#1  
Alt 17.11.2006, 22:49
Marlies
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Standard Der Tag der Hochzeit

Hallo,

heutzutage hat es sich ja mehr oder weniger eingebürgert, am Wochenende zu heiraten, am Freitag standesamtlich, am Samstag kirchlich.

Bei meinen Vorfahren ist das aber nicht so, es kommt ein Dienstag genauso vor wie ein Donnerstag oder ein Mittwoch oder ein ........

Weiß jemand, wann und warum hat sich das geändert hat?

Ein schönes Wochenende wünscht Euch
Marlies
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  #2  
Alt 17.11.2006, 23:39
Woody
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Standard RE: Der Tag der Hochzeit

Hallo Marlies,
Der Zeitpunkt der Heirat (Jahreszeit und Wochentag) variierte je nach Epoche. Die saisonale Abhängigkeit ergab sich aus den wirtschaftl. Voraussetzungen: Während Jahrhunderten waren Hochzeiten in der schönen Jahreszeit äusserst selten, da dann in der Landwirtschaft am meisten Arbeit anstand; erst im 20. Jh. änderte sich diese Gewohnheit. Auch kulturelle Faktoren spielten eine wichtige Rolle: Die kath. Kirche verbot die Eheschliessung zu gewissen Zeiten (Fastenzeit, Advent); in abgeschwächter Form bestanden solche Vorschriften auch bei den Reformierten. Aufgrund des Volksglaubens gab es bevorzugte und unbeliebte Monate (z.B. Mai). Einige Wochentage galten in gewissen Gegenden als günstig, anderswo als Unheil bringend. Der Samstag wurde erst im 20. Jh. zum bevorzugten Tag, ist aber seit der Einführung der Fünftagewoche der kirchl. Trauung vorbehalten.

vielleicht spielte bei manchen Brautpaaren dies hier eine Rolle:
Die Tageswahl
Der Wochentag, an dem geheiratet wird, ist nicht ohne Bedeutung.


Sonntag: Feuer & Löwe, Ehe wie ein Wirbelsturm

Montag: Wasser & Krebs, einfühlsame Ehe

Dienstag: Widder & Skorpion, feurige Ehe

Mittwoch: Merkur, Gegensätze ziehen sich an

Donnerstag: Fisch & Schütze, leidenschaftliche Ehe

Freitag: Erde, reicher Kindersegen

Samstag: Wasser, Luft, Feuer & Erde, Ehe wird nicht langweilig

Gruß Wody
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  #3  
Alt 18.11.2006, 19:09
Norbert Staub Norbert Staub ist offline männlich
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Standard RE: Der Tag der Hochzeit

Hallo Marlies,
Woody hat schon so gut wie alles beantwortet. Bei uns in den Dörfern wurde zumeist an der "Fasend" geheiratet. Die Ernte war vorbei. Man hatte Zeit um zu heiraten. Aber bevor die jungen Burschen heirateten gingen sie noch zu den Preußen. Während der napoleonischen Zeit heiratete man aber schon im Alter von 16- 17 Jahren um den Kriegsdienst zu entkommen.
Viele Grüße

Norbert
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  #4  
Alt 19.11.2006, 10:45
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Eva64 Eva64 ist offline weiblich
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Standard RE: Der Tag der Hochzeit

Hallo Marlies,

in Württemberg wurden Paare die schon eine voreheliche Beziehung hatten nur in der Betstunde getraut (die immer mittwochs stattfand). Im Heimatbuch Stetten i. R. heißt es dazu (im Zusammenhang mit den Kirchenkonventen) "Kam eine junge Ehfrau zu früh in die Wochen, so wurde sie mit ihrem Ehemann vorgeladen und verhört. Jedes erhielt eine Strafe von 20 fl zuzüglich Spesen. Hatten die Brautleute eine "ehrliche" Hochzeit gehalten statt sich "in der Bettstund copulieren" zu lassen, bezahlte jedes 10 fl "vor das Kränzlein", das die Braut unbefugter Weise getragen hatte."

Dazu habe ich ein Beispiel aus Lorch. Dort wurde einem Paar im Juni 1771 vorehelich ein Kind geboren und im September 1771 heirateten sie. Im Ehebuch heißt es dann nur noch "Am Mittwoch in der Betstund copuliert."
Und ein Pfarrer hatte dann bei diesem unehelichen Kind nichts besseres zu tun, als in dessen Familienregister darauf hinzuweisen, dass seine Eltern "praematuri concubatores" (vorzeitige Beischläfer) waren.

Viele Grüße
Eva
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  #5  
Alt 19.11.2006, 20:11
Marlies
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Standard RE: Der Tag der Hochzeit

Hallo Ihr Drei,

zunächst einmal DANKESCHÖN an Euch

@ Woody

interessanter Gedanke, den Wochentag "nach Bedeutung" auszusuchen. Man müsste jetzt jemand kennen, der diese "Aussage" bestätigen könnte

Im Advent war einiges nicht erlaubt, so galt z.B. Kathrein stellt den Tanz ein

@ Norbert

"Fasend" ist wohl ein gegendtypischer Begriff, welche Zeit ist damit gemeint?

@ Eva

diesen "Brauch" kannte ich nicht, er dürfte allen vor Augen geführt haben, dass hier unerlaubtes geschehen war. Voreheliche Beziehungen waren auch zu meiner Zeit noch ein Makel, es klingt mir heute noch in den Ohren: mach mir ja keine Schande ( und durch meine Forschungen habe ich rausbekommen, dass viele meiner Tanten genau diese "Schande" ins Haus brachten )

Dein "vor das Kränzchen" erinnert mich an "in der Mütze copuliert"

Lieben Gruß
Marlies
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  #6  
Alt 20.11.2006, 10:38
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Eva64 Eva64 ist offline weiblich
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Standard RE: Der Tag der Hochzeit

Zitat:
Original von Marlies
"Fasend" ist wohl ein gegendtypischer Begriff, welche Zeit ist damit gemeint?
Damit dürfte wohl Fasnet, Fasching, Fastenzeit gemeint sein.

Zitat:
diesen "Brauch" kannte ich nicht, er dürfte allen vor Augen geführt haben, dass hier unerlaubtes geschehen war. Voreheliche Beziehungen waren auch zu meiner Zeit noch ein Makel, es klingt mir heute noch in den Ohren: mach mir ja keine Schande ( und durch meine Forschungen habe ich rausbekommen, dass viele meiner Tanten genau diese "Schande" ins Haus brachten )
Das mit den vorehelichen Beziehungen war auch bei mir noch so, also vor ca. 20 Jahren.

Und was gab das für ein Geraune und Gelächter, als wir Enkel mal zufällig, ich glaube es war an einem Weihnachten, feststellten, dass unsere Patentante ein viermonats Kind war . Dazuhin mussten meine Großeltern noch im Trauerjahr heiraten, denn der Vater meines Großvaters war im Jahr davor verstorben und dieses Jahr hätte eigentlich abgewartet werden müssen. Nun ja, die Umstände erlaubten es dann doch, dass sie vorher heirateten

Grüßle
Eva
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  #7  
Alt 20.11.2006, 12:47
Rossi Rossi ist offline
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Standard RE: Der Tag der Hochzeit

Zitat:
Original von Woody
Hallo Marlies,
Der Zeitpunkt der Heirat (Jahreszeit und Wochentag) variierte je nach Epoche.
Wenn ich meine Daten durchgehe, sehe ich eine klare Korrelation zwischen dem Heiratsmonat und der Geburt des ersten (ehelichen) Kindes.
Würde sogar fast sagen, meistens wurde aufgrund gewisser Umstände geheiratet.

Rossi
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  #8  
Alt 27.11.2006, 01:34
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Standard RE: Der Tag der Hochzeit

Zitat:
Würde sogar fast sagen, meistens wurde aufgrund gewisser Umstände geheiratet.
Und dazu:
Das war nicht immer sogenannte "Schande".
Ich kann mich noch erinnern, dass in Going unterhalb des Wilden Kaisers, als wir in den 50-er Jahren auf dem Bauernhof Urlaub machten große Freude herrschte und ein Fest gefeiert wurde. Die Marie war endlich schwanger und nun durfte endlich geheiratet werden - der heißersehnte Beweis war erbracht, dass die Nachkommenschaft gesichert war.

Es grüßt Euch aus München

Erika
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  #9  
Alt 01.02.2007, 09:56
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Eva64 Eva64 ist offline weiblich
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Nachfolgendes habe ich im Buch "Von Amtsstuben, Backhäusern und Jahrmärkten" von Angelika Bischoff-Luithlen wiedergefunden. Ich wusste doch, dass ich das schon mal gelesen hatte . (Das gilt für Württemberg)

Dienstagshochzeit

Der Dienstag galt als angemessener Wochentag für „rechte Leut“. Frühere Forschungen bemühen in diesem Zusammenhang die Göttin Freya und die Tobiasnächte, aber man braucht nur die Rescripte der württembergischen Herzöge durchzusehen, um eine konkrete Erklärung zu finden. Ein Erlass aus dem Jahre 1660 untersagt die Montagshochzeiten aus dem Grund, dass der vorausgehende Sonntag nicht durch Hochzeitsvorbereitungen entweiht werden solle. „Alle Hochzeiten sollen den Dienstag angestellet und erhalten werden“, heißt es da. 1668 sagt ein weiteres Rescript: „Anlangend die Copulation newer Eheleut, so wollen und verordnen Wir, dass dieselbe überall nicht am Montag, weil man sonst den Sonntag mit werktäglichen Geschäften prophanisiern muß, auch nicht am Donnerstag, wegen des darauf folgenden Bettags, noch am Sambstag, sondern ordinari am Dienstag oder Mittwoch, nach jeden Orts Gepflogenheit, gehalten werde.“
Da der Mittwoch traditionell für die sogenannten „gefallenen“ Paare vorbehalten war, blieb eigentlich nur der Dienstag übrig. Der Freitag als der Tag des Sterbens Christi galt außerdem als Unglückstag. Der Samstag sollte fürher der Vorbereitung auf die Predigt dienen, auch für den Geistlichen, dies war eine Anordnung des 17. Jahrhunderts. Vor dem Dreißigjährigen Krieg waren Samstagshochzeiten schon einmal üblich gewesen, wurden dann aber „wegen Zulauffen des jungen Pöbels von allen Seiten“ abgeschafft.
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  #10  
Alt 08.09.2018, 05:42
Alfred Trötzmüller Alfred Trötzmüller ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Eva64 Beitrag anzeigen
in Württemberg wurden Paare die schon eine voreheliche Beziehung hatten nur in der Betstunde getraut (die immer mittwochs stattfand).

Ich habe auch so einen Fall gefunden, und zwar in der evangelischen Pfarre Dettenheim in Mittelfranken am 1. April 1767 (Mittwoch!):
"Den 1. Apr. ist Johannes Bißwanger, eigenthüml. Jnwohner u. Beckenknecht allhier, mit Maria Eva Obernederin, von Neudorf, in der Betstunde copulirt worden, da ich von weltl. Obrigkeit nachdem sie als fornicanten gebührend abgestraft, die Copulations Licenz erhalten."
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