#51  
Alt 03.05.2010, 21:49
Hibol
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Taufe 1781 den 30 December ist Lorenz Rossmanns Ehefrau Cathar. Elisabetha gebohren Dreßelin mit einem Töchterlein niedergekommen, welches d. 31 dit getauft und Margaretha Barbara genannt worden. Pathe war Jgfr. Margaretha Barbara Rauscherin, weiland Peter Rauschers, Bauers zu Ahlstadt hinterlaßene eheleibl. jüngste jetzo aber Joh. Peter Ambergs daselbst Stief Tochter. das letzte Kind, nemlich Roßmans Töchterl. wurde erst von dem Vater als ein Söhnlein ausgegeben u. Joh. Peter Amberg zu Gevattern gebeten. Allein am Tauftage Vormittag wurde der Irrthum entdeckt u. erst um 12 Uhr die genannte Gevatterin gebeten. Der Irrthum soll auf diese Art entstanden seyn: der Wöchnerin Mutter hatte Hebammenstelle vertreten u. weil sie alt und etwas wahnwitzig ist, hat sie das Kind für männl. Geschlechts gehalten, besonders da es ohne Zeichen des Lebens auf die Welt gekommen, und daher von ihr gleich eingewickelt worden und erst den anderen Tag ins Bad gebracht. Auch, da ist sie ihren Irrthum noch nicht inne worden, sondern bey dem Einwickeln ist erst eine andere Frau, die eben dazugekommen, gewahr worden, daß das Kind weibl. Geschlechts war, das man für männl. ausgegeben.
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  #52  
Alt 03.05.2010, 21:50
Hibol
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Beerdigung 1724 den 25 7bris Annam Elisabetham des Joh. Linnert Gatzers in Adelhausen eheliche Haußfrau eine gebohrene Poppin mit einer Leichenpredigt u. christl. Cerem. beerdiget. Diese Frau, so extra klein von Person und mit dem ersten Kinde im ander Jahr ihres Ehestandes schwanger gienge, hat über 8 Tage in Kindes Nöthen zugebracht und sind die Heßperger u. Eißhäuser Amfrauen bey ihr gewesen, am 20 7br ruffte man den Hn Marschall Chirurgen zu Rodach, vulgo Schwartzen Bader, welcher ihr beystand biß den 22 um 9 Uhr, weil aber per angustiam uteri die Geburt nicht konnte zugebracht werden u. er die Instrumente nöthig erachtete, so schrieb ich gleich an Hn D. Fehmeln, als Land Physicum zu Hhausen, daß er kommen möchte, welcher nebst Hn König, Chirurgen, auch sobalden da war u. alle samt möglichsten Fleiß anwanden biß 3 Uhr nachmittags aber alles umsonst, daher der Hr D. Fehmel resolvierte mit Zufriedenheit der Wöchnerin u. des Ehemanns die Geburt durch einen Schnitt auszunehmen, welches auch glücklich geschah und darauff die Wöchnerin sich wohl befande biß den folgenden Morgen 1 Uhr, da sich denn eine Inflammation u. zugleich Convulsionen ereignete biß um halb 9 Uhr in welcher Stunde sie unter meinem Gebet u. Einsegnungen seelig verschiede, das Kind ist sehr groß gewesen und ein Sohn gewesen, welcher der Defuncten in die Arme gegeben worden. Die Geburt hatte, wegen allzu sehr aufgelauffenen Kopfes vor Menschlichen Augen unmöglich geschehen können.
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  #53  
Alt 03.05.2010, 23:55
Balbina Balbina ist offline weiblich
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Zitat von Hibol Beitrag anzeigen
Beerdigung 1724 den 25 7bris Annam Elisabetham des Joh. Linnert Gatzers in Adelhausen eheliche Haußfrau eine gebohrene Poppin mit einer Leichenpredigt u. christl. Cerem. beerdiget. Diese Frau, so extra klein von Person und mit dem ersten Kinde im ander Jahr ihres Ehestandes schwanger gienge, hat über 8 Tage in Kindes Nöthen zugebracht und sind die Heßperger u. Eißhäuser Amfrauen bey ihr gewesen, am 20 7br ruffte man den Hn Marschall Chirurgen zu Rodach, vulgo Schwartzen Bader, welcher ihr beystand biß den 22 um 9 Uhr, weil aber per angustiam uteri die Geburt nicht konnte zugebracht werden u. er die Instrumente nöthig erachtete, so schrieb ich gleich an Hn D. Fehmeln, als Land Physicum zu Hhausen, daß er kommen möchte, welcher nebst Hn König, Chirurgen, auch sobalden da war u. alle samt möglichsten Fleiß anwanden biß 3 Uhr nachmittags aber alles umsonst, daher der Hr D. Fehmel resolvierte mit Zufriedenheit der Wöchnerin u. des Ehemanns die Geburt durch einen Schnitt auszunehmen, welches auch glücklich geschah und darauff die Wöchnerin sich wohl befande biß den folgenden Morgen 1 Uhr, da sich denn eine Inflammation u. zugleich Convulsionen ereignete biß um halb 9 Uhr in welcher Stunde sie unter meinem Gebet u. Einsegnungen seelig verschiede, das Kind ist sehr groß gewesen und ein Sohn gewesen, welcher der Defuncten in die Arme gegeben worden. Die Geburt hatte, wegen allzu sehr aufgelauffenen Kopfes vor Menschlichen Augen unmöglich geschehen können.
Ich habs jetzt mehrmals gelesen.
Ich bin einfach nur tief beeindruckt, dass 1724 (!!!) so ein Eingriff schon vorgenommen wurde. Dem Tonfall nach ging man davon aus, dass alles glatt läuft. Es klingt jedenfalls nicht durch, dass man eh erwartete, dass die Frau stirbt.

Danke für diese interessante Information


Gruß

Balbina
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  #54  
Alt 04.05.2010, 00:16
Hibol
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ja, so sehe ich es auch.

Aber warum nicht?

Heißt nicht der Kaiserschnitt Kaiserschnitt, weil Cäsar(=Kaisar) so auf die Welt kam? Also führten schon die Römer sowas durch.

Aber davon abgesehen, ich find's auch beeindruckend. Allerdings frage ich mich, ob es sich bei der Frau um eine Liliputanerin handelte?
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  #55  
Alt 04.05.2010, 11:34
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Moin Hibol,

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Heißt nicht der Kaiserschnitt Kaiserschnitt, weil Cäsar(=Kaisar) so auf die Welt kam? Also führten schon die Römer sowas durch.
- Klugscheiß Beginn -

Zum Thema Kaiserschnitt bei den Römern soviel: Die klassische Operation, um damit "nur" ein Kind auf operativem Wege zu entbinden, weil es auf dem natürlichen Weg nicht ging, gab es nicht. Vielmehr gab es eine Vorschrift, die besagte, daß bei einer gerade gestorbenen Schwangeren das Kind per Kaiserschnitt, wenn möglich, noch gerettet werden sollte.

Da Caesars Mutter nachweislich noch während des Gallischen Krieges gelebt hat, können wir davon getrost ausgehen, daß Caesar demnach nicht operativ entbunden sein kann.

Das "Kaiser" kann übrigens (die Gelehrten streiten sich) auch vom lat. "secare" abgeleitet werden.

- Klugscheiß Ende -

Friedrich
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"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

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  #56  
Alt 04.05.2010, 11:52
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Hallo Friedrich,
auch Dein Klugscheiß war sehr informativ, verhilft mir aber bei dem Sch.wetter zu Sonne im Gesicht
Viele Grüße
Waltraud
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  #57  
Alt 04.05.2010, 12:16
Hibol
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Hi Friedrich,

Du schockierst mich
Da habe ich 30 Jahre diese Geschichte in mir getragen voller Hochachtung vor unserem alten, ehrwürdigen, Alles-wissenden und unfehlbaren Lateinlehrer, dessen Integrität außer allen Zweifeln steht .... und dann sowas, ich bin fassungslos

Nix für ungut, danke für die Richtigstellung
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  #58  
Alt 04.05.2010, 15:37
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Zitat:
Zitat von Hibol Beitrag anzeigen
Da habe ich 30 Jahre diese Geschichte in mir getragen voller Hochachtung vor unserem alten, ehrwürdigen, Alles-wissenden und unfehlbaren Lateinlehrer, dessen Integrität außer allen Zweifeln steht .... und dann sowas, ich bin fassungslos
Tröste Dich, so einen Lateinlehrer hatte ich auch. Trotzdem hat er uns nix vom Kaiserschnitt erzählt...

Friedrich
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  #59  
Alt 06.05.2010, 06:44
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18.11.1755:
Eintrag des Pfarrers: „Meinem wertesten Herrn Succesoribus zur Nachricht: wer die Grobheit seiner Zuhörer nicht auf eine empfindliche Art fühlen und erfahren will, der fliehe und meide die Hochzeitsmahle der Affolderner! Credo experto! „

(aus dem Kirchenbuch von Affoldern)


Was bei dieser Hochzeit wohl passiert sein mag?
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Umzugsbedingter Datenverlust - ich bitte um Nachsicht.

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  #60  
Alt 28.05.2010, 09:34
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Den 22. 7bris 1672 Sind allhier zu Schwieberdingen vor Zeugen ... Gottes und der Christlichen Kirche zusammen gegeben worden Alt Marx Gummel, Raths Verwandter allhir ein Wittwer von 70 Jahren und Felicitas selig Burgers und Küffers zu Gröningen hinderlassener Wittib auch von 70 Jahren, die 140 Jahr zusammen gebracht.

Eigentlich unspektakulär, aber ich fand es interessant. Er starb dann nach 3 1/2 Jahren Ehe und sie 1 1/2 Jahre nach ihm. Ob das wohl noch eine Liebesheirat war?

Grüße
Eva
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