#1  
Alt 05.07.2021, 21:37
Donnerwetter Donnerwetter ist offline
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Standard Schweden in Schlesien?

Hallo,

Mir ist aufgefallen das sehr viele Leute, gerade auch aus den ehemaligen Ostdeutschen Gebieten i ihren Dna Tests einen relativ hohen Anteil an Skandinavier haben. Das finde ich seltsam. Ich habe gelesen das die Truppen aus Schweden im Jahre, glaube 1700, in Schlesien einmarschiert sind. Kann es sein das einige Soldaten in Schlesien blieben und heirateten? Hat von euch schon jemand in Schlesien unter seinen Ahnen Schweden gefunden, das wäre nämlich interessant.

MfG,

Donnerwetter
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  #2  
Alt 05.07.2021, 23:40
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hallo Donnerwetter

die Deutschen, insbesondere die Nord- und Ostdeutschen, sind mit den Schweden genetisch sehr eng verwandt, und kaum unterscheidbar. Wenn also ein DNA-Test die Aussage macht, dass man skandinvische Vorfahren hätte, dann muss das nicht stimmen, sondern man hat deutsche Vorfahren, die denselben germanischen Ursprung wie die Schweden haben.
__________________
Viele Grüße
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  #3  
Alt 06.07.2021, 00:05
Carolien Grahf Carolien Grahf ist offline weiblich
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Ups...! Jetzt dachte ich unseren Einmarsch hätte keiner mitbekommen.. Mist! Erwischt.
Schlesien bot sich an. Von dort aus konnte man gemütlich Polen überrennen.
Scherz beiseite... kurz umschrieben: Der gesamte Norden inkl Schleswig wurde mal von den Polen, von uns den Schweden, bisweilen von den Dänen, mal wieder deutsch... Im Laufe der 16./17. Jahrhunderte gab es so manchen Wechsel.

Was wirklich interessant ist sind die Jahre Anfang 18 Jahrhundert. Das schwedische 18 Jhdrt, also 1800-1899.
In Schweden wie auch im Norden Deutschlands gab es Hunger und Krankheiten. Misswirtschaft, Ernteausfall und hohe Arbeitslosigkeit machten auf beiden Seiten enorme Probleme. 1825 kam es dann zu explosionsartigen Aus- bzw Einwanderungen. Deutsche zu uns, wir nach Schleswig und weiter rüber in Osten.
Selbstverständlich führte das zu Eheschließungen und sonstigen Verbindungen. Man brachte sich gegenseitig die Sprache bei und versuchte irgendwie über die Runden zu kommen.
1825 war die Zeit, wo sich nordisches Blond mit deutschem dunkel vermischte. Man nannte es hier abfällig: Svartskalle (Schwarzkopf) und sollte als Schimpfwort fungieren mit der Konsequenz diese Person zu ignorieren.
Die Zeiten waren zu schwierig als das man sich mit solchen Attitüden der konservativen Einheimischen hätte beschäftigen können.
Man hat viel voneinander gelernt. Allerdings auch viel missverstanden oder miss interpretetiert. Aus Deutschland kamen einige Handwerker und die brachten unter anderem einen Fuchsschwanz mit.
Das kannten wir damals nicht. Der Mann der dieses Werkzeug erklärte zeigte wie es funktioniert. Der Schwede sah also eine Rille bzw Fuge und er verstand, dass die Form Schwanz heißen würde. Also wurde das Wort Fogsvans gebildet. Es dauerte einige Jahre bis man soviel Sprachkenntnisse auf beiden Seiten hatte, dass man nun bemerkte das nicht die Fuge die diese Säge zieht gemeint war, sondern der Schwanz eines Fuches, also Räven. Es blieb bei Fogsvans. Rävensvans war dem Schweden doch etwas zu vulgär.
Bis 1868 hatte sich die wirtschaftliche Lage weitgehends auf beiden Seiten entspannt. Man erholte sich und zog in Ruhe seine Kinder groß bzw hatte bereits erwachsene Kinder und Enkel die entweder nach Hause (also nach Schweden) zurück gingen oder Deutsche die über die See schipperten und in die Heimat ihrer Frau / Mann folgten oder umgekehrt. Zwischen 1814 und 1865 zogen mehr als eine Million Ein- und Auswanderer von Schweden nach Deutschland und umgekehrt.
Heute ist der Mythos Nordisch blond längst Geschichte. Die Anteile der dunkelhaarigen verhält sich wie in Deutschland.
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  #4  
Alt 06.07.2021, 17:15
schulkindel schulkindel ist offline
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Ihr Lieben,

Zitat:
Der gesamte Norden inkl Schleswig wurde mal von den Polen, von uns den Schweden, bisweilen von den Dänen, mal wieder deutsch... Im Laufe der 16./17. Jahrhunderte gab es so manchen Wechsel.
Das stimmt schon.
Die dänische Herrschaft wurde irgendwann von der schwedischen verdrängt.

Nach dem Friedensschluss im 30-jährigen Krieg 1648 rissen die Schweden große Teile Norddeutschlands an sich.
Die Hansestädte Wismar, Stralsund, Wolgast und die Insel Rügen kamen unter schwedische Vorherrschaft.

Was wir heute als Vorpommern kennen, nannte sich sogar Schwedisch Pommern.

Im Nordischen Krieg Anfang des 18. Jahrhunderts verlor Schweden Gebiete, die dann preußisch wurden.
Hingegen blieb die Hansestadt Wismar noch bis 1903 unter schwedischer Herrschaft.

Dass die Polen dieses Gebiet besetzten, ist mir nicht bekannt.
Allerdings gehörte dieses Gebiet nach 1945 zur sowjetisch besetzten Zone.

Renate
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  #5  
Alt 06.07.2021, 18:05
Benutzerbild von consanguineus
consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von schulkindel Beitrag anzeigen
Dass die Polen dieses Gebiet besetzten, ist mir nicht bekannt.
Taten sie auch nicht. Ebensowenig besetzten sie Schleswig. Ein tapferes Volk, die Polen, ohne Frage, aber ihr Expansionsdrang Richtung Westen war im 16./17. Jahrhundert nicht sehr ausgeprägt. Sie hatten genug damit zu tun, sich der Feinde im Osten zu erwehren, der Osmanen oder der Russen. Was sollten sie da in Vorpommern oder Schleswig???
__________________
Suche:

Joh. Christian KROHNFUSS, Jäger, * um 1790
Anton BLANKE, Halbspänner in Kl. Rhüden, * um 1750

Joh. Andr. MAASBERG, Bürger und Windmüller in Peine, * um 1730
Daniel KRÜGER, Amtmann in Bredenfelde, * err. 1729
Georg Melchior SUDHOFF, Pächter in Calvörde, * um 1680
Dorothea v. NETTELHORST a. d. H. Kapsehden, * um 1600
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  #6  
Alt 06.07.2021, 18:55
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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f
Hallo,
um das Jahr 1000 gehörten weite Teile der Ostseeküste und Nordeuropas zu Polen. Alles was östlich der Oder und Neiße war gehörte zu Polen. Später hatten die Polen diese Gebiete an die Deutschen verloren. Erst im Jahr 1945 haben die Polen ihre alten Gebiete im Westen wieder zurückbekommen. Dafür haben sie ihre Ostgebiete an die Sowjetunion verloren. Auch Livland und Kurland gehörten für einige Zeit zu Polen-Litauen. Die Polen haben sich durchaus auch für den Westen interessiert, da sie auch vom HRR und vom Deutschritterorden bedroht waren. Genauso waren sie im Norden von den Schweden bedroht. Polen-Litauen war durch seine schwierige geographische Lage besonders gefährdet.
Die schwedische Sintflut aus dem 17. Jahrhundert, die in der Rzeczpospolita (Serenissima Res Publica) ähnliche schlimme Folgen hatte wie der Dreißigjährige Krieg im HRR, hat eine sehr wichtige Rolle gespielt. Teile meiner Familie haben sich während der schwedischen Sintflut anfangs auf die Seite der Schweden gestellt, da viele polnische Adeligen die Schweden unterstützt haben.

Ansonsten haben in Vorpommern eigentlich viel mehr Schweden gelebt als in den Ostgebieten, da Vorpommern lange Zeit zu Schweden gehört hatte. Der Taufpate einer älteren Schwester meines Vorfahren aus Bergen auf Rügen aus dem Jahr 1811 war z.B. der königlich schwedische Capitain in Stralsund und Kommandant des Landsturms von Bergen namens Carl Friedrich Nieberg/Nyberg, der schwedischer Abstammung war.
Auch im Baltikum haben sehr viele Schweden gelebt, da diese Gebiete bis 1721 zu Schweden gehörte. Auch zur Zarenzeit sind die meisten Schweden im Baltikum geblieben. An der Westküste von Estland haben die meisten Schweden gelebt. Einige dieser Schweden haben im 18. Jahrhundert eine schwedische Kolonie in der heutigen Ukraine gegründet. Erst zur Sowjetzeit sind die meisten Estlandschweden wieder zurück in ihre alte Heimat nach Schweden gegangen. Die Illustratorin der Bücher von Astrid Lindgren war auch eine Estlandschwedin, die als Vorbild für ihre Zeichnungen nicht Schweden wählte, sondern ihre alte Heimatstadt in Estland.
__________________
Dauersuche:

Oberverwalter August Gustav Julius Müller, * 26.9.1819 Bergen auf Rügen, + nach 1897 Charkow
Ottilie Charlotte v. Twardowsky, * 17.5.1825 Riga, + 19.3.1870 Bely Kolodez Gouvernement Charkow
Steuerbeamter Ludwik Stanisław Twardowski h. Ogończyk * 1790 Rzeczpospolita, + 27.5.1848 Riga
Julianne Charlotte Zahn, * 30.1.1805 Preekuln Gouvernement Kurland, + 9.6.1835 Riga
kgl. poln. Oberoffizier Teodor Twardowski h. Ogończyk

Geändert von Balduin1297 (07.07.2021 um 20:09 Uhr)
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  #7  
Alt 06.07.2021, 21:48
Benutzerbild von Schischka
Schischka Schischka ist offline
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Ja, an die nordischen Kriege hatte ich auch spontan gedacht ...
Und Carolien Grahf, in der Wahlheimat meines vermutlich schwedischen Vorfahren (Jerichower Land, jetzt in Sachsen-Anhalt) hießen die blonden Kinder "Wittkopp" - mein kleiner Bruder war auch so einer ;-) gemäß Omas Benennung.
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  #8  
Alt 07.07.2021, 10:10
schulkindel schulkindel ist offline
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Hallo Balduin 1297,

danke für Deinen ausführlichen Beitrag, der sicher für viele neue Erkenntnisse brachte.
Ich wollte die Geschichte nicht so ausführlich darstellen, sie ist mir aber bekannt.

Ich hatte mich intensivst mit damit beschäftigt, weil ich Vorfahren habe, die um Danzig herum gelebt hatten.
Deshalb kam ich am Deutschen Orden und die Geschichte der Jahrhunderte danach nicht vorbei.
Besuche in Sankt Petersburg, Riga und Tallin haben mir außerdem Kenntnisse auf den schwedischen Einfluss in dieser Region und die Zurückdrängung durch den Nordischen Krieg nach 1721 gebracht.

In Wismar und Stralsund findet man heute noch steinerne Zeugen aus der Schwedenzeit. Auf der Insel Rügen (bei Klein Zicker) sind noch Spuren zu finden, wo die Schweden einen Hafen planten, was aber nicht realisiert wurde.

Ahnenforschung ist mehr als ein "spinnertes" Hobby, sie bildet auch.

Renate
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  #9  
Alt 07.07.2021, 10:32
Balduin1297 Balduin1297 ist offline männlich
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Hallo,
es stimmt auf jeden Fall, dass in dieser Zeit die Expansion Polen-Litauens auf den Osten ausgerichtet ist. Im Polnisch-Russischer Krieg 1609–1618 sind die Polen sogar bis Moskau vorgestoßen und selbst Smolensk gehörte zu Polen-Litauen. Und auch die riesige Armee der Osmanen konnten die Polen mehrfach zurückschlagen. Ein Verwandter von mir namens Samuel Ludwik Twardowski hatte an der bekannten Schlacht von Chocim 1621 teilgenommen, wo 25 000 Polen und Litauer sowie 20 000 Kosacken eine Armee von ca. 160 0000 Osmanen und Tataren besiegt hatten. Direkt im Anschluss an die Schlacht ist der Samuel Ludwik Twardowski im Jahr 1623 dem Krzysztof Zbaraski als Sekretär in einer diplomatischen Mission in das Osmanische Reich gefolgt

Und ohne Polen-Litauen wäre Europa heute muslimisch geworden. Denn ohne die Flügelhusaren von Jan Sobieski hätten die Österreicher die Belagerung von Wien 1683 niemals gewonnen und dann wäre Wien witzigerweise muslimisch geworden. Auch das gesamte HRR wäre muslimisch geworden. Nur Frankreich nicht, da witzigerweise Louis XIV. einen Pakt mit den Osmanen eingegangen ist und deshalb nicht der Heiligen Liga beigetreten ist. Nur für Jan Sobieski war es als tiefgläubigen Katholik selbstverständlich der Heiligen Liga beizutreten und Europa vor den Muslimen zu schützen Und wie haben die Österreicher es den Polen gedankt? Sie haben Polen später geteilt und besetzt.
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Oberverwalter August Gustav Julius Müller, * 26.9.1819 Bergen auf Rügen, + nach 1897 Charkow
Ottilie Charlotte v. Twardowsky, * 17.5.1825 Riga, + 19.3.1870 Bely Kolodez Gouvernement Charkow
Steuerbeamter Ludwik Stanisław Twardowski h. Ogończyk * 1790 Rzeczpospolita, + 27.5.1848 Riga
Julianne Charlotte Zahn, * 30.1.1805 Preekuln Gouvernement Kurland, + 9.6.1835 Riga
kgl. poln. Oberoffizier Teodor Twardowski h. Ogończyk

Geändert von Balduin1297 (07.07.2021 um 11:02 Uhr)
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  #10  
Alt 07.07.2021, 11:00
schulkindel schulkindel ist offline
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Balduin1297,

Du hast profunde Geschichtskenntnisse. Geschichte fand und finde ich faszinierend.
Zu Jan Sobieski:
Ich hatte mir vor mehr als 30 Jahren mal ein Buch gekauft:
Jan Sobieski Briefe an die Königin, Feldzug und Entsatz von Wien 1683.

Es wird immer so viel von Europa getönt, aber der Geschichtsunterricht lässt in der Hinsicht wohl zu wünschen übrig.
Ich habe mir auch vieles angelesen.

Renate
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