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Ferdix 26.12.2020 18:16

FN Schiebendrein
 
Familienname: Schiebendrein
Zeit/Jahr der Nennung: ab mind. 1665 bis heute
Ort/Region der Nennung: Burgenland (Walbersdorf), u.a.


Ich habe Vorfahren mit dem Namen Schiebendrein. Sie lebten damals Mitte des 17. Jahrhunderts und die meisten auch heute noch fast ausschließlich in Walbersdorf (ungar.: Borbolya, Borbala) [heute Burgenland in Österreich] oder vereinzelt in benachbarten Ortschaften. Damals gehörte es zu Ungarn, heute zu Österreich. Ethnisch waren es Deutsche/Österreicher.

Mich würde interessieren was dieser Name bedeutet. Setzt sich der Name aus "schieben" und "drein" (=rein ?) zusammen? Oder hat es eine ganz andere ursprüngliche Bedeutung? Selten wurde der Name auch "Schoibendrein" (in Agendorf/Ágfalva) oder "Sibendrein" geschrieben. Wobei das "d" im drein auch schon mal zum "t" wurde oder das lange i in "schieben" zum kurzen i, oder das "e" in der Endung von "schieben" weggelassen wurde.

Wen die weitere Transformation des Namens interessiert:

Der Name veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte bei zwei Umzügen/Auswanderungen. Beim Umzug von Ungarn nach Hessen blieb der Name "Schiebendrein" (1668) unverändert. Beim Umzug von Hessen ins Elsass wurde daraus "Schubdrein" (ca. 1710). Und bei denen, die 1749-52 nach Amerika (Georgia) auswanderten wurde der Name zunächst zu "Schubtrein", dann gab es noch einige weitere seltenere Mischformen und schließlich wurde es "Shuptrine". So heißen die Nachfahren dort noch immer.

Saraesa 10.01.2021 19:48

Etwas Eindeutiges zu diesem Nachnamen zu finden, ist sehr schwer. Bei Familysearch wird bei Daniel Schubdrein folgendes zum Nachnamen vermutet:
Zitat:

Both names, Schubdrein and Maennlein could be Swiss. Schubdrein is Schupdrey or Schubdrei at times. It also is mentioned as coming from "third drawer or third wave," which could mean several different things.
Vielleicht könnte man die Autorin anschreiben und nachfragen, woher die Quelle zu dieser Bedeutung stammt.

Ferdix 11.01.2021 00:27

Ich danke dir für den Link. Dort wird genau von meinen Vorfahren geschrieben. Neue Informationen sehe ich dort leider nicht (Möglichkeit der Kontaktaufnahme sehe ich auch nicht). Mit der dortigen Interpretation der Namen Männlein und Schubdrein stimme ich nicht überein. "Männlein" ist zwar tatsächlich schweizerischen Ursprungs, aber Schubdrein als schweizerischen Ursprung meine ich widerlegt zu haben. Alle Spuren führen, teils auf Umwegen, ins Burgenland. Außerhalb ist der Name praktisch nicht existent und wenn doch, sind es nach meinen Erkenntnissen Nachfahren eben dieser Schiebendreins im Burgenland.

Auch wenn keine eindeutige Erklärung für die Bedeutung dieses Namens gegeben werden kann, so wäre es trotzdem hilfreich, wenn jemand aus Erfahrung mit Namen in Österreich hier eine Idee hätte. Spekulationen sind willkommen.

Saraesa 11.01.2021 01:10

Zur Kontaktaufnahme:
Rechts auf "Shubdreins" klicken. (Direkt unter "Einem Album hinzufügen")
Im neuen Fenster auf den Nutzernamen klicken. Dort sollte die Mailadresse und die Funktion "Nachricht senden" angezeigt werden.

Zita 11.01.2021 08:51

Hallo Ferdix,
ich spekuliere mit:

Schiebendrein = Satzname?
Schieb-ihn-[Verbindungslaut d]-rein
Schieb-ihn-drein („drein“ ist im Dialekt eigentlich „dazwischen“)
Schieb-in-d[ie]-Rein (die Rein = großer, flacher Topf)

Hier noch ein Gedicht aus einem anderen Sprachraum:
https://books.google.at/books?id=qbQ...ndrein&f=false
Das Meel mit Säcken schieben drein (untere Hälfte) - vielleicht ein Berufs- oder Spottname für einen Bäcker? Oder eine andere Berufsgruppe, wo es diese Phrase gab?

Die Variante "Siben.." würde ich eher auf einen Matrikenschreiber zurückführen, der ungarisch im Hinterkopf hatte, weil s als sch ausgesprochen wird (vgl. die nahe liegende Stadt Sopron).

Liebe Grüße
Zita

Laurin 11.01.2021 15:29

Hallo,

nach reiflicher Überlegung bin ich auch der Annahme, daß der FN Schiebendrein ein sog. Satzname sein kann -
zum Adverb "darein-> drein -> hinein" + Verb "schieben" = "dreinschieben, hineinschieben".
Naheliegend wäre dann u.a. ein Berufsübername für einen Bäcker ("schiebt Brot in den Ofen"),
aber auch für andere Berufsgruppen denkbar.

Xylander 11.01.2021 15:51

Hallo,
auch für mich klingt es nach einem Satznamen. Im Zusammenhang mit Brot sollte der dann aber Schiebsdrein lauten.
Viele Grüße
Xylander

Zita 11.01.2021 23:05

Hallo Xylander,
als "native speaker" hätte ich eher "der La(i)b Brot" als "das Brot" im Ohr. Von da her würde es wieder passen.
Liebe Grüße
Zita

Xylander 12.01.2021 08:23

Hallo Zita,
ja dann passts. Alternativ denke ich an igendwas mit schief oder mit einschieben/eingeschobenes Grundstück.

Besten Gruß
Xylander

Zita 12.01.2021 08:39

Hallo Xylander,

an das "dazwischen einschieben" hab ich auch schon gedacht, weil es gut zum "drein" passen würde.

Noch ein paar Ideen (ohne onomastisches Wissen, aber vielleicht inspiriert es dich noch :wink:):
- ein Findelkindname
- schieben und Schirm klingen im Dialekt gleich, ungefähr "schiam"; schief bleibt schief (mit langem i, kein ia)

LG Zita

Ferdix 12.01.2021 09:51

Danke für eure vielen Beiträge. Gibt es andere Namen wo „Schieben“ oder „drein“ Bestandteile des Namens sind und wo die Entstehung/Bedeutung bekannt ist? Vielleicht könnte man von solchen Fällen ableiten. Mir ist in Österreich z.B der ähnliche Name „Mittendrein“ aufgefallen.

Kann man aus der späteren Veränderung des ersten Namensteils von „Schieben“ in „Schub“ noch Schlüsse ziehen? Ist ein Dialekt im Elsass (konkret im Ort Weyer) verantwortlich für die Veränderung? In Hessen (in Esch bei Idstein) war es noch „Schiben“drein und mit dem ersten Auftauchen im Elsass plötzlich „Schub“drein.

Xylander 12.01.2021 10:13

Hallo Alex,

Mittendrein ist kein Satzname, sondern wohl ein von einem mitten dazwischenliegenden Flurstück oder Haus abgeleiteter FN des Typus Wohnstättenname, Zita mag mich korrigieren.
Die Bedeutung ist aber ähnlich wie eine der von uns vermuteten.
Die Elsässer mit ihrem Schub haben das vielleicht auch so interpretiert.
Hast Du eine Karte oder Liste der Walbersdorfer Flurnamen?
Kann es sich um einen eingedeutschten ungarischen Namen handeln?
Viele Grüße
Xylander



Laurin 12.01.2021 11:27

@Xylander:

Lt. Franziszeischem Kataster scheint es im Bereich Walbersdorf (Bg.Ld.) keinen ähnl. Flurnamen zu geben:
https://mapire.eu/de/map/cadastral/?...839.1304246895

Ferdix 12.01.2021 12:46

Einen Flurnamen in der Umgebung von Walbersdorf oder Agendorf, der „Schieb“ enthält, habe ich nicht finden können. An die Möglichkeit, dass es ein eingedeutschter ungarischer Name sein könnte, habe ich auch schon gedacht. In den ungarischen Volkszählungen von 1715 und 1720 sind mir aber keine ähnlich klingenden ungarischen Namen aufgefallen, und wenn es nicht nach dem Klang ging, müsste es eine Übersetzung aus dem Ungarischen sein. Habe leider null Ungarisch-Kenntnisse. Ich glaube aber eher, dass es deutschen Ursprungs ist. Die Familie Schiebendrein kann ich leider aufgrund der Quellenlage nicht weiter als bis in die 1660er Jahre zurückverfolgen. Fakt ist aber, dass der Name 1715/20 und auch später nur in und um Walbersdorf vorkam (abgesehen von den Auswanderern).

Xylander 12.01.2021 12:58

Zitat:

Zitat von Laurin (Beitrag 1327798)
@Xylander:

Lt. Franziszeischem Kataster scheint es im Bereich Walbersdorf (Bg.Ld.) keinen ähnl. Flurnamen zu geben:
https://mapire.eu/de/map/cadastral/?...839.1304246895

Ich entdecke auch keinen, auch hier nicht
https://de.wikipedia.org/wiki/Walber...%96denburg.jpg
Aber unzählige Hufenparzellen, da könnte es schon Einschübe geben.

@Alex
Das sieht mir da schon sehr deutschsprachig aus, wobei man aber die political correctness der Karten in Betracht ziehen muss.
Parallelbildungen suche ich noch. Hier gibts einen oberösterrechischen Scheibenreif

https://books.google.de/books?id=F0q...Schieb&f=false

Viele Grüße
Xylander


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