Thema: Kistowski
Einzelnen Beitrag anzeigen
  #5  
Alt 15.02.2017, 10:59
Kleinschmid Kleinschmid ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 20.01.2013
Beiträge: 535
Standard

Herr v. Roy hat bereits wichtige Hinweise zur Adelsfamilie K. gegeben.
Im poln. Adel war zunächst das Wappen bzw. die Zugehörigkeit zu einem Wappenclan entscheidend. Der Name wurde meist nach dem jeweiligen Besitz angenommen. Bspw. hieß der Vater Lipinski u. der Sohn Rogowski - beide gehörten aber zum Wappenclan Leliwa. Dies war sicher noch im 15. u. verm. noch im 16. Jhd. der Fall. Nach Zernicki (oftmals problematisch!) soll hier eine Familie Essen aus Livland in den Großraum Danzig verzogen sein u. nach ihrem neuen Besitz den Namen Kistowski angenommen haben. Ja, es finden sich sogar Stammbaumskizzen, in denen einzelne Personen als v. Essen-Kistowski bezeichnet werden. Ich zumindest konnte in den zahlreichen baltischen Wappenbüchern keine Familie Essen mit einem entspr. Wappen (Sterne + Halbmond) nachweisen. Nach dem von Herrn v. Roy zitierten Adelslexikon erscheint ein Laurentinus Jarosch auf Kistowo. Das läßt sich im Prussia Regalis, S. 263, nachlesen. Er wurde dort 1571 erwähnt (an ander Stelle ein Stanislaus K. 1567 auf Kistowo). Der Ort selbst, also Kistowo (dt. Kistowen) im Kreis Karthaus, wurde urkundlich 1402 im sog. Danziger Komtureibuch genannt. Das läßt sich hier, S. 230 u. 235, nachlesen. Offensichtlich gab es den Dorfnamen also vor dem Adelsnamen - dieser Zweig einer Adelsfamilie (doch Essen?) nahm seinen neuen Namen demnach von diesem Ort an. Spätestens im 17. Jhd. verfestigte sich nun bei praktisch allen Adelsfamilien der Name - auch wenn sie neue Güter erwarben, wurde der Name nicht mehr 'angepaßt'. Die meisten enden auf -ski, wurden im Polnischen zu 'wohlklingenden' Namen u. daher ebenso von der einfachen Landbevölkerung übernommen. Einem Herr Kistowski gehörte Kistowo, und der Bauer Kistowski stammte aus Kistowo. Kistowski ist demnach ein Herkunftsname. Schaut man auch in sehr umfangreiche poln. Ortsverzeichnisse, so findet sich als passender Ort nur dieses eine Kistowo. Es spricht also zunächst alles dafür, daß der nichtadlige Namensgeber von dort abstammt. In den 1990er Jahren ließen sich 605 Personen mit diesem Familiennamen mit Schwerpunkt Danzig bzw. Posen nachweisen. Der Name ist demnach nicht wirklich selten, insofern besteht hier nicht zwingend für alle eine Verbindung zur Adelsfamilie K. Als dieser Teil von Polen in den 1770er Jahren preußisch wurde, erfaßte man den vorkommenden Adel sowie auch die übrige Bevölkerung. Gehuldigt hatte 1774 dem pr. König aus der Familie i. Westpr.: ein Paul K. (39 J. alt, mit So. Franz, 4 J.) aus Gostomie im Kreis Stargard; eine Marianna (33 J., mit So. Woyt. (19 J.) u. Franz (10 J.)) aus Chosnica; ein Martin (61 J.) aus Msciszewice. Im Kreis Kulm gab es eine Witwe Wierzbicki geb. K. auf Trzianno. Über den Landbesitz der Familie siehe ausführlich bei Max Bär: Der Adel und der adlige Grundbesitz in Polnisch-Preussen zur Zeit der pr. Besitzergreifung. Leipzig 1911. Weiteres Material über die Adelfamilie im GStA Berlin mit zwei Akten aus dem früheren Heroldsamt zu: "Kistowski, Kistowski gen.v.Chmielinski". Bemerkenswert ist aber, daß der Name bei der Landbevölkerung 1772/73 recht selten war: es gab einen Kistkoffski (?) in Klein Schantz (Dirschau), eine Rosalia Kistowska in Mellno (Rheden) sowie einen Andreas Kistowsky in Materna (Oliva).

Zur Familie selbst läßt sich nachweisen:
Auguste Victoria K., +18.10.1893 als To. d. Albert u. d. Marie K. (ev. K. Letzkau, Krs. Danzig-Niederung)
Clara Agnes K., +13.10.1893, sonst dito.
Ein Albert K. wurde am 25.11. geboren und am 26.12.1868 in der kath. Kirche St. Joseph i. Danzig getauft. Als Mutter wurde ein Marianne K. verwit. Tosch angegeben. Nach den Danziger Adreßbüchern wohnte die Witwe Tosch in der Jungferngasse 2. Der Vater war verm. kurz zuvor verstorben - paßt also eher nicht.

Mysteriös ist nun die Geschichte in Berlin. Das 'Verschwinden' des Albert K. nach 1922 ohne Eintrag im Sterbeindex des Sta Neukölln/Rixdorf. Vielleicht starb er in einem Krankenhaus - also anderer Sta-Bezirk? Ancestry hat die Toten aus den 1920er Jahren noch nicht vollst. erfaßt. Vielleicht könnte man in das kath. oder ev. KB für die Bergstraße 30/31 schauen. Es gibt interessanterweise ein Bernhard K. ab 1923 in Tempelhof - ein Sohn? Völlig unverständlich ist, daß 1923-1940 kein K. in der Bergstr. 30/31 erwähnt wird, dann aber 1941 eine Witwe Johanna/Anna erscheint. Was sagt denn die Einwohnermeldekartei von Berlin?

Geändert von Kleinschmid (15.02.2017 um 13:26 Uhr)
Mit Zitat antworten