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  #31  
Alt 04.12.2013, 09:53
Wolfg. G. Fischer Wolfg. G. Fischer ist offline männlich
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Standard 16. Okt. 1871

Zitat:
Zitat von wolf44 Beitrag anzeigen
Verfolge das Schiffstagebuch mit großem Interesse. Vielen Dank an den TS.
Habe in der Auswandererliste meines Heimatortes auch eine Familie, die mit der der Electric auswanderte. Aufgrund dieses Themas habe ich mich mal näher mit der entsprechenden Fahrt befasst:

Abfahrt Hamburg 1.11.1867, Ankunft NY 24.12.1867. An Bord des Schiffes waren 461 Passagiere. Davon verstarben auf der Überfahrt 6 Kleinstkinder und eine erwachsene Person.
Hallo Namensvetter,

sind die Namen der Verstorbenen bekannt?

Mit besten Grüßen
Wolfgang




Tagebuch:

"Diese Nacht wurde ich um 2 Uhr durch den Steuermann geweckt. Eine der alten Frauen war dem Ende ihrer Lebensreise nahe und hat nach mir verlangt. Ich las ihr den 23. Psalm und betete mit ihr. Um 4 Uhr legte ich mich nieder.

Am Morgen hatte sie noch nicht ausgerungen. Immer kürzer wurde ihr Atem und als ich mittags zu ihr kam, merkte ich, dass sie bald scheiden würde; ich blieb bei ihr. Ihre kalte, magere Hand ruhte in meiner; so verschied sie.

Nachdem ich ihr die Augen zugedrückt hatte, ging ich hinab, um es den Ihrigen mitzuteilen. Eine Frau zog ihr das Abendmahlskleid, ein weißes Halstuch und neue Strümpfe an. Der Sohn bestimmte, dass seine Mutter das alte Gesangbuch, aus dem sie oft gesungen hatte, mitbekäme.

Abends, als die meisten Leute schliefen, wurde die Leiche still über Bord gesetzt. Dieser Tag wird mir, so lange ich lebe, ein unvergesslicher sein."
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  #32  
Alt 04.12.2013, 11:58
wolf44 wolf44 ist offline männlich
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Auf der von dir beschriebenen Fahrt waren 226 Passagiere an Bord. Es gab zwei Geburten bei:

Louise Schwenn 25
Anna Deicher 25

und sechs Todesfälle:

Carolina Ohde 9 Monate
Maria Kopheim 30
Christine Holst (Witwe) 48 (sie hatte zwei Söhne an Bord)
Ludwig Holtz 3 Monate
Line Lund 9 Monate
Albert Kluge 7 Monate
__________________
Viele Grüße
Wolfgang

Blog:Genealogische Fundstücke
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  #33  
Alt 04.12.2013, 13:24
Wolfg. G. Fischer Wolfg. G. Fischer ist offline männlich
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Standard 17. Okt. 1871

Das ist ja sehr interessant, herzlichen Dank.

LG Wolfgang




Tagebuch:

"Wir kommen gut vorwärts, von gestern zu heute mittag haben wir 49 deutsche Meilen gemacht. Die Sonne scheint recht warm. Alle sind an Deck, denn im Zwischendeck wird wieder gereinigt und geräuchert. Die Unreinlichkeit der Leute ist groß, Ungeziefer soll es auch schon geben."
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  #34  
Alt 04.12.2013, 17:10
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dorsch dorsch ist offline weiblich
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Hallo,
ganz großen Dank an beide "Wölfe"! Ich finde das wahnsinnig spannend, was man hier so erfährt. Woher hast du die Daten, Wolf44? Könntest du einen Dokumentenscan einstellen? Das wäre noch so das authentische i-Tüpfelchen!
Die 48-jährige Witwe, die auf deiner Liste der Verstorbenen steht, ist demnach die "alte Frau", deren Tod der Tagebuchverfasser im vorletzten Eintrag beschreibt? Na, schönen Dank auch! Die ist 10 Jahre jünger als ich! Beim Lesen habe ich sie mir sie mir viel älter vorgestellt. Aber bei den Strapazen, die das Leben, gerade der einfachen und armen Leute damals darstellte, war man wohl auch eher "aufgebraucht".

Ich warte mit Spannung auf jede nächste Folge!
Ganz lieben Gruß
DorSch
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„Krönung der Alten sind die Enkel und der Stolz der Kinder sind ihre Ahnen“ (Sprüche, Kap.17, Vers 6)

Suche nach FN Leidiger in Thüringen.

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  #35  
Alt 04.12.2013, 17:45
wolf44 wolf44 ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von dorsch Beitrag anzeigen
Woher hast du die Daten, Wolf44? Könntest du einen Dokumentenscan einstellen? Das wäre noch so das authentische i-Tüpfelchen!
Hier das Tüpfelchen:

Ch. Holst Tod.jpeg

Die Familie stammt aus Dersentin KS Serrahn/ Langhagen (Mecklenburg-Strelitz). Die Daten entstammen den Hamburger und NY Passagierslisten. Über den weiteren Verbleib der beiden jungen Männer konnte ich leider nichts weiter ermitteln. Da müssen dann wohl unsere "Profis" ran.
__________________
Viele Grüße
Wolfgang

Blog:Genealogische Fundstücke

Geändert von wolf44 (04.12.2013 um 18:11 Uhr)
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  #36  
Alt 04.12.2013, 19:58
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Danke, Wolf!

LG
DorSch
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  #37  
Alt 04.12.2013, 22:20
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Hallo in die Runde!
Nun hab ich doch auch mal 'ne Frage :
Ich habe selbst auch thüringische Amerikaauswanderer in der Familie. Wie sie von Bremerhaven bzw. in meinem Fall von Hamburg nach New York gekommen sind, unter welchen Bedingungen etc., kann ich mir ganz gut vorstellen. Aber wie kamen sie von Thüringen nach Bhv. oder HH? Gab es da so etwas wie Standardrouten? Diese Auswanderungsreisen wurden ja in großem Stil kommerziell organisiert und auch in der Presse beworben. Bei allem, was ich bis jetzt gelesen habe, habe ich aber noch nicht rausgekriegt, was der typische Reiseweg war, um (noch dazu in meinem Fall "heimlich"!) von Pößneck nach Hamburg zu kommen. Ich weiß nur, dass oft die großen Flüsse (Rhein, Elbe) als Wasserstraßen genutzt wurden - und dass die Inlandreise bereits ein Vermögen verschlang, wenn man Pech hatte, nicht zuletzt, weil es so viele Grenzen gab, die man passieren musste, und die jedesmal Zoll kosteten. - Weiß einer von euch mehr über die typische Reiseroute Thüringen - Nordseeküste?
Lieben Gruß
DorSch
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  #38  
Alt 09.12.2013, 10:42
Wolfg. G. Fischer Wolfg. G. Fischer ist offline männlich
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Standard 18. Okt. 1871

Hallo DorSch,

konkret kann ich Dir leider nicht weiterhelfen, aber ich denke, dass für Bremerhaven zunächst die Weser und für Hamburg die Elbe maßgeblich waren. Bald dürften aber auch die Eisenbahnen eine große Rolle gespielt haben.

So furchtbar teuer war das im Einzelfall nicht, weil die Reise zu den Häfen schon zum Vertrag mit dem Auswanderungsagenten gehört haben dürfte.

Mit besten Grüßen
Wolfgang




Tagebuch:

"Es kam ein Mann und bat mich dringend, seine Tochter mit ihrem Bräutigam, der auch an Bord ist, zu trauen. Gestern abend hätte sie ihm ihre Schande eingestanden. Er als Vater schäme sich, mit dieser Tochter zu landen.

Ich lehnte das ab und sagte ihm, er solle sie vor der Weiterreise in New York trauen lassen."
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  #39  
Alt 10.12.2013, 00:37
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Hallo, Wolfgang,
schönen Dank für den Beitrag; ich habe mich gleich mal daran gemacht, zu eruieren, welche Eisenbahnstrecken es wann wo gab in Thüringen ... auweia!, die Kleinstaaterei dort kann einem ja wahnsinnig machen! Aber ich krieg das noch raus! Das Jahr war 1882 und da er mitsamt Familie "heimlich" auswanderte (Fahnenflucht), wird er wohl zugesehen haben, dass er a) unauffällig reiste und b) baldmöglichst eine Grenze zwischen sich und sein Heimatland brachte ... oder stelle ich mir eine solche "heimliche" Auswanderung dramatischer vor als sie war?
LG
Dorothee
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  #40  
Alt 10.12.2013, 10:06
Wolfg. G. Fischer Wolfg. G. Fischer ist offline männlich
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Standard 20. Okt. 1871

Hallo Dorothee,

man brauchte zwar eigentlich einen Reisepass, aber ich glaube nicht, dass die Grenzen innerhalb Deutschlánds kontrolliert wurden.

Mit besten Grüßen
Wolfgang




Tagebuch (für den 19. Okt. kein Eintrag):

Gestern abend sind wieder Ungehörigkeiten von seiten der unverheirateten Mädchen vorgekommen. Der Kapitän hat einige mit Matrosen vorn bei der äußersten Spitze des Schiffes gefunden. Um dem vorzubeugen ist ihnen von heute an verboten, weiter als bis zur Küche zu gehen, dagegen erlaubt, sich oben auf dem Halbdeck aufzuhalten.

Mittags herrschte Unzufriedenheit. Der Koch war mit den Speisen nicht ausgekommen und musste noch einmal kochen, darüber murrten die Leute. Da der Haufen sich nicht von der Küche trennen wollte, bat mich der Kapitän, sie zu beruhigen. Es gelang mir. Viele gingen hinab und warteten, bis sie gerufen wurden.
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