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Alt 14.11.2020, 16:39
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wasto wasto ist offline männlich
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Hallo Maria Barbara. Das ist mehr als ein SECHSER im Lotto!!!!

Ich fand die Lebensgeschichte des Ossand

8 Jahre am Hof des Prinzen Heinrich (1770—1778). Aus dem Memoiren eines alten Franzo-sen. Deutsch bearbeitet von Ernst Breest
Erschienen in DER BÄR
Illustrierte + Berliner Wochenschrift 1.1.1881 # 1 ff als Fort-setzung
Seite 161 und Fortsetzungen das bin ich nun am Aufarbeiten.
Sogar ein Bild ist vorhanden.

Ich bin am 4. August 1748 zu Montivilliers in der Normandie geboren. Mein Vater hatte ein kleines Landgut von einem Generalpächter gepachtet, erwarb auf demselben aber sein Brod nur kümmerlich. Meine Mutter hieß Marie Madeleine Barbe Lecoq; ihr Vater wurde durch einen Flintenschuss von einem Steuerbeamten getötet, der ihn für einen Schmuggler hielt. Da die Witwe trotz der Unschuld ihres Mannes keine Unterstützung erhielt, so blieb sie mit ihren drei Kindern in Armut zurück und war auf ihrer Hände Arbeit an gewiesen. Meine Eltern kamen arm zusammen und brachten als Mitgift Eins dem Andern nur ihre Liebe und einen gesunden, kräftigen Körper zu. Ihre Ehe war mit acht Söhnen gesegnet, von denen ich der älteste war. Als ich neun Jahre alt ward, erklärte mir mein Vater, ich müsste mich beeilen, in der Dorfschule das Nötige zu lernen, da er beschlossen hätte, mich zu einem Meister zu bringen. Ich begann der bedrängten Lage meines Vaters inne zu werden und einzusehen, dass ihm daran liegen müsste, einen unnützen Esser los zu sein. Ich strengte mich nach Möglichkeit an und verließ mit 10'/- Jahren die Schule. Mein Vater wählte für mich einen Beruf, ohne sich die geringste Sorge dar-über zu machen, ob derselbe mir zusagte. Er traf die Wahl glücklich, denn er wählte den Stand, dem ich mein weiteres Fortkommen verdanke. Er bot mich einem Perückenmacher zu Montivilliers als Lehrbur-schen an, und ich wurde angenommen unter der Bedingung, dass ich vier Jahre lernte, und mein Vater einen Theil der Kosten für den Unterhalt trüge. Da Herr Josse, mein Meister, aber dem Trünke etwas ergeben war, so ward die Clausel in den Contrakt aufgenommen, daß mein Vater ihm alljährlich ein Fass Apfelwein zu liefern hätte. Nach zwei Jahren bediente ich schon die besten der Kunden, Advokaten und Rechtsgelehrte, von denen die Stadt wimmelte. Als ich 4 Jahre gelernt und den Religionsunterricht genossen hatte, communizirte ich zum ersten Mal und ward Geselle. Nach einem halben Jahr ging ich nach Havre, wo ich zwei und ein halbes Jahr blieb. Trotz der größten Einschränkungen war es mir nicht möglich, dort länger zu bleiben, da ich nur acht Franken monatlich erhielt, und so wanderte ich, siebzehn Jahre alt, nach Rouen. Hier hatte ich sehr noble Kunden, die mir die Beutel füllten und mich in den Stand setzten, seiner Zeit nach Paris zu gehen. Es gilt nämlich in Frankreich für ehrlos, wenn ein Hand-werksgeselle, der kein Geld mehr hat, um Almosen bittet, und so muss man bei Zeiten für das Reisegeld sorgen. Anfang September 1766 trat ich mit einem Kameraden, dem Uhrmacher Hachard, meinen Weg nach Paris an Wir blieben einige Tage in Marly und in Versailles und steuerten dann auf Paris los. Dieser Weg bildet eine Straße, die immer mit den elegantesten Equipagen, Reitern und Fussgängern bedeckt und auf beiden Seiten von Schlössern und Lusthäusern umsäumt ist, die den Großen und Reichen gehören. Alles ist feenhaft bis Paris hin. Man kommt durch Saint-Cloud, ein herrliches Schloss, welches dem in Versailles fast den Rang streitig macht, von da zum Cours la Reine, einem Corsoplatz, dann zu den Elysäi-schen Feldern, zum Platz Ludwigs XV., der da eine Bildsäule hat, die er nie verdiente und welche eine Satire auf sein Leben ist.
Fortsetzung auf ca 70 Seiten
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg 0000 MAX Ossant Portrait.jpg (258,0 KB, 3x aufgerufen)
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Gruss und Dank den unermüdlichen Helferinen und Helfern
von Walther Stolle

Die Ahnen rufen uns zu:
Was Ihr seid, das waren wir!
Was wir sind das werdet ihr!

Wir sollten es nie vergessen!
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