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Octavian Busch 17.03.2021 15:12

Ich nochmal.
Habe noch einen ungewönlicheren Todesfall:
Gottfried Bergmann, gestorben in Zettlitz am 18.08.1793 "5 Uhr, an den Folgen eines 8 Tage zuvor geschehenen Falles von einem Kirschbaum."
Gruss
Thomas

TükkersMitÜ 03.04.2021 15:14

Beim Durchsuchen des ev. Kirchenbuchs Mühlatschütz (Krs. Oels/Schlesien) bin ich auf folgendes gestoßen: https://www.ancestry.de/imageviewer/...2&pId=10729951

Ich habe es nur überflogen, aber anscheinend ist eine junge Frau 1708 nach einem Badeunfall gestorben. Der Pfarrer hat aber vermerkt, dass diese junge Frau im Wochenbett ihre Seele "dem Argen" (= dem Teufel?) versprochen hatte. Dies bereitete dem Pfarrer viel Kopfzerbrechen. Am Ende hat er sie wieder bekehren können.

Viele Grüße
Annika

LutzM 03.04.2021 15:53

Spannend! Findet sich jemand, der es vollständig transkribiert? Ich kann leider nur Teile lesen.

Franz3 19.04.2021 17:32

Im Obstkeller erstickt?
 
Servus,

einen Eintrag im Sterberegister von Lenggries (an der Isar) von 1770

AEM München-Freising CB219 Lenggries-St. Jakob - 1619-1970
Signatur CB219, M4040, S. 304 ganz unten

lese ich als
"Maria Rechthalerin soluta vom Cränzler in cella á vapore prunarium suffocata"

wobei "suffocatus" in diesem Register auch bei Ertrinken in der Isar verwendet wird.

Erny-Schmidt 19.04.2021 19:05

Hallo Andrea,
Zitat:

Zitat von Andrea1984 (Beitrag 1347950)
Ihr findet soviele interessante Todesfälle. Ich habe, bis dato, "nur" folgende gefunden, vor allem an Krankheiten: Typhus, Tuberkulose, Lungenentzündung, Herzschwäche, Altersschwäche, Syphilis (bei einer Dame), sowie diverse Krebsarten.

Das ist bei meinen Vorfahren kaum anders. Bisher habe ich lediglich einen Todesfall wegen Cholera gefunden, während der Epidemie 1831/32. Interessanter ist eine Legitimationskarte von 1832, die noch im Original vorliegt. Wer in jenen Jahren verreiste, musste sich so eine Karte bei der Polizei besorgen und in jeder Herberge mit Stempel bestätigen lassen, dass er dort gesund angekommen ist. Fast wie heute ...


Gruß E. Schmidt.

Svenja 19.04.2021 19:33

Hallo

Zufällig habe ich letzte Woche in einem Museum in der Schweiz auch so ein Original-Papier aus dem Jahr 1831 oder 1832 gesehen, in dem bestätigt wurde, dass die betreffende Person seit so und so viel Tagen in keinem Ort war, wo die Cholera herrschte, und dass in der niederländischen Stadt, die das Papier ausgestellt hat, auch seit einem bestimmten Datum kein Cholera-Fall mehr aufgetreten sei. Das Ganze musste ich selber aus dem niederländischen übersetzen, denn das Museum hat dieses Papier nur lapidar als "Passierschein" betitelt.

Gruss
Svenja

Blättchen 20.04.2021 02:25

Transkription
 
Hallo,

Zitat:

Zitat von LutzM (Beitrag 1357074)
Spannend! Findet sich jemand, der es vollständig transkribiert? Ich kann leider nur Teile lesen.

Transkription des oben von TükkersMitÜ (#842) erwähnten Eintrags aus dem Kirchenbuch von Mühlatschütz (zeilen- und buchstabengetreu, aber mit heutiger Groß- und Kleinschreibung):

Den 27. Decembr. ist Anna Heyderin, gebohrne Auligin zu Müh-
latschütz in einem Bad unmächtig worden, bald darauf von e. hefftig
Brustfluß überfallen u. in einer halben Stund gestorben. NB Diese
Persohn Anna Heiderin hat in ihrem Wochenbett dem Argen ihre See-
le versprochen |: laut dero Bekentnüß | : welche mir viel Näch-
te den Schlaf aus den Augen gewischt und viel Arbeit gemacht, so das ich
auch die Feyertage über Tag u Nacht fast bey ihr gewesen, u hertzinnigst Jesum
angerufen umb Vergebung der Sünden. Sie ist des Morgens umb
9 Uhr in Ohnmacht geblieben, u den Sontag darauf mit einer
polnischen Leichpr[edigt?] beerdiget worden. Ihres Alters 23 Jahr 10 Wochen.

LutzM 20.04.2021 08:20

Dankeschön! Was es alle so gab...

TükkersMitÜ 29.04.2021 12:27

Am 11. März 1841 starb in Spiegel (bei Landsberg an der Warthe) die 70-jährige Louise Dorf, Ehefrau des Joh. Ludwig Schneider, an Altersschwäche. Wenig später, am 26. März, stirbt ihr 74-jähriger Ehemann. Todesursache: "Schnitt sich den Hals ab".

Erny-Schmidt 30.04.2021 22:34

Zitat:

Zitat von Svenja (Beitrag 1362334)
Zufällig habe ich letzte Woche in einem Museum in der Schweiz auch so ein Original-Papier aus dem Jahr 1831 oder 1832 gesehen, in dem bestätigt wurde, dass die betreffende Person seit so und so viel Tagen in keinem Ort war, wo die Cholera herrschte, und dass in der niederländischen Stadt, die das Papier ausgestellt hat, auch seit einem bestimmten Datum kein Cholera-Fall mehr aufgetreten sei. Das Ganze musste ich selber aus dem niederländischen übersetzen, denn das Museum hat dieses Papier nur lapidar als "Passierschein" betitelt.

Die von mir erwähnte Legitimationskarte hatte ich schon vor zig Jahren entdeckt. Sie betrifft eine Reise von Halle/S. nach Nordhausen und zurück. Zunächst dachte ich, im feudalen und bürokratischen Preußen wäre es normal gewesen, dass für solche Reisen Anträge gestellt werden mussten (wie später in der DDR, falls eine gewisse Grenze zwischen A und B lag :wink:). Erst Jahre später fand ich im Internet, dass das Maßnahmen gegen die Cholera waren. Interessanterweise ist die Mutter des Antragstellers einige Monate später an Cholera gestorben. Mit 52 Jahren ...


Gruß E. Schmidt.

Bienenkönigin 05.05.2021 16:30

Hallo zusammen,

noch ein Fall von Epidemie:
Im Jahr 1631 bricht in der Gegend von Tepl, Böhmen, die Pest aus.
Die folgenden drei Seiten listet fast nur Pesttote auf.
Manchmal wurde die "Jugend" (alle Kinder) einer Familie ausgelöscht. Tragische Schicksale.
Und da waren einige Orte dann ziemlich entvölkert. Vielleicht ließen sich daraufhin meine Vorfahren dort nieder?
Viele Grüße
Bienenkönigin
https://www.portafontium.eu/iipimage...esto-02_1500-z

assi.d 06.05.2021 16:42

Hallo Bienenkönigin, wen suchst du denn aktuell in Tepl? Bin da schon viele Jahre "unterwegs"....

Gruß
Astrid

Bienenkönigin 06.05.2021 21:50

Zitat:

Zitat von assi.d (Beitrag 1366996)
Hallo Bienenkönigin, wen suchst du denn aktuell in Tepl? Bin da schon viele Jahre "unterwegs"....

Gruß
Astrid

Hallo Astrid,
ich hab dann letztendlich keinen von meinen Namen gefunden, war nur ein Herumstochern.
Mein Spitzenahn wurde vermutlich 1654 in Podmokl geboren (vielleicht auch Anischau).
Die Kirchenbücher, in dem Fall Cihana01, beginnen 1635, aber mit wenigen Einträgen und keinen, die mich weiterbringen.
Es geht immer noch um die mehrfach erwähnte Penkert-Sippe :wink:

Jetzt bin ich ihnen schon dreieinhalb Jahrhunderte auf der Spur, aber weiter zurück komm ich vermutlich nicht, da dann wohl auch das Archiv Pilsen nix nützt, wenn es gar keine so alten Kirchenbücher gibt...

Viele Grüße
Bienenkönigin

assi.d 07.05.2021 14:34

Also "Penkert" ist mir im Umkreis Tepl leider auch noch nicht begegnet....und gefühlt habe ich JEDES KB mehrfach durchgelesen. Ich halte trotzdem die Augen offen.

LG
Astrid

Bienenkönigin 07.05.2021 15:39

Zitat:

Zitat von assi.d (Beitrag 1367322)
Also "Penkert" ist mir im Umkreis Tepl leider auch noch nicht begegnet....und gefühlt habe ich JEDES KB mehrfach durchgelesen. Ich halte trotzdem die Augen offen.

LG
Astrid

Danke dir!
Irgendwann geht es vielleicht weiter, über Grundbucheintragungen, oder ein entfernter Cousin fährt ins Archiv, oder...
Aber gibt ja noch genug andere lose Enden :wink:
LG
Bienenkönigin

Sbriglione 15.05.2021 15:20

Meine kuriosesten Fälle:

- bei einer Hochzeitsfeier ist die Scheune abgebrannt und neben dem Brautpaar starben auch etliche andere Teilnehmer der Feier;
- ein Vorfahre (von Beruf Gastwirt) ist betrunken von einer Leiter in seinem Gasthaus gestürzt und am Genickbruch verstorben;
- ein Vorfahre von mir hat versucht, einen Heuwagen mit durchgehenden Pferden zu stoppen, der dabei unglücklich auf ihn gefallen ist (seltsamerweise ist derjenige seiner Söhne, von dem ich abstamme, gleichfalls unter einem umstürzenden Wagen verendet);
- ein anderer Vorfahre, von Beruf Zimmermann, erlitt beim Einsturz einer Mauer, an der er gearbeitet hat, eine schwere Beinverletzung und starb dann an Blutvergiftung;
- eine meiner Vorfahrinnen überraschte in ihrem Garten einen Weindieb, der daraufhin einen Stein auf sie warf und sie unglücklich so am Kopf traf, dass sie daran starb (schlimm auch für den Täter, der nämlich gefasst und später mit dem Schwert gerichtet wurde);
- einer meiner Vorfahren stürzte beim "Äpfel schütteln" so unglücklich vom Baum, "dass er Todes verblich";
- eine meiner adligen Vorfahrinnen soll im Jahre 1477 aus ungeklärter Ursache aus einem Burgfenster gestürzt und daran gestorben sein.

Weniger kurios, aber aufgrund der Doppelung schon irgendwie seltsam: zwei Männer meiner engeren Verwandtschaft, die beide den gleichen Beruf hatten (als Bahnarbeiter mit der Kontrolle und Reparatur von Bahngleisen beschäftigt) sind unabhängig von einander im Bereich eines Rangier-Bahnhofes von Lokführern übersehen worden und haben die Loks aufgrund des Gesamtlärms auch ihrerseits nicht rechtzeitig wahrnemen können...

Sbriglione 15.05.2021 15:30

Mir ist übrigens im Nachhinein noch eine Todesursache eingefallen, zu der es sogar ein noch zu besichtigendes Denkmal gibt (die hat aber mit meiner Ahnenforschung überhaupt nichts zu tun):
Im Bereich des Hohensteins im Süntel gibt es einen Gedenkstein für einen Jagdknecht, der von einem Wildschwein getötet wurde...

Andre_J 15.05.2021 16:13

Nomen est omen:

Elisabeth Maria van de Water ist im Alter von zwei Jahren in einem Wasserfaß ertrunken:

https://www.landesarchiv-nrw.de/digi...15068_0019.jpg

Gruß,
Andre_J

Sbriglione 26.05.2021 10:31

Mein neuester (extrem tragischer) Fall:

ein kleines Mädchen (2 Jahre alt) ist in den 1850er Jahren gestorben, nachdem es versehentlich Schwefelsäure getrunken hatte...

HelenHope 29.05.2021 21:18

Wow, ein sehr spannender Thread.

Ich hab hier eine wahre Geschichte über den Tod eines Bruders meiner Uroma, Kasimier Faßbender. Sie ist so klischeehaft, dass ich mir das Schmunzeln leider nicht verkneifen konnte, als ich sie hörte.


Kasimier geriet auf einem jährlichen Fest im Ort gut angetrunken in Streit mit einem seiner Brüder.
Er verließ dann das Fest, ging heim, trank noch mehr und stürzte schlussendlich eine schmale Treppe hinunter und verstarb.
Haus und Treppe gibt es heute noch...

HelenHope 20.06.2021 11:39

Gerade hat auf facebook jemand einen Artikel aus Belgrad gepostet :

Aus einem Volksglauben heraus wurden die Toten vor der Beerdigung im Sarg festgenagelt.

Nun starb der Schwiegervater eines frisch vermählten Bräutigams scheinbar und der Schwiegersohn besorgte den Nagel und stieß ihn dem vermeintlichen Leichnahm durch die Brust. Der war aber nur scheintot, schrie auf und starb an der Herzdurchbohrung.

Da bekommt jemanden festnageln eine ganz neue Bedeutung (wobei der Spruch evtl mit dem Brauchtum sogar zu tun hat ? )

Jettchen 21.06.2021 09:20

Zwei traurige Todesfälle unter meinen Ahnen, die mir schon unter die Haut gehen:



Im Januar 1751 starb Nicol Sieber in Steinbach a.d.Haide tragisch.
Er hat sich "zu Tode gesoffen" und wurde in dem Haus einer Frau, die Branntwein ausschenkte, tot hinter dem Tisch gefunden.

Was für ein trauriges Leben wird er geführt haben!
Wie alt er genau wurde, weiß ich nicht. Ich vermute knapp 60. Er hatte drei Ehen hinter sich.



1670 wird in Römhild Anna Barbara Müller geb. Schunder im Alter von 40 Jahren als "Hexe und Zauberin" enthauptet und verbrannt. Der Pfarrer hat dies sehr ordentlich im Kirchenbuch nierdergeschrieben. Leider sind keinerlei Akten zu ihrem Prozess aufzuspüren.


Ja, ja - die "guten" alten Zeiten!
Jettchen

Su1963 21.06.2021 13:26

Zitat:

Zitat von HelenHope (Beitrag 1379612)
Gerade hat auf facebook jemand einen Artikel aus Belgrad gepostet



Moderne Sagen ("urban legends") gab es zwar schon lange vor facebook (z.B. "Die Spinne in der Yuccapalme"), :p sie gedeihen aber dort ganz besonders prächtig :D


Gruß, Susanna

Jen89 15.07.2021 16:52

Hinrichtung 1710 in Walternienburg
 
Anno 1710, 8 Octobr
ist Catharina Margaretha Hän-
selin, eines Tagelöhners und Ein-
wohners in Dorenburg, sonsten bey
Prödel gebürtig, allhier decolli-
ret und aufs Rad geflochten
worden, welche ihrem Manne
eine Suppe mit Ratten-Pulver [?]
gekocht, davon auch seiner Mut-
ter gegeben und gleich davon
gestorben; der Mann aber
ist durch filsame Medicamenta
erhalten und wieder curiert wor-
den, nachgehend sich wieder in
den Ehestand begeben.


Archion: Mitteldeutschland: Landeskirchenarchiv Magdeburg > Elbe-Fläming > Walternienburg > Taufen, Trauungen, Beerdigungen 1622-1721
Bild 195

SarahEmelie 26.07.2021 20:47

Gerade in KB von 1652-1718 der Hallig Hooge entdeckt. Der traurige Todesfall ereignete sich im Jahr 1676. Der im Begräbniseintrag erwähnte Schwager Paye Backsen und seine Frau Krincke (die hier nur als Frau von Paye und später als Schwester von Siecke und nicht namentlich genannt wird) sind meine Vorfahren.


"Den 7. Oct. (war der Sonnabend für den 20. Trin. Sonntag) begab sich abermahl ein trauriger Fall: Seicke Bandick Harsens jüngste Tochter war mit ihrer Schwester Vollig (welche morgen Hochzeit halten solle) Brautbette nach des Bräutigams Hause hingegangen. Hier für nun den Abend mit ihrem Schwager Paye Backsen, seiner Frauen und Haye Hansen unter Trommeln und Trompeten Schall frölich und gutes Muhtes auf den Wagen nach Hause fahren, und durch den Damm an ihrem Warfte hindurch kommen, gleitet das Hindertheil des Wagens (weil der Hang wegen des eingefallenen Regens sehr glat) und stürzen da dann in den stinkenden Graben, worin sich die Edel... erg..., zugleich hinein (Haye Hansen war abgetreten den Damen zu eröffnen). Seicke kam unter ihrer Schwester zu liegen, worden doch alsbald alle drei von Haien ... heraus gezogen, und Seike in ihren Eltern Hause gebracht. Anfänglich zwar empfindet sie nichts, begehret man solle ihr die Kleider wieder trocknen, sie gedencke morgen wieder zur Hochzeit zu gehen. Wie sie aber ins Bett gekommen, fühlte sie sich und soll den morgenden Tag nicht erleben. Fällt darauf in ein Schlummern, und bleibet darin lang, in den Tode übereilet, ehe jemand von den Nachbahren dazugekommen, daß es kaum die Mutter, welche ihre Kleider trocknete, und der aufgeweckte Bruder erfahren. O Herr lehr uns bedencken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden! Wurden also die angestellte Freuden in Trauertage und Klagen verwandelt. Der ... ward den folgenden Donnerstag in volckreicher Versammlung in der Kirche ein gesunken, nachdem sie das Licht dieser Welt gewesen 21 Jahre und 23 Wochen."

Mismid 26.07.2021 23:45

Hier noch eine ausgiebige Beschreibung des Tagesablaufs vor dem Tod in Neuenstadt am Kocher



http://www.archion.de/p/8da4e4d625/


1736


d. 21 Oktober Dom. 21. p. Trin. trug sich nachfolgender casus traoicus zu Hl. Joseph Burckhard, hochfürstl. Brunnenmeister, auch Rathsverwandter und Zimmermann allhier, ein guter, feiner Mann, welcher übrigens einen christlichen Wandel führte, doch aber dabei in einer uneinigen Ehe lebte, war schon vor dem morgenlichen Gottesdienst mit seiner Ehfrauen, wegen der Kinderzucht, in einiger Streitigkeit geraten, und beschwerte sich über die selbigen, daß sie ihn vor ihrem Bezänck nicht einmahl zu seinem Gebet einige Ruhe laßen wollte, ginge aber daraufs zur Predigt in die Kirche. Als er nun nach vollendetem Gottesdienst wieder nach Haus kehrte, und mit den Seinigen, doch auch nicht ohne Zanken, die Mittagsmahlzeit eingenommen hatte, überließe ihn ein Bürger von U. Sultzbach, und forderte ihnen etl. Batzen ab, welche er ihm vor 6 Jahren her, wegen Arbeit, noch schuldig geblieben wäre. Seine Ehefrau finge hierüber an, ihn auf ein neues heftig zu schelten, und ob er schon des Zanckens und Haderns dadurch ein Ende machen wollte, daß er zu seinem Eidam (Schwiegersohn) welcher in der unteren Stuben seines Hauses wohnte, und ein Huthmacher war, mit dem Sulzbacher Mann hinunter ginge, um den selbigen daselbsten, durch Ausdehnung eines neuen Huthes, wegen seiner Anforderung zu befriedigen so loeße doch seine Frau ihm auch noch die Stiege hinunter, und continuierte daselbst ihr Zancken und Schelten so lang, bis endlich ernannter Joseph Burkchardt sich von dem Zorn übernehmen ließ, derselbigen ein paar Straiche versetzte und sie von sich zurückstieß, welche sich aber alsbald wieder aufdrapierte und ihm einen solchen Stoß beibrachte, daß er vor sich, mit dem Gesicht auf den dabeistehenden Herd hinfiele, den Hals entzweibrach und als plötzlich ohne noch ein einiges Wort zu sprechen, seinen Geist aufgeben mußte. Gott sey seiner armen Seele um Jesu Chriti Willen gnädig und barmherzig, und laße die so betrübte exempel allen uneinigen Eheleute zur Warnung dienen. Den 23. darauf wurde er ehrlich und christl. begraben, dabei wurde eine Leichenpredigt über Matthäus 24, 41, 42 gehalten worden. Sein Alter war 51 Jahr.

LutzM 27.07.2021 06:41

Schöne Schilderungen! Danke Euch beiden!

Erny-Schmidt 30.07.2021 23:13

Ungeklärter Kriminalfall, 1734
 
entfernte Verwandte des Generals Maercker geben Gottlieb Mäercker als ihren frühesten bekannten Vorfahren an. Über diesen Herrn sowie seine spätere Wittwe hat das Landesarchiv diverse Gerichtsakten im Angebot z.B.
1732: A 9c XIVb, Nr. 948
Der Untertanen zu Trotha und Kröllwitz Beschwerde über den Mühlenmeister Mercker wegen neuerlicher gewaltsamer Abnahme der Kleien,

oder
1734: A 9c XIXb, Nr. 208
Die Untersuchung des Amts Petersberg und desselben intendierte Pachtung von dem Mühleninspektor Gottlieb Märcker

Im November 1734 brachte es der Mühleninspektor schließlich zum Amtmann des Amtes Petersberg:
A 9c XIXb, Nr. 209
Übergabe des Amts Petersberg an den Amtmann Gottlieb Märcker
Dieses Amt hatte er indes nicht lange inne, wie diese Akte aus dem Jahre 1736 beweist:
A 9c XIXb, Nr. 210
Die Verfertigung eines neuen Pachtanschlages vom Königlichen
Amt Petersberg und dessen anderweitige Verpachtung an die Witwe Johanna Sibylle Märcker
Berichten seiner Nachkommen zufolge wurde der Amtmann noch 1734 in Trotha bei Halle vom dortigen Holzförster erschossen, angeblich wurde er beim Wildern erwischt. Dazu hat das Landesarchiv seltsamerweise keine Gerichtakte! Angeblich soll dazu was im Trothaer Kirchenbuch stehen, das ist aber noch nicht bei Archion online und Termine beim Magdeburger Kirchenarchiv zu bekommen, ist momentan schwierig. Es sieht so aus, als hätte sich der Mühleninspektor den Zorn der Trothaer Müller zugezogen ...

consanguineus 31.07.2021 16:14

Hallo zusammen!

Nicht meine Vorfahrin, aber die Frau des Brudersohnes eines Vorfahren und, nach dessen Tod, die Frau von dessen Neffen 2. Grades, des Bruders eines anderen Vorfahren, also schon irgendwie Familie:

"Des Ackermanns und Freysaßen Tile Bötel Ehefraw Anna Euphrosine Behrens hat sich d(en). 25ten Maij, des Mittags um 11 Uhr mit einem Barbier=Meßer, womit sie sich 11 Schnitte gethan, davon 3 am Unter-Leibe gefunden sind, wodurch das Netz laediret worden, die übrigen 8 aber, so am Hals geschehen und durch die Kehle gegangen sind, selbst ermordet; der Leib derselben ist auf hiesigem Kirchhofe auf der Hoff-Grab-Stätte beerdiget worden, aet(atis): 56 Jahr."

Was mag sie dazu bewogen haben, sich das Leben zu nehmen? Und wieviel körperlichen Mutes es bedurft hat, es auf diese Weise zu tun! Fast wie Seppuku. Gott sei ihrer Seele gnädig.

Viele Grüße
consanguineus

Nachtrag: das Drama spielte sich übrigens im Jahre 1777 ab.

Gudrid 31.07.2021 19:12

Ob der Guten nicht jemand nachgeholfen hat? 8x durch die Kehle gegangen das Messer?

consanguineus 31.07.2021 19:16

Du wirst doch wohl die Glaubwürdigkeit des Kirchenbuches nicht anzweifeln? ;)

consanguineus 01.08.2021 13:14

Irgendwie eine seltsame Geschichte. Die Puzzlestücke ergeben kein sinnvolles Bild. Wenn es Selbstmord war, warum wurde die Tote auf dem Friedhof beerdigt? Oder galt für Familiengrabstellen etwas anderes? War es vielleicht doch Mord, was man ja aufgrund der beschriebenen Verletzungen durchaus annehmen könnte? Aber wer ermordet eine 56 Jahre alte Frau vormittags um 11 Uhr? Soll ein Mord gedeckt werden, und man macht "offiziell" einen Selbstmord daraus? Kaum denkbar in einem kleinen Dorf, in dem sicherlich nichts geheim bleibt.

Gudrid 01.08.2021 15:10

Also wenn das Selbstmord (ich hasse dieses Wort) war, ist die Geschichte maßlos übertrieben. Niemand sticht sich selber 8 x in den Hals, vor allem, wenn er schon Stiche im Bauch hat. Spätestens beim zweiten oder dritten ist er hinüber. Für mich eindeutig Mord.
Ahnenforschung wäre ja nicht so spannend, wenn es nicht immer wieder gelöste und ungelöste Rätsel gäbe.

TükkersMitÜ 01.08.2021 22:33

Zitat:

Zitat von consanguineus (Beitrag 1388717)
Wenn es Selbstmord war, warum wurde die Tote auf dem Friedhof beerdigt? Oder galt für Familiengrabstellen etwas anderes?

In Zedlers Universal-Lexicon gibt es einen sehr interessanten Artikel über den Selbstmord. Darin wird beschrieben, dass Selbstmörder auf dem Friedhof begraben werden können (aber ohne Glocken, Predigt etc), wenn sie zum Tatzeitpunkt nicht wussten, was sie tun, z.B Melancholiker. Heute würde man es wohl psychisch krank nennen.

Wenn man sich dagegen umbringt, weil man Schulden hat oder ähnliches, also genau weiß, dass man "gegen Gott sündigt", dann wird man am Richtplatz verscharrt.

Den Zedler kann man übrigens auch online einsehen https://www.zedler-lexikon.de/index....teiformat=1%27)

Viele Grüße
Annika

consanguineus 01.08.2021 22:44

Hallo Annika,

das ist eine sehr interessante Nachricht, nicht nur auf diesen Fall bezogen. Vielen Dank!

Viele Grüße
consanguineus

DenniL 02.08.2021 06:33

Zitat:

Zitat von consanguineus (Beitrag 1388509)
Hallo zusammen!


"Des Ackermanns und Freysaßen Tile Bötel Ehefraw Anna Euphrosine Behrens hat sich d(en). 25ten Maij, des Mittags um 11 Uhr mit einem Barbier=Meßer, womit sie sich 11 Schnitte gethan, davon 3 am Unter-Leibe gefunden sind, wodurch das Netz laediret worden, die übrigen 8 aber, so am Hals geschehen und durch die Kehle gegangen sind, selbst ermordet; der Leib derselben ist auf hiesigem Kirchhofe auf der Hoff-Grab-Stätte beerdiget worden, aet(atis): 56 Jahr."


Nachtrag: das Drama spielte sich übrigens im Jahre 1777 ab.


Wie kann man sich denn selbt 11 Schnitte zufügen?
Borderliner vielleicht. Das wäre am Leib glaubwürdig. Aber 8 Versuche am Hals? Bei sich selbst?
Das klingt für mich unglaubwürdig.


Der Ärmsten wurde etwas angetan, ist meine Meinung.

consanguineus 02.08.2021 07:42

Aber warum schreibt der Pastor dann etwas von Selbstmord? Welches Interesse könnte er daran haben, einen Mord zu vertuschen?

Mr. Black 02.08.2021 10:15

Zitat:

Zitat von Gudrid (Beitrag 1388737)
Niemand sticht sich selber 8 x in den Hals,

Alles ist möglich. Ich habe von einer älteren Dame gelesen, die genau das gemacht hat - x Stiche in den Hals - allerdings mit einer Gabel - was aber nicht zum Tod führte; am Ende sprang sie aus dem Fenster und verstarb einige Zeit später.

Menschen sind höchst kreativ, was das (Selbst)Töten angeht.

Alles Gute

Marcus

mumof2 11.08.2021 15:52

In der Wiener Alservorstadt, 'in der Stadt 113' wird am 08.02.1802 ein Totenkopf aus dem Mist gegraben.

https://data.matricula-online.eu/de/...03-008/?pg=173

Tim0111 17.08.2021 13:41

Zitat:

Zitat von Roswitha (Beitrag 354028)
Hallo,

eine Vorfahrin ist 1652 "von der Scheune zu Tode gefallen".

Die Frau eines Bruders meines direkten Vorfahren starb 1835 "am Wandel ihrer Natur". Ich habe nicht herausfinden können, was das bedeutet.

Viele Grüße
Roswitha


Am Wandel ihrer Natur könnte vllt bedeuten an Altersschwäche gestorben


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