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Alt 30.01.2021, 13:39
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Schlumpf Schlumpf ist offline
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Hallo
Nun, der Grad der Verwandtschaft ist richtig gelöst worden.
Die katholische Kirche kennt einige Gebote betreffs der Eheschließung. Meistens werden
sog. Dispensen vom zu ständigen Bischof erteilt, in einigen Fällen muss sogar in Rom nach
einer Heiratserlaubnis nachgesucht werden. Die allermeisten Fälle werden vom General-
vikariat entschieden. Meistens ging es sich dabei um eine Dispens vom Aufgebot. Oft aber
auch wegen Tempore clauso (Fasten- oder Weihnachtszeit). Also dass die Brautpaare
nicht 3mal von der Kanzel verkündigt werden mussten. Die Dispensen wegen Bluts-
verwandtschaft waren in der Regel bis in den 4 Grad vorgeschrieben. Man wollte in jedem
Fall also "Ahnenschwund" vermeiden. Die Verwandtschaft ist also nach dem Kanonischen
Recht (Kirchenrecht) in den Can 1091 in Verbindung mit 1078 §3 nicht gestattet. Im
hiesigen Kulturkreis ist die Ehe unter Verwandten nicht gewünscht. Dabei ist aber auch die
Ehe zwischen Onke / Tante und Neffe/ Nichte manchmal vorgekommen und mit 2. und 3.
Grades bezeichnet.

Die Schwägerschaft in gerader Linie verungültigt die Ehe in allen Graden. Es ist also nicht
erlaubt, seine Schwägerin zu heiraten. Die Leviratsehe war im Judentum üblich, wurde
aber schon von der Urkirche verboten.

Die evangelische Kirche ist in der Beziehung etwas offener. Aber "damit auch keine
Blutschande vorgehe, ist nach unserere Kirchenordnung auch der 3. Grad in linea inaequali
nach dem Geblüt und Schwägerschaft verboten (vgl. Jülich-Berg. Synode 1677).
Die Heirat zwischen Onkel und Nichte wurde 1705 mit 12 Reichstalern geahndet. Aber wie
das so ist: Die Eltern von Friedrich II waren Neffe und Tante.

Eine Dispens wurde immer vor einer Eheschließung beantragt. Nur mit der vom General-
vikariat erfolgten Genehmigung durfte der Pastor die Trauung vollziehen. Eine Ablehnung
eines Antrages auf Dispens habe ich noch nicht gesehen, wohl aber einen Fall, der wohl
etwas fraglich war: Der Antrag auf "Geistige Dispens" wurde von der Braut nicht
eingesehen. Das hat man in den Generalvikariatsprotokollen vermerkt.

Viel Spaß damit
Schlumpf
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Uns ist in alten mæren wunders vil geseit. von helden lobebæren, von grôzer arebeit,. von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,.
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