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epischel 09.12.2012 09:47

Frage zu Verlustlisten 1. WK kuk Armee
 
Hallo,

mein Vater erzählt: "Dein Großvater (Ernst Karl PISCHEL aus Böhmen) war Soldat im 1. Weltkrieg. 1916 hatte er genug vom Krieg, ließ sich von der Front überrollen und geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Er floh aus dem Lager und schlug sich nach Wladiwostok durch, von wo er 1921 nach Europa ausschiffte."

Gestern habe ich hier im Forum einen Link auf eine Volltextsuche von Dokumenten in einem tschechischem Archiv gefunden. Dort habe ich meinen Opa tatsächlich in der Verlustliste ausgegeben am 27.6.1916 gefunden. Sein Eintrag lautet:
Zitat:

Pischel, Ernst Karl, Gefr., IR. 92, 15. Komp., Böhmen, Dux, Bilin, 1892; kriegsgef., Rasdolnoje, Gebiet Primorsk, Russland
Meine Fragen: Bedeutet dies, dass Ernst Karl am oder um den 27.6.1916 gefangen genommen wurde? Woher wusste das kuk Kriegsministerium, in welches Gefangenenlager er verbracht wurde (Rasdolnje lag tatsächlich nahe Wladiwostok (im Osten von Asien!!!))?

Weitere Recherchen ergaben übrigens, dass die Geschichte mit der Flucht wohl nicht stimmte (sie erschien mir schon immer unwahrscheinlich, einfach aufgrund der Entfernung Europa - Wladiwostok), aber die deutschen Kriegsgefangenen vorwiegend nach Sibirien kamen und ich habe auch Erwähnungen des genannten Lagers gefunden:
  1. in der angegebenen Schreibweise bei Google Books: "Kriegsgefangen: Objekte aus der Sammlungdes Archivs und Museums der Kriegsgefangenschaft, Berlin, und des Verbandes der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen Deutschlands e.V., Bonn-Bad Godesberg, im Deutschen Historischen Museum
  2. in einer Dissertation von Georg Wurzer "Die Kriegsgefangenen der Mittelmächte in Rußland im Ersten Weltkrieg", Universität Tübingen, 2000 (gibt auch als Buch), hier ist der Ortsname mit "Razdol`noe" transliteriert.
Die ganze Recherche hat Dank Internet und der digitalisier-freudigen Tschechen nur wenige Stunden benötigt - ich bin immer wieder erstaunt!

mumof2 09.12.2012 13:26

Hallo epischel,

wenn die Verlustliste vom 27.06. ist, dann ist Dein Großvater vorher in Gefangenschaft geraten. Ein Beispiel: ein Verwandter von mir geriet am 25.02.1915 in Gefangenschaft in Galizien, sein Mutter wußte davon am 27.06.1915 und er wird in der Verlustliste vom 09.10.1916 aufgeführt!
Er kam über Tscheliabinsk im Süd-Ural auch nach Sibirien, nach Chita. Auch er soll, so die Familie, zu Fuß geflohen sein, als Bettelmönch verkleidet, um nicht sprechen zu müssen (und sich somit nicht zu verraten). Im März 1918 war er wieder in Stettin.
mum of 2


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