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  #11  
Alt 23.07.2011, 21:56
rigrü rigrü ist offline männlich
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Das erklärt aber alles nicht, warum die Form Merten für Martin im Verlauf des 16. Jahrhunderts im Erzgebirge an Bedeutung verliert.
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  #12  
Alt 23.07.2011, 22:17
Benutzerbild von Laurin
Laurin Laurin ist offline männlich
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Hallo rigrü,

bitte beachte meine leichte Korrektur. Evtl. konntest Du vorher meine Bemerkung zu Hinas Antwort nicht richtig einordnen.

Mir ging es nur um die dialektbedingte Aussprache des -e- in Merten, nicht aber um die Entwicklung des Namens hin zu Martin.
__________________
Freundliche Grüße
Laurin
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  #13  
Alt 23.07.2011, 22:26
rigrü rigrü ist offline männlich
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Demnach ist der aktuelle Stand also: Mert(ten) taucht als Vorname im 16. Jahrhundert (wohl auch noch im 17. Jahrhundert) auf, dürfte aber weder aus dem Niederländischen/Rheinländischen stammen noch mundartlich bedingt sein?

rigrü
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  #14  
Alt 23.07.2011, 22:33
rigrü rigrü ist offline männlich
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Der kleine Ausschnitt, der von Mackensens "Das große Buch der Vornamen" bei der google-Buchsuche zu finden ist, deutet wohl darauf hin, dass Merten einfach eine sprachlich einfacher zu handhabende Form von Martin ist: "Schon legt man sich die fremden Namen sprechgerecht auf die Zunge: Aus Martin wird Merten, aus Petrus Peter, aus Stephan Steffen, aus Lukas Lux". Ich denke nicht, dass es sich dabei um ein regional begrenztes Phänomen handelt...

rigrü
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  #15  
Alt 23.07.2011, 22:34
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Es scheint tatsächlich ca. im 15. Jahrhundert beginnend eine Wandelung von Merten hin zu Martin gegeben zu haben,
und zwar im gesamten deutschen Sprachraum.
Man kann das gut an Bücherauszügen bei google.books verfolgen (Eingabe: Name Merten Martin).
__________________
Freundliche Grüße
Laurin
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  #16  
Alt 23.07.2011, 22:45
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Hina Hina ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von rigrü Beitrag anzeigen
Aus Martin wird Merten, aus Petrus Peter, aus Stephan Steffen, aus Lukas Lux". Ich denke nicht, dass es sich dabei um ein regional begrenztes Phänomen handelt...
Ganz sicher nicht. Alle Sprachen, Dialekte und Mundarten unterliegen einem fortwährenden Wandel. Wenn wir heute noch so wie unsere Groß- oder Urgroßmütter in ihrer Jugend sprechen würden, wären wir wohl außerst auffällig . Im Prinzip spricht jede Generation anders.
Viele Grüße
Hina
__________________
"Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann
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  #17  
Alt 23.07.2011, 22:52
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Friedrich Friedrich ist offline männlich
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Moin Hina,

Zitat:
Zitat von Hina Beitrag anzeigen
Wenn wir heute noch so wie unsere Groß- oder Urgroßmütter in ihrer Jugend sprechen würden, wären wir wohl außerst auffällig .
stimmt! Wir müßten unsere Altvorderen nämlich siezen!!!

Friedrich
__________________

"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

(Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)
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  #18  
Alt 23.07.2011, 22:56
rigrü rigrü ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Friedrich Beitrag anzeigen
Moin Hina,



stimmt! Wir müßten unsere Altvorderen nämlich siezen!!!

Friedrich
Das wiederum scheint mir eine lokal (und zeitlich) begrenzte Sache zu sein. Ich glaube zumindest nicht, dass die Kinder im erzgebirgisch-ländlichen Kontext ihre Eltern/Großeltern gesiezt hätten.
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  #19  
Alt 24.07.2011, 04:12
Benutzerbild von Leberecht
Leberecht Leberecht ist offline männlich
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@rigrü

Du hast da zwei ziemlich interessante Beiträge geschrieben, die meine Gedanken beinhalten:

Zitat:
Zitat von rigrü
Das erklärt aber alles nicht, warum die Form Merten für Martin im Verlauf des 16. Jahrhunderts im Erzgebirge an Bedeutung verliert.
Dies fällt mir bei meiner Forschung auch extrem auf. Der Vorname "Merten" scheint wirklich nur bis zum späten 16. Jahrhundert aufzutreten, nachher nicht mehr.
Im Umkehrschluss tritt aber parallel der Name "Martin" in dieser Schreibweise fast zur Gänze auf. Und dort wo mein "Merten" auftritt, tritt er eine Beugung oder Wandlung zu einem "Martin" auf - immer nur als "Merten". Wenn es so ein mundartlicher Dialekt wäre, ist doch anzunehmen, dass sich viel länger hält bzw. mit Zwischenformen wie "Marten" langsam wieder zum "Martin" wird. Dies ist allerdings nicht der Fall.

Zitat:
Zitat von rigrü Beitrag anzeigen
"Schon legt man sich die fremden Namen sprechgerecht auf die Zunge: Aus Martin wird Merten, aus Petrus Peter, aus Stephan Steffen, aus Lukas Lux".
Das klingt als Erklärung zwar nicht schlecht, beißt sich aber m.M. nach mit 2 Grundsätzen.
1. Mit der hier schon geschriebenen Lautverschiebung im Erzgebirgischen. 500 Jahre sind viel Zeit, aber hier erscheint mit die Ausspracheform von "Martin" zu "Merten" doch sehr fremd für erzgebirgisch. Dies ist zugegebenermaßen aber eine ehe subjektive Einschätzung
2. Gerade die oben genannten Beispiele kann ich eben nicht finden. Eine übermäßige Fremdschreibweise der christlichen Namen wäre mir aufgefallen, tritt aber in meinem Forschungsgebiet nicht auf. Also eben keine Steffen, Kristen, Lux o.ä.

Und doch noch einmal vom Schwanz aufgewickelt: gibt es denn Argumente gegen die im ersten Augenblick passendste Theorie 'Namen = niederdeutsch, Herkunft = Niederdeutsch'? Das dies unwahrscheinlich ist, wurde hier bislang noch nicht hinterfragt - wobei ich mich natürlich gern eines besseren belehren lasse.

Der entsprechende Nachname ist übrigens interessanterweise Hoier. Dieser hat viele Variationen und Herkunftsbeschreibungen. Aus einem Buch aus dem 19. Jhd., das die örtlichen Familiennamen untersucht, wird Hoier u.a. auf "vom Herkunftsort abgeleitet" bezeichnet (im Gegensatz zu "vom Handwerk abgeleitet", z.B. bei "Schuster" oder "Schneider"). Und diese Herkunft kann bei Hoier nur die historische Grafschaft Hoya sein, was wiederum ev. für das niederdeutsche sprechen würde.

Woher die Quellen aus dem 18, Jhd. stammen, dass dieser Nachname wirklich ortsbezogen ist, ist natürlich unsicher und fragwürdig.
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  #20  
Alt 24.07.2011, 08:56
rigrü rigrü ist offline männlich
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Ich will nochmal betonen, dass ich es für fragwürdig halte, das Anton-Günther-Erzgebirgisch mit dem vor 400/500 Jahren gleichzusetzen, allein schon weil ich in den schriftlichen Quellen aus dieser Zeit, von denen ich schon einige bearbeitet habe, bislang kaum die Erfahrung gemacht habe, dass umfangreich die gesprochene Sprache Eingang in die Schriftsprache gehalten hätte.

Umfangreich sind für das Erzgebirge aber offenbar sprachliche Vereinfachungen lateinischer Namen, die eben gar nicht typisch für das Erzgebirge sein müssen, weil sie vielleicht schon so hierher gekommen sind. Wahllos ein paar Namen aus einer Steuerliste aus der Mitte des 16. Jahrhunderts:

Merten (Martin), Bartel (Bartholomäus), Matz (Matthias/Matthäus), Jorg (Georg), Michel (Michael), Hans (Johannes). Ebenso sind darin zu finden: Peter (Petrus), Valten (Valentin), Steffen (Stephan[us]), Endres (Andreas) und Wendix (Benedict). Das sind für mich regional nicht einzugrenzende sprachliche Vereinfachungen, sie sind demnach weder typisch erzgebirgisch noch einer anderen Region eindeutig zuzuordnen. Anders gefragt: Was sind denn typische Namen (oder auch Begriffe), die im 16. Jahrhundert im Erzgebirge aber nirgendwo anders auftauchen?

rigrü
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