#1  
Alt 20.11.2020, 18:22
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Weltenwanderer Weltenwanderer ist offline männlich
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Hallo,

in einem 1790er Traueintrag aus Zabrze in Oberschlesien steht

Zitat:
Wurde [...] getraut [...] Christoph Włotschka [...] mit der demselben von der Hoch Freyherr[lich] von Wilczekscher Herrschaft gratis geschenckter Ehrbaren Jungfer Brigida Woitaska [...].
Wie muss man sich das vorstellen? Der Gute war laut Traueintrag Soldat, sein Vater war Pfarruntertan, der Brautvater ein verstorbener herrschaftlicher Vogt und Gärtner (=Kleinbauer).

LG,
Weltenwanderer
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Kreis Militsch: Latzel, Gaertner, Meißner, Drupke, Mager, Stiller
Kreis Tarnowitz / Beuthen: Gebauer, Parusel, Michalski, Wilk, Olesch, Blondzik, Kretschmer, Wistal, Skrzypczyk, von Ziemietzky, von Manowsky
Brieg: Parusel, Latzel, Wuttke, Königer, Franke
Trebnitz: Stahr, Willenberg, Oelberg, Meißner, Latzel
Kreis Grünberg / Freystadt: Meißner, Hummel

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  #2  
Alt 20.11.2020, 18:55
gki gki ist offline
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Hallo!

In Oberschlesien kenne ich mich nicht aus, es war aber evtl. auch dort nötig, zur Hochzeit eine Heiratslizenz/einen Heiratswillen von der Herrschaft zu bekommen. Dieser kostete Geld, der dem Soldaten erlassen worden sein könnte.
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Gruß
gki
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  #3  
Alt 20.11.2020, 19:11
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Hallo Weltenwanderer,

doof gefragt (weil ich mich mit dem Thema nicht auskenne): hat es vielleicht in besagtem Gebiet zu der Zeit noch eine Art Leibeigenschaft gegeben? Wurde die Braut möglicherweise aus dieser Leibeigenschaft entlassen?

Viele Grüße
consanguineus
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Suche:

Joh. Christian KROHNFUSS, Jäger, * um 1790
Anton BLANKE, Halbspänner in Kl. Rhüden, * um 1750

Joh. Andr. MAASBERG, Bürger und Windmüller in Peine, * um 1730
Daniel KRÜGER, Amtmann in Bredenfelde, * err. 1729
Georg Melchior SUDHOFF, Pächter in Calvörde, * um 1680
Dorothea v. NETTELHORST a. d. H. Kapsehden, * um 1600
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  #4  
Alt 21.11.2020, 15:17
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Hallo,

danke für die Rückmeldungen.
consanguineus scheint richtig zu liegen. Die Leibeigenschaft gab es damals in Preußen noch. Ein anderer Eintrag beschreibt einen ähnlichen Vorgang:

Zitat:
Wurde [...] getraut der Ehrbare Wittwer und Ackerbauer Johann PIGUŁA, des Herrn von Rymultowsky zu Zernik Unterthaner, mit der Ehrbaren Jungfer Walburga GWOŹDŹIONKA [...]. Diese Magd hat der gedachte PIGUŁA von der Zabrzer Herrschaft losgekauft, und den Los-Brief d. d. Schlos Zabrze 3ten Aug. 1797 von dem Justitz Rath Herrn HOFFRICHTER als Grundherrn zu Zabrze erhalten.
LG,
Weltenwanderer
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  #5  
Alt 21.11.2020, 16:09
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hallo, ich zitiere mal aus Frühneuhochdeutsches Wörterbuch:

gratis = ›unentgeltlich‹, mit Tendenz zu: ›aus Gnade‹.
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Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (21.11.2020 um 16:11 Uhr)
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  #6  
Alt 21.11.2020, 22:16
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Hallo Weltenwanderer,

Leibeigenschaft ist nicht mein Fachgebiet, da sie in dem Gebiet, in dem der Großteil meiner Familie ihren Ursprung hat, seit 1433 faktisch abgeschafft war. Und vor diesem Zeitpunkt kenne ich nur sehr, sehr wenige Vorfahren. So mußte ich mich nie näher damit beschäftigen.

Aber eine Sache habe ich mal gelesen, die mir im Gedächtnis geblieben ist: es gab in alten Zeiten unter den Bauern im Braunschweiger Land Freie und Leibeigene und diverse Zwischenstufen. Heiraten zwischen Freien und Leibeigenen waren möglich, allerdings schlugen sie "nach der ärgeren Hand", wie es hieß, womit gemeint war, daß die Person mit dem besseren Status denjenigen der anderen erwarb. Eine freie Frau wurde also durch die Heirat mit einem Leibeigenen ebenfalls leibeigen.

Hat zwar mit Deiner Frage nicht viel zu tun, aber ich finde die Idee interessant. Sieht mir aus wie irgendein uralter sächsischer Grundsatz (bin auch hier kein Experte) und wird wohl nicht nur im Braunschweigischen gegolten haben.

Viele Grüße
consanguineus
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