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Alt 01.06.2020, 20:24
Ilja_CH Ilja_CH ist offline
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Ich habe fasse hier einige neue Erkenntnisse zu Gottfried Jenzer zusammen:

1. Im Staatsarchiv Luzern finden sich Untersuchungsakten gegen einen gewissen Bierbrauer Minder und Notar Jenzer aus Huttwil. Begründung: Jagenlassen der Hunde.

Die Untersuchung wurde am 8. Februar 1893 eröffnet und am 24. Februar 1893 eingestellt.

Zitat:
Am 8. Jänner 1893, als am Sonntag
jagten über Ufhusen bis Luthern, zwei
Jagdhunde, nämlich ein röthlicher & ein scheck,
als wäre es mitten in der Jagdzeit.
Der Unterzeichnete glaubte die Hunde ge-
hören dem Gottlieb Graber, im Warmisbach,
Ufhusen, wo ich Nachforschungen traf. Nun
weist sich aber Graber aus, daß das nicht
seine Hunde gewesen seien, sondern den
Herrn Bierbrauer Minder Huttwil &
Notar Jenser Huttwil gehören, welche
viel in unserm Kanton jagen, seit dem
Jagdabschluße; & stellt als Zeugen auf,
Fritz Sommer, im Hilferdingenberg, Ufhusen, &
Gottfrid Neuschwandter, Mühlenmatt, Ufhhusen,
welch die Jagd am 8. Jänner 93 von den zwei
Hunden genau kontrolirte, & die Hunde
für Minders & Jensers erkannten,
statt Graber’s.

Am 10. Februar gaben Minder und Jenzer zu Protokoll, dass das nicht wahr sei. Bierbrauer Minder sagt, er habe seinen Hund am 21. Dezember einer anderen Familie gegeben und deshalb müsse eine Verwechslung vorliegen. Notar Jenzer sagt, er würde nach Schluss der Jagd seinen Hund nie frei jagen lassen und hätte diesen an besagtem Tag (8. Januar 1893) unter eigener Aufsicht gehalten.

Das Verfahren wird kurz nach der Eröffnung eingestellt.

Obschon der Vorname nie erwähnt wird, glaube ich, dass das Gottfried Jenzer war. Nur er war zu jener Zeit Notar und vor allem wird im familienintern überlieferten Text (siehe Eröffnungsbeitrag) erwähnt, dass sein grosses Hobby die Jagd war.
In der Antwort Nummer 8 (Männerchor, Gewerbeverein usw.) tauchen mehrmals Männer mit dem Namen „Minder“ auf. Ev. war einer davon der Bierbrauer.

2. Im Archiv der Stadt Bern konnte ich zudem folgendes eruieren:

Von Lyss nach Bern umgezogen sind 1808 ehemaliger Notar Gottfried Jenzer, seine Frau Rosina Graber und die folgenden Kinder:
- Ernst Otto (18 Jahre)
- Hermann (14 Jahre)
- Martha Olga (13 Jahre)
- Emma Rosalie (12 Jahre)
- Johanna (9 Jahre)
- Helene Elisabeth (2 Jahre)
- Alice Erna (8 Monate).

Auch hier stimmt der im Eröffnungsbeitrag zitierte familieninterne Text, wonach die Familie 1908 von Lyss nach Bern zog.

Die grosse Familie zieht zum Breitenrainplatz 38a. Die Anmeldung erfolgt am 21. Juli 1908.

Die Gemeinde Lyss kann oder möchte die alten Einwohnerregister nicht durchschauen und hat mich ans Staatsarchiv vom Kanton Bern verwiesen, auch wenn diese nicht für die Einwohnerregister der einzelnen Gemeinden zuständig sind. Ich habe nun die Gemeinde Huttwil betreffend Wegzug Jenzer angeschrieben. So liesse sich die exakte Zeitspanne in Lyss bestimmen.

3. Schweizerische Landesausstellung. Diese fand statt vom 10. Mai bis 2. November 1914. Ein Sohn von Gottfried Jenzer – der Koch Friedrich Walter – arbeitet dort in der Küchenbrigade. Ein Foto belegt das. Daher wollte ich im Staatsarchiv des Kanton Bern recherchieren, ob ich Angestelltenlisten finde, habe aber nichts gefunden.

Dafür fand ich in der Korrespondenz etwas sehr Interessantes:

Am 14. Mai 1914 schrieb Gottfried Jenzer dem Generalsekretär der schweizerischen Landesausstellung in Bern einen Brief. Darin bietet Gottfried während dreier Wochen – seinen Ferien – an, gegen billige Entschädigung gerne zur Verfügung zu stehen. Er habe in Erfahrung bringen können, dass wegen der vielen Arbeiten Aushilfen gesucht würden. Im Antwortschreiben wurde Gottfried, der seinen Brief übrigens mit „Notar“ und „Revisor der kantonalen Steuerverwaltung“ unterzeichnete (Breitenrainplatz 38a), vom Zentralkomitee der schweizerischen Landesausstellung auf deren Büro am Bubenbergplatz 17 eingeladen.
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