihnachtsgeschichte. Erst dann durften wir unsere Geschenke ansehen. Es waren natürlich nur bescheidene Geschenke, und vor allem Dinge, die wir brauchten, aber wir waren nicht verwöhnt und fühlten uns reich beschenkt und dankbar.
Ich sehe noch das Sofa vor mir, auf dem unsere Puppen aufgereiht saßen. Manchmal wurde eine neue Puppe hinzugefügt, aber vor allem hatten sie neue Kleider oder Perücken oder Hände und Füße, was auch immer am nötigsten war. Unter den Fenstern stand unser Puppenhaus und unsere Puppenküche auf dem Tisch, jedes Mal wieder aufgefrischt und mit neuem Mobiliar ergänzt oder mit neuen Pfannen und Topfen ausgestattet. Aber ich bin sicher, dass wir unser Weihnachten mehr genossen als die meisten Kinder heute.
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  #6  
Alt 12.12.2020, 11:28
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Hallo Doro,

ich muß gestehen, daß Deine Geschichte mich etwas ratlos hinterläßt. Haben Mutter und Kind zwei verschiedenen Weihnachtsfeiern beigewohnt? Ich kann keinerlei Parallelen zwischen den beiden Perspektiven erkennen.

Viele Grüße
consanguineus
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Suche:

Joh. Christian KROHNFUSS, Jäger, * um 1790
Anton BLANKE, Halbspänner in Kl. Rhüden, * um 1750

Joh. Andr. MAASBERG, Bürger und Windmüller in Peine, * um 1730
Daniel KRÜGER, Amtmann in Bredenfelde, * err. 1729
Georg Melchior SUDHOFF, Pächter in Calvörde, * um 1680
Dorothea v. NETTELHORST a. d. H. Kapsehden, * um 1600
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  #7  
Alt 12.12.2020, 11:46
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Eintrag im Tagebuch meiner Mutter Weihnachten 1939: Dieses Weihnachten ist das erste und hoffentlich das letzte Kriegsweihnachten.

Eintrag am 24.12.1940: Heute ist nun heiliger Abend. Mein Papa ist auf Urlaub gekommen. Da ist die Freude ja um so größer. Weihnachten ist nun leider nicht so schön wie die anderen Jahre. Es ist ja "Kriegsweihnacht".
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Gruß
Bernd
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  #8  
Alt 12.12.2020, 17:04
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Ich möchte hier eine Geschichte mit Euch teilen, die sich vor mehr als 80 Jahren zugetragen hat und die ich nach der Erzählung meiner Mutter vor einigen Jahren aufgeschrieben habe.

Es muss in den 1930er Jahren gewesen sein, als diese Geschichte sich ereignete. Meine Mutter wohnte mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester damals in Horrem, nicht weit von Köln. Dann und wann besuchte die Familie die Verwandten meiner Großmutter in der Eifel, und so war es auch an diesem Weihnachtsfest. Man hatte den Besuch schriftlich angekündigt, Tag und Uhrzeit des Eintreffens am Bahnhof in Hallschlag, und so fuhr die junge Familie kurz vor Heiligabend mit dem Zug zunächst nach Köln und von dort in Richtung Eifel. Es wird wohl ganz ähnlich gewesen sein wie später noch zu meiner Kinderzeit: Umsteigen mit erheblicher Wartezeit in Jünkerath, und dann im Bimmelbähnchen nach Hallschlag. In der Zeit meiner Kindheit war Hallschlag Endstation, aber damals fuhr der Zug weiter über Losheim nach Belgien.

Am Bahnsteig angekommen, staunte die Familie nicht schlecht: niemand war zur Abholung erschienen! Das war noch nie vorgekommen, und dazu noch jetzt im Winter, wo die Strecke im Schnee doch recht beschwerlich zu gehen war! Wie konnte das sein? Nachdem sich meine Großeltern von dieser Überraschung erholt hatten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Weg alleine und zu Fuß in Angriff zu nehmen.

Ich muss gestehen, dass ich schon oft versucht habe mir vorzustellen, wie dieser Fußmarsch zur damaligen Zeit zu bewältigen war, und dann bemerkte, dass mir dazu nicht viele Informationen zur Verfügung standen. Ich meine mich zu erinnern, dass meine Mutter erzählt hatte, dass Schnee gelegen habe, aber wie viel Schnee mag es gewesen sein? Ans Schneeräumen hat sicherlich niemand gedacht; jeder wird sich seinen Weg selbst gebahnt haben. Das Haus unserer Verwandten lag ein gutes Stück außerhalb des Dorfs, zwar an einer relativ befahrenen Straße – doch was hieß das schon um 1935, und dazu noch spät an einem Winterabend? An Beleuchtung war wohl auch nicht zu denken, schon gar nicht außerhalb des Dorfs; es war mit Sicherheit schon dunkel, wie ich der Erzählung meiner Mutter entnehmen konnte. Und dann hatten meine Großeltern ihr Gepäck dabei und zwei Mädchen von vielleicht 10 und 8 Jahren. Das war wohl kein leicht zu bewältigender Fußmarsch, und die ganze Zeit über wird man gerätselt haben, wieso niemand zur Abholung erschienen war.

Schließlich erreichte der kleine Trupp das Haus. Schon von weitem hat man wohl mit Verwunderung festgestellt, dass keinerlei Licht mehr brannte. Nun darf man sich eine Beleuchtung im Haus nicht nach heutigen Maßstäben vorstellen – an elektrischem Licht gab es höchstens eine Glühbirne, wenn die Elektrizität überhaupt schon in diese entlegene Gegend, und dann noch weit außerhalb des Orts Einzug gehalten hatte.

Wie auch immer, als die Familie beim Haus ankam, war alles stockfinster. Offensichtlich hatten sich schon alle Bewohner schlafen gelegt. Das bedeutete ja, dass man gar keinen Besuch erwartet hatte! Sollte man nun rufen, um die Bewohner zu wecken? Da kam meinen Großeltern eine Idee: Sie begannen, mit Unterstützung der beiden Mädchen, zu singen. Was passte besser in die Zeit und die Situation als das Lied: „Stille Nacht“? So ertönte dieses Lied mitten in einer kalten, dunklen Nacht an einem einsamen Eifelhof, gelegen an einer einsamen Straße.

Da sangen sie nun, die erste, die zweite, die dritte Strophe. Als sie am Ende der dritten Strophe angekommen waren, wo es heißt: „Christ, der Retter ist da“, hörten sie von drinnen Gepolter auf der Treppe und lautes Rufen: „Hen kütt ald, hen os ald do!“ (Er kommt schon, er ist schon da!) Mein Großonkel öffnete die Tür und fragte staunend, wo die vier denn jetzt her kämen. Na, vom Zug, wurde ihm geantwortet und dann traten die vier Ankömmlinge ins Haus und es gab natürlich ein großes Hallo, als sich nach und nach auch die anderen Hausbewohner einfanden.

Da war natürlich ein großes Rätseln, hier: wieso war keiner am Bahnhof, und dort: wieso habt ihr uns nichts mitgeteilt – keiner wusste sich einen Reim zu machen. Offensichtlich war keine Mitteilung angekommen! Ja, war denn auf die Post kein Verlass mehr? Da fragte meine Großmutter ihren Otto, er habe doch wohl die Karte abgeschickt. Bei dieser Frage muss meinem Großvater langsam etwas geschwant haben. Er griff in seine Rocktasche – und förderte die Karte zutage, die er offensichtlich vergessen hatte einzuwerfen!

Nun war klar, wieso es keine Abholung vom Bahnhof gegeben hatte, und mein Großvater musste wohl einigen Spott über sich ergehen lassen. Auf jeden Fall war es ein denkwürdiges Weihnachtsfest; meiner Mutter ist es im Gedächtnis geblieben, und jetzt ist es auch noch schriftlich festgehalten – etwa 80 Jahre später.
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Gruß, fps
Fahndung nach: Riphan, Rheinland (vor 1700); Scheer / Schier, Rheinland (vor 1750); Bartolain / Bertulin, Nickoleit (und Schreibvarianten), Kammerowski / Kamerowski, Atrott /Atroth, Kawlitzki, Obrikat - alle Ostpreußen, Region Gumbinnen
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  #9  
Alt 12.12.2020, 23:13
Andrea1984 Andrea1984 ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von Bienenkönigin Beitrag anzeigen
Hallo zusammen,

Weihnachten 1941 wurde meine Mutter als "Christkind" geboren. Ihr Vater sah sie nur ein- oder zweimal, bevor er nach Jahren als Kriegsversehrter aus russischer Gefangenschaft heimkehrte.
Ich habe meinen Eltern dieses Jahr zu Weihnachten einen Fotokalender geschenkt, in dem für Dezember auch ein Bild von meiner Mutter als Baby mit ihrem Vater ist. Das Gefühl, von den Eltern geliebt zu werden, sollte einen durchs ganze Leben bis zum Schluss tragen.

Weihnachten 2007 habe ich selbst ein wunderschönes Geschenk bekommen, mein Sohn wurde geboren. Seitdem haben manche Weihnachtslieder einen besonderen Sinn für mich und machen mich sehr emotional.

Eine Weihnachtsimpression aus den 1880er Jahren gebe ich in einem separaten Post, es ist aus den Memoiren meiner Urgroßtante.

Viele Grüße
Bienenkönigin
Hallo Bienenkönigin.

Verstehe ich das richtig ? Sowohl deine Mutter, als auch dein Sohn sind am 24.12. geboren worden ?

Und teilen sich daher den Geburtstag und das in mehrfacher Hinsicht ?

Ein Urgroßvater (= Vater der Großmutter mütterlicherseits) ist am 24.12. geboren worden. Er hat sich oft darüber beklagt und gemeint, seine Kinder hätten es gut, weil sie einen eigenen Geburtstag feiern könnten (Sohn im Herbst, Tochter im Frühjahr).


Herzliche Grüße

Andrea
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Mühsam nährt sich das Eichhörnchen. Aufgeben tut man einen Brief.
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  #10  
Alt 13.12.2020, 06:14
DoroJapan DoroJapan ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von consanguineus Beitrag anzeigen
Hallo Doro,

ich muß gestehen, daß Deine Geschichte mich etwas ratlos hinterläßt. Haben Mutter und Kind zwei verschiedenen Weihnachtsfeiern beigewohnt? Ich kann keinerlei Parallelen zwischen den beiden Perspektiven erkennen.

Viele Grüße
consanguineus
Hallo consanguineus,

Sohn und Mutter waren im gleichen Lager,
die Sicht des Kindes ist ein paar Tage vor Weihnachten, während die Sicht der Mutter an Heilig Abend stattfindet.

liebe Grüße
Doro
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Brandenburg: Lehmann: Französisch Buchholz; Mädicke: Alt Landsberg, Biesdorf; Colbatz/Kolbatz: Groß Köris; Lehniger, Kermas(s), Matzke: Schuhlen-Wiese(Busch)
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Geändert von DoroJapan (13.12.2020 um 06:18 Uhr)
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