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PISA911 20.01.2021 20:00

Allg. Frage zu den Zuenften
 
Ich wuerde gerne mehr ueber das Zunftwesen und die Gebraeuche lernen, auch ob es regionale, nationale und internationale Unterschiede gibt.


Meine Vorfahren waren Goldschmiede, Toepfer, Stellmacher, Messerschmiede, Waffenschmiede und Schlosser in und um Riga, von mir bisher gefunden um 1750 - 1900.

Den kirchlichen Eintragungen nach mal einfach, mal Gesellen, mal Meister. Zeitlich nicht immer in der richtigen Reihenfolge.
Und dann habe ich auch noch einen der wohl Stellmachermeister wurde nach der Heirat zu einer Stellmachermeisterwitwe!

Diesbezueglich eine konkrete Frage: musste er schon in dem Betrieb als Stellmacher taetig gewesen sein, bzw der Zunft angehoeren, um den Titel und den Betrieb der Witwe mituebernehmen zu koennen.

Ich hatte gelesen, dass eine Witwe innerhalb zwei Jahre nach dem Tod des Meisters wieder geheiratet haben musste, oder sie verlor den Titel.


Wenn jemand links hat zu diesem Thema waere ich sehr dankbar!


Ausserdem, weiss jemand ob es vollstaendige Listen der Zunftmitglieder gibt und ob die digital einsehbar sind?
Ich habe ueber eine Gesellschaft eine Liste der Kleinen Gilde in Riga gefunden, dort aber nur einen meiner Vorfahren dort finden koennen.

Gehe ich Recht in der Annahme, dass in Riga Stadt schon darauf geachtet wurde, wer den Titel Meister fuehren darf und wer nicht?


Freu mich schon auf Antworten,

Petra

holsteinforscher 03.02.2021 23:33

Moinsen zusammen, ich versuche mal, die Fragen etwas abzuarbeiten, zumind. aus meiner Erfahrung heraus:
1.) Ausserdem, weiss jemand ob es vollstaendige Listen der Zunftmitglieder gibt und ob die digital einsehbar sind?
Hier heisst es wirklich die Archive abklappern: Stadt/Kreis/Landesarchive. Hier kann man oft schon im Vorwege recherchieren, Stichwort z.B. Zunftarchivalien. Oftmals findet man hier z.B. Wanderbücher, Zunftordnungen, Mitgliederverzeichnisse usw..
Vollständige Listen wird man wohl weniger finden, hier muss *Freund Zufull* tüchtig unter die Arme greifen. Interessant könnten aber noch die sgn. Zunftladen sein, die sich oftmals bei den Obermeistern einer Zunft befinden.


2.) Ich hatte gelesen, dass eine Witwe innerhalb zwei Jahre nach dem Tod des Meisters wieder geheiratet haben musste, oder sie verlor den Titel.
Eine *Meisterwitwe* blieb eine Meisterwitwe. Problematisch wurde es nur, wenn die
Familie einen eigenen Meisterbetrieb hatte. Hier wurde dann i.d.R. ein *Setzmeister* aus der Zunft eingesetzt, bis die Wwe. wieder geheiratet hat, nicht selten war es dann der *Setzmeister*.


Im Netzt finden sich auch zahlreiche Abhandlungen zum Thema *Zünfte*


Wichtig bei diesen Aussagen ist die Zeit, in denen die Vorfälle stattgefunden haben...!!!

PISA911 04.02.2021 00:36

Zitat:

Zitat von holsteinforscher (Beitrag 1335856)
Moinsen zusammen, ich versuche mal, die Fragen etwas abzuarbeiten, zumind. aus meiner Erfahrung heraus:
1.) Ausserdem, weiss jemand ob es vollstaendige Listen der Zunftmitglieder gibt und ob die digital einsehbar sind?
Hier heisst es wirklich die Archive abklappern: Stadt/Kreis/Landesarchive. Hier kann man oft schon im Vorwege recherchieren, Stichwort z.B. Zunftarchivalien. Oftmals findet man hier z.B. Wanderbücher, Zunftordnungen, Mitgliederverzeichnisse usw..
Vollständige Listen wird man wohl weniger finden, hier muss *Freund Zufull* tüchtig unter die Arme greifen. Interessant könnten aber noch die sgn. Zunftladen sein, die sich oftmals bei den Obermeistern einer Zunft befinden.


Danke, aber fuer mich in Neuseeland nicht sehr praktikabel, Europareise nur zum Recherchieren kann ich mir leider nicht leisten. :wink:



2.) Ich hatte gelesen, dass eine Witwe innerhalb zwei Jahre nach dem Tod des Meisters wieder geheiratet haben musste, oder sie verlor den Titel.
Eine *Meisterwitwe* blieb eine Meisterwitwe. Problematisch wurde es nur, wenn die
Familie einen eigenen Meisterbetrieb hatte. Hier wurde dann i.d.R. ein *Setzmeister* aus der Zunft eingesetzt, bis die Wwe. wieder geheiratet hat, nicht selten war es dann der *Setzmeister*.


Im Netzt finden sich auch zahlreiche Abhandlungen zum Thema *Zünfte*


Ich habe durchaus einiges online gelesen, mir ist dabei aufgefallen, dass viele Details regional unterschiedlich gehandhabt werden.



Wichtig bei diesen Aussagen ist die Zeit, in denen die Vorfälle stattgefunden haben...!!!

Ich hatte oben angeben, dass es um Riga im 18 und 19. Jahrhundert geht.

Da die Archive nun auf lettisch gefuehrt werden, ist eine Suche dort sehr schwierig. Ich koennte z.B. jetzt nicht auf Anhieb sagen, wo/ welches Archiv ich durchsuchen muesste. :(

Frank K. 04.02.2021 10:09

Hallo Petra,


die Geschichte der Gilden, sowie deren Einteilung oder Regularien ist teilweise von Region zu Region unterschiedlich, aber in mancher Hinsicht doch wieder ähnlich.
Bei den Gilden handelt es sich grundsätzlich um Zusammenschlüsse verschiedener Berufsgruppen, bzw. Handwerksgruppen.


Grundsätzlich war es jedoch im Baltikum (speziell in Riga) so geregelt, dass es eine
- Große Gilde gab, in der Kaufleute Mitglied werden konnten
- Kleine Gilde gab, in der sich die verschiedenen Zünfte der Handwerker zusammengeschlossen hatten.

Es gibt verschiedene Literatur über diese Thematik.
Grundlegend (für) Riga ist das Werk von Friedich Brunstermann aus dem Jahr 1902: Die Geschichte der Kleinen oder St. Johannis - Gilde in Wort und Bild.
Dieses kannst Du Dir auch aus dem Internet als PDF herunter laden.
In diesem Buch werden auch ausführliche Listen von Innungen und Mitgliedern aufgelistet. Es ist ein grundlegendes Werk.

Auch wird die geschichtliche Entwicklung, das Entstehen, sowie der Zweck dieser Gilden beschrieben.
Ich hoffe, mit diesem kleinen Hinweis weiterhelfen zu können.
Viele Grüße

Frank

Billet 04.02.2021 20:05

Anfragen über Zünfte an die jeweilige
Kreishandwerkerschaft richten :!

Frank K. 04.02.2021 20:53

Zitat:

Zitat von Billet (Beitrag 1336148)
Anfragen über Zünfte an die jeweilige
Kreishandwerkerschaft richten :!

diese Aussage ist leider in diesem Fall nicht zielführend, da der Themenersteller sich mit seiner Frage auf ein ehemaliges deutsches Siedlungsgebiet bezieht.
Über die Gilden im Raum ehemaliges Baltikum hilft das nicht weiter, da der Bezug dorthin seit der Umsiedlung 1939 nicht mehr relevant und möglich ist, außer über das jeweilige Staatsarchiv.
Viele Grüße
Frank

Xtine 04.02.2021 21:41

Hallo Frank,

war mein Fehler! Ich hatte Billets Antwort nach dem Auskoppeln eines Beitrags auch hier hinein kopier.

PISA911 05.02.2021 00:09

Zitat:

Zitat von Frank K. (Beitrag 1335922)
Hallo Petra,


die Geschichte der Gilden, sowie deren Einteilung oder Regularien ist teilweise von Region zu Region unterschiedlich, aber in mancher Hinsicht doch wieder ähnlich.
Bei den Gilden handelt es sich grundsätzlich um Zusammenschlüsse verschiedener Berufsgruppen, bzw. Handwerksgruppen.


Grundsätzlich war es jedoch im Baltikum (speziell in Riga) so geregelt, dass es eine
- Große Gilde gab, in der Kaufleute Mitglied werden konnten
- Kleine Gilde gab, in der sich die verschiedenen Zünfte der Handwerker zusammengeschlossen hatten.

Es gibt verschiedene Literatur über diese Thematik.
Grundlegend (für) Riga ist das Werk von Friedich Brunstermann aus dem Jahr 1902: Die Geschichte der Kleinen oder St. Johannis - Gilde in Wort und Bild.
Dieses kannst Du Dir auch aus dem Internet als PDF herunter laden.
In diesem Buch werden auch ausführliche Listen von Innungen und Mitgliedern aufgelistet. Es ist ein grundlegendes Werk.

Auch wird die geschichtliche Entwicklung, das Entstehen, sowie der Zweck dieser Gilden beschrieben.
Ich hoffe, mit diesem kleinen Hinweis weiterhelfen zu können.
Viele Grüße

Frank


VIELEN DANK fuer das link, genau was ich suchte!!
Hoffe ich kann darin was mehr zu meinen Vorfahren finden!!


:danke2::held:

PISA911 05.02.2021 04:37

Ich habe mal in die verschiedenen Gilden reingeschaut und zunaechst nur einen meiner Vorfahren finden koennen.


Meine erste Frage, wenn in den Rigaer Kirchenbuechern jemand als Toepfermeister oder -geselle notiert wird, muesste er dann nicht in der Gilde sein?

Und zweitens, was fuer Handwerker waren Goldschmiede und wo wurden die registriert: ein Vorfahr wurde von Goldarbeiter zum Goldschmied, alles wie vorher gesagt in der Regel in den Taufregistern seiner Kinder.



LG Petra

Frank K. 05.02.2021 12:01

Hallo Petra,
danke für die Rückmeldungen. Es ist immer schön, helfen zu können.

In Riga geb es ein eigenes Goldschmiedeamt, das schon seit Beginn des 16. Jahrhunderds bestand. 1542 wurden die Bestimmungen im "Rigaer Schragen der Goldschmiede" festgelegt, die seitdem gegolten haben.
Darin wurde dann (siehe 1. Frage) uch festgelegt, welche Bedingungen dafür galten, wenn jemand in das Amt aufgenommen werden wollte. Es wurde auch festgelegt, was "Lehrlinge" angeht, oder welche Voraussetzungen man erfüllen musste, um Meister zu werden und in das Amt der Goldschmiede aufgenommen zu werden.
Nur die Goldschmiede hatten dann das Recht, zu arbeiten und eigene "Werke" herzustellen.

Zu den Goldschmieden in Riga selbst gilt: es gab seinerzeit in Riga über den ganzen Zeitraum über 130 Goldschmiedemeister, die eigene Werkstätten hatten.

Fallst Du weitere Fragen zu den Goldschmieden hast, dann benutze bitte das Thema im Unterforum Batikum.
Ich hoffe mit diesen Erklärungen etwas weiter helfen zu können.

Viele Grüße
Frank


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