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Friedrich 17.07.2017 19:34

Zur Abschreckung für fremdgehende Pastorentöchter
 
Und hier ein wirklich heftiger Fall aus dem KB Vöhl von 1631. Zur Info: Der Vater war der amtierende Pfarrer Rapp[ius].

Zunächst der Eintrag aus einer Pfarrerliste zu Beginn des Buches:
In Anno p. 1631 den 5ten Februarij des Abends zwischen 9 und 10 Uhren, ist obg[enannter] Herr Rapp[ius] mit seiner Hausfr[au] auß Jost Bocks Haus zu Voehl kommen, da seiner Schwester Gerdraudt Weinkauf in sein Haus gehalten, und alß g[enannter] Pfarrer heimkommen hat er einen jungen Gesellen bey seiner Tochter Regina im Bette gefunden wie er sagt, und nach demselben mit einem Messer gestochen und seiner Tochter das Herz im Bett abgestochen, daß sie alsbald gestorben. Und deswegen der Pfarrer die Nacht ausgewichen und flüchtig worden und vom Dienst kommen, hat sich demnach zu Cassel vor einen Soldaten annehmen lassen u. eine zeitlang eine Musquet getragen.

Im eigentlichen Beerdigungsregister zu Regina Rappius steht dazu folgendes:
... Des Abends zwischen 9 und 10 Uhren in ihrem Bette, in die Brust ubers Hertz mit einem Messer gestochen und sie auß dem Bette geschlagen, das sie in der Todtesnacht auß dem Hausse bey Johann Volmars Scheure gelauffen u. Hülff geruffen, der sich als sie im Wege nidergesunken, neben andern, in seine Stube getragen, darin sie uber ein Viertel Stunde gelegen und gestorben. Und hat der Pfarrh[err] ihr Vater gesagt, er hätte einen jungen Gesellen bey ihr im Bette funden, nachdem er hätte gestochen und sie getroffen.

Wie muß ich den letzten Satz verstehen? Hat er zugestochen, sie getroffen und erst dann gemerkt, daß da der Geliebte lag?
Oder war da kein Geliebter, und der Pfarrer durch Alkoholgenuß so enthemmt, daß er die Tochter, die vielleicht bei anderer Gelegenheit schon mal "auf ein Stößchen geplaudert hat", loswerden wollte?

Ein Fall für die Kriminalisten!
Watson, hol schon mal den Wagen, und Harry, übernehmen Sie!

Friedrich

Posamentierer 17.07.2017 21:07

Hallo Friedrich,

vielleicht viel simpler:

Zitat:

er hätte einen jungen Gesellen bey ihr im Bette funden, nach dem er hätte gestochen und sie getroffen.

Xtine 17.07.2017 22:25

Hallo Friedrich,

vom Gebot "du sollst nicht töten" hatte der Herr Pfarrer wohl auch nicht gehört 8o8o
Mal ganz abgesehen davon, ob er es auf den Geliebten abgesehen, aber die Tochter getroffen hatte, oder ob er es direkt auf sie abgesehen hatte :cry:8o

Und zur "Buße" wurde er Soldat??
Naa naa naa (Hochdeutsch: nein, nein, nein)! Erbarme, die Hesse komme!:wink:

Matthias Möser 17.07.2017 23:16

Deshalb auch die Mahnung, nicht auf Obstbäume zu klettern......:-/

Gruß:wink:
Matthias

HuiBuh 25.07.2017 19:03

Gerade entdeckt:

Johann Gerstner, Posthauptschaffner a. D.
* 09.06.1900
+ 24.12.1986 "um 10 Uhr 00 Minuten in Laufen, im Neuen Friedhof, Feld 04, Reihe 05, vor dem Grab Nr. 15 und 15 a"

Schon ein trauriger Zufall, wobei man sich fragt wer dort beerdigt war, seine Frau starb bereits 10 Jahre zuvor...

Andrea1984 25.07.2017 20:07

Das ist ein tragischer Zufall, irgendwie.

Araminta 26.07.2017 20:33

Ich habe eine Sterbeurkunde von einem Urahn bekommen. Der Pfarrer hat nebenbei ein Anmerkung gemacht:
"Von diesem Mann kann nichts besonderes gesagt werden. Er war nicht der arbeitsamste, und nicht friedfertig".

Dafür, dass man über den Mann nichts sagen kann, war das schon sehr viel, denn sonst hat der Pfarrer über keinen anderen Verstorbenen auf der Seite einen Vermerk gemacht.

Stolz kann man darauf nicht sein, aber wir haben hier viel darüber gelacht. Vielleicht hatte er ja einen kleinen Streit mit dem Pfarrer gehabt.

Wenn ich demnächst mal keine Lust auf Arbeit habe (Urlaubsreif bin) oder mich jemand ärgert, kann ich es ja auf die Gene schieben :)

Friedrich 02.08.2017 14:54

Hätte es damals genaue Standesamtsregister und das Guinessbuch der Rekorde gegeben...
 
Moin zusammen,

in Elsoff starb 1612 eine Frau, die angeblich 120 Jahre alt war:

Den 17t martij des nachts ist gestorben Haiderichs Engen, das älteste weib hie im ganzen Land, welche über 120 jahr alt geweßen: nach deme sie noch kurz hiebevor zu weg und steg hatt gehen können u. viell essen mögen.


Wenn sie noch so mobil war und mit gutem Appetit versehen... Hoffentlich war sie nicht dement, dann hatte sie doch einen wirklich guten Lebensabend... Und das große Elend des 30jährigen Krieges ist ihr erspart geblieben. Das traf Elsoff nämlich mit voller Härte. Überfälle, zwei Pestwellen...

Friedrich

renatehelene 02.08.2017 19:04

Masel tov

Friedrich 02.08.2017 21:22

Ich ermorde weiter...
 
... aber nicht selber, sondern, werte Interessierte und Interessiertinnen von ungewöhnlichen und gewaltsamen Todesursachen, ich habe wieder einen Fall eines Mordes, der in einem Kirhenbuch geschildert wird. Dieses Mal aus dem Kirchenbuch Arfeld in Wittgenstein.

Zunächst der Mord: Den 27ten Xbris [1682] ist Mstr. Valentin Gerhardt hiesiger Müller ein noch lediger Gesell auß der Balten gebürtig nach Mitternacht mit seiner eigenen Zimmeraxt hinder dem Feuer auf einer Banck meuchelmörderischerweise, auff einen eintzigen Schlag hinderm linken Ohr ermordet, und den 12ten ejusdem alhier ehrlich zur Erden bestattet worden, wer der, oder die Meuchelmörder gewesen, knn man noch zur Zeit nicht wissen.

Den 17ten Augusti [1683] ist Hanß Henrich Hackler, bürdig von Rückershaussen, des heroben ermeldten ermördeten Müllers StiefVatter, welcher seinen Stiefsohn seinem eygenen Bekändnuß nach jamerlich ermordet, zu Laspe bey dem gericht iustificiret worden, und mußte Hr. Diaconus Horn und Ich, uff gn: Befehl, beide uff einen Wagen, einer forn, der andere hinden sitzend, den armen Sundern biß zu seiner Gerichtsstellen trösten.


Friedrich


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