#1  
Alt 07.04.2021, 13:51
BMSS BMSS ist offline männlich
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Standard Zensierte Auskünfte

Hallo,
hier ein anscheinend heikles Thema, zensierte Auskünfte von Archiven, Standes- und Einwohnermeldeämtern. Damit habe ich seit Jahren zu tun und meine Ahnenforschung wird dadurch wesentlich behindert. Mit ist das unterschiedliche Recht überwiegend bekannt und auch die Gepflogenheiten der Rechtshierarchie zwischen Bundes- und Landesrecht, bis hin zur Dienstanweisung.
In meiner Geburtsstadt erhielt ich magere Auskunft zu meinen Großeltern und Eltern. Über meine Geschwister und mich erhielt ich keine Auskunft. Nach einem halben Jahrzehnt Suche kam mir zu Ohren, dass ich dort nie als Bürger registriert war.
Die Stadt, in der ich seit meinem achten Lebensjahr gemeldet war zeigte ähnliches Auskunftsverhalten. Die Antwort auf mein Auskunftsbegehren zu meinen Verwandten zweiten und dritten Grades war mit schwarzen Balken zensiert, wie man es sonst nur in US-Filmen sieht. Eine Selbstauskunft bekam ich auch hier nicht. Die Auskünfte sind jedoch für eine qualifizierte Ahnenforschung wichtig.
Ist so ein Auskunftsverhalten allgemein üblich?
An was kann diese Informationszensur liegen?
Verwaltungsrechtliche Klagen kosten inzwischen Geld, was kann ich sonst machen?
Richtet sich das Datenschutzrecht gegen Ahnenforscher?


Grüße
BMSS
  #2  
Alt 07.04.2021, 16:37
genoveva184 genoveva184 ist offline
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Die geltenden Sperrfristen (110 Jahre für Geburts-, 80 Jahre für Heirats- und 30 Jahre für Sterbeurkunden) sind zwar aus Forschersicht nervig, haben aber durchaus ihren Sinn. Stell dir z.B. mal vor, jemand könnte auf diesem Weg herausfinden, dass noch lebende Verwandte außereheliche Kinder haben, oder dass jemand nicht ein leibliches sondern ein adoptiertes Kind ist, oder wer wie oft geschieden war etc. und würde diese "Geheimnisse" dann ausposaunen.



Die Sperrfristen dienen den Betroffenen also zum Schutz vor solch u.U. peinlichen Enthüllungen. Innerhalb der Fristen wirst du daher keinerlei Auskünfte zu Verwandten aus Nebenlinien (nicht mal zu Geschwistern) kriegen, d.h. das Schwärzen von Teilen von Dokumenten hat da schon Prinzip. Allerdings solltest du mit Nachweis der Verwandtschaft problemlos Infos zu deinen eigenen direkten Vorfahren (d.h. deinen Eltern und Großeltern) kriegen.



VG
--Genoveva
  #3  
Alt 07.04.2021, 17:51
BMSS BMSS ist offline männlich
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Hallo Genoveva,
genau das was Du als dringend schutzwürdig bezeichnest möchte ich herausbekommen. Meinen Auskunftbegehren habe ich die mir vorliegenden Verwandtschaftsnachweise beigefügt.
Trotzdem erhielt ich keine Auskunft.
Auch die Selbstauskunft erhielt ich nicht.
Was könnte gegen mein Auskunftsinteresse sprechen?
Denn Werber erhalten solche Auskünfte.


Vile Grüße
BMSS
  #4  
Alt 07.04.2021, 19:09
genoveva184 genoveva184 ist offline
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Zitat:
Zitat von BMSS Beitrag anzeigen
Hallo Genoveva,
genau das was Du als dringend schutzwürdig bezeichnest möchte ich herausbekommen.

Aber dann ist dir doch jetzt klar, warum du diese Auskünfte zu Verwandten der Nebenlinien auf keinen Fall bekommen wirst, oder? Da sind die Ämter halt strikt. Einzig zu deinen eigenen Vorfahren in direkter Linie (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern) bekommst du innerhalb der Sperrfrist Auskunft und da auch nur die relvanten Daten (Geburt, Heirat, Tod), nicht aber, wieviele weitere Kinder oder andere Ehepartner sie sonst noch hatten. Das kriegen Werber auch nicht, die kaufen nur zu Hauf Adresslisten an.



Was du eher versuchen könntest, ist, andere Forscher zu finden, die vielleicht mehr wissen, oder alte Adressbücher durchsuchen und ähnliche Namen abtelefonieren oder Totenzettelsammlungen/Todesanzeigen. Manchmal hat man auch Glück mit genealogischen Sammlungen, die aus einer Zeit stammen, als Datenschutz noch nicht so hochgehalten wurde, z.B. alte Stammtafeln oder Bände des Deutschen Geschlechterbuches.


Eine Abschrift deiner eigenen Geburtsurkunde solltest du aber wirklich problemlos bekommen können, da man die ja auch oft für berufliche Zwecke braucht. Welches Standesamt stellt sich denn dabei bitte so quer??
  #5  
Alt 07.04.2021, 20:06
BMSS BMSS ist offline männlich
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Hallo Genoveva 184,
die Sache ist ein wenig komplizierter. Eine Geburtsurkunde konnte ich erstreiten. Obwohl sie nach Satzung kostenlos ist wurden mir vierzig Euro abgeknöpft. Dann gibt es die BRD-Rechtsregelung, nach der uneheliche Kinder die nach 1948 geboren wurden erbberechtigt sind. Dass schließt die Kenntnis von Geschwistern ein. Eine Behörde die nach dem alten Kind und Kegel-Recht handelt missachtet meiner Ansicht nach geltendes Recht.
Bei mir gibt es noch eine Komplikation: Mir unbekannte Verwandte Hetzen gegen mich und so musste ich einen Arbeitsplatz verlassen. Gegen sowas will ich vorgehen.
Ungeklärt bleibt, wieso ich in meiner Geburtsstadt, wo alle Daten meines Lebens gesammelt werden müssten und in der Stadt in der ich in der BRD zum ersten Mal gemeldet war keine Selbstauskunft erhalte.

Viel Grüße
BMSS

Geändert von BMSS (07.04.2021 um 20:12 Uhr)
  #6  
Alt 07.04.2021, 20:12
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Ursula Ursula ist offline
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Was meinst Du denn genau mit "Selbstauskunft"?

LG
Uschi
  #7  
Alt 07.04.2021, 20:20
BMSS BMSS ist offline männlich
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Hallo Uschi,


eine Selbstauskunft steht einem nach dem Datenschutzrecht bei jeder Behörde zu. Die Einwohnermeldeämter der Geburtsstadt bekommen ein Menschenleben lang alle behördlich bekannten Daten einer Person und speichern diese. Die Person hat das Recht den Inhalt der gespeicherten Daten zu erfahren und Änderungen zu verlangen.
Aus solchen Daten kann man Rückschlüsse auf die Familie ziehen, was bei mir notwendig wäre.
Es gibt aber Geheimhaltungsvorschriften wegen denen keine Auskunft erteilt wird. Entgegen sonstigen geheimen Sperrfristen muss der Geheimhaltungsgrund bei Selbstauskunft in einem Ablehnungsbescheid genannnt werden. Das gab es bei mir nicht.


Viele Grüße
BMSS

Geändert von BMSS (07.04.2021 um 20:23 Uhr)
  #8  
Alt 07.04.2021, 20:31
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Ursula Ursula ist offline
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Und was sind das für Geheimhaltungsvorschriften?
  #9  
Alt 07.04.2021, 20:40
genoveva184 genoveva184 ist offline
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Ich versteh gerade nicht so recht, was genau du mit "Selbstauskunft" überhaupt meinst, denn eine (für 40 Euro nehme ich an) beglaubigte Abschrift deiner Geburtsurkunde hast du doch jetzt, d.h. das ist doch die Auskunft zu dir selber.



Bitte korrigier mich wer, wenn ich falsch liege, aber ein Recht auf Auskunft zu Geschwistern oder Anverwandten mit Namen, Adressen etc. hast du m.E. überhaupt nicht, auch wenn dich das ärgert. Beim Tod des gemeinsamen Elternteils kriegen die Erben einen Wisch vom Amt, den sie wahrheitsgemäß ausfüllen müssen, sonst machen sie sich strafbar. Darin müssen wegen der Sache mit dem gesetzlichen Pflichtteil auch alle Abkömmlinge des Verstorbenen (leibliche und adoptierte) angegeben werden. Da manche Erben von denen aber gar keine Kenntnis haben oder deren Namen evtl. gar nicht kennen, schreiben sie aus Unwissenheit entweder nichts hin oder es reicht was à la "da ist evtl. noch wer" zu schreiben und dann muss sich eben das Nachlassgericht um die Recherche kümmern und alle weiteren erbberechtigten Abkömmlinge ausfindig machen. Die kriegen dann am Ende ihren Pflichtteil und das war's, dazu braucht es keine Infos der Namen weiterer erbberechtigter Anverwandter. Das Nachlassgericht kontaktiert jeden einzeln und die Leute müssen vooneinander gar nichts wissen. Das ist bei Testamenten zwischen Erben vs. Nachlassnehmern ja auch so, dass letztere nur eine Kopie der Zeilen des Testaments, die sie selbst betreffen, bekommen und der Rest ist geschwärzt.



Wenn du glaubst, dass unbekannte Verwandte gegen dich hetzten, kannst du eine Anzeige gegen Unbekannt stellen.
  #10  
Alt 07.04.2021, 20:48
genoveva184 genoveva184 ist offline
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Zitat:
Zitat von BMSS Beitrag anzeigen
Hallo Uschi,


eine Selbstauskunft steht einem nach dem Datenschutzrecht bei jeder Behörde zu. Die Einwohnermeldeämter der Geburtsstadt bekommen ein Menschenleben lang alle behördlich bekannten Daten einer Person und speichern diese. Die Person hat das Recht den Inhalt der gespeicherten Daten zu erfahren und Änderungen zu verlangen.
Aus solchen Daten kann man Rückschlüsse auf die Familie ziehen, was bei mir notwendig wäre.
Es gibt aber Geheimhaltungsvorschriften wegen denen keine Auskunft erteilt wird. Entgegen sonstigen geheimen Sperrfristen muss der Geheimhaltungsgrund bei Selbstauskunft in einem Ablehnungsbescheid genannnt werden. Das gab es bei mir nicht.


Viele Grüße
BMSS

Ach so, jetzt verstehe ich. Ich glaube, du hast da bezüglich der "Selbstauskunft" etwas falsch verstanden. Damit ist nur gemeint, dass du ein Recht darauf hast, zu erfahren, welche Daten das Standesamt zu dir so gesammelt hat und mit wem es sie geteilt hat, da du ja gemäß Datenschutz bei jedem Wohnortswechsel oder neuen Perso immer ankreuzen kannst, ob die deine Daten (z.B. Adresse, Konfession) mit Dritten (z.B. Werbeagenturen) teilen dürfen etc. Genauso wie du keine Auskunft zu lebenden Anverwandten kriegst, kriegen die allerdings auch keine zu dir, d.h. du wirst über die Selbstauskunft nicht erfahren, ob sich wer nach dir erkundigt hat, nur, an wieviele Argenturen das Standesamt evtl. deine Adresse verkauft hat.
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