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Alt 04.11.2019, 20:33
Ibtißam Ibtißam ist offline
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Guten Abend,
zu Andreas Jahn aus Kleinstechau bzw. seinen Nachfahren zitiere ich hier mal aus meinem Buch "Streitbare Bauern":

Eigentümer Kleinstechau, Großstechauer Str. 2

Peter Jahn (1689)
Hans Christoph Peilschmidt (1697)
Advokat Paul Rüdiger (1699)
Marie Sophie von Schauroth (1702)
Adam Friedrich von Ende (1721)
Andreas Schellenberg (1722)
Melchior Schellenberg
George Kirmse (1787)
Melchior Kirmse (1824)
Eduard Kirmse (1869)
Fritz Pohle (1930)
Heinz Pohle (1971)
Uwe Pohle

Bild: Kleinstechau, Großstechauer Str. 2, Wohnhaus um 1960

Bild: Kleinstechau, Großstechauer Str. 2, Seitengebäude mit Toreinfahrt, im Jahr 2014

Bild: Kleinstechau, Großstechauer Str. 2, im Jahr 1998

Das Schicksal des Enteigneten
Peter Jahn hatte das Gut 1689 für 1.800 Gulden erworben. Weiterhin besaß er ein Grundstück, das lehnsherrlich nicht nach Löbichau gehörte. Versteigert wurden alle Jahnschen Grundstücke, obwohl die strittige Fron nicht auf den fremden Lehnstücken haftete. Peter Jahn war 1696 einer der beiden Vorsteher und Schlüsselinhaber der Heerfahrtswagenkasse (siehe Exkurs), hatte also in der Bauernschaft eine sehr vertrauensvolle Stellung inne.
Nach seiner Vertreibung schickte er seine Magd, um das Vieh aus dem Stall zu holen. Er be-zifferte seinen Verlust an Inventar und Vorräten aufgrund der Versteigerung mit 497 Talern. Von dem Versteigerungspreis von 400 Gulden sprach das Löbichauer Gericht Jahn und seiner Frau 35 Gulden 20 Groschen zu, die 1711 aber noch nicht bezahlt waren. Noch 1732 schrie-ben Peter Jahns Erben gemeinsam mit anderen Vertriebenen an den Herzog. Sie erinnerten daran, dass „einige unter anderer Jurisdiction gelegene, zu denen Frohn-Güthern nicht gehöri-ge Grund-Stücke von denen Gerichten mit subhastiret und verkaufft worden wären, einer causa cognition anoch unterwürffig zu seyn“.
Peter Jahns Erben beantragten keine Entschädigung aus dem Gönnegeld.

Das Schicksal des Hofes
1697 bot der Fürstlich Sächsische Wohlbestallte Land-Commissarius Hans Christoph Peilschmidt 400 Gulden. Dieser erschien aber gar nicht in Kleinstechau und schickte auch keinen Verwalter. 1699 verkaufte er an den Altenburger Advokaten Paul Rüdiger für 400 Gulden zuzüglich des Frongeldes zur Abgleichung der Bruchsteinfuhren-Fron. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich bei Rüdiger um den späteren gleichnamigen Bürgermeister der Stadt Altenburg handelte. Er ersteigerte bzw. erwarb auch die Höfe Falkenau, Beerwalder Str. 59 und Beerwalde, Hauptstr. 27 sowie 3 Güter in Zagkwitz. Rüdiger soll aufgrund des weiten Weges von Altenburg das Gut aufgegeben haben. Er veräußerte es 1702 für 1.400 Gulden an die Selkaer Rittergutsbesitzerin Marie Sophie von Schauroth, verwitwet gewesene von Ende, geborene von Bernstein bzw. Bärenstein . 1707 verklagte Joachim Jahn sie wegen ihrer Schulden. Es erging ein Urteil über die Verteilung der Kaufgelder; danach erhielten die Jahnschen Erben 125 Gulden 2 Groschen.
Frau von Schauroth verkaufte 1721 an ihren Sohn Adam Friedrich von Ende für 1.500 Gul-den , dieser im folgenden Jahr an den Bauern Andreas Schellenberg für 2.800 Gulden. Da-mit ist dieses Gut dasjenige mit den größten Preissprüngen, d. h. Veräußerungsgewinnen. Schellenberg lieh sich für den Kauf von Friedrich Bachoff von Echt zu Friedensstein 200 Meißn. Gulden. Schon im darauf folgenden Jahr geriet er mit der Rückzahlung in Rückstand und wurde von seinem Gläubiger verklagt. Doch er biss sich durch – sicherlich unter großen Entbehrungen - und behielt das Gut.
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