#21  
Alt 04.10.2018, 13:31
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AKocur AKocur ist offline weiblich
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Zitat von Malte55 Beitrag anzeigen
Man stelle sich vor, es hätte damals nicht die Kindersterblichkeit gegeben, wäre dann das Bevölkerungs-Wachstum explodiert? Hätte es dann noch mehr Kriege gegeben? Wären dann überhaupt so viele Kinder geboren worden?
Vor der Industrialisierung ist die Bevölkerungsentwicklung wellenförmig verlaufen. Wenn es der Gesellschaft insgesamt gut ging, stiegen Geburtszahlen, fiehl die Sterblichkeitsrate; das geht aber nur so lange gut, bis nicht mehr alle vom Wirtschaftswachstum profitieren können. Dann steigt die Sterblichkeitsrate, sinken sogar die Geburtszahlen wieder; kommt es dann noch zum Ausbruch von Krankheiten, Kriegen oder Naturkatastrophen, beschleunigt sich das Ganze. Am Ende sind eventuell sehr viele Menschen gestorben (z.B. während der Pestwelle Mitte des 14. Jh.), aber die, die übrig bleiben, stehen jetzt besser da als vorher. Das Nahrungsangebot pro Kopf steigt, es ist mehr Arbeit für den Einzelnen da, etc.

Seit der Industrialisierung, und vor allem der Entwicklung moderner Medikamente, hat sich da einiges geändert.


Aber um wieder auf's eigentliche Thema zurückzukommen:
Der Halbbruder meines 3xUrgroßvaters bekam mit seiner ersten Frau 5 Kinder, wovon 2 noch am gleichen Tag wieder starben, eins wurde 4 Tage alt, eins 12 Tage. Nur der älteste Sohn schaffte es bis er 21 Jahre alt wurde. Im Jahr darauf verstarb dann auch die Mutter. In zweiter Ehe heiratete er dann 1856 eine Frau, die zum Zeitpunkt der Eheschließung bereits 43 Jahre alt war. Ich glaube, das mit dem Kinder bekommen nur um sie zu beerdigen wollte er sich nicht mehr antun.


Zum Thema Elternliebe möchte ich aber noch sagen, dass man schnell dabei ist, sein eigenes Verständnis von Elternliebe auf frühere Jahrhunderte zu übertragen. Das sollte man aber lassen, den unser Verhältnis zu Leben und Tod ist, ebenso wie unser Verständnis von Charakter und Individualität, ein völlig anderes als das unserer Vorfahren aus dem 19. Jh oder früher.
Heute geht man ja, z.B. überhaupt nicht mehr davon aus, dass ein Kind noch im Kindesalter sterben könnte. Wenn es doch passiert, ist es eine Tragödie. Früher ist man aber damit aufgewachsen, dass Kinder nunmal sterben. Diese Normalität des Sterbens führt dann natürlich dazu, dass man sich, gerade zu Beginn, nicht ganz so sehr mit dem Herzen an das einzelne Kind hängt. Schon zum Selbstschutz und völlig unterbewusst. Das heißt aber nicht, dass man das Kind deswegen nicht liebt oder haben will.
Dazu kommt dann auch noch der Einfluss des Glaubens an das ewige Leben nach dem Tod, das ja definitiv besser ist, als das reale Leben auf der Erde. Wenn man sich die Lebensumstände der meisten Menschen früher mal anschaut, ist das meiner Meinung nach, sehr nachvollziehbar.

LG,
Antje
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  #22  
Alt 04.10.2018, 14:06
Zima1986 Zima1986 ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von AKocur Beitrag anzeigen
In zweiter Ehe heiratete er dann 1856 eine Frau, die zum Zeitpunkt der Eheschließung bereits 43 Jahre alt war. Ich glaube, das mit dem Kinder bekommen nur um sie zu beerdigen wollte er sich nicht mehr antun.

Das ist echt traurig, wenn dem so war
Wogegen der Vorfahre aus meinem Eingangspost es immer und immer wieder versucht hat. Er hatte wirklich Pech, denn auch wenn Kindersterblichkeit auch bei vielen meiner anderen Linien vorgekommen ist, so waren es dann meistens "nur" einige Kinder, der größte Teil ist durchgekommen.
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  #23  
Alt 04.10.2018, 15:13
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Silke Schieske Silke Schieske ist offline
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Bei den Vorfahren meines Mannes habe ich eine Ehe, zu der ich 5 Kinder finden konnte. Keines dieser Kinder wurde älter als 3 Monate.


Ansonsten habe auch ich bei 5-10 Kindern oft gerade mal die Hälfte die das Erwachsenen Alter erreicht haben


LG Silke
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Wir sind hier alle auf der Suche, können nicht hellsehen und müssen zwischendurch auch mal Essen und Schlafen.
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  #24  
Alt 04.10.2018, 18:09
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Tunnelratte Tunnelratte ist offline männlich
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Kindersterblichkeit extrem beim Geburtswunder von Bönnigheim:
https://www.tagesspiegel.de/weltspie...er/844976.html
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wenn man den Nachbarshund zum angeln mitnimmt, ist wenigstens die Köterfrage geklärt
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  #25  
Alt 04.10.2018, 19:22
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Auch bei meinen Vorfahr/innen ist das ähnlich z.B. bei der Derfler-Linie. 13 Kinder, von denen gerade einmal die Hälfte das Erwachsenenalter erreicht haben, später dann 10 Kinder, von denen allerdings deutlich mehr erwachsen geworden sind - bezogen auf das 18. Jahrhundert, genauer den Anfang und die Mitte desselben.
Später haben doch mehr Kinder das Erwachsenenalter erreicht, allerdings ist die Kinderzahl dann nicht mehr so hoch gewesen.

Bei den anderen Linien weiß ich das nicht so genau, da wird's wohl ähnlich gewesen sein, dass von vielen Kindern nicht alle erwachsen geworden sind.

Wobei es durchaus im 21. Jahrhundert passieren kann, dass ein Kind früh stirbt. Vor einigen Jahre ist das R. (einer Bekannten von mir) passiert: Das Kind ist entweder bei der Geburt gestorben oder kurz danach. Ich habe das Grab der Mutter von R. besucht und dabei auch das Grab des Kindes F. eben dort entdeckt.

Das zweite Kind von R., K. , das einige Jahre später geboren worden ist, ist am Leben.

Mehr Details dazu kann/will/darf ich nicht preisgeben.
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Mühsam nährt sich das Eichhörnchen. Aufgeben tut man einen Brief.
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  #26  
Alt 05.10.2018, 08:32
lisetta lisetta ist offline
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Manchmal verloren die FAmilien die Kinder auch auf einen Schlag. Ein Vorfahren von mir verlor 1619 soweit ich sehen kann, alle 6 oder 7 Kinder, die bis dahin überlebt hatten, innerhalb von wenigen Wochen an der Pest. (Ich konnte jedenfalls später keinerlei anderen überlebenden Kinder ausfindig machen.)
Den Schmerz dieser Eltern mag man sich gar nicht vorstellen.


Dass es mich gibt ist der wundersamen Tatsache geschuldet, dass die Mutter während der Pest schwanger war und meinen Ahnen nach der Pestwelle gesund auf die Welt brachte (wiewohl schon über 40 JAhre alt).


Zum Ausgleich hatte dieser eine ganze Menge Kinder, die bis auf einen alle erwachsen wurden....
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  #27  
Alt 05.10.2018, 15:03
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Garfield Garfield ist offline weiblich
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Ich denke nicht, dass wir die emotionale Beziehung von Eltern/Kindern von heute mit früher vergleichen dürfen. Ich glaube nicht, dass es für alle Eltern früher gleichgültig war, wenn ein Kind starb. Aber früher hatte man andere Prioritäten als heute, wo man manchmal das Gefühl haben kann, die Eltern würden wirklich alles für ihr allerliebstes und tollstes Kind tun.

Ich habe beide Fälle in meinen Ahnenlinien bzw. bei deren Nachkommen. Auffällig ist: in der Schweiz scheint die Kindersterblichkeit relativ gering, auch bereits im 17.-19. Jhd. Auch da starben immer mal wieder Kinder, auch noch bei meinen Grosstanten und Grossonkel (zwei Brüder meiner Grossmutter, bei einem starb das zweite Kind 1955 im Alter von 5 Jahren vermutlich an Krebs, beim anderen starb das zweite Kind kurz nach der Geburt).
Richtig krass ist es aber bei meiner Verwandtschaft in Süditalien, wo reihenweise Kinder noch vor dem 6. Lebensjahr starben (18. bis Anfang 20. Jhd., vorher weiss ich es noch nicht). Auch findet man viele Heiraten von verwitweten Personen, die hohe Sterblichkeit beschränkte sich also nicht nur auf Kinder.
Meine Grossmutter und mein zweijähriger Onkel erkrankten um 1960 an Typhus, zwar gab es (schon ziemlich lange) Medikamente, aber sie waren sehr teuer und bei meinem Onkel schlugen sie nicht richtig an, er hat wohl nur durch viel Glück überlebt. Die theoretische Verfügbarkeit von Medikamenten sagt also noch nichts über die Praxis aus.

Antje hat das eigentlich ganz schön zusammen gefasst, das ist auch das was meines Wissens die Wissenschaft dazu schreibt.
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