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insa_ly 07.03.2012 22:06

Witwen
 
Hallo,

mir geht die Frage durch den Kopf, was mit den Hinterbliebenen passierte, wenn der Mann verstarb und die Witwe mit den Kindern nun allein da stand.

Mein Urururgroßvater, Jahrgang 1820, war bei seiner Heirat von Beruf Bäcker.
Ob er diesen Beruf auch später ausgeübt hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Die Familie lebte zum Schluss in Kunzendorf, Kr. Mohrungen.

Er verstarb im Jahre 1872 an den Folgen eines Unfalls.

Zurück blieb seine Witwe mit 4 Kindern im Alter von ca. 4-14 Jahren. Die anderen Kinder waren, denke ich mal, schon aus dem Haus.

Wie konnte die Witwe nun weiter überleben?

Liebe Grüße

Mechthild 07.03.2012 22:13

Zitat:

Zitat von insa_ly (Beitrag 512046)
Wie konnte die Witwe nun weiter überleben?

Hallo insa,

meist haben die Witwen wieder geheiratet, gerade dann, wenn noch kleine Kinder im Haus waren. Oftmals blieb es aber "in der Familie" sprich, einen Bruder/ Cousin des verstorbenen Mannes, man kannte sich ja schon.

Viele Grüße
Mechthild

insa_ly 07.03.2012 22:49

Ja, das wäre wohl naheliegend.

Das werde ich wohl aber nie erfahren, denn Kirchenbuchlage = sehr schlecht, nichts mehr vorhanden.

Vorausgesetzt, der Beruf des Bäckers wurde bis zuletzt ausgeübt, gehörte man da nicht einer Innung an? Hat diese sich dann nicht auch teilweise um die Hinterbliebenen gekümmert?

Ich stelle mir die Situation vor: der Ernährer stirbt und Reichtümer werden wohl eher nicht angehäuft worden sein. Bis zur nächsten Heirat musste man ja zumindest einige Monate das Überleben sichern.

Liebe Grüße

sternap 07.03.2012 22:49

bei meinen vorfahren gab es späte kinder. meist starb die mutter mit etwa fünfzig, und es waren noch unversorgte kleine da, die ältesten hatten schon eigene familie. sie mussten auf das erbe verzichten, der witwer heiratete eine jüngere frau als versorgerin der kinder.

in einem anderen fall bittet die sterbende mutter um 1800 herum den schon erwachsenen sohn, sich um die kleinen geschwister zu kümmern. er muss deswegen sein begonnenes studium abbrechen und in diensten gehen. von seinem geld gibt er dem vater für den unterhalt. als er selbst heiratet, nimmt er einen bruder in seine familie auf.

in den akten eines ortes meiner vorfahren gibt es abrechnungen von der waisenkassa, der vormund musste jede ausgabe für sein mündel belegen, aber alle texte, die ich bisher las, endeten mit dem tod der kinder. ganz so gut dürfte es ihnen nicht gegangen sein.

ein waisenkind kenne ich vom persönlichen hören seiner geschichte, es wurde von den "zigeunern" gestohlen, als sie in den ort kamen. bei ihnen ging es ihm dann viel besser als daheim, hungrig und lumpig wie er war, hatten sie sich seiner erbarmt. sie bildeten ihn als artisten aus. er wurde ein erfolgreicher zirkusmensch.

Mechthild 07.03.2012 23:00

Zitat:

Zitat von insa_ly (Beitrag 512071)
Bis zur nächsten Heirat musste man ja zumindest einige Monate das Überleben sichern.

nicht unbedingt, ich kenne Fälle, wo nach 6 Wochen die neue Trauung erfolgte. Außerdem darf man nicht von heute auf damals schließen: man war längst nicht so anspruchsvoll, und der Zusammenhalt der ureigenen Familie und auch der Dorfgemeinschaft war ein ganz anderer: man half, wenn es nötig war.

Viele Grüße
Mechthild

Mariolla 08.03.2012 08:19

Eine interessante Frage von insa_ly.
Mein 3x Urgroßvater verstarb 1840 und hinterließ die Witwe mit
9 minderjährigen Kindern. Sie hat bis zu ihrem Tod 1874 nicht wieder geheiratet!
Sicherlich hat es meine 3x Urgroßmutter nicht sehr leicht gehabt,
aber wie kam sie mit den Kindern durch das Leben?
Reichtümer waren gewiss nicht vorhanden, nur ein kleines Pachtgrundstück. Warum hat sie nicht wieder geheiratet?
Viele Grüße Mariolla

insa_ly 08.03.2012 18:24

Neun Kinder sind natürlich eine Menge.

Ich denke mal, viele Witwen könnten sich mit Näharbeiten durchgeschlagen haben, aber ob das reicht, wage ich zu bezweifeln.
Bei einem Pachtgrundstück musste wohl zusätzlich noch die Pacht gezahlt werden.

Oftmals denke ich: Hut ab! Wie haben die das nur geschafft.

Mariolla 08.03.2012 21:07

@ insa_ly,
ja, ich habe sehr große Hochachtung vor meiner 3x Urgroßmutter, sie muss
eine sehr starke Frau gewesen sein. Manchmal denke ich, wie schön wäre es, wenn man mal Zwiesprache in der heutigen Zeit halten könnte.
Viele Grüße Mariolla


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