Einzelnen Beitrag anzeigen
  #73  
Alt 17.12.2013, 20:09
ArneD ArneD ist offline männlich
Benutzer
 
Registriert seit: 28.11.2013
Ort: Im hohen Norden
Beiträge: 28
Standard die Lage in und um Pommern im 14. Jhdt.

Hier noch etwas zur politischen Lage in der die frühen Flemming lebten und ihren Lehnsdienst leisteten: http://kaszuby.bytow.pl/radde/BogislawX.html

"Als 1325 das Fürstenhaus von Rügen erlosch, entbrannte der rügische Erbfolgekrieg zwischen Pommern und Mecklenburg (1326-1328), aus dem die Herzöge von Pommern im Frieden von Brudersdorf als Sieger hervorgingen. Das Fürstentum Rügen wurde Teil des Herzogtums Pommern-Wolgast. Nachdem 1319/20 in der Mark Brandenburg die Askanier ausgestorben waren, versuchten die Pommern erneut die Lehnshoheit Brandenburgs abzuschütteln… Erst als Pommern 1332 die Brandenburger in der Schlacht am Kremmer Damm geschlagen hatte, gelang es Barnim III. von Pommern-Stettin (etwa 1300-1368), einem der tatkräftigsten und erfolgreichsten der pommerschen Herzöge, der u. a. in Stettin den Bau des Schlosses begann, auf dem Reichstag zu Frankfurt am Main 1338 unter Hintanstellung gesamtpommerscher und der Wolgaster Interessen die Lehnsherrschaft Brandenburgs für Stettin zu tilgen und als reichsunmittelbar anerkannt zu werden. Barnim III. mußte aber das Erbrecht der Brandenburger für den Fall des Erlöschens des Greifenhauses zumindest in der Stettiner Linie anerkennen. Diese Eventualerbfolge hob der nächste deutsche Herrscher 1348 auf. Karl IV. (1347-1378) aus dem Hause Luxemburg belehnte am 12. Juni 1348 Barnim III. und seine Wolgaster Vettern zur gesamten Hand mit ganz Pommern und Rügen und übertrug ihnen als Reichsfürsten das Amt des Reichsjägermeisters. Pommern war reichsunmittelbar.

Trotz der Belehnung aller Herzöge auch mit Rügen erkannten die Wolgaster Herzöge weiterhin die dänische Lehnsherrschaft über dieses Fürstentum an. 1355 ließ sich Barnim III. nach der Kaiserkrönung Karls IV. die Belehnung bestätigen, was 1357 in feierlicher Form nochmals wiederholt wurde. 1365 begleitete er den Kaiser nach Avignon, der zuvor 1363 in vierter Ehe Elisabeth (1347-1393) geheiratet hatte, die Tochter Bogislaws V. von Pommern-Wolgast.

In der Zeit von 1346 bis 1350 und dann wiederholt in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wütete die Pest in Pommern und raffte bis zum Jahrhundertende etwa ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung dahin. In demselben Zeitraum wurde auch etwa der gleiche Anteil an Siedlungsland wüst. Damit hing ein Verfall der Getreidepreise zusammen, während die städtischen Produkte infolge des Arbeitskräftemangels immer teurer wurden....

1359 fiel die Grafschaft Gützkow, die schon seit 1216 bzw. 1219 pommersches Lehen war, an das Wolgaster Teilherzogtum. Pommern hatte jetzt nach außen hin im wesentlichen seine endgültige territoriale Gestaltung erhalten. - Mit der Teilung von 1295 hatte die Zersplitterung Pommerns erst ihren Anfang genommen. Das Teilherzogtum Wolgast erfuhr weitere Aufspaltungen. 1368 und endgültig 1372 wurde es so geteilt, daß sich die Lande östlich der Swine als Hinterpommern oder Pommern-Stolp verselbständigten; dieses Teilherzogtum bestand bis 1459 und wurde dann zwischen Wolgast und Stettin aufgeteilt. Die westlichen Teile mit Rügen wurden 1376, 1425 und 1457 in die Teilherzogtümer Barth und Wolgast zergliedert, 1393, 1451 und dann endgültig 1478 aber wieder als Wolgast vereinigt. - In jenen Jahrzehnten der großen Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Orden und seinen Gegnern, insbesondere Polen, verfolgten die pommerschen Herzöge keine einheitliche Linie, vielmehr betrieb fast jeder Herzog seine eigene Schaukelpolitik. Einmal mehr waren Pommern und seine Teilherrschaften Objekte des historischen Geschehens und nicht (mit)-handelnde Subjekte...

…Trotz der Entscheidungen und Privilegien der Jahre 1338 und 1348 und der Wirren in der Mark Brandenburg wurde von den dortigen Kurfürsten der Anspruch auf die Lehnshoheit über Pommern nicht aufgegeben. Die Feindseligkeiten zwischen Pommern-Stettin und der Mark lebten auf bzw. fort. 1412 begann der Krieg um den Besitz der Uckermark, in dem Pommern mit seinen Verbündeten Mecklenburg, Magdeburg, Dänemark und Polen 1420 die entscheidende Schlacht bei Angermünde gegen Brandenburg verlor und die Uckermark abtreten mußte, die seit 1354 wieder zu Pommern gehörte. Im Zuge der Kriegshändel, die die Uckermark fast völlig verwüsteten, gerieten die pommerschen Herzöge in die Reichsacht. Gleichwohl erhielten sie wie kurz vor ihnen Wartislaw IX. von Pommern-Barth für alle vorpommerschen Herzöge zu Konstanz 1417 einen Kaiserlichen Lehnsbrief, die Stettiner jedoch nur unter dem Vorbehalt der Erbansprüche von Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern. Damit war das 1338/1348 Erreichte in Frage gestellt...

Als 1361 der Dänenkönig Waldemar IV. Atterdag die Insel Gotland, einen der wichtigsten Handels- und Umschlagplätze der Hanse, erobert und deren Flotte vernichtet hatte, bedrohte er als Herr über den Sund den für die Hanse lebenswichtigen Handel zwischen Ost- und Nordsee. Die betroffenen Städte schlossen sich schließlich 1367 zu der Konföderation von Köln gegen Dänemark zusammen. Das Bündnis war militärisch außerordentlich erfolgreich und eroberte Kopenhagen, Schonen und Helsingborg, den Frieden verhandelten die Städte 1370 zu Stralsund… Der Friedensschluß… sicherte dem Städtebündnis die Vormacht im gesamten Ostseehandel, und Schonen kam vorübergehend unter die Herrschaft der Hanse.

Der Friede von Stralsund räumte den verbündeten Städten auch ein Mitspracherecht bei der Wahl des nächsten dänischen Königs ein. Die Krone Dänemarks fiel mit Zustimmung der Hanse an Waldemars Tochter Margarete (1375/87-1412), eine der tatkräftigsten Herrscherpersönlichkeiten des Nordens im Mittelalter. Sie war auch Königin von Norwegen (mit den Färöer-, Shetland- und Orkneyinseln, Island und Grönland), das seit 1380 (bis 1814) mit Dänemark in Personalunion verbunden war. l388 wurde sie auch von den Großen Schwedens (mit Finnland, den Åland-Inseln, Gotland und Öland) als Königin anerkannt und vereinigte so in ihrer Person die drei nordischen Königreiche. Zusammen waren sie das größte Staatengebilde des Mittelalters, dem freilich das einigende Band fehlte und das deshalb keinen Bestand haben sollte.

Da das einzige Kind der verwitweten Königin, ihr Sohn Olaf, schon gestorben war, wählte sie ihren Großneffen Bogislaw (geb. 1381 oder 1382) zu ihrem Nachfolger, den Sohn von Herzog Wartislaw VII. von Pommern-Stolp. Das Kind übersiedelte 1389 nach Dänemark und nahm den Namen Erich (Erik) an; als Erich der Pommer ging er in die nordische und in die europäische Geschichte ein.

1397 berief Margarete die Großen ihrer drei Reiche nach Kalmar ein, wo sie die Personalunion ihrer Länder, die ,,Kalmarer Union", bestätigten und Erich zum Unionskönig krönen ließen, der aber erst ab 1412 nach dem Tod der Königin alleine regieren konnte. Gegen die Hanse förderte er zahlreiche Städte seiner Länder. Zwischen 1427 und 1429 führte er den Sundzoll ein, der bis 1857 Bestand haben sollte.

1423, als er auf seinem Zug nach Jerusalem durch seine Heimat reiste, zog er die heimischen pommerschen Herzogtümer der Wolgaster und Stettiner Linie durch ein Bündnis enger an sich, ein wichtiger Schritt zu der von ihm angestrebten Herrschaft über den gesamten Ostseeraum, dem ,,dominium maris Baltici".

Später begann Erich einen langen, blutigen und fruchtlosen Krieg mit den Grafen von Holstein um den Besitz von Südjütland bzw. Schleswig (bis 1435).

Auch als Unionskönig vergaß der Greifensproß, als Herzog von Pommern Erich 1., seine pommersche Heimat und die damit verbundenen Pflichten nicht. So vermittelte er im sog. Kamminer Bistumsstreit. Seit 1387 beanspruchten die Herzöge von Pommern die Verwaltung des bischöflichen Territoriums um Kolberg und Köslin. Der Streit darum beschäftigte auch die Konzile zu Konstanz (1414-1416) und Basel (1431-1449). In Konstanz wurde 1417 der Bischof mit seinem Bistum belehnt, das 1422 die Reichsstandschaft erhielt, d. h. als Reichsterritorium geführt wurde. 1436 wurde unter Vermittlung König Erich VII. festgelegt, daß die pommerschen Herzöge jede Bischofs- und Domherrenwahl von Kammin bestätigen mußten und ihnen die 1356 begründete Schutzherrschaft zustand.

Im Jahre 1438 entließ Erich der Pommer das Fürstentum Rügen aus der Lehnshoheit Dänemarks. Die Kosten von Erichs Krieg gegen Holstein, die Blockade der nordischen Häfen durch die feindliche Hanse, deren Privilegien er 1435 unter demütigenden Bedingungen wiederherstellen mußte, und eine unglückliche Innenpolitik gegen schwedische und norwegische (Familien-) Interessen brachten diese Länder gegen den Unionskönig auf. Er wurde 1439 zuerst in Dänemark und dann in Schweden abgesetzt und verlor 1442 auch noch die Krone Norwegens.

Schon nach dem Frieden mit der Hanse und mit Holstein 1435 hatte er seinen Plan aufgeben müssen, seinen Neffen Herzog Bogislaw IX. von Pommern-Stolp als seinen Nachfolger durchsetzen zu können. 1439 zog sich Erich grollend nach Gotland zurück, von wo aus er Kaperkrieg gegen seine abgefallenen Länder führte. Als sich Schweden 1449 zur Eroberung Gotlands anschickte, kehrte der König in seine Heimat, in das kleine Teilherzogtum Pommern-Stolp, zurück, wo er selbst das Regiment übernahm und nicht einmal schlecht regierte. Inmitten neuer Auseinandersetzungen im eigenen Hause und gleichzeitiger Fehden zwischen einzelnen Städten und Adelsfamilien starb 1459 Erich der Pommer, der einzige Sproß des Greifengeschlechts, der - wenn auch letztlich erfolglos - versucht hatte, Großmachtpolitik zu betreiben…"

Geändert von ArneD (17.12.2013 um 20:23 Uhr)
Mit Zitat antworten