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  #11  
Alt 10.02.2020, 18:30
Benutzerbild von fps
fps fps ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Alter Mansfelder Beitrag anzeigen
Die katholischen und evangelischen Gewohnheiten mögen nicht immer vergleichbar sein.
Ergänzung: nicht einmal die katholischen Gewohnheiten sind vergleichbar, da gibt es große regionale Unterschiede, die sich über lange Zeiträume nicht ändern.

2 Beispiele: Im Rheinland gab es immer einen Paten und eine Patin (Patt und Pättche), von denen auch erwartet wurde, dass sie für die Eltern einsprangen, wenn diese früh verstarben. Noch bis ins 20. Jahrhundert waren die Großeltern des Täuflings die Paten bei den erstgeborenen Kindern (was mir so manches Mal die Zuordnung zur Großelterngeneration ermöglicht hat).

Aus Niederbayern kenne ich es, dass nur 1 Person die Patenschaft übernimmt.

Es wird wohl noch mehr Varianten geben....
__________________
Gruß, fps
Fahndung nach: Riphan/Rheinland (vor 1700); Scheer/Grevenbroich und Umgebung; Bartolain / Bertulin, Nickoleit (und Schreibvarianten), Kammerowski / Kamerowski, Atrott /Atroth, Kawlitzki, Obrikat - alle Ostpreußen, Region Gumbinnen
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  #12  
Alt 10.02.2020, 18:37
Benutzerbild von Horst von Linie 1
Horst von Linie 1 Horst von Linie 1 ist offline
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Guten Abend,

im Geburtsort meines Vaters waren seit spätestens 1811 (bis 1945) immer zwei Ehepaare die Paten.

Und zwar bei allen Kindern eines Ehepaares.
Die Paten stehenden Ehepaare waren nie nahe Verwandte (keine Vorfahren, keine Geschwister, noch nicht einmal Cousins).
Es waren wohl gute Freunde der Eltern.
Von außerhalb des Dorfes gab es so gut wie nie Taufpaten.

Oft war man wechselseitig Pate. Das war aber keine Regel.
__________________
Falls im Eifer des Gefechts die Anrede mal wieder vergessen gegangen sein sollte, wird sie hiermit mit dem Ausdruck allergrößten Bedauerns in folgender Art und Weise nachgeholt:
Guten Morgen/Mittag/Tag/Abend.

Und zum Schluss:
Freundliche Grüße.
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  #13  
Alt 10.02.2020, 20:17
Asphaltblume Asphaltblume ist offline
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Ich bin jetzt das erste mal in meiner Familie darauf gestoßen, dass bei bisher allen gefundenen Kindern allein "der Vater selbst" als Pate aufgeführt wurde. Und es waren anscheinend keine Nottaufen, die Kinder überlebten zumindest das erste Lebensjahr, mindestens zwei haben auch geheiratet. Der Mann war Unteroffizier. Bei den (meisten) anderen Taufen in diesem Garnisonskirchenbuch gab es aber ganz normal mehrere Paten, die nicht die Eltern waren.
__________________
Gruß Asphaltblume
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  #14  
Alt 10.02.2020, 20:28
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Hracholusky Hracholusky ist offline männlich
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Hallo,


bei mir geht es um den Bereich Südböhmen. Im ländlichen Raum war es immer nur ein Pate bei Jungen bzw. eine Patin bei Mädchen die nicht zur Verwandschaft gehörten und aus dem gleichen Dorf stammten.
Bei den städtischen Handwerkern waren es dann in der Regel zwei Paten die ebenfalls nicht zur Verwandschaft gehörten und allem Anschein nach zu befreundeten Familien gehörten die nicht immer aus der Stadt selbst waren. Teilweise kamen sie aus den Herkuntsdörfern der Eltern.
__________________
Beste Grüsse
Gerd
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  #15  
Alt 10.02.2020, 20:44
Benutzerbild von consanguineus
consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Horst von Linie 1 Beitrag anzeigen
Die Paten stehenden Ehepaare waren nie nahe Verwandte (keine Vorfahren, keine Geschwister, noch nicht einmal Cousins).
Hallo Horst,

damit verhält es sich in dem von mir beobachteten Gebiet genau andersherum: es wurden nahezu ausschließlich sehr nahe Verwandte ausgewählt, die dann aber nicht zwingend aus demselben Ort kommen mussten. Schließlich heiratete man gelegentlich auch jemanden aus dem Umkreis.

Wenn entferntere Verwandte als Paten auftauchen, dann neige ich dazu, sie in die Kategorie "Nachbarn" einzusortieren. Ich habe nämlich ein (für mich) erschreckendes Phänomen festgestellt: viele ländliche Menschen des 17. bis 19. Jahrhunderts haben sich kein Stück für familiäre Zusammenhänge interessiert, die über den Kreis der Kernfamilie hinausgingen. Als konkretes Beispiel fällt mir ein Mann ein, der um 1835 von der fürstlichen Kammer gebeten wurde, sich in einer Lehnsangelegenheit zu legitimieren, also seine Herkunft darzulegen. Mitglieder eines Lehnsverbandes wussten solche Dinge aus gutem Grund im Schlaf aufzusagen. Dieser Mann nicht, denn er gehörte nicht zum Kreis der Lehnsvettern, sondern hieß verwandtschaftshalber nur so wie sie. Er nannte also den Namen seines Vaters und den des Vaterbruders. Den seines Großvaters wusste er nicht anzugeben, obgleich er den Opa noch 28 Jahre lang erlebt hatte!!!

Will sagen: der normale Mensch auf dem Lande damals hatte wenig Muße und Neigung, sich mit genealogischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Der Begriff der "Verwandtschaft" schien sich also in der Regel maximal auf die Großeltern und deren Abkömmlinge zu erstrecken. Als außerhalb dieses Kreises nahm man offenbar nicht als Verwandtschaft wahr. So werden etwas entferntere Verwandte wohl eher in ihrer Funktion als Nachbarn zu Paten geworden sein.

Viele Grüße
consanguineus
__________________
Suche:

Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben
Johann Heinrich CLEVE, Hofmeister auf der Domäne Bornhausen, * um 1775
Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770
Anton BLANKE, Halbspänner in Klein Rhüden, * um 1750
Andreas Christian HAGERODT, Ackermann und Krüger in Ahlshausen, * um 1740
Johann Heinrich MAASBERG, Müllermeister, Kaufmann und Brinksitzer in Söhlde, * 1725
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  #16  
Alt 10.02.2020, 22:45
Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
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Zitat:
Zitat von consanguineus Beitrag anzeigen
Will sagen: der normale Mensch auf dem Lande damals hatte wenig Muße und Neigung, sich mit genealogischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Der Begriff der "Verwandtschaft" schien sich also in der Regel maximal auf die Großeltern und deren Abkömmlinge zu erstrecken. Als außerhalb dieses Kreises nahm man offenbar nicht als Verwandtschaft wahr.
Hallo consanguineus,

mit solchen Verallgemeinerungen muss man vorsichtig sein. Meine Vorfahrin, mit einem Kossaten meiner Namenslinie verheiratet, und ihre Brüder (alle in den 1790ern verstorben) wussten zum Beispiel sehr wohl, dass sie 7 Generationen zuvor von einem 1598 gestorbenen Gräflich Mansfeldischen Rat und Kanzler abstammten und eine recht illustre Fernverwandtschaft hatten (inklusive Adel). Das mag aber sicher daran liegen, dass es um eine Forderung von über 12.000 fl ging - zuzüglich Zinsen für mehr als 200 Jahre

Es grüßt der Alte Mansfelder
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  #17  
Alt 10.02.2020, 22:50
Benutzerbild von consanguineus
consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Alter Mansfelder, das ist aber schon ein besonders exklusiver Fall. Der bäuerliche Normalbürger hatte ja in den seltensten Fällen solche Vorfahren. Wenn doch, und wenn es dann darüberhinaus noch um viel Geld ging, dann erinnert man sich doch gerne mal!
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  #18  
Alt 10.02.2020, 23:30
Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
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Zitat:
Zitat von consanguineus Beitrag anzeigen
Der bäuerliche Normalbürger hatte ja in den seltensten Fällen solche Vorfahren. Wenn doch, und wenn es dann darüberhinaus noch um viel Geld ging, dann erinnert man sich doch gerne mal!
Sicher Leider hat der große Mansfeldische Konkurs nicht viel Masse hinterlassen. - Der bäuerliche Normalbürger im Ostharz hat aber durchaus schon einmal solche Vorfahren. Die Regel ist es nicht, meinem Eindruck nach aber auch nicht die große Ausnahme. Guck Dir mal eine gewisse Ahnenliste an, in der etliche solcher Beispiele enthalten sind

Und leider: Auch heute hat der normale Mensch auf dem Lande wie in der Stadt in der Regel wenig Muße und Neigung, sich mit genealogischen Fragestellungen zu beschäftigen. O tempora, o mores! Ich fürchte nur, es war nie anders, und wird sich auch niemals wirklich ändern.

Es grüßt der Alte Mansfelder

Geändert von Alter Mansfelder (10.02.2020 um 23:43 Uhr)
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  #19  
Alt 20.02.2020, 23:13
Balduin1297 Balduin1297 ist offline
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In einer Nottaufe aus dem Jahr 1858 in Russland war die Mutter Ottilie Taufpatin der getauften Tochter. Wisst ihr, ob es bei einer Nottaufe möglich war, dass die eigene Mutter die Taufpatin war?
Im Allgemeinen war die Familie Müller sehr unkonventionell, was diese Dinge betrifft. Vor allem deswegen, weil sie nicht wirklich teil einer Kirchgemeinde waren und die Kinder auch auf dem Gut getauft wurden und nicht in der Kirche. Die nächste evangelische Kirche war auch sehr weit entfernt. Im Jahr 1864 hat der Oberverwalter Julius Müller laut Taufeintrag seinen Sohn selbst getauft, wo ich auch keine Ahnung habe, wie das gehen soll, denn eigentlich dürfte er nur eine Nottaufe gemacht haben. Ich habe auch einmal irgendwo im Kirchenbuch von Nikolajew, wo auch die Kinder des Julius eingetragen wurden, eine Bemerkung gefunden, dass ein Kind vom Schulmeister getauft wurde, da der Pfarrer gerade unterwegs war, um Kinder in einem weit entfernten Dorf zu taufen. Sie haben auch im 19. Jh. gelebt, wo es große Veränderungen gab. In dem Thema ging es ja eigentlich nur um das 17./18. Jahrhundert.
Bei der Familie Müller waren nur im Jahr 1853, 1857 und 1860 Verwandte Taufpaten. Bei den anderen sechs Taufen war kein Verwandter Taufpate. Und bei drei Taufen hat das Kind einen Name des Taufpaten bekommen. Nur bei einer Taufe im Jahr 1863 des James Oscar hat das getaufte Kind alle Vornamen des Taufpaten bekommen.

Die meisten Taufpaten waren Adelige, Ärzte teilweise aus alten Gelehrtenfamilien und andere Gutsverwalter. Ansonsten war noch eine Ehefrau eines Obristen, ein Schulmeister, eine Französin und ein Engländer Taufpaten.

Geändert von Balduin1297 (23.02.2020 um 02:19 Uhr)
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  #20  
Alt 21.02.2020, 08:11
holsteinforscher holsteinforscher ist offline
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Moinsen Balduin,
…*In einer Nottaufe aus dem Jahr 1858 in Russland war die Mutter Ottilie Taufpatin der getauften Tochter. Wisst ihr, ob es bei einer Nottaufe möglich war, dass die eigene Mutter die Taufpatin war?*…,
ist das Kind bei der Geburt sehr schwach, zu erwarten war, dass das Kind die nächsten Stunden/Tag nicht überleben würde, sich somit in Lebensgefahr befindet, wird eine Nottaufe durchgeführt, a.) von Geistlichen, sofern diese erreichbar sind b.) von einer jeden Person, die sich dazu in der Lage fühlt…, früher sagte man *und fest im Glauben steht*.
Es ist eher selten, kommt aber auch vor, dass die Mutter als Taufpatin angegeben wird, der Vater kommt schon häufiger vor. Hier muss man immer die momentane Situation berücksichtigen. Es war ja nicht selten, dass die Frauen ihre Kinder allein zur Welt bringen mussten, der Mann war evtl. beim Militär, es handelte sich um eine Frühgeburt, die Paten waren zu einem viel späteren Termin bestellt, kamen evtl. von Ausserhalb, usw.usw..
__________________
Die besten Grüsse von der Kieler-Förde
Roland...


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