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Alt 13.03.2012, 14:38
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Karl Heinz Jochim Karl Heinz Jochim ist offline männlich
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Hallo, zusammen,
grundsätzlich gilt: Alles, was man fälschen kann, könnte auch gefälscht sein! Das geht bei der "Pippinischen Schenkung" im 8. Jhdt. los, um nur mal die bekannteste Fälschung zu nennen und hört bei modernen Unterlagen (nicht) auf!
Kirchenbücher gibt es - je nach Region - etwa seit 1550. Da die Menschen damals nur selten schreiben und lesen konnten, nahm der zuständige Pfarrer das auf, was er hörte, um dies dann in Schriftform auszudrücken (im Hessischen wurde so z.B. aus "Nauheimer" "Nauemer"). Damals wurde grundsätzlich das Taufdatum und nicht das Geburtsdatum eingetragen, was heute oft verwechselt bzw. gleich gesetzt wird; da haben wir also schon 2 Fehler-Möglichkeiten.
Ab 1876 gab es dann im Deutschen Reich das Standesamt, in links-rheinischen Gebieten durch Napoleon schon seit Anfang des 19. Jhdts. Ab da konnte sich der Standesbeamte an den Personalpapieren orientieren, sofern auch diese nicht gefälscht waren.
Der "Arier-Nachweis" im 3. Reich war nichts Anderes als eine Sammlung von Abschriften aus Standesamts- und Kirchenbuch-Unterlagen, ausgefüllt (meist) von Mitarbeitern, die dazu sicher oft keine Lust verspürten und das ggf. sehr oberflächlich machten.
Dazu kommen die vielen "Kuckuckskinder", die von den Müttern dem (falschen) Vater "untergejubelt" wurden; man schätzt, dass die Zahl der KK im 19. Jhdt. bei etwa 5% !!! lag.
Alle Auskünfte aus den o.g. Unterlagen gelten aber als "seriös", belegbar und anerkennungswürdig! Die adeligen Unterlagen sind deshalb genauso seriös, denn über Jahrhunderte achteten diese Familien sehr genau auf ihren Stammbaum (anders als das übliche Volk) und notierte alles möglichst genau, man hatte aber genau mit den gleichen "Fehlerquellen" zu kämpfen wie aus allen anderen Unterlagen. Wer will nach Jahrhunderten mit Sicherheit tausendfach beschriebenen Geschichtsdaten und Persönlichkeiten noch genealogische Fehler nachweisen, egal ob es sich um Caesar, Kaiser Barbarossa, Martin Luther oder Bismarck handelt. Alles offiziell Geschriebene muss also zunächst mal als "seriös" angesehen werden, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Deshalb kann ich nur raten, alle Erkenntnisse möglichst "doppelt und dreifach" zu überprüfen, und Daten aus dubiosen Internet-Seiten nicht als Evangelium anzusehen, sondern höchstens als erste Orientierung!
Schöne Grüße vom Main
Karl Heinz
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