Thema: von Lehmann
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Alt 14.10.2009, 13:49
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Hina Hina ist offline weiblich
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Hallo Anton,

soetwas nennt man dann ersessener Adel und den gab es gar nicht so selten, wie man glauben mag.

In Preußen war das z.B. so geregelt, dass jemand selbst oder seine Vorfahren, die 44 Jahre lang unbeanstandet ihren vermeintlichen Adelsstand z.B. durch offizielle Führung eines adeligen Namens, glaubhaft machte, ihn dann auch tatsächlich bestätigt bekommen konnte, auch wenn der Adelsstand nicht zweifelsfrei nachweisbar war. In Bayern gab es eine 100 Jahre-Regelung. Ein Beispiel dafür ist z.B. v. Clausewitz aber auch sehr viele Niederrheinische Geschlechter.

In der Namenslinie meiner Familie wurde der Adel im Grunde auch wohl eher ersessen. In Wirklichkeit waren die Vorfahren Patrizier, die nicht zweifelsfrei adelig waren, die aber adelig heirateten. Ihnen wurde der Adelsstand vom König anerkannt und ihrem Namen sogar eine - wie ich nun festgestellt habe, unbewiesene - ritterliche Abkommenschaft "bestätigt", so dass die männlichen Nachkommen erst Ritter, dann Komturen des Christusordens wurden .

Dass jemand seine Briefe im 17. Jh. nicht unbedigt mit "von" unterschrieb, selbst wenn er adelig war, hat noch nicht allzuviel zu sagen. Zum einen gab es viele Patrizier, die adelig waren aber das Prädikat "aus Tradition" nicht führten. Einige adelige Familie hatten auch gar kein "von" im Namen, z.B. die Grafen Breuner, die Fürsten Fugger usw. Es gab auch Familien, die das "verdunkelten". So nennt man das, wenn sie von ihrem adeligen Prädikat keinen Gebrauch machten. Richtig setzte sich das im Grunde erst im 18. Jh. durch, wobei die meisten Familien es auch schon vorher führten.

Viele Grüße
Hina
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"Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann
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