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Anna Sara Weingart 23.11.2021 22:40

Sindelfingen 1668

Den 5. Augusti. Ist Daniel Bernhardts Knäblin Hanns Jerg Seines alters 7 Jahr 8 Monat gestorben, nach deme es zuvor mit andern in den Sommerhofer Waldt ausgeritten, und der grossen dollen nachtschatten (welches schwartze glützende beer so gros als Judenkürschen sein, wachsen auf steidlin [Stauden] eines halben mans groß, dickh wie ein finger oder wie ein rohr von feickheln stöckhen, stehen einzechtig, blühen zu vor, welche blüest hernach fünfspitz [fünfblättrige Blüte] ..., sihet [sieht aus] wie ein sternlein eines thalers gros, worauf auch das beer stehet, sonsten habens die leuth underschidlich geheißen wolfsbeer wildbeer etc., obgesetzter Nam aber ist in einem In Dianischen Creuterbuch sampt deßen operation und tugendt, das nemlich sechs [Beeren] sollen taubsichtig machen, gefunden worden) geeßen [gegessen], nach 8 stunden gantz sinnlos und taubsichtig worden, nachgehendts über die 24 stund lang gestorben

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Tollkirsche
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:...lla-donna0.jpg

Anna Sara Weingart 23.11.2021 23:26

Zitat:

Zitat von Anna Sara Weingart (Beitrag 1416040)
... stehen einzechtig, blühen zu vor, welche blüest hernach fünfspitz [fünfblättrige Blüte] ..., sihet [sieht aus] wie ein sternlein eines thalers gros, worauf auch das beer stehet ...

Nachtrag/Korrektur: mein Zusatz "[fünfblättrige Blüte]" ist an dieser Stelle falsch. Denn es waren vom Pfarrer stattdessen die fünf spitzen Kelchblätter gemeint, die nach der Blüte unter der Beere zu sehen sind und nicht die eigentlichen Blütenblätter (Kronblätter)

Sbriglione 24.11.2021 00:00

Ein mit ziemlicher Sicherheit interessanter Todesfall betraf den gleichnamigen Sohn meines Vorfahren Philipp HERTEL in Klingenberg am Main im Jahre 1678 (seine Eltern dürften nicht gerade glücklich über die Umstände gewesen sein - er starb unverheiratet mit 24 Jahren):

"Bestattet wurde Philipp Hertel, der vor seiem Tod litt, was er durch Schmerz, Laute und Zeichen zu verstehen gab und sich deshalb im Fieberwahn selbst die Kehle wegschnitt und der vielleicht noch lange weiterleben würde, wenn seine Eltern den pfarrlichen Rat befolgt hätten und alle Messer und Küchenutensilien weggeschafft hätten und auf ihn, wie vom Pfarrer gemahnt, aufgepasst hätten". (aus dem Lateinischen übersetzt mit Unterstützung diverser Leute auf diesen Seiten)...

Sbriglione 24.11.2021 00:18

Sterbeeintrag einer meiner Vorfahrinnen aus Dardesheim im Jahre 1687:

"Den 30ten September Frau Ilse HOLLEN, Mstr. Matthia BEHRENS nachgelaßene Witwe, mit einer Leichenpredigt beerdiget, alt 56 Jahr. NB: Sie ist in ihrem eigenen Garten von einem Wein-Diebe mit 3 1/2 Lot Steine todt geworffen, noie Hanß Lorentz, von Rohrsheim gebürtig".

Ein Jahr später (1688) findet sich im gleichen Sterberegister der folgende Eintrag:

"Den 16ten November Hanß LORENTZ, Simon EITZENS Schwieger-Sohn, aus Rohrsheim bürtig, durch das Schwerdt vom Leben zum Tode gebracht, weil er Anno 1687 den - September Ilsen HOLLEN mit einem Steine todtgeschmißen hat".

LutzM 24.11.2021 00:54

Das finde ich mal sehr interessant! :)

consanguineus 24.11.2021 01:13

Spektakulär! Und das gewissermaßen vor meiner Haustür.

Weltenwanderer 25.11.2021 18:21

Ein Mensch in Stücke gerissen
 
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Hallo,

anbei ein sehr grafisch beschriebener Todesfall von 1877.
Die standesamtliche Heirat der Braut war am 29.09.1877 in Laurahütte.
Der genannte ZENCZ war mit vollständigem Namen Johann ZIENCZ; dieser wurde um 1846 in Danietz Kreis Oppeln geboren und starb infolge der erlittenen Verletzungen am 01.10.1877 im Knappschaftslazarett zu Siemianowitz Kreis Kattowitz. Verheiratet war er mit Agnes GAYDZIK.
Die beiden genannten Kinder starben dann leider auch 1877 und 1878 in Hugokolonie.

Quelle: Militscher Kreisblatt, Jg. 39, Nr. 40, S. 334, Samstag, 06.10.1877

LG,
Michael

Sbriglione 25.11.2021 20:03

Ein Sterbeeintrag aus Weißensee in Thüringen aus dem Jahre 1601:

"18 die May Ist nach Urtheil und recht, mit dem Schwerdt gerichtet worden, Leonhard Setzpfandt, ein Bürger alhier, welcher, mit Dorothea, Melichois Fleischmann seligen hinterlassenen tochter, ehbruch begangen.
Und ist sie zur Staupe geschlagen, und des landes ewig vorwiesen worden.
Und dieweil der Hencker oder Scharffrichter, aus eile und unbeschiedenheit ihn nicht recht gerichtet hatt, ist der Meister mit Steinen zu tode geworffen worden von den frömbden Leuten und etlichen Soldaten, die damals seind zu der Verschwertigung kohmen, widder des Rechts willen, und enrstes Verbott".

Sbriglione 25.11.2021 20:13

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Der Schreiber des vorgenannten Kirchenbuches hatte offensichtlich auch eine Freude an der drastischen Darstellung mancher Hinrichtungen (so zum Beispiel der hier dargestellten Verbrennung einer "Hexe"):

Ursula 25.11.2021 21:50

Zitat:

Zitat von Sbriglione (Beitrag 1416427)
Ein Sterbeeintrag aus Weißensee in Thüringen aus dem Jahre 1601:

"18 die May Ist nach Urtheil und recht, mit dem Schwerdt gerichtet worden, Leonhard Setzpfandt, ein Bürger alhier, welcher, mit Dorothea, Melichois Fleischmann seligen hinterlassenen tochter, ehbruch begangen.
Und ist sie zur Staupe geschlagen, und des landes ewig vorwiesen worden.
Und dieweil der Hencker oder Scharffrichter, aus eile und unbeschiedenheit ihn nicht recht gerichtet hatt, ist der Meister mit Steinen zu tode geworffen worden von den frömbden Leuten und etlichen Soldaten, die damals seind zu der Verschwertigung kohmen, widder des Rechts willen, und enrstes Verbott".

Das ist ja schauderhaft.

LG
Uschi


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