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  #1  
Alt 11.08.2022, 21:24
Corrado Corrado ist offline
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Standard Taufdot und Gevatter, das selbe?

Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1628
Region, aus der der Begriff stammt: Oberfranken


Hallo! Eine Verständnisfrage:

Ich meine mich dunkel zu erinnern, hier in einem Forum eine Erklärung des Begriffs tauffdodt gelesen zu haben, das bedeute Taufpate. Das schien auch zu passen, bis ich auf einen Heiratseintrag in Marktzeuln stieß, in dem der Bräutigam sowohl einen Gevatter als auch einen anderen taufdot hatte. Ich kann die Stelle nicht hierhin transportieren, bitte also nur die um Hilfe, die erstens guten Willens sind und zweitens meiner Abschrift vertrauen oder im Heiratsbuch von Zeuln selbst nachschauen (Matricula Online, Bistum Bamberg). Anm. Admin: https://data.matricula-online.eu/de/...1%252F3/?pg=98
Der Text vom 27.11.1628:
Johann Männlein von Oberlangenstadt, Martin Männleins sel. nachgel. Sohn, heiratet Kunigunde Linhard ... Zeugen auf Bräutigams Seite: ... Johann Laurentius Meurer alhier und des Bräutigams Gevatter, Johann Lohmüller zu Oberlangenstadt, des Bräutigams tauffdot; etc.pp.
Gevatter bedeutet jedenfalls Taufpate, da bin ich sicher, auch 1628 in Oberfranken (mancherorts im Saarland z.B. kann es auch Nachbar bedeuten!). Kann der taufdot (oder einfach todt an manchen Stellen) auch etwas anderes bedeuten? Weiß das jemand zuverlässig?

Viele Grüße
Corrado
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  #2  
Alt 12.08.2022, 09:13
Benutzerbild von Xtine
Xtine Xtine ist offline weiblich
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Standard

Hallo Corrado,

ich kenne den/die Dodt/Dote/.... als Pate/Patin
Siehe hier die verschiedenen Dialekte oder hier. Für Unterfanken wird es hier Dout geschrieben.
Wobei ich auf die Schreibweise nichts geben würde, damals wurde nach Gehör geschrieben!

Gevatter und Pate / Taufdot sollte das selbe sein.

... und seien
auf des Bräutigam Seiten zu Zeugen eingeschrieben worden Johann Laurentius Meurer alhier, und des Bräutigams
Gevatter, Johann Lohmüller zu Oberlangenstadt, des Bräutigams Tauffdot; Johann Korn von Nodesitz, des Bräutigams Schwager. Auf der Seiten der Braut........


Offensichtlich hatte der Bräutigam 2 Paten, evtl. wurde der erstgenannte (im Taufeintrag) als Gevatter bezeichnet, der andere als Dote. Es könnte auch eine Unterscheidung sein, wer das Kind während der Taufe gehalten hatte oder nur daneben stand.


Schau in den Taufeintrag, vielleicht gibt Dir das mehr Aufschluß.
__________________
Viele Grüße .................................. .
Christine
.. .............
Wer sich das Alte noch einmal vor Augen führt, um das Neue zu erkennen, der kann anderen ein Lehrer sein.
(Konfuzius)

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  #3  
Alt 12.08.2022, 11:47
Corrado Corrado ist offline
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Okay, Christine,

zwei Paten klingen nicht soo überzeugend, davon der eine Gevatter, der andere Taufdot. Würde eine andere Erklärung bevorzugen. Die Begriffe müßten dann auch funktional unterschieden sein, wie du auch andeutest. Den Taufeintrag möchte ich derweil noch nicht suchen.

Alles Gute
Corrado
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  #4  
Alt 12.08.2022, 14:43
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Xtine Xtine ist offline weiblich
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Im Prinzip sind es aber nur 2 Bezeichnungen für das selbe heutige Wort (Tauf-)Pate.

Evtl. wurde ja auch innerhalb der Familie der eine immer als Gevatter Johann bezeichnet und der andere als Dot Johann, damit man wußte, von wem gesprochen wurde. Und genau so gab es der Bräutigam dann bei der Hochzeit an.

Ich kenne auch heute noch Gegenden, da wird der/die Taufpate/-in nicht beim Namen genannt, sondern nur (in dem mir bekannten Fall) als Godl angeredet.
Im obigen Fall war es halt dann z.B. im Sprachgebrauch: Johann/Hans (mein/dein/sein Gevatter) und mein/dein/sein Dot (Johann)

Zitat:
Zitat von Corrado Beitrag anzeigen
Den Taufeintrag möchte ich derweil noch nicht suchen.
Warum nicht?
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Viele Grüße .................................. .
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  #5  
Alt 12.08.2022, 16:17
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hallo, die Sprachwisseschaftler scheinen keinen aktuellen
Sinnunterschied zu "Gevatter" zu sehen, siehe Bildanhang, rot markiert.

Hosendot = Taufpate
Rockdote = Taufpatin

Quelle: Bayerischer Sprachatlas: Wortgeographie, 1996
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg 1996.jpg (68,8 KB, 8x aufgerufen)
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (12.08.2022 um 16:21 Uhr)
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  #6  
Alt 12.08.2022, 23:02
Scriptoria Scriptoria ist offline
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Hallo,

der Patenbegriff ist ebenso wie der des Gevatters in der Sekundärliteratur weit gefasst, und beinhaltet auch den Firmpaten.
Da hier anscheinend Wert auf die Unterscheidung zwischen dem Tauffdot, dem Taufpaten,
und einem anderen Paten, dem Gevatter gelegt wird, wäre es denkbar, dass mit Gevatter der Firmpate gemeint ist.

https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover


Hier ein Beispiel für den bayerischen Raum im Mittelater, Gevatter in der Bedeutung Firmpate:

https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover

Gruß
Scriptoria

Geändert von Scriptoria (12.08.2022 um 23:15 Uhr) Grund: Text erweitert
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  #7  
Alt 13.08.2022, 00:47
sternap sternap ist offline
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Beiträge: 2.498
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wenn ich das angelesene richtig verstehe, gab es allgemein taufzeugen.


wo unterschiedliche worte verwendet wurden, verstand man ursprünglich den gevatter und die gevatterin als beistand für die eltern, dagegen paten, dots und göds als die, von denen das getaufte kind später das vaterunser etc gelehrt erhalte und die seine begleiter ins christenleben wären.


gevatter hätte man vorteilhaft unter nahen nachbarn gesucht, sodass man einander beistehe, daher knüpfte man durch gegenseitige gevatternschaft noch engere bande.

im laufe der zeit wäre gevatter synonym mit den übrigen patennamen verwendet worden und hätte die gleiche bedeutung gehabt.
__________________
______________________________
freundliche grüße
sternap


weil man sich nicht sieht, mein gesichtsausdruck: my dog stepped on a bee!
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  #8  
Alt 13.08.2022, 10:40
Corrado Corrado ist offline
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Hallo und vielen Dank an alle Experten!

Gevatter scheint demnach der weiter gefaßte Begriff zu sein (Taufpate, Firmpate, Nachbar) und da es Belege für Gevatter als Firmpate gibt, scheint das, bei aller Unsicherheit, die wahrscheinlichste Deutung in diesem Fall zu sein. Eine sichere Interpretation gibt es aber offenbar nicht. Hier wiederholt sich wohl die Erkenntnis, daß Begriffe in früherer Zeit nicht exakt definiert waren. Ein saarländischer Geschichtsprof. sagte mal, "Vetter kann alles bedeuten, auch den Fußabstreifer vor der Tür." Da schwingt wohl auch die leise Verzweiflung des Interpretierenden mit.

Nochmals vielen Dank
Corrado
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  #9  
Alt 13.08.2022, 10:54
holsteinforscher holsteinforscher ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.04.2013
Beiträge: 2.478
Standard

Moinsen zusammen,
hier habe ich noch etwas gefunden: Degen-Kind, männlicher Erbe - Dot, Dotin, Pathe und Pathin - Dotlein oder Dötlein, das aus der Taufe gehobene Kind: zuweilen auch Pathe und Pathi.
Aus: GATTERS, Johann Christoph: Abriß der Genealogie (1788/055)
__________________
Die besten Grüsse von der Kieler-Förde
Roland...


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  #10  
Alt 13.08.2022, 12:48
Corrado Corrado ist offline
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Registriert seit: 09.11.2021
Beiträge: 190
Standard

Gruß nach Holstein,

aber völlig verstanden habe ich deinen Beitrag nicht. Verstehe zudem nicht wirklich, was er zur Unterscheidung von Taufdot und Gevatter beiträgt.

Alles Gute
Corrado
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