Ahnenforschung.Net Forum

Ahnenforschung.Net Forum (https://forum.ahnenforschung.net/index.php)
-   Erfahrungsaustausch - Plauderecke (https://forum.ahnenforschung.net/forumdisplay.php?f=38)
-   -   Ist es Liebe oder ist es Sucht? (https://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=215269)

el_marocco 19.01.2022 17:25

Ist es Liebe oder ist es Sucht?
 
Liebe Gleichgesinnte,
während der Quarantäne infolge meiner Corona-Erkrankung kam ich auf die Idee, mich mal kurz mit meinen Ahnen zu beschäftigen. Ich ging davon aus, dass dies nach ein paar Tagen erledigt wäre. Aber weit gefehlt: Ich habe richtig Feuer gefangen und wühle oft stundenlang in den alten Kirchenbüchern, um mehr über meine Ahnen herauszufinden. An manchen Tagen gilt der letzte Gedanke vor dem zu-Bett-gehen den Ahnen, und auch der erste frühmorgens nach dem Aufstehen. Das ist ja fast so wie vor vielen Jahrzehnten, wenn ich mal wieder frisch verliebt war ;). Ist das nun Liebe, oder sollte ich besser einen Suchtberater aufsuchen? Wie geht es euch in dieser Richtung?
Viele Grüße
Ulrich

Horst von Linie 1 19.01.2022 18:05

Katrinkasper sagte mal:
Ahnenforschung ist der Sex des Alters.

consanguineus 19.01.2022 18:26

Zitat:

Zitat von Horst von Linie 1 (Beitrag 1430536)
Ahnenforschung ist der Sex des Alters.

Ich dachte, das sei Golfspielen...

Geschichtensucher 19.01.2022 18:49

"Das müssen wir beobachten", sagt der Doktor.:D


Also ich BEOBACHTE das bei mir auch. Und versuche, Maß zu halten. Das heißt: Ahnenforschung nur in der wirklich freien Zeit. Dann, wenn andere fernsehen, basteln oder ihr Auto polieren... Und ich habe biografisch zurückgeguckt: diesen Süchtel-Platz hatten schon Ebaysucht (2003), Symptomegoogeln (2015), Krimilesen und Renovierungpläne etc etc bei mir eingenommen. Da ist doch Ahnenforschung nicht das Schlechteste. Trotzdem: Selbstkontrolle ist nötig, glaube ich. Da nützen alle Fragen, die sich auch andere potentiell Süchtige stellen sollen, bezüglich Abhängigkeit, sozialer Isolation etc...


Nun ist aber Ahnenforschung auch nicht das schlechteste Hobby. Man lernt viel dabei, und wer dann auch die Orte seiner Vorfahren besucht, erweitert seinen Horizont. So erlebe ich das.


Also kurz gesagt: Mein Gott, lasst uns doch, andere Leute saufen!


LG Iris

el_marocco 19.01.2022 19:32

Nun ist aber Ahnenforschung auch nicht das schlechteste Hobby. Man lernt viel dabei, und wer dann auch die Orte seiner Vorfahren besucht, erweitert seinen Horizont. So erlebe ich das.

Damit hast du es auf den Punkt gebracht, Iris! Unglaublich, was mir alles durch den Kopf geht, wenn ich nach meinen Ahnen forsche, und was mir inzwischen über die Lebensverhältnisse vor langer Zeit bewusst geworden ist.
Als Kind habe ich Briefmarken gesammelt und beim Betrachten der bunten Bildchen von fernen Ländern geträumt, und jetzt sammle ich Ahnen und versuche mich, in deren Zeit zurückzuversetzen.

Und das Allgäu, die Heimat meiner Ahnen, möchte ich demnächst auch mal besuchen. Dort soll es sehr schön sein. Das lohnt sich auf jeden Fall!

Xtine 19.01.2022 19:49

Hallo Ulrich,

vermutlich hast Du mal das hier eingenommen:
Genealogamin

Seit 2019 auch als Ahnirin (+ hier) bekannt.

el_marocco 19.01.2022 20:03

Zitat:

Zitat von Xtine (Beitrag 1430579)
Hallo Ulrich,

vermutlich hast Du mal das hier eingenommen:
Genealogamin

Seit 2019 auch als Ahnirin (+ hier) bekannt.

Genau das war es :)))

Scherfer 19.01.2022 20:23

Zusammenfassend: Es ist Liebe und Sucht!

Andrea1984 19.01.2022 20:29

Es ist beides, würde ich sagen.

Und ein harmloses Hobby: Besser als rauchen oder saufen oder Drogen nehmen oder was anderes gefährliches.

Herzliche Grüße

Andrea

Geschichtensucher 19.01.2022 20:30

Zitat:

Zitat von el_marocco (Beitrag 1430572)

Damit hast du es auf den Punkt gebracht, Iris! Unglaublich, was mir alles durch den Kopf geht, wenn ich nach meinen Ahnen forsche, und was mir inzwischen über die Lebensverhältnisse vor langer Zeit bewusst geworden ist.
Als Kind habe ich Briefmarken gesammelt und beim Betrachten der bunten Bildchen von fernen Ländern geträumt, und jetzt sammle ich Ahnen und versuche mich, in deren Zeit zurückzuversetzen.


Ja genau, das würde mich auch interessieren: ist es bei euch auch so, dass ihr euch von klein auf für altes Zeug interessiert habt? Ahnenforschung war für mich noch nicht möglich, aber ich habe mit 8 schon einen verschlossenen Dachboden aufgekriegt, um den dort gelagerten Nachlass eines Sägewerksbesitzers, in dessen verlassenen Haus wir zur Miete lebten, durchzugucken. Alte Fotos, Buchhaltung, Kalender... und ich hatte immer Angst, mich mit Tbc anzustecken.


Mit 12 nahm ich mir Goethes Leben vor, las alles über ihn und konnte mit den anwegigsten Details glänzen... sehr uncool wirkendes Hobby, wie ihr euch denken könnt.


Ich hab auch gegraben nach alten Sachen, tatsächlich mit dem Spaten, und sogar Dinge gefunden.


WAS IST LOS mit uns?:D Warum interessiert es manche Leute so sehr und andere gar nicht?

GiselaR 19.01.2022 20:51

Zitat:

Zitat von consanguineus (Beitrag 1430548)
Ich dachte, das sei Golfspielen...

nein, essen

GiselaR 19.01.2022 20:56

Zitat:

Zitat von el_marocco (Beitrag 1430517)
........ Ist das nun Liebe, oder sollte ich besser einen Suchtberater aufsuchen? ......

Es ist eine Sucht, die den meisten hier lieb ist. Es könnte aber auch eine Krankheit sein. :virus: Und nein, suche am besten keinen Suchtberater auf, der kuriert dich am Ende noch.:nein:
LG
Gisela

sternap 19.01.2022 21:03

mein interesse für die welt von früher wurde geweckt, weil ich von einem verwandten häufig als alibi mitgenommen wurde.
offiziell ging er mit mir in den zoo, inoffiziell in eine flüchtlingsbaracke, in der sich männer sonntäglich laut anschrien wegen der deutung von ereignissen in den zwei weltkriegen oder der politik vorher. herr lorenz verließjede woche wieder weinend den raum, weil sein vater die ereignisse in stalingrad anders deutete als er...
ein besonders freundlicher und sanfter herr gestand mir, er wäre böser aufseher in einen nebenlager von auschwitz gewesen, man habe ihn verurteilt. bei der zwangsarbeit in russland wäre er von nazi zum kommunisten geworden...


es interessierte mich brennend, auf welcher seite meine eigenen vorfahren gestanden hatten.

so fing es in meiner kinderzeit an...


:wink: nur grimms märchen wollte ich nie vorgelesen bekommen. das war mir zu brutal.

Bergkellner 19.01.2022 21:25

Zitat:

Zitat von Geschichtensucher (Beitrag 1430590)
Ich hab auch gegraben nach alten Sachen, tatsächlich mit dem Spaten, und sogar Dinge gefunden.

WAS IST LOS mit uns?:D Warum interessiert es manche Leute so sehr und andere gar nicht?

Ich hatte mal einen Lehrer, der meinte, nur wer in der Gegenwart nicht zurecht käme, würde sich in die Geschichte verirren. - Nebenbei, er starb im Delirium...:evil:

Mit 10 Jahren habe ich einen Zettel über meinem Schreibtisch gepappt, auf dem stand: Man muss das Gestern kennen, um das Heute zu verstehen und das Morgen zu gestalten. Fand ich damals echt gut!
Ich habe mich seit meiner Kindheit immer für Geschichte interessiert, was meinem Großvater verdanke, der alle möglichen Geschichten aus seiner Kindheit und der Dorfgeschichte erzählen konnte.
Ich habe meinen Vater so lange genervt, bis er mir im Wald oberhalb unseren Heimatortes die Stellen zeigte, wo früher zwei Bauerngüter standen. Als er Kind war, standen dort noch die Kellermauern.

Ich wollte immer Geschichte studieren, aber da das bei uns mit NC war - und ich die falschen Eltern hatte(kein Arbeiter- oder Bauernskind), bin ich auf Philosophiegeschichte ausgewichen.
Das Größte war für mich, als ich bei einer Notgrabung in Annaberg-Buchholz mitmachen durfte. Das war während meiner Arbeit im Erzgebirgsmuseum vor meiner Studium. Bei den Ausschachtarbeiten für eine neue Garage neben der katholischen Kirche kamen Abfallplätze der Stadttöpfer zu Tage. Da die Fachleute gerade anderweitig beschäftigt waren, bekamen wir eine Einweisung, worauf zu achten war und gruben uns 14 Tage durch Brenn- und Geschirr-Reste. Danach das Reinigen der Funde und das Kartographieren...

Die Ahnenforschung ist für mich eine logische Fortsetzung meiner Geschichtsneugier. Und so hat meine Frühberentung auch etwas Gutes: ich habe endlich Zeit für das, was mir wichtig ist.

Lg, Claudia:wink:

PS: Ein gewisser Suchtfaktor ist schon dabei, andere sammeln Kronkorken oder Feuerzeuge - ich sammle Vorfahren!:):D:p

fps 19.01.2022 21:44

Um noch einmal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen:
Ich liebe diese meine Sucht!
:amen:

Und ich finde immer wieder eine Verwandtenlinie, die noch auf Bearbeitung wartet - und schon packt mich das Ahnenjagdfieber!

Dagegen helfen auch Genealogamin, Ahnirin und Co. nicht......:wink:
Wahrscheinlich müsste ich da die Antagonisten einnehmen - und die will einfach niemand entwickeln!
:nasowas:

Xtine 19.01.2022 21:58

Zitat:

Zitat von fps (Beitrag 1430613)
Dagegen helfen auch Genealogamin, Ahnirin und Co. nicht......:wink:

Was heißt hier dagegen???? Die sind doch dafür :!:!:!:!:!

Friedrich 19.01.2022 22:11

Moin fps,


Zitat:

Zitat von fps (Beitrag 1430613)
Dagegen helfen auch Genealogamin, Ahnirin und Co. nicht......:wink:
Wahrscheinlich müsste ich da die Antagonisten einnehmen - und die will einfach niemand entwickeln!


ich bin doch nicht lebensmüde!!! Ausschluss aus dem Forum wäre wahrscheinlich noch die geringste Strafe, die ich bekäme...



Friedrich

Ursula 19.01.2022 22:41

Zitat:

Zitat von Geschichtensucher (Beitrag 1430590)
ist es bei euch auch so, dass ihr euch von klein auf für altes Zeug interessiert habt?


WAS IST LOS mit uns?:D Warum interessiert es manche Leute so sehr und andere gar nicht?

Nein, ich habe mich nicht von klein auf für altes Zeug interessiert. Das fing erst in meinen 40ern an, und auch da erst, als ein "Vagant" unter den Vorfahren meiner Mutter auftauchte. Meine Schwester und ich wollten meiner Mutter einen Stammbaum zum Geburtstag schenken. Mein Vater hatte einen solchen von seiner Schwägerin bekommen. Den Stammbaum hat eher die Archivmitarbeiterin für uns gemacht, weil weder meine Schwester noch ich die alte Schrift lesen konnten, wir wussten auch nicht, wo und was wir suchen müssen. Das hat in unserem Beisein alles die sehr nette Dame für uns gemacht.
Dann kam noch die Neugier meiner Patentante, die Schwester meiner Mutter, dazu, die nun alles mögliche wissen wollte von uns, weil wir ja diesen Stammbaum verschenkt hatten. Aber wir wussten ja eigentlich gar nichts.

Ja, so fing es an, und es hat nie mehr aufgehört. Der "Vagant" war der Auslöser. Seltsamerweise habe ich den nicht weiter nachgeforscht, bis heute nicht. Ich war mit anderweitigen Ahnen beschäftigt. Aber der kommt noch dran, ganz sicher. Fertig bin ich noch lange nicht.

Meine Patentante war auch etwas auskunftswilliger als meine Mutter. Z.B. erzählte sie mir verschämt, dass ihr Vater unehelich war. Das wusste ich aber da schon durch die Archivarin. Meine Patentante empfand das als großen Makel. Oder, dass "man" sagte, sie kämen aus der Schweiz. Das interessierte mich sehr. Und nach Jahren der Forschung bestätigte sich, was "man" sagte. Ich bin sehr froh, dass ich das noch zu Lebzeiten meiner Patentante herausgefunden habe, ihr auch Fotos von dem Ort zeigen konnte, aus dem sie kamen. Ich war dort hingefahren. Sie war hocherfreut. Meine Mutter dagegen meinte nur: "So?"

Ich kann auf jeden Fall nicht mehr aufhören damit, auch wenn es manchmal Pausen gibt, ich nehme die Arbeit immer wieder auf, mit neuer Begeisterung und mit neuer Wissbegier.

Eigentlich reicht die einmalige Einnahme von Genealogamin bzw. Ahnirin. Das wirkt sehr nachhaltig, jahre-, jahrelang. Meine Schwester hat nichts davon abbekommen, sie interessiert sich nicht mal am Rande dafür. Da hat auch der Vagant nicht gewirkt. Nach der Schenkung des Stammbaums an unsere Mutter, war sie heilfroh, dass die Archivbesuche nun ein Ende haben. Ich dagegen hätte am liebsten ein Feldbett in dem Archiv aufgestellt.


LG
Uschi

Gudrid 20.01.2022 07:17

Zitat:

Zitat von Bergkellner (Beitrag 1430609)
PS: Ein gewisser Suchtfaktor ist schon dabei, andere sammeln Kronkorken oder Feuerzeuge - ich sammle Vorfahren!:):D:p

Ist doch schön:D

Als Kind habe ich einen großen uralten Zahn in der Kiesgrube gefunden, der mich unheimlich interessierte und jahrelang begleitete und den ich heute noch als Anstoß sehe, dass mich seit damals alles aus der Vergangenheit interessiert.
Als Lehrling las ich jedes geschichtliche Buch aus der Werksbücherei und im Laufe meines Lebens hatte ich immer Favoriten aus der Geschichte, von denen ich alles las, was zu bekommen war.
So glaube ich war es unvermeidlich, dass ich irgendwann zur Ahnenforschung kam, noch dazu wo man das heutzutage so schön von zuhause praktizieren kann.

Ja, es ist eine Sucht, ja ich sitze, bis da Kreuz lahm ist und die Augen tränen. Aber es ist eine schöne Sucht: Ich lerne laufend dazu, ich habe unbekannte Verwandte kennengelernt, ich habe die Wohnstätten meiner Vorfahren gefunden. Der Platz, auf dem der Hof meinen Ahnen stand, inspiriert mich unheimlich und ich besuche ihn, wenn mir danach ist und sitze einfach nur da. Vorgestern war ich zu Besuch bei einer 91 jährigen mir bisher unbekannten Verwandten, deren Großvater war mein Urgroßvater, sie konnte mir viel von ihm erzählen und wir haben anregende Stunden verbracht.

Die Ahnenforschung ist einfach eine Bereicherung in meinem Leben, anregend, aufregend, spannend, ich könnte ein Buch darüber schreiben.
Es ist eine schöne Sucht, ich hab gerne diese Sucht und ich hoffe, sie nimmt erst ein Ende mit meinem Ende.

Ich wünsch euch einen schönen Tag!

fps 20.01.2022 14:36

Zitat:

Zitat von Friedrich (Beitrag 1430624)
Moin fps,
ich bin doch nicht lebensmüde!!! Ausschluss aus dem Forum wäre wahrscheinlich noch die geringste Strafe, die ich bekäme...
Friedrich

Man lernt doch immer dazu, Friedrich!
Ich hätte nicht vermutet, dass ein Ausschluss aus dem Forum für Dich eine geringe Strafe wäre ...... 8o

fps 20.01.2022 14:37

Zitat:

Zitat von Xtine (Beitrag 1430620)
Was heißt hier dagegen???? Die sind doch dafür :!:!:!:!:!

Bingo! :D:D:D:D:D

Svenja 21.01.2022 22:56

Hallo

Zitat:

Und das Allgäu, die Heimat meiner Ahnen, möchte ich demnächst auch mal besuchen. Dort soll es sehr schön sein. Das lohnt sich auf jeden Fall!
Ich begebe mich auch sehr gerne auf Reisen auf den Spuren meiner Vorfahren. Durch das Allgäu bin ich zuletzt im Februar 2019 gefahren auf dem Weg nach Peiting. Damals wusste ich allerdings noch nicht, dass ein Grossteil meiner bayerischen Vorfahren aus dem Ostallgäu kam. Da meine Vorfahren in jeder Generation den Wohnort gewechselt haben, muss ich bei meiner nächsten Reise durch das Ostallgäu an vielen Orten eine Pause einlegen. Über meine aktuelle Forschung im Westallgäu habe ich bereits in einem anderen Thread berichtet.

Inzwischen habe ich mich wieder meinen Vorfahren aus der Ostschweiz zugewandt. Im letzten Sommer war ich auf deren Spuren im Toggenburg im Kanton St. Gallen unterwegs. Obwohl ich Schweizerin bin, war das für mich eine fast unbekannte Gegend, wo ich viel Interessantes entdeckt habe. Zudem habe ich gestern einige online einsehbare Ortschroniken zu Orten meiner Vorfahren aus dem Kanton Thurgau aufgestöbert. Bin schon gespannt was ich da alles Neues erfahren werde.

Gruss
Svenja


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 23:12 Uhr.

Powered by vBulletin® Version 3.8.8 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2022, vBulletin Solutions, Inc.