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  #1  
Alt 02.03.2021, 23:57
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Standard Tiroler beim schwedischen Militär während des 30-jährigen Krieges?

Hallo zusammen!

Ein Vorfahre gibt mir Rätsel auf. Er heiratet um 1630 in Niedersachsen die Witwe eines Ackermannes. Nach deren Tod und nach Volljährigkeit des Hoferben aus erster Ehe seiner Frau heiratet er in einen anderen Ort und ist dort Krüger. So weit ist daran nichts, was aus dem Rahmen eines bäuerlichen Lebenslaufes fällt.

Aber dieser Vorfahre, der, und das ist für diese Gegend nicht üblich, "Johann Quidde alias von Osterode" heißt, war wohl gar nicht bäuerlicher Herkunft. Der Name Quidde ist vor ihm unbekannt in der Gegend. Es gibt Hinweise auf Quellen, nach denen er "Wachtmeister-Leutnant" in schwedischen Diensten war. Ein anschließendes Gespräch mit einem mir bekannten Mitglied der Familie ergab, daß in der Familie die Überlieferung existiert, Johann sei in Halberstadt stationiert gewesen bis Wallenstein die Stadt eingenommen hat. Das war 1627. Und Quidde sei, so mein Gesprächspartner, nicht der ursprüngliche Familienname gewesen, sondern entstand aus einem schwedischen Spitznamen. Was an dieser Geschichte vom schwedischen Militärdienst und dem Spitznamen dran ist, kann ich nicht beurteilen. Auch wenn Gustav Adolf noch gar nicht in den Krieg eingegriffen hatte, als Wallenstein Halberstadt besetzte, gehe ich dennoch davon aus, daß es einen wahren Kern geben könnte. Vielleicht handelte es sich nicht um die Schweden, sondern um die Dänen, die vor den Schweden dabei waren. Mögliche Quellen versuche ich gerade zu beschaffen.

Nun wird es aber noch verzwickter. Ein Nachfahre Johann Quiddes (den Namen kenne ich noch nicht, aber es wird sich maximal um einen Urenkel handeln) soll im Häuserbuch seiner Stadt angegeben haben, daß sein Vorfahre Johann Quidde ursprünglich aus Tirol stammt. Auch dieses Häuserbuch versuche ich aufzuspüren. Ich weiß nicht, ob es mir gelingt, alle Quellen ausfindig zu machen. Vielleicht existieren einige nicht mehr. Es muß sie aber gegeben haben, da sich in den 1920er und 1930er Jahren offenbar schon andere Forscher mit der Familie Quidde, der ein Friedensnobelpreisträger entstammt, beschäftigt haben. Vermutlich haben diese Forscher ihre Sache mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betrieben.

Mir stellt sich nun erst einmal die Frage nach der Vereinbarkeit all dieser noch zu überprüfenden Angaben. Wie gelangte ein Tiroler in die schwedische oder dänische Armee? Mir sind schottische Söldner in Diensten Gustav Adolfs bekannt. Aber von Tirolern habe ich in diesem Zusammenhang noch nichts gehört. Sind konkrete Fälle bekannt, in denen Tiroler sich damals in den Dienst einer so weit entfernten Macht stellten?

Falls meine Frage in diesem Forum fehl am Platze sein sollte, so bitte ich die Moderatoren um Verschiebung.

Vielen Dank und viele Grüße
consanguineus
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Joh. Andr. MAASBERG, Bürger und Windmüller in Peine, * um 1730
Daniel KRÜGER, Amtmann in Bredenfelde, * err. 1729
Georg Melchior SUDHOFF, Pächter in Calvörde, * um 1680
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  #2  
Alt 03.03.2021, 09:54
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Edda Edda ist offline weiblich
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Hallo consanguineus,

über den Namen Quidde bin ich auch schon in einem Dorf im Harzvorland gestolpert, er fällt einfach auf.
Soweit so gut: 1781 "heiratet" Helene Friederike Helene Quidde in Goslar bzw die Gebühr wurde bezahlt, d.h. die eigentliche Heirat hat anderswo stattgefunden. Ich habe Kinder und auch Enkel des Paares.

lg Edda
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  #3  
Alt 03.03.2021, 09:54
Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
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Hallo consanguineus,

der Dreißigjährige Krieg hat die Bevölkerungsschichten und Regionen ordentlich durchgeschüttelt. Zu dieser Zeit ist nichts unmöglich. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Bestallungen munter gewechselt wurden, unabhängig von der Religion. Ein Tiroler Beispiel habe ich nicht, aber andere interessante Lebensläufe, etwa diese:

- Virgilius Glander: heiratet 1635 als Soldat in Aschersleben, ist zwischenzeitlich venezianischer Sergeant in Italien und zum Schluss (1666) Stadtwachtmeister in Passau; Sohn offenbar Bauer in Harkerode b. Aschersleben, Enkelin heiratet einen Kossaten;
- Andreas Popendicker, gewesener Leutnant, Ackermann und Altarmann in Welbsleben (Kirchvaterssohn aus dem Nachbarort)
- Andreas Sieburg, gewesener Leutnant unter General Wrangels Leibregiment, 1650 Ratsschenk in Hettstedt, dann wohnhaft in Gatterstädt
- Jonas Weidling aus Spitz in Österreich, 1635 Mundkoch bei Obristleutnant Stammer auf der Rammelburg, die Witwe ist Stammutter einer bäuerlichen Familie in Hermerode

Wenn ich meine AL weiter absuche, dann finde ich bestimmt noch mehr. Im Übrigen ist allgemein festzustellen, dass sich viele ehemalige Offiziere in mehr oder weniger guten Verhältnissen nach dem Krieg auf den Dörfern niederließen.

Es grüßt der Alte Mansfelder
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  #4  
Alt 03.03.2021, 10:25
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo Edda, hallo Alter Mansfelder!

Vielen Dank für Eure Antworten.

@Edda: In welchem Dorf bist Du Quiddes begegnet? Sie haben sich ja, ausgehend von besagtem Johann, rasant vermehrt. Nicht jeder Namensträger ist aufgrund der unbefriedigenden Kirchenbuchsituation hundertprozentig einem Vater zuzuordnen, aber das Gesamtbild ist ziemlich stimmig. Gehören die Quidde zu Deinen Vorfahren? Ich habe zwei Linien in der AL, jede jeweils von einem Sohn des Johann ausgehend.

@Alter Mansfelder: Sehr interessante Beispiele, die Du anführst! Ich denke, der Krieg hat jedenfalls die Besitzverhältnisse der Höfe kräftig durcheinandergewirbelt. Ich habe Kirchenbücher von Halberstädtischen Dörfern gesehen, in denen Wallenstein die Bevölkerung extrem dezimiert hat. Da existierten manche Familien einfach nicht mehr. Höfe wurden frei und mit ganz anderen Familien besetzt. Sehr gut denkbar, daß der eine oder andere Soldat sich in das warme Nest gesetzt hat.

Viele Grüße
consanguineus
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  #5  
Alt 05.03.2021, 23:22
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Araminta Araminta ist offline
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Ich würde Alter Mansfelder voll und ganz zustimmen!

Zwar kann ich dir keine speziellen Personen, Daten oder Quellen nennen aber der 30jährige Krieg war hier sehr präsent und daher habe ich auch immer wieder damit zu tun und meine da auch etwas Ahnung zu haben.

In meiner Ahnenreihe bin ich natürlich noch nicht soweit und werde es wohl auch nie.

Wie gesagt, der 30jährige Krieg ist in meiner Stadt recht präsent und ich könnte genaueres darüber schreiben aber der Alte Mansfelder hat schon alles gesagt.
Auch dass die Dänen hier waren und natürlich wird es so gewesen sein, dass der Feind meines Feindes mein Freund war und damit auch für die Tiroler gewesen sein wird. Schließlich ging es nicht wirklich um die Religion.

Ich finde es schon großartig, dass du soweit zurückgehen konntest! Respekt! Und viel Erfolg weiterhin.
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  #6  
Alt 06.03.2021, 00:05
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo Araminta,

dieser Quidde gehört offensichtlich zu den spannenderen Personen in meiner AL und ich hoffe, noch etwas mehr über ihn herauszubekommen, wenngleich das nicht zu wahrscheinlich ist.

Und vielen Dank für die anerkennenden Worte, aber ich muß das mal relativieren. Kirchenbuchlich bin ich bei vielen Linien der väterlichen Vorfahren bereits am Ende. Daß das im Großen und Ganzen recht problemlos möglich war, ist erstens dem Umstand geschuldet, daß ich viele Bauern unter den Vorfahren habe, die ja nicht so mobil waren und somit einfacher zu finden sind als Vertreter anderer Bevölkerungsgruppen. Und daß zweitens die Kirchenbücher hier in der Ecke leider nicht sehr weit zurückreichen, sodaß eine aus dem Sterbeeintrag eines alten Menschen errechnete Geburt um 1600 schon eine kleine Sensation darstellt. Und daß hier drittens zumeist Jüngstenrecht galt, die Generationenfolge also im Schnitt merklich über 35 Jahren liegt. Da kommen bis 1600 in manchen Linien nur zehn Vorfahrengenerationen zusammen. Wenn es sehr gut läuft auch mal zwölf oder dreizehn, dies aber eher selten. So habe ich bedauerlicherweise viel weniger Vorfahren zusammengeklaubt als man es eigentlich erwarten dürfte.

Viele Grüße
consanguineus
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  #7  
Alt 06.03.2021, 07:39
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Scherfer Scherfer ist offline
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Hallo consanguineus,

ich halte diese Geschichte für durchaus möglich, auch wenn Du noch weitere Belege brauchst. Interessant am angenommenen (?) Familiennamen Quidde ist vielleicht auch die Ähnlichkeit mit der Wortbedeutung der Bezeichnung "Quiddje".
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  #8  
Alt 06.03.2021, 08:41
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Guten Morgen Scherfer,

Dein Hinweis auf "Quiddje" hört sich vernünftig an. Falls Vorfahr Quidde tatsächlich in dänischen Diensten stand, so ist es ja durchaus denkbar, daß er Kameraden aus der Hamburger Ecke hatte, die seinen Tiroler Dialekt unverständlich bis amüsant fanden und ihm deshalb diesen Beinamen verpassten, der dann zum Familiennamen wurde. Alles unbewiesene Dinge, das ist mir klar, aber irgendwie muß man sich der Sache ja nähern.

Möglicherweise hieß der erste Quidde also "von Osterode", was ich allerdings nicht als adeligen Namen ansehe, sondern als eine Herkunftsbezeichnung. Orte dieses Namens gibt es etliche, aber gibt es sie auch in Tirol oder, falls man "Tirol" als Synonym für "weit entfernte Gegend im Süden" auffassen möchte, im südlichen Bereich des deutschen Sprachraumes?

Viele Grüße
consanguineus
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  #9  
Alt 06.03.2021, 10:17
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Edda Edda ist offline weiblich
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Standard Nachtrag zu Quidde

Moin consanguineus,

Johann Ludwig Hasenbalg *1716 Dassel +1800 in Dörnten, war dort Pastor von 1743 bis zum Tode verheiratet mit Anna Maria Quidde *um 1720
Tochter Leonore Berhardine Hasenbalg *1752 in Dörnten + 1824 in Gielde oo Christoph Melchior Cludius, Pastor in Gielde

lg Edda
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  #10  
Alt 06.03.2021, 10:50
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Moin Edda,

vielen Dank für den Hinweis! Ich kann diese Anna Maria im Moment nicht zuordnen, lediglich ausschließen, aus welcher Linie sie stammt.

Viele Grüße
consanguineus
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