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Alt 19.04.2010, 23:43
Hibol
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Beerdigung 1765 Am 16 November hat Balthasar Bauer, Söldner zu Schönstadt, ein jämmerliches Ende genommen. Dann als er frühe um 6 Uhr, wegen des starck angewachsenen Flusses einen Pflug über den Steg, welcher unter der Mühle zum Brunnen und zur leiten gehet, mit dem Johann Lorenz Müller, des M Georg Friedrich Müllers, Mühlers und jezigen Pachters Sohn, tragen wollte, um an der gedachten Leiten oder Anhöhe zu ackern, so ist er, weil der Steg etwas glat war, zurück und sogleich in den bis an den Steg reichenden Fluß gefallen. Der starcke Strom riß ihn sogleich mit sich fort, trieb ihn anfänglich an das Ufer, woran der Verunglückte eine Staude ergriffe, allein die Hände gleiteten wegen der wollenen Handschue, welche er an hatte, ab und der schnelle Strom führte ihn bis unter die Fischbacher Gegend, wo er endlich ertrincken mußte, und gegen 8 Uhr an einem im Waßer liegenden Stück Holz todt gefunden wurde. Er hat, so bald er ins Waßer gefallen war, hat er nur gesagt: Ach! ich alter und der gedachte Johann Lorenz Müller sprunge auch am Ufer ins Waßer, wo es ihn bis an die Brust gienge, konnte ihn aber nicht erretten, und er war ihm bald darauf aus dem Gesichte kommen. Als er nun mehrere Leute herzu geruffen, so haben sie ihn endlich gegen 8 Uhr gefunden und mit groser Mühe mit Stangen aus dem Wasser hervorgebracht, und auf einem Schiebkarn in sein Haus geführet. Ich muste nach gehaltener Betstunde und Prüfung nach Schönstadt zu seinem höchstbestürzten Weibe gehen, um sie, so viel es möglich war, zu trösten, da ich dann den Verunglückten selber besehen und befühlet habe. Der einzige in Meeder vereheirathet Sohn desselben, Johann Christian, kame noch am Abend dieses unglücklichen Freytags zu mir durch welchen ich dem fürstl. Consistorio von diesem Unglücksfall Bericht erstattete, worauf deßselben befohle, den erblaßten Cörper dieses Mannes ordentlich zur Erden zu bestattet, welches auch am 18 Nov als dem XXII Sonntag nach Trinitatis, unter einer volckreichen Leichenbegleitung geschehen. der Leichentext war aus dem 69 Psalm und zwar aus deßen 2, 3, 4 wie auch 17, 18 Vers genommen. Er war 60 Jahre und 9 Tage alt, zu Hof an der Steinach geboren und in Gestungshausen getaufet, sonst ein noch starcker und wohlaussehender Mann. Über dieses wars ein friedlicher und dienstfertiger Christ, besuchte fleißig den öffentlich Gottesdienst und Catechismusübungen, und hatte erst am 20 Sonntag nach Trinitatis mit seinem Weibe das heilige Abendmahl hier öffentlich genoßen, bey unserem Kirchenbau hat er die ihm angewiesenen Frondienste williglich verrichtet, und erst am Montage vor seinem unglücklichen Ende auf dem Kirchhof an dem Schulhause mit arbeiten helfen.
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