#11  
Alt 03.10.2019, 14:56
genoveva184 genoveva184 ist offline
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Guten Tag,

zu #9: Das mit dem Vormund verstehe ich nicht.

Im 19.Jh. hatten die meisten katholischen Kirchen vorgedruckte bzw. genormte Register in die reingeschrieben wurde. Erste Spalte Name Bräutigam, 2. Spalte Name & Stand des Vaters des Bräutigams etc. und da ist i.d.R. auch eine Spalte in der es heißt, ob die Eltern oder (falls die Eltern schon tot sind) der Vormund eingewilligt haben und dann steht da meist sowas wie z.B. "Vater tot; Mutter hat schriftlich eingewilligt" oder so. Manchmal wurden diese Einwilligungsschriebe (Beibriefe) in Archiven aufbewahrt und könnten in so einem Fall ganz nützlich sein.


Wenn der Vater sich allerdings 'an unbekanntem Ort' aufhält, scheint das die Theorie mit dem Pfarrer austricksen eher zu bestätigen.
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  #12  
Alt 08.11.2019, 10:15
Benutzerbild von Schlumpf
Schlumpf Schlumpf ist offline
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Hallo

Wenn ich das so richtig verstanden habe, geht es sich um die Wiederverheiratung. Also je-
mand heiratet in einer anderen Pfarrgemeinde, verzieht mit seiner Frau in eine dritte Ge-
meinde und heiratet später (offensichlich von seiner ersten Frau geschieden) noch-
einmal kirchlich in einer katholischen Kirche.

Das ist und war nicht möglich, wenn die erste Ehe nicht vorher anuliert wurde. Ein solcher
Vorgang ist mir nur einmal um das Jahr 1985! vorgekommen. (Also recht selten).
Die katholische Kirche hat ein eigenens Recht, das Juris Canonici. Dieses Recht war und ist
immer neben den staatlichen Gesetzen einzuhalten. Darin wurde z.B. geregelt, ab welcher
verwandtschaftlicher Beziehung des Brautpaares wo, welche Ehedispens einzuholen war.

Ab dem 18. Jahrhundert gab es auch kirchliche Bestimmungen für Brautpaare, sich in den
jeweiligen Heimatpfarreien proclamieren (verkündigen) zu lassen. Spätestens da währe
ein solcher Fall aufgefallen. Es galt bis 2007 doch auch immer das Aufgebot zu bestellen.

Heute ist dieser Fall noch eindeutiger. So ist z.B. neben meinem Taufeintrag vermerkt,
dass in einer ev. Kirche geheiratet habe. Auch wenn also meine Eheschließung nach ev.
Ritus erfolgte, habe ich die Ehe anerkennen lassen. Somit ist für mich eine weitere kirchl.
Eheschließung ausgeschlossen. Das war aber immer so.
Würde ich mich jetzt scheiden lassen und wieder heiraten, würde die kath. Kirche diese
Ehe nicht anerkennen und ich könnte nirgends in einer kath. Kirche heiraten. Ausnahmen:
Der Tod des ersten Ehepartner oder die Anulierung der Ehe.

Viel Spaß damit
Schlumpf
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  #13  
Alt 08.11.2019, 11:35
Raschdorf Raschdorf ist offline
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Hallo Schlumpf,

welches sind denn die Heimatpfarreien von Braut und Bräutigam?

Wenn es die jeweiligen Wohnorte zur Zeit der Hochzeit sind, nützen Proklamationen unter Umständen nichts, wenn beide nur oft genug umgezogen sind.

Versteht man unter Heimatpfarrei den jeweiligen Geburtsort, sieht die Sache anders aus.

Schönen Tag
Jo
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  #14  
Alt 08.11.2019, 13:29
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Balle Balle ist offline männlich
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Den Pfarrer austricksen? Meine Oberschlesier hätten sich das nicht getraut. Die waren viel zu gläubig und hätten ihr Leben lang Angst vor den Folgen der Trickserei gehabt.
Es geht ja nicht nur um die zweite Heirat sondern auch um das Leben danach. Mit einem einfachen Ave Maria wäre man bestimmt nicht davon gekommen. Und möglichen Kindern aus einer zweiten Ehe wird man diese Folgen bestimmt nicht antun wollen.
Von daher glaube ich nicht so recht an Trickserei.
Möglich wäre es vielleicht, aber sie waren im wahrsten Sinne Gottesfürchtig......
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Lieber Gruß
Manfred


Gesucht: Herkunft von Johann Christoph Bresel (Brösel, Prehel, Brahel),
ehem. Dragoner im Churfürstlich Sächsischem ehemaligen Herzog Churländischen Regiment Chevaux Leyers in Zittau.
Eheschließung 1781 in Zittau
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  #15  
Alt 08.11.2019, 19:11
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Schlumpf Schlumpf ist offline
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Hallo Raschdorf

Nun, als wir heiraten wollten (übrigens auch in einer auswärtigen Pfarrgemeinde anderer
Konfession) hat uns der Pfarrer nach meinem Taufdatum gefragt. Das habe ich ihm
anhand des Stammbuches nachgewiesen.

Beim Termin an der katholischen Kirche hat der Pastor zwar sich das Taufdatum zeigen
lassen, aber nicht danach gefragt, ob ich schonmal verheiratet war. Das brauchte er auch
nicht, das hätte bei meinem Taufeintrag vermerkt werden müssen.

Es ist völlig unwichtig, welche Pfarrgemeinde die Heimatpfarrei ist und woher das
Brautpaar kam. Es wurde immer gefragt, ob und wo die Leute getauft waren. Da wurde
dann nachgefragt und dort nusste auch verkündigt werden.

In den Zivilstandsregistern steht bei den Heiraten immer, dass die Brautleute in den ent-
sprechenden Gemeinden am Gemeindehaus im Aushang gehangen haben. Dabei ist ab
1798 bzw. 1810 sogar das Datum überliefert.
Die kirchlichen Verhältnisse waren gleich. Es gibt "Verkündigungsbücher" der Pfarrer, die bei
uns aber erst seit der Mitte des 19. Jahhunderts erhalten sind. Darin steht genau mit Datum,
wann der Pastor wen und warum verkündet hat. Dabei sind auch auswärtige Trauungen.
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  #16  
Alt 08.11.2019, 23:51
Raschdorf Raschdorf ist offline
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Hallo,
vielen Dank für die Antworten!

Ich muss wohl allmählich einsehen, dass möglicherweise ein Verwandter von mir in den 1930-er Jahren nicht die Taufbescheinigung meines Urgroßvaters besorgt hat, sondern die eines Namensvetters.

Dann hat nicht mein Urgroßvater zum zweiten Mal geheiratet, sondern der Namensvetter zum ersten Mal.

Wenn ich meinen Verwandten noch erwischen könnte, würde ich ihn treten!

Freundliche Grüße
Jo
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  #17  
Alt 09.11.2019, 00:15
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Garfield Garfield ist offline weiblich
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Hallo Raschdorf

Ist denn vielleicht einfach die erste Frau früh gestorben? Dann wären weitere Heiraten erlaubt und das kam sehr häufig vor (üblicherweise wurde schnell wieder geheiratet, denn meist gab es kleine Kinder zu versorgen).
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Viele Grüsse von Garfield

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  #18  
Alt 09.11.2019, 02:00
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hallo Jo,
Katholiken in Preußen durften sich auch scheiden. Denn für sie galt ebenso das Preußische Landrecht, wie für die Evangelischen.

Zitat:
"Das Allgemeine Preußische Landrecht (ALR) griff im Jahr 1794 diese Vorstellungen auf und regelte das Scheidungsrecht unabhängig von der Konfession per Gesetz. Hauptzweck einer Ehe sollte die Zeugung und Erziehung von Kinder sein. Erstmals wurde gesetzlich geregelt, dass die Ehe bei einem verschuldeten Fehlverhalten eines Ehegatten geschieden werden konnte (z.B. Ehebruch). Aber auch verschuldensunabhängige Scheidungsgründe wurden anerkannt (z.B. ekelerregende Krankheit, Wahnsinn). Das ALR bestand bis zum Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches zum 1.1.1900"
https://www.scheidung.de/scheidung.html

"Neu aber und, ganz im Sinne der Aufklärung, dem Recht des Menschen auf Selbstbestimmung Rechnung tragend, war die Scheidung aufgrund gegenseitiger Einwilligung bei Kinderlosigkeit sowie auf einseitigen Antrag bei „tiefem und eingewurzeltem Widerwillen."
https://www.wissenschaft.de/zeitpunk...ng-preussisch/


Gesetzestext von 1794 http://www.koeblergerhard.de/Fontes/...n1794Teil2.htm
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (09.11.2019 um 02:09 Uhr)
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  #19  
Alt 09.11.2019, 08:30
Raschdorf Raschdorf ist offline
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Guten Morgen!
An Garfield: die erste (und vielleicht einzige) Frau meines Urgroßvaters ist mit 68 Jahren 1922 gestorben. Das ist sicher.

An Anna Sara: Aus Sicht des Staates hatten natürlich auch Katholiken die Möglichkeit, sich scheiden zu lassen, aber aus Sicht der katholischen Kirche eben nur in wenigen Ausnahmefällen.

Schönen Tag
Jo
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  #20  
Alt 09.11.2019, 17:13
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Garfield Garfield ist offline weiblich
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Hallo Raschdorf

Zitat:
Zitat von Raschdorf Beitrag anzeigen
Guten Morgen!
An Garfield: die erste (und vielleicht einzige) Frau meines Urgroßvaters ist mit 68 Jahren 1922 gestorben. Das ist sicher.
Ja, dann klingt das für mich schon am ehsten danach, als ob da versehentlich zwei Personen zu einer gemacht wurden.
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Viele Grüsse von Garfield

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