#1  
Alt 17.02.2021, 11:21
Benutzerbild von Balle
Balle Balle ist offline männlich
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Ein Zweig meiner Ahnen kommt aus der Region Spremberg.
Ich konnte da bereits etliche Spuren erfolgreich verfolgen, einige Daten besonders im 18. Jhdt verstecken sich ein bißchen. Dazu kommt dass es deutsche und sorbische Ahnen gibt sowie deutsche und wendische Kirchenbücher.
Bei meinen Überlegungen wo ich noch suchen könnte ist mir aufgegangen, dass dort zumindest heute die Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen verläuft. Den früheren Verlauf suche ich noch.
Meine Frage dazu: Liebe spielte zu der Zeit wohl eher eine untergeordnete Rolle, aber wie war es mit den Kontakten in andere Staatsgebiete. Hat man seine brandenburgische Tochter etwa einfach so einem Sachsen zur Frau geben können?
Für mich ergibt sich daraus auch ein Hinweis auf die Suche nach weiteren Vorfahren. Muß ich auch über die Grenze schauen? Oder konnten die Familien einfach in ein anderes Staatsgebiet und dort einheiraten.
Wo muß ich weiter suchen? Sachsen oder Preußen, oder Lausitz allgemein.
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Lieber Gruß
Manfred


Gesucht: Herkunft von Johann Christoph Bresel (Brösel, Prehel, Brahel),
ehem. Dragoner im Churfürstlich Sächsischem ehemaligen Herzog Churländischen Regiment Chevaux Legers in Zittau.
Eheschließung 1781 in Zittau
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  #2  
Alt 17.02.2021, 11:59
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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Hallo,
eigentlich brauchte man, wenn man in einen anderen Staat reisen wollte, einen Reisepass. Und wenn man sich in einem anderen Staat niederlassen wollte, brauchte man einen Heimatschein. Oder man musste die Staatsbürgerschaft wechseln. Man war dann z.B. kein sächsischer Untertan mehr, sondern ein preußischer Untertan.

Man konnte also nicht einfach ohne Kontrollen die Grenzen überschreiten. Der preußische König oder deutsche Kaiser hatte z.B. Polen aus Russisch-Polen, die keine preußischen Untertanen waren und nicht aus der Provinz Posen stammten, aus Preußen ausgewiesen. Es gab natürlich auch Personen, die Reisepässe fälschen konnten, was zur damaligen Zeit recht häufig gemacht wurde.
__________________
Dauersuche:

Oberverwalter August Gustav Julius Müller, * 26.9.1819 Bergen auf Rügen, + nach 1897 Studenok
Ottilie Charlotte v. Twardowsky genannt Hartmann, * 17.5.1825 Riga, + 19.3.1870 Bely Kolodez Gouvernement Charkow
Lieutenant, Adjudant-Major, Steuerbeamter Ludwig Johann (Fedor/Teodor) v. Twardowsky genannt Hartmann, * 1790 Wyszki, Großpolen + 27.5.1848 Riga
Julie Charlotte Elisabeth Zahn, * 1805 Hasenpoth, Kurland, + 9.6.1835 Riga

Geändert von Balduin1297 (17.02.2021 um 12:05 Uhr)
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  #3  
Alt 17.02.2021, 12:13
Basil Basil ist offline männlich
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Hallo Manfred,

du könntest auf Wikipedia mal zur Geschichte der Niederlausitz nachlesen. Auf den gezeigten Karten kannst du erkennen, wie weit Spremberg damals von Brandenburg entfernt war. Spremberg liegt nun mal mitten in der Lausitz und die gehörte von 1635 bis 1815 komplett zu Sachsen.

Viele Grüße
Basil
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Zimmer: Oberlausitz und Dresden; Stephanus: Zittau, Altenburg und Ronneburg
Raum Zittau: Heidrich, Rudolph
Erzgebirge: Uhlmann, Lieberwirth, Gläser, Herrmann
Burgenlandkreis: Wachtler, Landmann, Schrön



Geändert von Basil (17.02.2021 um 12:16 Uhr)
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  #4  
Alt 17.02.2021, 12:19
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Bergkellner Bergkellner ist offline
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Bei der Kleinstaaterei in Deutschland konnte Heiraten über die Landesgrenze echt zum Problem werden.

Wollte man sich ansiedeln, eine Arbeit ausüben, Geselle oder Meister werden, einen Bauernhof erwerben und/oder heiraten, musste man die alte Staatsbürgerschaft aufgeben und die neue annehmen.
Was dann meist zu erheblichen Schwierigkeiten führte, wollte man wieder in die alte Heimat zurück.
Ein Beispiel aus meiner Erfahrung: eine junge Frau aus Sachsen(Zwickau) heiratet einen Lehrer aus Potsdam, muss dafür ihre sächsische Staatsbürgerschaft aufgeben und die preußische annehmen. Zehn Jahre später ist sie Witwe mit drei Kinder und beantragt für sich und ihre Kinder in ihrer Geburtsstadt die Aufnahme in die sächsische Staatsbürgerschaft...

Also würde ich an deiner Stelle über den Tellerrand(Brandenburg) hinaus nach Sachsen suchen.
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Wer lesen kann, ist besser dran!(Andreas' Opa Fred)
Nierngstwuh giehts so zu wie uff dare Walt!(Claudias Uroma Anna)

Suchen immer:
Loewe - Steinau an der Oder/Schlesien(vor 1850)
Heine - Glogau/Schlesien(vor 1850)
Hollenstein - Bleiwäsche/Westfalen(vor 1710)
Ulich - Neukirchen b. Stollberg(um 1710)
Rothbart - Kröslin/Pommern(um 1740)
Mädtke - Grambin und Umgebung/Vorpommern(vor 1840)
Buden/Budin - Wriezen u.U./Brandenburg(um 1700)
Kellner/Gevers - Hannover Stadt u.U.(um 1700)


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  #5  
Alt 17.02.2021, 12:30
Lock Lock ist offline
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Hallo Manfred

Es kommt immer auf den Zeitraum an in dem du suchst.
1789 gehörte die Spremberger Gegend zum Beispiel zu Sachsen.

v.G. Gerhardt
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  #6  
Alt 17.02.2021, 12:55
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consanguineus consanguineus ist gerade online männlich
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Hallo zusammen!

Ein großer Teil meiner Vorfahren stammt aus einer Gegend, die territorial extrem zersplittert war. Vom Hügel hinter meinem Haus kann ich inclusive "meinem" drei zeitgleich existiert habende deutsche Staaten sehen. Ein vierter liegt hinter einem weiteren Hügel verborgen. So überrascht es nicht, daß es in meiner Familie sehr viele Heiraten zwischen Angehörigen fremder Staaten gab. Richtung Osten war die Grenze zu Halberstadt/Brandenburg/Preußen noch nicht einmal einen Kilometer entfernt. Richtung Süden dieselbe Grenze etwa zwei Kilometer. Richtung Westen waren es etwa zehn Kilometer nach Hildesheim/Hannover, wobei es dorthin relativ wenig Austausch gab. Dort lebten nämlich einige Katholiken, und wenn Staatsgrenzen kein Ehehindernis darstellten, so waren konfessionelle Grenzen unüberwindlich. Richtung Südwesten lag die Baronie Schauen. Es gab nahebei auch ein Dorf, was teils braunschweig-wolfenbüttelisch, teils brandenburgisch war, und das auch noch als Flickenteppich.

Alle diese Staatsgrenzen stellten keinerlei Hindernisse dar. Es gab zwar Zollstationen, aber die konnten leicht umgangen werden. Von Pässen ist mir nichts bekannt. Auch habe ich noch nie ein Dokument in der Hand gehabt, in dem es darum ging, daß ein Mensch des 17. oder 18. Jahrhunderts aus seiner Staatsbürgerschaft entlassen wurde oder eine neue annahm. Sicherlich gab es Regelungen dazu, aber ich habe so etwas eben noch nicht gesehen.

Für mich hochinteressant ist in diesem Zusammenhang folgende Frage: Im Fürstentum Wolfenbüttel beispielsweise war die Leibeigenschaft unbekannt. Was passierte mit solchen freien Menschen, die in einen Nachbarstaat heirateten, in dem die Leibeigenschaft noch nicht abgeschafft war? Wurden sie durch die Heirat unfrei? Ich kann es mir kaum vorstellen, denn dann wären sie ja ziemlich blöde gewesen, dorthin zu heiraten.

Viele Grüße
consanguineus
__________________
Suche:

Joh. Christian KROHNFUSS, Jäger, * um 1790
Anton BLANKE, Halbspänner in Kl. Rhüden, * um 1750

Joh. Andr. MAASBERG, Bürger und Windmüller in Peine, * um 1730
Daniel KRÜGER, Amtmann in Bredenfelde, * err. 1729
Georg Melchior SUDHOFF, Pächter in Calvörde, * um 1680
Dorothea v. NETTELHORST a. d. H. Kapsehden, * um 1600
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  #7  
Alt 17.02.2021, 14:03
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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Hallo,
ich kenne diese Regelungen nur für Preußen und Russland des 19. Jahrhundert. Wie es in anderen Staaten und zu anderen Zeiten geregelt war, weiß ich auch nicht. Aber ich denke, dass diese Regelungen speziell im 19. Jahrhundert verschärft wurden, um die eigenen Untertanen besser zu kontrollieren.

Speziell in Preußen war der Hintergrund für die Verschärfung die Einführung der Wehrpflicht. Es durften nur Personen Preußen verlassen, die bereits ihre Wehrpflicht erfüllt haben. Deshalb gab es spezielle Heimatscheine und Matrikelakten, die die Untertanen danach kontrollieren sollten. Personen, die diese Vorschriften missachtet haben, haben ihre preußische Staatsbürgerschaft verloren und wurden staatenlos.
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Ottilie Charlotte v. Twardowsky genannt Hartmann, * 17.5.1825 Riga, + 19.3.1870 Bely Kolodez Gouvernement Charkow
Lieutenant, Adjudant-Major, Steuerbeamter Ludwig Johann (Fedor/Teodor) v. Twardowsky genannt Hartmann, * 1790 Wyszki, Großpolen + 27.5.1848 Riga
Julie Charlotte Elisabeth Zahn, * 1805 Hasenpoth, Kurland, + 9.6.1835 Riga

Geändert von Balduin1297 (17.02.2021 um 14:07 Uhr)
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  #8  
Alt 17.02.2021, 14:32
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Balle Balle ist offline männlich
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Moin, hier mal eine Entlassung aus der Staatsbürgerschaft. Bei Auswanderern war das wohl üblich.
In diesem Fall war das 1892.
https://forum.ahnenforschung.net/sho...d.php?t=160788
Ich kann mir das bei Wechsel in ein anderes Herrschaftsgebiet gut vorstellen.
Ist aber wohl auch abhängig von der Epoche.
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Lieber Gruß
Manfred


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Geändert von Balle (17.02.2021 um 14:34 Uhr)
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  #9  
Alt 17.02.2021, 15:31
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Hallo Balle,

ich habe so etwas auch bei einem Mann aus meiner weiteren Familie, der 1850 nach Hamburg ausgewandert ist. Da geht es dann auch darum, ob er seine Wehrpflicht in der alten Heimat erfüllt hat.

Aber aus "alten Zeiten" kenne ich so etwas nicht.

Viele Grüße
consanguineus
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Joh. Christian KROHNFUSS, Jäger, * um 1790
Anton BLANKE, Halbspänner in Kl. Rhüden, * um 1750

Joh. Andr. MAASBERG, Bürger und Windmüller in Peine, * um 1730
Daniel KRÜGER, Amtmann in Bredenfelde, * err. 1729
Georg Melchior SUDHOFF, Pächter in Calvörde, * um 1680
Dorothea v. NETTELHORST a. d. H. Kapsehden, * um 1600
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