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  #1  
Alt 13.01.2022, 22:22
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Standard Warum hat die Witwe nicht wieder geheiratet? Oder bin ich auf der falschen Spur?

Hallo zusammen!

Am 22.08.1683 wir in Stettin, St. Jakobi Marie Eleonora Zieseler getauft. Sie heiratet am 15.04.1700 in St. Jakobi den Kaufmann Johann Plath. Zwischen 1701 und 1725 werden 14 Kinder geboren. Johann Plath wird am 09.03.1727 in St. Marien begraben. Ende 1758 wird in St. Marien "die Frau Witwe Plathen" begraben. Das Namensverzeichnis von St. Jakobi (sic!) weist auf diese Beerdigung in St. Marien hin und führt weiter aus, daß sie die Witwe des "Kauffmanns Plathen" ist und 75 Jahre alt wurde.

So, für mich steht die Identität der Witwe des "Kauffmanns Plathen" fest. Ich habe mich sehr mit den Plath in Stettin beschäftigt. Es gab einige davon, aber seinerzeit nur einen Kaufmann. Das im Sterbeeintrag angegebene Alter der Frau paßt auch perfekt zum Geburtsdatum.

Die Frage ist nun, wieso die Witwe, die zu der Zeit noch einige kleine Kinder und auch größere, aber teils unverheiratete Töchter hatte, nicht wieder geheiratet hat. So etwas erscheint mir ziemlich unüblich.

Oder werfe ich da zwei Personen durcheinander?

Was denkt Ihr?

Viele Grüße
consanguineus
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Joh. Christian KROHNFUSS, Jäger, * um 1790
Anton BLANKE, Halbspänner in Kl. Rhüden, * um 1750

Joh. Andr. MAASBERG, Bürger und Windmüller in Peine, * um 1730
Carl KRÜGER, Amtmann in Bredenfelde, * um 1700
Georg Melchior SUDHOFF, Pächter in Calvörde, * um 1680
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  #2  
Alt 13.01.2022, 22:57
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Moin,
da kann man nur spekulieren. Sie war ja wohl damals ohne Mann nicht geschäftsfähig. Hat evtl. ein Sohn den Besitz übernommen und der Mutter im Vertrag die "Pflege im Alter u.s.w." versprochen? Hab ja bei meinen Grundbüchern gelernt, dass da sogar der Schlafplatz geregelt war. Wenn der Kaufmann sehr wohlhabend war, konnte sie sich evtl. alle anderen Hilfen, z.B. Kindermädchen, leisten und war nicht auf ehelichen Beistand angewiesen.
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Lieben Gruß

Lutz

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suche Eising * um 1880 aus/bei Creuzburg/Ostpreußen, sowie (August & Hellmut) Wegner und (Friederike) Lampe * um 1840 aus/bei Kleinzerlang/Prignitz
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  #3  
Alt 13.01.2022, 23:20
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Moin Lutz,

ein Sohn, das erste Kind, wird 1701 geboren. Bei der Taufe wird kein Vorname angegeben. Ich habe bisher keine Ahnung, was aus ihm geworden ist. Vielleicht war er so schwach, daß es sich nicht gelohnt hat, ihm einen Namen zu geben. Von Nottaufe oder sofortigem Ableben steht im Taufeintrag aber auch nichts. Der nächste Sohn kommt erst 1716 zur Welt. Der hat 1727 sicher noch nicht das Geschäft des Vaters übernommen.

Vermutlich wird einiger Wohlstand vorhanden gewesen sein. Der Vater der Witwe Plath war Kürschnermeister und lebte sogar noch als sein Schwiegersohn starb, wenn auch nur noch ein paar Monate. Zeit genug, das Testament zugunsten seiner verwitweten Tochter ein wenig zu ändern. Plath selbst war Kaufmann, Tuchhändler, Gewandschneider. Somit gehe ich auch hier von solidem Vermögen aus.

Bist Du Dir sicher, daß eine Witwe mit diesem Hintergrund nicht geschäftsfähig war?

Viele Grüße
consanguineus
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  #4  
Alt 13.01.2022, 23:37
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Zitat:
Bist Du Dir sicher, daß eine Witwe mit diesem Hintergrund nicht geschäftsfähig war?
Nein, das ist nur Halbwissen. Ich dachte aber, dass es zu der Zeit nötig war, einen Mann an seiner Seite zu haben.

In meiner Sippe, hab ich einen Fall, wo der Hof an den neuen Ehemann übergeben wurde, mit der Vertragsklausel, dass der Sohn den Hof nach 20 Jahren zurück übergeben bekommt. d.h. für mich, die Frau hat nur wieder geheiratet, weil sie bis zur Volljährigkeit des Sohnes einen "Verwalter" brauchte. Zum Arbeiten hätte sie ja auch einen Knecht einstellen können.

Ob das bei "reichen" Leuten auch so war-keine Ahnung. Wenn die Frau natürlich in der Gegend als Frau Tuchhändler o.ä. bekannt und angeredet wurde, ist es auch denkbar, dass sie genug Autorität und Ansehen besaß, dass sie keinen Mann brauchte.

Wer weiß?

edit: in den Katastern in Böhmen, auch um 1700, gibt es jedenfalls keinen Fall, wo eine Frau unterschrieben hätte. (okay, alle Einträge hab ich natürlich nicht gelesen, aber bei meiner Sippe ist es so.) In der Regel wird nicht mal der Name der hinterbliebenen Ehefrau genannt. "Nachdem Johann Wenzel X das zeitliche gesegnet und sein Weib den Hof nicht bewirtschaften kann, wurde dieser an den Sohn Johann Georg X übergeben" o.s.ä. Wenn ich den Namen der Frau nicht aus den Kirchenbücher kennen würde, hier könnte ich ihn nicht erfahren. Was angegeben ist, sind die Namen der erbberechtigten Töchter.
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Lieben Gruß

Lutz

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Geändert von LutzM (13.01.2022 um 23:45 Uhr)
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  #5  
Alt 13.01.2022, 23:54
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Standard ich versteh sie...

Nach 14 Geburten und 27 Jahre Ehe; ohne Not, einen Versorger finden zu müssen; ein Leben in Wohlstand und Ansehen gesichert - das sind doch gute Gründe, seine Selbständigkeit und Freiheit zu genießen
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  #6  
Alt 13.01.2022, 23:59
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vielleicht war sie auch einfach nur hässlich Sorry
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  #7  
Alt 14.01.2022, 00:21
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Ich VERMUTE nur, daß die Familie wohlhabend war. Als Kaufmann wird Plath ja sicherlich einige Angestellte gehabt haben, die die Firma weiterführen konnten.

@Lutz: Du meinst einen Interimswirt, der eine Witwe mit Hof heiratete, uim diesen bis zur Volljährigkeit eines Sohnes aus erster Ehe der Witwe weiterzuführen. Das habe ich auch oft unter meinen Vorfahren. Ich denke, es war billiger, jemanden zu heiraten, als einen Knecht einzustellen. Außerdem war die Witwe vielleicht noch jung und ansehnlich. Auf jeden Fall bestand für des Interimswirt häufig die Möglichkeit daß die Kinder aus erster Ehe früh sterben könnten und seine eigenen Kinder, die er mit der Witwe hatte, dann den Hof übernehmen würden.
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  #8  
Alt 14.01.2022, 00:39
Benutzerbild von Ursula
Ursula Ursula ist offline
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Die noch nicht mündigen Kinder werden vermutlich alle einen Vormund bekommen haben? Vielleicht kannst Du über solche Akten etwas herausfinden?

Ich habe einen Fall, dass die Witwe eines Brauers und Wirts der größten Gastwirtschaft im Ort alles verkauft hat und mit ihrer jüngsten, noch nicht mündigen Tochter, zu den älteren Kindern in München gezogen ist. Dort hat sie zuerst mit der älteren Tochter eine Bügelstube geführt, in das später, nach Volljährigkeit auch die jüngste Tochter eingestiegen ist. Der Bruder, ebenfalls Bierbrauer, ist früh gestorben. Die Frauen haben sich alleine versorgt. Die beiden Schwestern blieben ledig und haben von ihrem kleinen Geschäft gelebt.

Eine neue Ehe war also nicht dringend ein Muss für eine Frau, wenn sie ein bißchen Vermögen hatte.

LG
Uschi
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  #9  
Alt 14.01.2022, 03:53
sternap sternap ist offline
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in zeiten von männermangel wegen krieg oder seuche oder auswanderungswellen, waren frauen gleichberechtigter, wenn die männer zurückkamen und in der überzahl waren, hieß es wieder zurück an dem herd.


ein spiegel der zeit ist in auswandererberichten nach ungarn gegeben, bei mautstellen oder schlafkreuzerverrechnungen, findet man immer wieder frauen als haushaltsvorstand angeführt, überwiegend bei handwerkern, die meierin, hoferin, spenglerin etc. solange sie den betrieb tüchtig weiterführte bzw. verpachtete, wiewohl sonst nur väter und ihre männlichen nachkommen verzeichnet waren.


deine plathin wird nicht mehr geheiratet haben, damit ihre kinder das erbe behalten. der betrieb kann verpachtet gewesen sein.
es wird wesentlich von der tüchtigkeit der gesellen abgehängt haben, ob sie alleine weiterwirtschaften konnte.
gibt es ein zunftbuch?
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______________________________
freundliche grüße
sternap


weil man sich nicht sieht, mein gesichtsausdruck: my dog stepped on a bee!

Geändert von sternap (14.01.2022 um 03:56 Uhr)
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  #10  
Alt 14.01.2022, 11:38
assi.d assi.d ist offline weiblich
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Hallo, wenn der älteste Sohn beim Tod des Vaters schon 26 Jahre alt war, wird er wohl das Geschäft übernommen haben und für die Mutter gab es dann keine Notwendigkeit noch einmal zu heiraten.

Gruß
Astrid
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