#21  
Alt 14.11.2018, 10:06
Gerrit Gerrit ist gerade online männlich
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Hallo, danke für das Thema.



Mein Urgroßvater war Berufssoldat und diente ab 1905. Er war drei Jahre in Deutsch Südwestafrika und kehrte 1911 von dort zurück. Er stammte aus einfachen Verhältnissen, seine Eltern waren Tagelöhner auf Bauerngütern in Oberschlesien, so dass er die Militärkarriere als Sprungbrett ansah.



Als Vizefeldwebel und Offizierstellvertreter war er mit Kriegsbeginn in Luxemburg und Frankreich. 1916 vor Dünaburg und wieder an der Westfront. Er nahm an der 12. Isonzoschlacht gegen Italien teil und war 1917 und 1918 in Frankreich. Während der Frühlingsoffensive im März 1918 war sein Regiment am Angelpunkt bei Arras eingesetzt. Als die Engländer die Front dort auf Grund des Druckes im Süden verkürzen mussten, sollte seine Kompanie nur die leeren Gräben besetzen. Dabei fiel er mit zusammen mit dem Kompanieführer einem Feuerüberfall der Artillerie zum Opfer.



Es liegen mir mehrere Schreiben vom Bataillonskommandeur (man kannte sich ja schon lange) und Kameraden vor, die seine letzten Minuten schildern. Auch wenn geschrieben steht, dass der Tod sofort eintrat, ist es dennoch nicht ausgeschlossen, dass die "schwersten Verletzungen an Beinen und Unterleib" ein furchtbarer Tod gewesen sein mussten. Persönliche Gegenstände konnten nicht mehr aufgefunden werden.



Er wurde mit dem Leutnant an einer Wegekreuzung vor Ort bestattet - ich habe dazu zwei Skizzen darüber - in den 1920er wurden sie umgebettet. Seit dem ist seine Grablage nicht mehr sicher. Der Volksbund geht davon aus, dass er nach St.-Laurent-Blagny umgebettet wurde.


Drei Monate später wurde sein einziges Kind - mein Großvater - geboren. Der Tod des Vaters hatte noch lange Auswirkungen auf die Familie; meine Urgroßmutter verweigerte jegliche neue Beziehung und ermöglichte ihrem Sohn, trotz finanzieller Sorgen, eine hervorragende Ausbildung an einem humanistischen Gymnasium. Er war nachher der erste in der gesamten Familie, der sein Abitur machte und einen Doktortitel erwarb.



VG

Gerrit
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  #22  
Alt Gestern, 18:51
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Adea Adea ist offline weiblich
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Hallo,

mein Urgroßvater aus Mecklenburg (*1886) fiel in der Schlacht an der Somme. Er war Ersatz-Reservist des 2. Garderegiments zu Fuß und starb am 04.07.1916 bei Lassigny. Ein Grab existiert nicht. Beim Volksbund ist seit meiner Anfrage mit den persönlichen Daten aus der Sterbeurkunde ein Gedenkeintrag vorhanden:
https://www.volksbund.de/graebersuch...b46ca67505e58b
Meine Uroma (die junge Frau auf meinem Avatar) blieb damals mit zwei kleinen Kindern (1 und 2,5 Jahre alt) zurück, das dritte Kind war wenige Wochen zuvor an Diphterie gestorben.
Von meinem gefallenen Urgroßvater existiert nur noch ein einziges Foto in Uniform. Es gibt weder Feldpostbriefe noch sonstige Erinnerungsstücke. Deshalb war es für mich ein ganz besonderer Moment, als ich kürzlich bei einem Besuch der Wismarer Georgenkirche seinen Namen und sein Sterbedatum auf einer alten verwitterten steinernen Gedenktafel entdeckte.

Mein Urgroßvater aus Holstein überlebte den Krieg, allerdings taucht er in den Verlustlisten mehrmals als verwundet auf. Er starb wenige Jahre nach dem Krieg und wurde nur 42 Jahre alt.

Meine beiden Urgroßväter aus Ostpreußen waren mit ihren Geburtsjahren 1867 und 1872 schon zu alt für den Fronteinsatz. Aber weil sie in Masuren direkt in den umkämpften Gebieten wohnten, wurden ihre Familien ab November 1914 für einige Monate in Richtung Schleswig-Holstein evakuiert. Über diese von den preußischen Behörden organisierte Flucht versuche ich gerade mehr Informationen herauszufinden:
https://forum.ahnenforschung.net/sho...d.php?t=166109
Nach ihrer Rückkehr 1915 fanden sie ihre Häuser in Ostpreußen geplündert und teilweise zerstört vor.

LG Adea
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Meine Suchregionen: Mecklenburg, Ostpreußen, Holstein, Vogtland, Salzburger Land (vor 1732)


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  #23  
Alt Heute, 11:17
mumof2 mumof2 ist gerade online weiblich
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Standard 2 Garde-Regiment zu Fuss

Hallo Adea,

einer meiner entfernten Verwandten diente auch beim 2. Garderegiment zur Fuss. Daher wird es Dich vielleicht interessieren, was ich über ihn weiss: Er wurde in 03/1915 als ungedienter Landsturm nach Berlin eingezogen und auf dem Tempelhofer Felde, dem militärischen Übungs- und Manövergelände, später u.a. bebaut mit dem Flughafen, 'ausgebildet'. Einen Monat später werden sie nach Brünn, damals Österreich, gebracht. Schließlich kommt das Bataillon nach Galizien an die Front. Dort kommt er zur 3. Kompagnie des Lehr-Infanterie-REgiments der III. Garde-Division der Kaiserlich Deutschen Südarmee und er fällt durch einen Kopfschuss Ende Oktober 1915 in Galizien. Er hinterließ Frau und zwei kleine Söhne, die dann beide im 2. WK fielen. Was mag in seiner Frau vorgegangen sein? Ob die den Tod 'ihrer drei Männer' auch so heroisch empfunden hat?
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Viele Grüße
mum of 2
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  #24  
Alt Heute, 18:41
Mittelfranke Mittelfranke ist offline männlich
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Hallo zusammen,

ein interessantes Thema über eine Zeit, die man nicht mehr erleben möchte. In meiner Familie hielten sich die Verluste im engeren Familienkreis (Urgroßväter und Geschwister) glücklicherweise in Grenzen, auch wenn die Lebenssituation alles andere als rosig war.
Von meinen 4 Urgroßvätern waren 3 im Feld, der vierte war knapp zu jung.

1. Mein Urgroßvater aus dem ostpreußischen Zweig geriet im Februar 1915 in Gefangenschaft und war spätestens Mitte 1918 wieder zu Hause (Sohn geboren 03.1919). Bereits 1915 fiel einer seiner Brüder (Füsilier-Regiment 33), der aktuell einzige mir bekannte Todesfall im Krieg.

2. Ein Urgroßvater väterlicherseits wurde erst Ende 1916 eingezogen und diente ab September 1917 im Reserve Kavallerie Regiment 6, 2. Eskadron die folgenden Monate bei Stellungskämpfen im Oberelsass und an der Ailette. Während dieser Zeit wurde er zum Reserve Infanterie Regiment 16 versetzt. Im April 1918 war er Teil der großen Schlacht in Frankreich. Im Juni 1918 geriet er bei La Port in frz. Gefangenschaft und wurde Anfang 1920 aus dieser entlassen.

3. Am härtesten traf es meinen anderen Urgroßvater väterlicherseits. Geboren 1896 wurde er Oktober 1915 als Landsturmpflichtiger eingezogen. Mitte Juli 1916 ging es mit dem 28. b. Inf. Rgt. „Nürnberg“ ins Feld, es folgten erste Gefechte. Mitte Oktober 16 erkrankte er erstmals. Nach einer Woche wurde er zum 6. b. Inf. Rgt. versetzt und zwischenzeitlich mit Herzleiden und Atembeschwerden von der Front zurückgesandt. Im Mai 1917 gehörte er zum Aufgebot der Frühjahrsschlacht bei Arras und war anschließend im Bereich Flandern/Artois eingesetzt. Weihnachten 1917 war er im Heimaturlaub und hinterließ bei meiner Urgroßmutter einen bleibenden Eindruck (dieser ist dann Oktober 1918 geboren ). Daher gab es Juli 1918 dann erneut Urlaub und Heirat. Vorher nahm er aber an der großen Schlacht in Frankreich und dem folgenden Stellungskrieg in Flandern teil. Im Mai 1918 kam er während der Stellungskämpfe vor Verdun erneut krank ins Lazarett. Zusätzlich erlitt er in diesem Jahr zwei Treffer an der linken Hand durch Splitter von Artilleriegranaten. Januar 1919 entlassen.
Während der Kriegshandlungen hat er sich offenbar ein Herzleiden zugezogen. An diesem verstarb er Juni 1924 „infolge Kriegserkrankung“, so aufgeführt im Gefallenen-Gedenkbuch der Stadt Nürnberg. Er hinterließ seine Frau und drei Söhne. Drei Monate nach seinem Tod erblickte seine Tochter das Licht der Welt. Die Tochter starb übrigens in Folge eines der letzten Luftangriffe auf Nürnberg im 2. WK.
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Viele Grüße

ein Mittelfranke
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  #25  
Alt Heute, 20:06
Benutzerbild von AnGr
AnGr AnGr ist offline
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Standard Die Vögel fingen an zu zwitschern!

Hallo,


hier mal was interessantes zum Thema Ende des 1.WK.


was die Soldaten wohl dabei gefühlt haben???


https://metro.co.uk/2018/11/07/eerie...16bbwRxQyZ5H3A
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Schönen Gruß Andreas

https://www.youtube.com/watch?v=VwX7nC-LpKs
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