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Umfrageergebnis anzeigen: Habt Ihr adelige Vorfahren?
Ich habe keine adeligen Vorfahren. 137 50,74%
Laut (Familien)überlieferung habe ich adelige Vorfahren, habe dies aber (noch) nicht überprüft. 22 8,15%
Ich habe durch Forschung die Überlieferung von adeligen Vorfahren nicht bestätigt. 8 2,96%
Ich habe durch Forschung die Überlieferung von adeligen Vorfahren bestätigt. 36 13,33%
Ich habe ohne vorherige Überlieferung adelige Vorfahren gefunden. 62 22,96%
Ich bin selbst adelig. 5 1,85%
Teilnehmer: 270. Sie dürfen bei dieser Umfrage nicht abstimmen

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  #221  
Alt 23.06.2022, 22:24
Gastonian Gastonian ist offline
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Zitat:
Zitat von Alter Mansfelder Beitrag anzeigen
Ein generelles Problem aller Mittelalter-Forschung besteht freilich darin, dass im Laufe der Zeit irgendwo geäußerte Spekulationen zu Wahrscheinlichkeiten werden und diese wiederum zu vermeintlichen Gewissheiten, weil viele Abschreiber die zu setzenden Fragezeichen (bewusst oder unbewusst fahrlässig) weglassen.
Ich muß hier zustimmen - und nicht nur für das Mittelalter. Eine 1907 veröffentlichte Familienchronik erwähnte und faßte zusammen eine Menge von Dokumenten, die sich damals im Staatsarchiv Königsberg befanden. Ich hatte jetzt die Gelegenheit, einige dieser Dokumente aus dem 18. Jahrhundert (jetzt im Geheimen Staatsarchiv in Berlin) zu überprüfen. Einen Verkaufskontrakt, den Christoph Ehrenreich als "einziger Sohn und Erbe" unterschrieben haben soll, hat er tatsächlich nur als "einziger Erbe" unterschrieben. Und eine Witwe, die "ihren Schwager Sebastian Ernst" als Vormund erbeten haben soll, hat ihn tatsächlich erbeten, aber ohne die Verwandschaftsbezeichnung. Also sind diese Dokumente nicht ganz so aussagekräftig, wie sie in der Familienchronik erschienen.

VG

--Carl-Henry
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  #222  
Alt 24.06.2022, 14:12
Benutzerbild von Alter Mansfelder
Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
Moderator
 
Registriert seit: 21.12.2013
Ort: Harzvorland
Beiträge: 4.078
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Hallo Carl-Henry,

mir sind bisher drei Varianten bei der "Schaffung von Fakten" aufgefallen:

Variante 1: meinte ich mit dem von Dir wiederholten Zitat. Nennen wir sie einmal "Forschungsfortschritt ohne neue Quellen". Beispiel: Das Deutsche Geschlechterbuch, der Gotha oder andere geben Person A (*um 1520) als durch Kirchenbuch gesicherten Stammvater der Familie an. Im Vorwort heißt es außerdem: Weiterhin erscheinen die Namensträger B in einem Vertrag von 1518, C in der ältesten Steuerliste von 1490 und D als Zeuge einer Urkunde von 1465. Abschreiber 1 übernimmt die Angaben und äußert, B, C und D könnten Vorfahren von A gewesen sein. Das liest Abschreiber 2 und meint, B, C und D sind wahrscheinlich Vater, Großvater und Urgroßvater von A. Abschreiber 3 übernimmt das in seinen "Baum", das Programm gibt aber keine Fragezeichen her oder es sieht so vollständig einfach besser aus. Abschreiber 4, 5 und 6 freuen sich, dass Abschreiber 3 weitergekommen ist als alle anderen und übernehmen es ebenfalls, und auf einmal sind B, C und D Vater, Großvater und Urgroßvater von A. Abschreiber 7 kennt alle Fundstellen - aber 3, 4, 5 und 6 waren doch verlässliche Forscher, "müssen" also mehr gewusst haben als die älteste Veröffentlichung und die Abschreiber 1 und 2. Prüfer 1 sucht dann die zusätzlichen Quellen - und findet natürlich keine -- vielleicht Kriegsverlust? Erst Prüfer 2 fällt auf, dass der Kaiser gar keine neuen Kleider anhat.

Variante 2: hast Du dargestellt. Es gibt eine Quelle, aber es wird etwas hineingelesen/-interpretiert, das dort gar nicht steht, weil es ja so gewesen sein muss oder nur so gewesen sein kann. Dann weiter mit den Abschreibern ähnlich der Variante 1.

Variante 3: wäre schließlich die bewusste Fälschung einer Quelle oder Fundstelle, die es nie gab - so wie man etwa Decker-Hauff postmortal als Quellenfälscher entlarvt hat. Dann weiter mit den Abschreibern ähnlich der Variante 1.

Das Ärgerliche an dem Ganzen besteht gar nicht so sehr in der Abschreiberei, sondern vielmehr in der immer noch verbreiteten Geheimnistuerei vieler Forscher hinsichtlich der von ihnen benutzten Quellen. Hätten Abschreiber 1 und 2 vermerkt, dass sie nur den Gotha kannten und hätten Abschreiber 3-7 ordentlich notiert, dass sie sich nur darauf und auf ihre Angaben untereinander beziehen, dann hätten sich für Prüfer 1 und 2 viele Fragen nicht gestellt ...

Es grüßt der Alte Mansfelder
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