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Forscher57 08.02.2021 16:43

Wolhynien - Warthegau - Mittelfranken
 
Die Suche betrifft das Jahr oder den Zeitraum: 1939 - 1945
Genaue Orts-/Gebietseingrenzung: Warthegau
Konfession der gesuchten Person(en): ev
Bisher selbst durchgeführte Internet-Recherche (Datenbanken):
Zur Antwortfindung bereits genutzte Anlaufstellen (Ämter, Archive):

Hallo liebe Forumsmitglieder,

1939/40 sind viele deutschstämmige Familien von Wolhynien in den Warthegau/Watheland umgesiedel worden.
Zum Ende des Kriegs sind sie dann nach Deutschland abgewandert oder vertrieben worden.

Mich interessiert besonders die Abwanderung oder spätere Vertreibung nach Mittelfranken (Bayern).

Kennt jemand Literatur oder Berichte darüber oder weiß etwas dazu?

Über Informationen darüber würde ich mich freuen.

Viele Grüße Fo57

Balthasar70 10.02.2021 15:58

Hallo Fo57,

die Umsiedlung ins Wartheland lässt sich ggf. über die Einwandererstelle Litzmannstadt (EWZ) nachvollziehen. Man müsste dann noch wissen, wo sie nach der Flucht nach Deutschland zunächst gelandet sind. Möglicherweise gibt es Transportlisten von dort aus nach Bayern.
Im Bundesarchiv kann man zudem nach Lastenausgleichsanträgen suchen. So bekommt man zu einzelnen Orten der Herkunft von Familien aus Wolhynien, sofern Anträge gestellt wurden, einen Bezug zum ersten Niederlassungsort in Deutschland nach dem Kriege.
Beides ist zu finden im Bundesarchiv:
https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/main.xhtml

Forscher57 10.02.2021 16:55

Hallo Balthasar70

danke für die Information.

Die EWZ-Unterlagen für Umsiedlung ins Warthgau habe ich. Das ist geklärt.
Es gibt auch viele Berichte darüber.

Nur die Umsiedlung oder Flucht nach Deutschland, hier nach Mittelfranken, ist völlig offen. Lastenausgleichsunterlagen habe ich angefragt, aber es liegen keine vor.

Ich weiß das einige aus dem Warthegau noch vor der Flucht (1943/44) nach Deutschland gekommen sind. Die meisten aber waren dann später auf der Flucht nach Deutschland.
Mich interessieren die Umstände und die Gegebenheiten dafür. Ich habe bis jetzt keine Literatur oder Berichte darüber gefunden.

Gruß Fo57

Pommerellen 13.02.2021 22:31

Hallo FO57,

Die Umstände sind relativ kurz zusammengefasst, am 12 Januar 1945 begann die russische Großoffensive und der gesamte mittlere Frontabschnitt bracht innerhalb von 4 Tagen völlig zusammen. Damit war der gesamte Warthegau völlig schutzlos bzw. es konnte keine Zeit gewonnen werden um eine Organisation aufzubauen. Die Stellungen in der Rückfront erwiesen sich als unhaltbar, bzw. wurden überrannt. Auch war der Fluchttrieb der Masse der Einheiten die sich im Kampfraum aufhielten, größer als die Bereitschaft zu kämpfen. Zudem war die Leitung der Wehrmacht nicht im Bilde da die Nachrichtenverbindungen und angeblichen Positionen nicht mehr vorhanden waren. Die aufgestellten Volksturmeinheiten etc. wurden "verheizt". Da der Gauleiter Arthur Greiser in Posen die Bevölkerung im unklaren ließ bzw. immer wieder die Sicherheit noch nach Beginn der Offensive betonte war niemand auf die Flucht vorbereitet. Was dann erfolgte war eine wilde Flucht, die mitten in Rückzug bzw. die vorrückende Offensive geriet. Die Russen waren schneller an der Oder wie die Flüchtlinge. Im Netz gibt es auch Informationen. Sie suchen natürlich spezielles zu ihrer Familie. Vielleicht findet sich bei der Ostdokumentation im Bundesarchiv in Bayreuth etwas. Das ist das selbe Archiv wie für die Lastenausgleichsakten. Hier werden Augenzeugenberichte, Ortslisten etc. gesammelt. Eine Anfrage könnte etwas bringen.
Wartezeit mir unbekannt, habe selber vor drei Jahren angefragt (per E-mail) und habe innerhalb von drei Wochen eine Antwort erhalten. Die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden steigt mit dem Fokus einer Suche. Mit einem Namen = Glücktreffer , mit einer Ortschaft = schon ehr ...

Mit vielen Grüßen

Forscher57 14.02.2021 09:50

Hallo Pommerellen,

danke für den interessanten Bericht.
Ich kann wohl davon ausgehen, dass es durch die „wilde Flucht“ keine Dokumente oder genauer Berichte gibt.
Die Anzahl der Zeitzeugen, die noch etwas berichten könnten ist wahrscheinlich sehr gering geworden. In meiner Familie lebt niemand mehr, der die Zeit miterlebt hat.

Schade, das ist wohl ein Kapitel in der Geschichte, das in Vergessenheit geraten wird.

Gruß Fo57

Pommerellen 14.02.2021 11:06

Hallo FO57,

Dokumente wird es nur wenige geben, doch hat der ein oder andere seine Erlebnisse niedergeschrieben. Ich kenne z.B. verschiedene private Aufzeichnungen die ich nur erhalten habe weil ich im Umkreis von Verwandten und deren Bekannten nachgefragt habe. Mit erstaunlichen Berichten. Oft haben die Zeitzeugen nicht darüber gesprochen und ein tiefes Trauma entwickelt, aber sich das Erlebte von der Seele geschrieben. In den Familien wurde nie offen darüber gesprochen oder nur Ansatzweise.
Diese schon angeführte Ostdokumentation hat mir z.B. aus Hinterpommern einen sehr ausführlichen Bericht von April 45 bis Jan. 46 gegeben mit vielen Namen etc. Auch gibt es einige Veröffentlichungen. Die Suche ist nicht so einfach. Ich habe mir auch viele Bücher aus der Fernleihe bestellt. Zum Thema Warthegau gibt es da schon etwas, auch in "militärischen" Abhandlungen steht das eine oder andere.
Noch ein Tipp, das Archiv in Posen hat sehr viele Dokumente aus der Besatzungszeit im Warthegau online gestellt. Das ist eine Menge Material von 1939 bis 45 vorhanden. Schulzeugnisse, Anträge.... aber auf viel verstörendes um es milde zu formulieren.

Viele Grüße

Forscher57 14.02.2021 12:38

Hallo Pommerellen,

dann werde ich mal weitersuchen.

Danke für den Tipp mit dem Archiv Posen, da werde ich mal suchen.

Gruß Fo57


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