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Alt 25.10.2011, 12:41
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Rolf Stichling Rolf Stichling ist offline männlich
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Beitrag Geld und Währung im 17. Jahrhundert

Kriege sind allgemein Zeiten starker Geldentwertung. Dennoch kam es im 30-jährigen Krieg nicht zu einer Verschlechterung der im Umlauf befindlichen "großen" Münzen Taler und Dukaten, die hauptsächlich von den Reichen zur Hortung und von den Großkaufleuten als Zahlungsmittel benutzt wurden.
Anders ging es mit den kleinen Münzen. Diese wurden immer wieder eingeschmolzen und mit geringerem Silberanteil und dementsprechend höheren Kupferanteil wieder ausgeprägt. Den entstandenen Gewinn nutzten die Fürsten für die Finanzierung ihrer Kriegskosten. Dies führte zu einem Wertverfall der "kleinen" Münzen und damit zu einer weiteren Verarmung der kleinen Leute. Zunehmend verschob sich die Wertrelation zwischen dem Taler, der ja weiterhin in alter Qualität umlief, und den Kleinmünzen. 1616 hatte der Reichstaler einen Wert von 90 Kreuzern, bis 1619 stieg der Reichstaler im Wert auf 124 Kreuzer, bis zum März 1621 sogar auf 150 Kreuzer. Die Inflation verlief immer schneller und im März 1622 war der Reichstaler schon 675 Kreuzer wert.
Die reale Kaufkraft der kleinen Münzen verfiel natürlich entsprechend. Die kleinen Leute, die oft nur wenige Kreuzer Lohn für ihre Arbeit erhielten, waren von dieser Geldentwertung am stärksten betroffen. Pfarrer, Lehrer, Soldaten aber auch sonstige Beamte und die Bezieher von festen Renten klagten über diese Lage. Die Warenproduzenten waren weniger stark geschädigt. Sie erhielten höhere Preise für ihre Güter.
Als das Volk den Betrug durchschaute und diese Münzen nicht mehr annehmen wollte und als die Fürsten bemerkten, daß sie auch im Ausland nur gegen "gutes Geld" einkaufen konnten - und sie daher vereinzelt sogar die Bezahlung der Steuern in altem Geld verlangten - überschlug sich die Empörung des Volkes. Die Fürsten erkannten, daß sie bei Bezahlung mit diesem schlechten Geld weder Soldaten noch Beamten anwerben konnten und kehrten 1623 zu den alten Verhältnissen zurück. Das "schlechte Geld" wurde außer Kraft gesetzt und ein*gezogen. Durch die Obrigkeit wurden überall feste Preise auf dem Niveau von vor 1616 angeordnet und es wurden "neue Münzen" geprägt, die wieder den vollen Silbergehalt hatten.
Man kehrte zu Kleinmünzen zurück, bei denen in Süddeutschland 90 Kreuzer einen Reichstaler ausmachten. Im Norden galt die Groschenwährung. Hier kamen 24 "Gute Groschen" oder 36 "Mariengroschen" auf den Taler.
Eine Köchin erhielt im 17. Jahrhundert etwa 10 Taler als Jahreslohn, ein Diener, der für seine Herrschaft zu*gleich schneidern konnte, verdiente sich vielleicht einen Jahreslohn von 24 Talern. Ein Paar Schuhe kostete vielleicht 70 Kreuzer, eine Frauenbluse 20 Kreuzer und ein Wams 24 Kreuzer. Abgesehen von kriegsbedingten, regionalen und vorübergehenden Teuerungen kostete während des dreißigjährigen Krieges ein Pfund Rindfleisch etwa 6 Kreuzer, ein Pfund Butter 7 Kreuzer und ein Huhn 8 Kreuzer. Ein Pfund Zucker kostete 25 Kreuzer, ein Pfund Fisch 15 - 20 Kreuzer und eine Gans 8 Batzen. Das Schulgeld für ein Jahr Lateinschule betrug 2 Taler, das Honorar für den ersten Besuch eines Arztes 1/2 Taler, bei einem weiteren Besuch war noch mal 1/4 Taler fällig.
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